Radio Vatikan Archiv

Verehrte Internet-Benutzer und Benutzerinnen! An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Mittwoch, 27. Mai 1998 bis Freitag, 29. Mai 1998.

 

V A T I K A N

Auf Einladung Papst Johannes Pauls II. tagen seit dem 27. Mai die Delegierten von über fünfzig neue geistliche Bewegungen in Rom. In seinem Grußwort bekundete der Papst erneut seine Unterstützungsbereitschaft für die Gemeinschaften. In dem Programm zu dem Weltkongreß spiegele sich das Engagement der Bewegungen wider, die durch die Kraft des Heiligen Geistes neuen Schwung in die gesamte Kirche bringen sollten, so Johannes Paul II. Vor allem dort, wo es an kirchlichen Einrichtungen mangele, käme den Bewegungen besondere Bedeutung zu. Der Papst sieht die Intention des Treffens darin, sich untereinander über die theologische Natur der einzelnen Gemeinschaften und über allgemeine Erfahrungen auszutauschen. Am 28. Mai stand das Thema der Mission im 3. Jahrtausend auf dem Programm des Kongresses. Höhepunkt der Veranstaltung wird ein Treffen von über 100.000 Teilnehmern mit dem Papst auf dem Petersplatz am Samstag vor Pfingsten sein.

Der Vatikan und die al-Azhar-Universität von Kairo, die höchste Lehrautorität im sunnitischen Islam, haben am 28. Mai im Vatikan ein Dokument unterzeichnet, das die Einrichtung einer ständigen Kommission vorsieht, die den Dialog zwischen Christentum und Islam fördern soll. Die Ratifizierung des Vertrages nach vierjährigen Verhandlungen wird als Meilenstein in den Beziehungen zwischen Moslems und Christen betrachtet. Der päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog unterhält zahlreiche Kontakte zur islamischen Welt, und es bestehen bereits einige Vereinbarungen zur Zusammenarbeit zwischen christlichen und muslemischen Institutionen, so z. B. zwischen der päpstlichen Universität Gregoriana und der Universität von Teheran. Am 29. Mai bezeichnete Papst Johannes Paul II. das neue Dialog-Komitee zwischen dem Vatikan und der islamischen Universität in Kairo als weiteren Schritt für den Aufbau starker und freundschaftlicher Beziehungen.

Papst Johannes Paul II. hat am 28. Mai anläßlich eines Empfangs von elf neuen Botschaftern an alle Nationen appelliert, Kriege und Massaker nicht mehr zuzulassen, die den Menschen und die Menschheit schlecht dastehen lassen. Es sei immer die Bevölkerung, die unter solchen Konflikten leide, so der Papst gegenüber den Repräsentanten aus Afrika, Jordanien, Andorra und Lettland. Des weiteren äußerte sich Johannes Paul zum Thema der Auslandsverschuldung und den damit verbundenen verheerenden Folgen für die Ärmsten sowie zum Friedensprozeß im Nahen Osten, dessen Scheitern eine Katastrophe wäre, so der Papst.

Papst Johannes Paul II. will sich Mitte Juni mehrmals mit kubanischen Bischöfen treffen, um Klarheit darüber zu erhalten, ob die Kirche auf Kuba nach seinem Besuch Ende Januar größere Freiheiten hat als vorher. Die Lateinamerikanische Wirtschaftskommission hat derweil ein positives Urteil über Kuba gefällt. Die Insel habe sich trotz Wirtschaftsembargos sowie der Wirtschaftskrise behaupten können.

Die wegen des Mordes am Schweizer Garde-Kommandanten Alois Estermann verschobene Vereidigung der neuen Rekruten soll am 28. Juni stattfinden. Die Feier wird im Rahmen einer einfachen Zeremonie im Ehrenhof des Quartiers abgehalten.

 

D E U T S C H S P R A C H I G E R R A U M

Deutschland

Die katholische, die protestantische und die orthodoxe Kirche haben sich in einem am 27. Mai veröffentlichten gemeinsamen Aufruf gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ausgesprochen. Die Schrift, die anläßlich der vom 27. September bis 3. Oktober stattfindenden bundesweiten "Woche des Ausländischen Mitbürgers" verfaßt wurde, spricht sich deutlich gegen eine "Stammtischmentalität" aus, die "uns einreden will, daß Ausländer und Migranten nur auf unsere Kosten leben und Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen". Notwendig sei hingegen die Integration in kultureller, sozialer und rechtlicher Hinsicht, so die Vertreter der Kirchen übereinstimmend.

 

E U R O P A

Serbien

Nach Angaben des UNO-Flüchtlingskomissariats in Genf wird die Versorgungslage im Kosovo immer schlechter. So seien in den vergangenen Tagen Lastwagenkolonnen mit Hilfsgütern wiederholt von Serben beschlagnahmt und abtransportiert worden, vor allem in der Gegend um Pristina. Zahlreiche Einwohner flüchteten bereits nach Montenegro.

Griechenland

Die Versuche der Behörden, den Einfluß des orthodoxen Christentums zurückzudrängen, nehmen immer mehr zu. Dennoch scheiterte jetzt der Plan des Erziehungsministeriums, den Religionsunterricht in den Schulen auf eine Stunde pro Woche zu beschränken, am Einspruch des Staatsrates, der dies als nicht verfassungskonform betrachtet.

Rußland

Auf einer Konferenz in Moskau wird derzeit über Schritte gegen den Einsatz von Anti-Personen-Minen beraten. Das Treffen geht auf eine Initiative der Bewegung "Ärzte gegen den Atomkrieg" zurück, und etwa 100 Delegierte der Konferenz unabhängiger Staaten sowie baltischer Länder nehmen an den Beratungen teil. Vor allem über politische, militärische und humanitäre Lösungen soll diskutiert werden.

 

A S I E N

Israel

Die Regierung hat erklärt, daß Jerusalem für immer die Hauptstadt Israels bleibe und den Gläubigen aller Religionen jederzeit der freie Zugang zu ihren heiligen Stätten garantiert werde. Mit dieser Äußerung reagierte man auf einen Vorschlag Papst Johannes Pauls II., durch internationale Garantien den einzigartigen und heiligen Status Jerusalems formal anzuerkennen.

Pakistan

Nachdem das Land mit den vergangenen Atomtests seine atomare Streitfähigkeit unter Beweis gestellt hat, wird jetzt die Frage diskutiert, ob die Atombombe als mögliche religiöse Waffe in der Nahost-Krise eingesetzt werden könnte. Stimmen wurden laut, die forderten, daß die arabische Welt Pakistan unterstützen solle, um den Feindseligkeiten des Westens gegenüber den Moslems entgegenzutreten und ein Gleichgewicht gegenüber Israel zu schaffen. Viele befürchten nun, daß die Lage in Nahost noch unsicherer werden könnte, da sich Isreal in die Enge getrieben fühlen könnte.

China

Kirchenführer in Hongkong und ganz China würden einen Besuch des Papstes in ihrem Land begrüßen. Man hoffe sehr, daß sich eine Visite 1999 ermöglichen lasse, glaube aber, daß es aufgrund vieler Schwierigkeiten kaum durchführbar sein werde, so der Weihbischof in Hongkong, John Tong Hon. Auch Mitglieder der vor kurzem zuende gegangenen Asien-Synode hatten dem Papst eine solche Reise vorgeschlagen.

Nordkorea

Seit 1952 durften jetzt zum ersten Mal zwei Ordensfrauen offiziell in das Land einreisen. Sie werden als Krankenschwestern die Mitarbeiter einer entstehenden Atomzentrale betreuen. Bislang halten sich weder Priester noch Ordensleute im Land auf.

Philippinen

Eine protestantische Religionsgemeinschaft hat jetzt erstmals eine Frau in das aus fünf Bischöfen bestehende Führungsgremium gewählt. Die Gemeinschaft der "United Church of Christ", die vor fünfzig Jahren entstand, soll etwa eine Million Mitglieder zählen.

 

A M E R I K A

Mexiko

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz kann ab sofort wieder die Arbeit im Krisengebiet von Chiapas aufnehmen. Ein dementsprechendes Dokument unterzeichnete die Organisation am 28. Mai mit der Regierung, die ihr zuvor die Arbeit untersagt hatte, da man sie verdächtigt hatte, mit den zapatistischen Rebellen zusammenzuarbeiten.

Kuba

Der Erzbischof von Miami, John Savarola, ist am 27. Mai auf Kuba eingetroffen, um dort im Auftrag der Kirche humanitäre Hilfslieferungen zu koordinieren. Der erste Flug mit US-Hilfgütern nach Kuba war wegen technischer Schwierigkeiten ausgesetzt worden. Nach Angaben der Erzdiözese Miami sollte das betreffende Flugzeug Medikamente und andere Güter im Wert von etwa 3,8 Millionen Mark an die kubanische Caritas liefern.

Guatemala

Bischof Mario Rios Montt ist zum neuen Leiter des Menschenrechtsbüros ernannt worden und tritt damit die Nachfolge des ermordeten Bischofs Juan Gerardi an. Montt ist ein weithin respektierter Kirchenmann, und seine Ernennung wurde auch von Menschenrechtsgruppen begrüßt, da man nicht damit rechnet, daß sich die Menschenrechtspolitik der Kirche mit dem neuen Leiter verändern wird.

Brasilien

Die Lage in der von einer Dürre betroffenen Region im Nordosten des Landes spitzt sich immer mehr zu. Während die Kirche eine Hilfsaktion startete, um die Katasrophenregion, die mehrfach so groß ist wie Deutschland, zu unterstützen, will die Regierung mit Waffengewalt gegen die Hungernden vorgehen, da diese aus Verzweiflung immer wieder Supermärkte, staatliche Vorratslager und Schulküchen plündern. Die Presse gelangte jetzt an ein Regierungsdokument aus dem September des letzten Jahres, in dem bereits vor den schweren Konsequenzen der sich abzeichnenden Katastrophen gewarnt und Präventivmaßnahmen vorgeschlagen wurden. Da aber daraufhin nichts unternommen wurde, will man gegen die verantwortlichen Regierungsmitglieder ein Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung und Fahrlässigkeit anstrengen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Lucas Moreira Neves, hat sich derweil von den Plünderungen durch Hungernde distanziert. Einige Bischöfe hätten dies zwar gutgeheißen, so Neves, aber das bedeute keine Unterstützung für geplante Plünderungen durch organisierte Gruppen.

Bolivien

Kirchen und Pfarreien aus Frankreich, Deutschland und Dänemark haben den Erdbebenopfern in dem lateinamerikanischen Land materielle und finanzielle Hilfe zukommen lassen. Die Verteilung der Hilfsmittel übernimmt die örtliche Caritas, so ein Sprecher der Hilsorganisation am 27. Mai.

Vereinigte Staaten

Einem am 26. Mai im Weißen Haus veröffentlichten Bericht zufolge hat Rußland bislang das neue Religionsgesetz, das die nichttraditionellen Religionen benachteiligt, nicht angewandt. Bill Clinton betonte, daß finanzielle Hilfen für Moskau nur bereitgestellt würden, wenn die russischen Behörden die internationalen Bestimmungen zur Religionsfreiheit einhalten.

Vereinigte Staaten

Der Erzbischof von New York, Kardinal John O'Connor, hat einen Gesetzentwurf kritisiert, nachdem außereheliche Gemeinschaften den ehelichen gleichgestellt werden sollen. Zur Begründung griff der Kardinal unter anderem die Worte Papst Johannes Pauls II. auf, wonach einzig die Familie die Keimzelle der Gesellschaft sei. Nicht nur die Kirche verteidige die Institution Ehe, sondern die gesamte westliche Gesellschaft, so O'Connor.

 

 

Hinweise auf unser Wochenprogramm

Freitag: Prisma-Magazin

Samstag: Wochen-Kommentar von Dr. Erhard Busek und "Wenn ich beten könnte" von Hans Schaller SJ

Sonntag: Kardinal Joachim Meisner, Köln: Die frohe Botschaft

des Pfingst-Festes

Montag: Weltkirchen-Magazin

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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan-Nachrichten: Dienstag, 02. Juni 1998

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