Radio Vatikan Archiv

Verehrte Internet-Benutzer und Benutzerinnen! An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Mittwoch, 13. Mai 1998 bis Freitag, 15. Mai 1998.

V A T I K A N

Am 13. Mai, einen Tag vor Ende ihrer Beratungen auf der Asiensynode, haben sich die Bischöfe mit ihren Ergebnissen und Anliegen an die öffentlichkeit gewandt. Hinsichtlich kirchlicher Fragen stellten die Bischöfe heraus, daß man den interreligiösen Dialog pflegen und auch in der Liturgie den Kulturen vor Ort Rechnung tragen wolle. Die Laien und in besonderem Maße auch die Frauen seien aufgefordert, an der Mission Christi aktiv teilzunehmen. Aufsehen erregte der libanesische Erzbischof von Balbeck, Salim Bustros, der eine stärkere Dezentralisierung der Kirche forderte. Die asiatischen Würdenträger formulierten darüberhinaus auch politische Forderungen, so z.B. die Aufhebung des Embargos gegen den Irak oder die Einschränkung der Rüstungsindustrie. Zudem wurde betont, daß der heilige Charakter der Stadt Jerusalem erhalten bleiben müsse.

Der vatikanische Außenminister, Jean-Louis Tauran, hat sich am 13. Mai zu den Schwerpunkten der vatikanischen Außenpolitik geäußert. Tauran erhofft sich in Zukunft viel von den Katholiken in China und wünscht sich eine Verbesserung der diplomatischen Beziehungen zur Volksrepublik. Des weiteren seien in Kuba, auch bezüglich der Beziehungen zu den USA, die Fortschritte nach dem Papstbesuch unübersehbar. Für den Nahen Osten hofft der Erzbischof, daß der Friedensprozeß vorankomme. Schließlich hält Tauran derzeit eine Reise des Papstes nach Jerusalem für ausgeschlossen.

Mit einem feierlichen Gottesdienst im Petersdom ist am 14. Mai die vierwöchige Arbeit der Asiensynode zuende gegangen. In seiner Predigt äußerte Papst Johannes Paul II. die Hoffnung auf eine öffnung Chinas, die es den Katholiken erlauben sollte, engeren Kontakt mit der Universalkirche zu unterhalten. Der Papst bedauerte besonders, daß es den beiden eingeladenen chinesischen Bischöfe nicht gestattet wurde, an den Beratungen teilzunehmen.

Papst Johannes Paul II. will im nächsten Jahr nach Asien reisen, um die Ergebnisse der Synode selbst vorzustellen. Die Bischöfe haben mehrheitlich dafür gestimmt, daß der Papst mehrere Orte besuchen sollte, auf jeden Fall aber Kalkutta.

Die Menschenrechtsorganisation "African Rights" hat an Papst Johannes Paul II. appelliert, einer möglichen Verwicklung von Priestern in den ruandischen Völkermord von 1994 auf den Grund zu gehen. Die Organisation glaubt, daß Bischöfe, Priester und Ordensleute nicht nur mit den Mördern sympathisiert, sondern auch selbst an den Massakern teilgenommen haben.

Der "Haustheologe" des Vatikans, Gino Concetti, hat gegenüber dem "Osservatore Romano" die neue Biopatent-Richtlinie des Europa-parlaments bemängelt, da es den menschlichen Embryo zu wenig schütze. Es handle sich um ein menschliches Wesen mit Recht auf Leben, und es reiche nicht, die industrielle und kommerzielle Nutzung des Embryos zu verbieten.

D E U T S C H L A N D

Deutschland

Das bischöfliche Hilfswerk Misereor hat die internationale Staatengemeinschaft aufgefordert, Indien nach den letzten Atomtests nicht völlig zu isolieren. Der Indien-Referent der Organisation, Ulrich Dornberg, sieht die Gefahr, daß diese Maßnahme nur fundamentalistische Kreise innerhalb Indiens stärken würde. Sowohl Misereor als auch die katholische und anglikanische Kirche des Landes verurteilten die Tests einhellig.

E U R O P A

Italien

Papst Johannes Paul II. hat den Rat "Cor unum" damit beauftragt, die karitativen Aktionen in dem von Erdrutschen heimgesuchten Kampanien zu koordinieren. Er würdigte alle zivilen und militärischen Hilfskräfte und forderte auch die Bevölkerung zur Mithilfe auf.

Großbritannien

Der Vorsitzende des vatikanischen ökumene-Rates, Edward Cassidy, hat am 12. Mai erklärt, das Schreiben des Vatikan zum Holocaust sei kein abschließendes Urteil und bedürfe der weiteren Untersuchungen. Erst dann könne eine endgültige Einschätzung des Verhaltens Pius XII. erfolgen.

Irland

Der protestantische Primas, Robin Eames, hat betont, daß Christen bei der Abstimmung über den Friedensplan für Nordirland am 22. Mai ihrem Gewissen folgen müßten. Anläßlich der Eröffnung der Generalsynode der "Church of Ireland" verurteilte er diejenigen Gruppen, die die Befürworter des Abkommens als Christen und dessen Gegner als Nicht-Christen bezeichnen.

Rumänien

Die orthodoxe Kirche hat sich gegen eine Gesetzesänderung ausgesprochen, nach der homosexuelle Praktiken nicht mehr unter Strafe gestellt werden. Die Regierung hatte mit diesem Entwurf dem langjährigen Druck internationaler Organisationen nachge-geben. Zuvor wurden Beziehungen zwischen Homosexuellen mit Gefängnisstrafen von bis zu fünf Jahren bestraft. Bischof Teofan warnte das Parlament davor, den Gesetzesentwurf anzunehmen, da er nicht dem Willen der Wählerschaft entspreche.

Russland

Auf die Synagoge einer tradionellen Gemeinde in Moskau ist am 13. Mai ein Anschlag verübt worden, bei dem das Gebäude schwer beschädigt wurde. Während Führer der Gemeinde Neonazis der Tat verdächtigen, meinen Kommunistenvertreter, hinter dem Anschlag stehe die wachsende Aversion gegen den jüdischen Einfluß in der Regierung. Führer der orthodoxen Christen und des Islam verurteilten am 15. Mai den Anschlag auf die Synagoge. Nichts könne diese Tat rechtfertigen, betonte man einhellig.

Ex-Jugoslawien

Die serbisch-orthodoxe Kirche will in Kürze die Lage im Kosovo mit dem Präsidenten der Jugoslawischen Föderation erörtern. Die Kirche habe sich bislang mit ihrer Meinung zurückgehalten, verfolge aber dennoch die politischen Entwicklungen dieser Region mit wachsender Besorgnis.

A S I E N

Pakistan

Ein Gericht in Multan hat am 12. Mai entschieden, daß das Todesurteil gegen den wegen Blasphemie verurteilten Christen, Ayub Masih, zunächst ausgesetzt wird. In der vergangenen Woche hatte sich Bischof John Joseph aus Protest gegen das Blasphemie-gesetz und die geplante Hinrichtung Masihs das Leben genommen.
Im Juni soll eine Neuverhandlung des Falles stattfinden. Am 15. Mai haben die Christen landesweit mit Gebet und Fasten gegen das Blasphemiegesetz protestiert. Sie drücken damit gleichzeitig ihre Trauer über den Tod Bischof Josephs aus. Am Rand der Aktionen kam es zu Unruhen, auf die die Polizei mit Schlaggstöcken und Tränengas reagierte. Einzelne Stimmen sprechen mittlerweile davon, daß es sich bei dem Tod Josephs nicht um Selbstmord gehandelt hat. Bei dem Vorfall waren keine Zeugen anwesend. Derzeit ist es nicht möglich, den Vermutungen darüber weiter nachzugehen.

China

Die Regierung der Volksrepublik hat erklärt, unter bestimmten Bedingungen diplomatische Beziehungen zum Vatikan aufnehmen zu wollen. Voraussetzung sei, daß der Vatikan seine Beziehungen zu Taiwan abbreche und sich nicht in die inneren und religiösen Angelegenheiten des Landes einmische.

Indonesien

Viele Ausländer verlassen die Hauptstadt Jakarta, in der seit dem 12. Mai Straßenkämpfe und Anarchie herrschen. Mehr als 250 Menschen kamen am 15. Mai bei Plünderungen im Zentrum der Stadt ums Leben, in die Präsident Suharto zunächst zurückgekehrt

ist. Die Kirche sieht sich nicht direkt von den Ausschreitungen bedroht. Auf den Philippinen befürchtet man derweil, daß die Ereignisse beim Nachbarn auch Auswirkungen auf das eigene Land haben könnten.

A M E R I K A

 

Kuba

Das Oberhaupt der katholischen Kirche der Insel, Kardinal Jaime Ortega, hat die Regierung aufgefordert, sich gegenüber dem Ausland noch mehr zu öffnen. Der Kardinal würdigte gegenüber einer Zeitung die jüngsten humanitären Maßnahmen der USA, aber auch die Annäherungen der lateinamerikanischen Länder und Europas an Kuba. Die Aufrechterhaltung des Embargos bei gleichzeitiger humanitärer Hilfe lehnt Ortega als unzureichend ab. Enttäuscht zeigte er sich von der mangelnden Umsetzung der Absichtser-klärungen im eigenen Land.

Kolumbien

Die Kirche hat mit einem Protestbrief an Staatspräsident Samper auf die Militärrazzia in den Räumen der bischöflichen "Justitia et Pax"-Kommission geantwortet. Die Militärs hatten in den Räumen eine Basis der oppositionellen Befreiungsfront vermutet, die für die Ermordung des ehemaligen Verteidigungsministers verantwortlich gemacht wird.

Vereinigte Staaten

Das Repräsentantenhaus hat am 14. Mai einen Gesetzentwurf gebilligt, der es erlaubt, gegen Länder Sanktionen zu verhängen, die die Religionsfreiheit einschränken. Das Weiße Haus kündigte bereits sein Veto an, da es die außenpolitischen Vollmachten des Präsidenten eingeschränkt sieht. Der Vorstoß zu dem Gesetz wurde von der christlichen Rechten unterstützt.

V E R E I N T E N A T I O N E N

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, hat am 15. Mai, dem Welttag der Familie, an die Bedeutung der Familie als Quelle für Fortschritt und Demokratie erinnert. Die Familie sei der emotionale, finanzielle und materielle Rückhalt für die Kinder, damit diese sich entwickeln könnten. Die Kinder bekämen Werte vermittelt, die sich dann auch in der Gesellschaft widerspiegelten, betonte Annan. Der UNO-Generalsekretär appellierte an die Politiker, bei allem Einsatz für Menschenrechte die Bedeutsamketi der Familie nicht zu vergessen und sie sozialpolitisch zu unterstützen.

 

 

Hinweise auf unser Wochenprogramm

Freitag: Prisma-Magazin

Samstag: Wochen-Kommentar von Dr. Erhard Busek und "Wenn ich beten könnte" von Hans Schaller SJ

Sonntag: Sie schreiben - Wir antworten

Montag: Weltkirchen-Magazin

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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan-Nachrichten: Dienstag, 19. Mai 1998

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