Radio Vatikan Archiv

Verehrte Internet-Benutzer und Benutzerinnen! An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Mittwoch, 20. Mai 1998 bis Freitag, 22. Mai 1998.

 

V A T I K A N

Papst Johannes Paul II. hat sich am 21. Mai mit einer Botschaft an die derzeit im Vatikan tagenden italienischen Bischöfe gewandt. Die Sorge des Papstes gilt demnach vor allem dem Problem der Arbeitslosigkeit, dem Wohlergehen der Familie sowie der Schulbildung. Italien möge in Zukunft mehr aus seinem religiösen und kulturellen Schatz schöpfen und im christlichen Glauben seinen Beitrag zur Gemeinschaft leisten, erklärte der Papst vor der 44. Jahresvollversammlung des Episkopats. Die Christen müßten angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen neue Formen der Hilfe für die Armen und die Jugend finden. Zum neuen bischöf-lichen Fernsehen meinte der Papst, daß die Kirche damit ein wichtiges Instrument für die Evangelisierung und geistige Formung des Menschen in Betrieb genommen habe.

Papst Johannes Paul II. hat am 21. Mai eine Gruppe amerikanischer Bischöfe aus Michigan und Ohio in Audienz empfangen. Im Vordergrund der Gespräche stand das in den USA heftig diskutierte Thema Frauenordination. Der Papst forderte die Bischöfe eindringlich auf, die Gläubigen darüber aufzukären, warum die Kirche gegen das Frauenpriestertum sei. Es handle sich um ein Geschenk Gottes, das von der Kirchenführung nicht eingefordert werden könne und auch nicht als Machtmittel zu sehen sei. Das Priesteramt müsse vielmehr als Dienst in und für die Kirche verstanden werden, so der Papst.

Papst Johannes Paul II. hat am 22. Mai eine mazedonische Delegation empfangen und ihr Bekenntnis zu den Idealen von Einheit und Solidarität gelobt. Verschiedene Kulturen und Traditionen könnten durchaus ein Erbe bilden und sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden, so der Papst. Friede könne Wirklichkeit werden, wenn man die Würde einer jeden Nation respektiere und Nächstenliebe und Gerechtigkeit praktiziere. Am Rande der Audienz wurde aus Serbien bekannt, daß zum ersten Mal Direktgespräche über die Zukunft der Unruheprovinz aufgenommen wurden.

Der Apostolische Stuhl hat die indische Regierung dazu aufgerufen, die Atomtests zu beenden. Pressesprecher Joaquin Navarro Valls erklärte, das sei die Voraussetzung für die Nichtverbreitung und Abrüstung von Atomwaffen.

Anläßlich ihrer Frühjahrsvollversammlung haben die italienischen Bischöfe am 21. Mai an einer Gebetswache "Für das Leben" teilgenommen. Sie wollten damit auf die negativen Auswirkungen von Schwangerschaftsabbrüchen auf die Gesellschaft aufmerksam machen.

Papst Johannes Paul II. hat bei einer Audienz für italienische Lebensschützer dazu aufgerufen, sich für eine Revision des Abtreibungsrechts einzusetzen. Es sei legitim, ein Gesetz abzuschaffen, dem in Italien in zwanzig Jahren über dreieinhalb Millionen Ungeborene zum Opfer gefallen seien, so der Papst.

 

D E U T S C H S P R A C H I G E R R A U M

Deutschland

Papst Johannes Paul II. hat den Generalvikar der Diözese Fulda, Ludwig Schick, zum Weihbischof des Bistums ernannt. Der 50-jährige Schick war bisher Professor für Kirchenrecht, verant-wortlich in der Priesterausbildung und ökumene-Referent.

österreich

Bundespräsident Thomas Klestil hat sich im Vorfeld des Papstbesuches für eine Partnerschaft zwischen Staat und Kirche ausgesprochen. Das Land kenne seit vielen Jahren die Trennung von Kirche und Staat. Er selbst halte den Begriff Trennung für unpräzise und bevorzuge den Terminus Partnerschaft, so Klestil.

Schweiz

Der Weltkirchenrat hat sich in einer Konferenz, die am 20. Mai begonnen hat, mit den Spannungen zwischen den Kirchen aus-einandergesetzt. Kontroversen bestehen vor allem zwischen der orthodoxen Ostkirche und den reformierten Kirchen in Fragen der Frauenordination und Abtreibung. Darüberhinaus kritisieren die Orthodoxen die Stellungnahmen der westlichen Kirchenvertreter zur Homosexualität. Aufgrund der bestehenden Spannungen haben bereits einige Ostkirchen erklärt, nicht an gemeinsamen Gottesdiensten auf der achten Vollversammlung des Weltkirchenrates im Dezember in Simbabwe teilnehmen zu wollen.

 

E U R O P A

 

Italien

Auf der 21. Konferenz der europäischen Rabbiner in Mailand erklärte Lord Yaakobowitz am 21. Mai, die größte Gefahr für das Judentum bestehe darin, daß man die jüdische Identität vergesse. Bei dem Treffen sprach man des weiteren über Themen wie Konversion zum Judentum, Zuständigkeit der jüdischen Gerichte und das Verhältnis zu den Laien. Besorgt zeigte man sich allgemein über die Lage der Juden in Rußland. Weil es in der öffentlichkeit eine Atmosphäre der Ausländerfeindlichkeit, des Nationalismus und des latenten Antisemitismus gebe, erhoffe man sich von den deutschen Kirchen demnächst ein klares Wort gegen die Versuche, die aus Rußland kommenden Juden missionieren zu wollen.

Frankreich

Vertreter des französischen Episkopats haben angesichts der kurz bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft die Befürchtung geäußert, daß Tausende zwar die Spiele verfolgen, die Gotteshäuser hingegen leer bleiben werden. Der Fußball übernehme häufig die Funktion einer Ersatzreligion, so der Erzbischof von Amiens, Jaques Noyer. Die Kirche stehe längst nicht mehr im Zentrum der Gesellschaft. Man hat deshalb aus Anlaß der Fußball-WM eine Internet-Seite eingerichtet, um Werbung für christliche Radiosender und mehrsprachige Gottesdienste zu machen. Die Kirche solle sich des Erfolges des Weltjugendtags aus dem vergangenen Jahr erinnern, so der Bischof. Niemand solle den Eindruck bekommen, das Land gleiche einer religiösen Wüste.

 

Rußland

In der ehemaligen atheistischen Sowjetunion werden mittlerweile regelmäßig religiöse Programme ausgestrahlt, die jedoch nicht einhellig positiv beurteilt werden. Eine vom Moskauer Patriar-chat gegründete orthodoxe Informationsagentur (PITA) strahlt einmal wöchentlich über den Kanal "Ort" eine religiöse Sendung aus, in der oftmals der Metropolit Kyrill von Smolensk mitwirkt. Ziel soll es sein, so der Programmdirektor, die Beziehungen zwischen Kirche und Fernsehen neu zu ordnen. Der Sender, den vor allem nachts bis zu 20 Prozent der Zuschauer einschalten, berichtet aus Klöstern und Kirchen. Journalisten beurteilen die Inhalte der Sendungen eher kritisch. Sie seien wenig profes-sionell, zu moralisierend und teilweise ultrarechts.

Rußland

Vertreter von sechs Konfessionen und Religionen haben am 20. Mai ein schärferes Vorgehen von Verwaltung und Justiz gegen Angriffe auf religiöse Einrichtungen gefordert. Mitglieder der orthodoxen, armenischen und katholischen Kirche sowie Muslime, Juden und Buddhisten sahen sich zu dem Schritt veranlaßt, nachdem es in letzter Zeit immer häufiger zu Gewalttaten gegen religiöse Einrichtungen und Persönlichkeiten gekommen war.

Rußland

Die orthodoxe Kirche hat das im Frühjahr neu eingeführte Ausweis-System des Landes als "Zeichen des Anti-Christen" gebrandmarkt. Der Synod der Kirche forderte am 19. Mai die Regierung auf, das System wieder abzuschaffen, da viele Gläubige in ihrer Ausweisnummer das in der Apokalypse prophezeite "Zeichen des Anti-Christen" erfüllt sähen. Vergleichbar ist das neue System mit den Sozialversicherungsnummern in den Vereinigten Staaten.

 

A S I E N

Palästina

Eine US-amerikanische Untersuchungskommission ist jetzt zu dem Ergebnis gekommen, daß Christen die unter dem palästinensischen Autonomiegesetz leben, nicht unter Verfolgungen zu leiden haben. Christliche Lehrer und Journalisten waren 14 Tage lang Hinweisen darauf nachgegangen, die pro-israelische Gruppen gegeben hatten.

China

Nach Presseberichten vom 22. Mai ist in Peking ein Zentrum für das Studium des Christentums eingerichtet worden. Dachorganisation ist die Pekinger Akademie für Sozialwissenschaften.

Indonesien

Am 21. Mai ist Präsident Suharto unter dem Druck der öffentlichkeit zurückgetreten. Nachfolger ist der bisherige Vize-Präsident Habibi. Informationen darüber, wie das neue Kabinett aussehen soll oder ob die Unruhen in Djarkata damit beendet sind, liegen derzeit noch nicht vor. Der Bischof von Dili auf Ost-Timor, Carlos Belo, reagierte mit vorsichtigem Optimismus auf den Rücktritt. Einige Stimmen aus der Kirche wurden jedoch laut, die befürchten, daß es demnächst weniger Katholiken unter den Ministern geben könnte. Der Oppositionsführer Rais hatte vor kurzem noch kritisiert, daß im Kabinett zu viele Katholiken säßen.

Israel

Die Vereinigung der ultraorthodoxen Juden hat eine Aktion gestartet, um die Einhaltung des Sabbath zu verteidigen. Aufkleber mit der Aufschrift "Ich achte den Sabbath" wurden bereits verteilt. Ähnliche Hinweisschilder sollen demnächst auch in Geschäften und Restaurants verteilt werden.

Israel

Der Oberste Gerichtshof des Landes hat mit einer Anhörung begonnen, bei der der Vorwurf der Folter durch Sicherheitskräfte geprüft werden soll. Sechs Menschenrechtsorganisationen hatten den Antrag auf eine Untersuchung gestellt, nachdem mehrere Palästinenser in Verhörzellen der Sicherheitspolizei gestorben waren.

Afghanistan

Unter dem Taliban-Regime nehmen öffentliche HInrichtungen und Gliedamputationen immer mehr zu. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International teilte mit, die "Prozesse" dauerten oft nur wenige Minuten, ohne daß den Angeklagten eine Chance zur

Verteidigung gegeben werde.

 

A U S T R A L I E N

In Westaustralien ist zukünftig die Abtreibung erlaubt, wenn die Schwangere den Eingriff bei den staatlichen Behörden beantragt. In den restlichen Bundesstaaten des Kontinents ist die Abtreibung bislang noch gesetzlich verboten.

 

A F R I K A

Algerien

Bei einem Attentat kamen am 22. Mai in einem Vorort von Algier erneut 13 Personen um, 30 wurden verletzt. Der Vorsitzende des Verbandes für Opfer des Terrors, Cherifa Keddar, der mittlerweile aus Algerien geflohen ist, teilte mit, die Regierung mache im Kampf gegen den Terror keinerlei Fortschritte.

 

Ägypten

Der Apostolische Stuhl will mit der islamischen Al-Azhar-Universität von Kairo einen Vertrag über die Zusammenarbeit in bestimmten Bereichen unterzeichnen. Termin der Unterzeichnung ist der 28. Mai.

Sudan

Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen behindern die Maßnahmen der Hilfsorganisationen im vom Hunger bedrohten Süden des Landes. Helfer sähen sich gezwungen, die Hilfsstationen zu evakuieren und Zehntausende ohne dringend benötigte Nahrungsmittel zurückzulassen, so Vertreter der Regierung.

Nigeria

DIe katholischen Bischöfe des Landes fordern in einem jetzt veröffentlichten Dokumnet die Regierung auf, sich aktiv für eine nationale Wiederversöhnung einzusetzen. Die Bischöfe beklagen die schwierige gesellschaftliche und politische Lage des Landes und den Beitritt zur islamischen Konferenz.

Kongo

Rund dreißig Menschen sind am 16. Mai in der Region von Goma ermordet worden. Unter den Toten befindet sich auch ein Belgier.

 

A M E R I K A

Mexiko

Der Staat will in Zukunft die von der "Päpstlichen Universität" angeboteten Studiengänge anerkennen. Betroffen von der Neuregelung sin dzunächst die Fakultäten ZIvilrecht, Philosophie und Theologie. Die Universität hat erst 1982 wiederihren Betrieb aufgenommen, nachdem sie zuvor von der kirchenfeindlichen Regierung geschlossen worden war.

Kolumbien

Hilfswerke und Menschenrechtsorganisationen haben eine Schweige-minute vor dem Fußballspiel zwischen Deutschland und Kolumbien für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen gefordert. In einem Schreiben der Organisationen an den DFB-Präsidenten Egidius Braun heißt es, es gäbe täglich zehn Opfer politischer Morde in Kolumbien und im vergangenen Jahr seien mehr als 250.000 Menschen gewaltsam vertrieben worden.

Kolumbien

Kirchliche Hilfswerke haben am 19. Mai gegen die Stürmung des Büros der Menschenrechtsorganisation "Justitia et Pax" in Bogota

protestiert. Die Aktion erfolgte unter dem Vorwand, es gäbe Hinweise darauf, daß die Kirche mit der Guerilla zusammenarbeite. Bei den Durchsuchungen wurde vertrauliches Material entwendet.

Peru

Die katholischen Bischöfe haben die seit Anfang der neunziger Jahre proklamierte Kampagne für die Geburtenkontrolle als "Geißel" bezeichnet. Etwa 100.000 Frauen und Männer hätten sich seitdem steriliseren lassen. Da davon vor allem die Landbevölke-rung der Anden betroffen sei, könne man durchaus von einer "ethnischen Säuberungsaktion" sprechen, so der Bischof von Huaraz, Eduardo Velasquez.

Brasilien

DIe Kirche hat der Regierung vorgeworfen, für den Mord an einem der wichtigsten Indio-Führer verantwortlich zu sein. Der Aktivist war am 20. Mai bei einem Hinterhalt in Pernambuco ums Leben gekommen. Die Zahl der in Präsident Enrique Cardosos Amtszeit ermordeten Indio steigt damit auf 44 an.

Vereinigte Staaten

Führende bosnische Religionsvertreter haben in einer in New York am 20. Mai veröffentlichten Erklärung zu größerer Toleranz gegenüber bosnischen Flüchtlingen und zur Mithilfe beim Aufbau eines multiethnischen Staates aufgerufen. Das Land sei nach drei Jahren des Krieges immer noch tief gespalten, beklagten katholische, muslimische, orthodoxe und jüdische Vertreter. Toleranz und Dialog seien zur Lösung der Probleme unabdingbar, betonte Kardinal Vinko Puljic von Sarajevo. Die Menschen müßten daran glauben, daß ein gemeinsamer Weg möglich sei, der zu einer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft führe, erklärte der Führer der muslemischen Gemeinschaft.

Vereinigte Staaten

Die Bischofskonferenz hat sich dafür ausgesprochen, Henriette Delille, eine Schwarze, selig zu sprechen. Delille, die eine Ordensgemeinschaft für schwarze Frauen gegründet hat und sich um die Belange der Sklaven kümmerte, wäre die erste schwarze Selige in den USA.

Hinweise auf unser Wochenprogramm

Freitag: Prisma-Magazin

Samstag: Wochen-Kommentar von Dr. Erhard Busek und "Wenn ich beten könnte" von Hans Schaller SJ

Sonntag: Menschen in der Zeit - Aldo Parmeggiani im Gespräch mit Horst Tappert

Montag: Weltkirchen-Magazin

Man hört Radio Vatikan:

täglich 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr

auf Mittelwelle 1530 kHz und auf den

Kurzwellen-Frequenzen: 5880, 7250, 9645 kHz

Über Radio Campanile. Im Kabel und auf Tonunterträger von

DSF um 16.15 Uhr 19.10 Uhr

Vier-Monatsprogramm kann angefordert werden bei:

Winfried Aufterbeck, Wiesenstr. 9a, D-40878 Ratingen

Tel. 0 21 02 / 2 30 31, Fax: 0 21 02 / 2 14 13

Für die Internet-Nachrichten verantwortlich:

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Redaktion dieser Ausgabe: Verena Schlinkert

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Post: Radio Vatikan - sezione tedesca, I-00120 Città del Vaticano

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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan-Nachrichten: Dienstag, 26. Mai 1998

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