Radio Vatikan Archiv

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An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Samstag, 09. Mai, bis Dienstag, 12. Mai 1998

V A T I K A N

Papst Johannes Paul II. hat zum Ende der Asiensynode seine Absicht bekanntgegeben, die Ergebnisse der Bischofsynode für Asien auch dort bekanntzugeben. Einzelheiten für diese Reise stehen noch nicht fest.

Kurien-Erzbischof, Paul Josef Cordes, hat ein Buch über die neuen geistlichen Bewegungen veröffentlicht. Das derzeitig nur in italienischer Sprache erhältliche Werk mit dem Titel "Zeichen der Hoffnung" enthält Interviews mit Gründern und Sprechern der sieben wichtigsten, neuen katholischen Bewegungen der Gegenwart. Eine theologische und kirchensoziologische Analyse ist angefügt. Eine deutsche Ausgabe ist bereits in Vorbereitung.

Papst Johannes Paul II. hat am 9. Mai Mitglieder der päpstlichen Stiftung "Centesimus annus" in Audienz empfangen, die zur Zeit im Vatikan zum Thema "Globalisierung und Solidarität" tagen. Der Papst wies in seiner Ansprache auf die Vor- und Nachteile der Globalisierung des Handels hin. Es müsse darum gehen, ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen des Marktes einerseits und denen von Ethik und Gerechtigkeit andererseits zu schaffen. Die kirchliche Soziallehre müsse in der heutigen Zeit ebenso angewandt werden wie noch vor 100 Jahren.

Papst Johannes Paul II. hat am 10. Mai einen libanesischen Ordensmann und elf spanische Ordensfrauen auf dem Petersplatz seliggesprochen. Der Papst sprach in seiner Predigt die Hoffnung aus, daß der neue Selige, Hardini Youssef Kassab, für den ganzen Libanon ein Zeichen der Hoffnung und eine Hilfe beim Aufbau des Zedernstaates sein möge. Im Zusammenhang mit den spanischen Ordensfrauen betonte der Papst ihre Treue zu den Menschen und ihrer Berufung angesichts des Bürgerkrieges, bei dem sie ihr Leben lassen mußten. Unter den Gästen bei der Seligsprechung war unter anderem auch die ehemalige belgische Königin, Fabiola, die mit einer der seligen Ordensfrauen verwandt ist.

Der ehemalige Stasi-Chef, Markus Wolff, hat gegenüber der italienischen Zeitung "La Stampa" erklärt, nicht Alois Estermann, sondern ein älterer Mitarbeiter einer päpstlichen Akademie sei Stasi-Spion im Vatikan gewesen. Die italienische Zeitung "Il Messagero" hatte zunächst unter Berufung auf Wolff behauptet, Estermann sei der Spion gewesen. Wolff selbst kommentierte die Falschmeldung als Sensationsgier der Presse.

Erstmals nach der Ermordung ihres Kommandanten, Alois Estermann, hat die Schweizer Garde offiziell Stellung zu den Vorgängen bezogen. Der Vorgänger und provisorische Nachfolger Estermanns, Roland Buchs, erklärte, die Bluttat bleibe unbegreiflich, aber die Garde stehe auch in Momenten größter Spannung zu ihrem Eid. Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano hat mittlerweile einen Brief an die Schweizer Regierung entsandt mit der Bitte, bei der Suche nach einem neuen Kommandanten behilflich zu sein.

D E U T S C H E R S P R A C H R A U M

Deutschland

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonfernz, Karl Lehmann, hat bei der Eröffnungsveranstaltung der "Woche für das Leben" an die junge Generation appelliert, es mit Ehe und Familie ohne anderweitige Absicherungen zu versuchen. Katholische und evangelische Kirche riefen dazu auf, Ehe und Familie zu stärken. Der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, Manfred Kock, betonte, daß es bei der Initiative vordringlich um das Wohl der Kinder und Jugendlichen gehe, die keinem Armutsrisiko ausgeliefert werden dürften. Am Rande der Aktion forderte der Vorsitzende des Diakonischen Werkes in einem Zeitungsbeitrag die Verdopplung des Kindergeldes für Bezieher kleinerer Einkommen.

Deutschland

Die Juristenvereinigung "Lebensrecht" hat dazu aufgerufen, sich auch im Wahlkampf mit der geltenden Fristenregelung im Abtreibungsrecht auseinanderzusetzen. Die derzeitige Gesetzgebung habe sich als untauglich erwiesen, betonte der Vorsitzende der "Lebensrecht"-Gruppe, Bernhard Böchner, am 9. Mai.

Deutschland

Die Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, Magdalena Bogner, hat gefordert, daß Frauen zum Diakonat zugelassen und so stärker an der Macht in der Kirche beteiligt werden.

Deutschland

Der Großprior des Ritterordens vom Heiligen Grab, Bischof Anton Schlembach, hat am 9. Mai feierlich 30 Männer und Frauen in die Gemeinschaft aufgenommen. Der Orden engagiert sich besonders für Christen im Heiligen Land.

Deutschland

Die Pfingstaktion des katholischen Hilfswerks "Renovabis" ist am 10. Mai in Hildesheim eröffnet worden. Das Werk hat seit 1993 mehr als 4000 Projekte in Mittel- und Osteuropa mit insgesamt 220 Millionen Mark unterstützt. In diesem Jahr steht die Aktion unter dem Motto: "Unsere Welt braucht Gottes Geist". Die Predigt zur Eröffnung hielt der deutschstämmige Bischof aus Sibirien, Josef Werth. In seiner Predigt wies Werth mit Sorge auf die Auswirkungen des neuen russischen Religionsgesetzes hin, aufgrunddessen alle ausländischen Priester regelmäßig neue Aufenthaltsgenehmigungen erhalten müssen. Zudem bedauert der Bischof die von Unverständnis geprägten Beziehungen zwischen Katholiken und Orthodoxen.

Deutschland

Die sofortige Abschaffung von Kindersklaverei, Schuldknechtschaft und Kinderprostitution haben die Teilnehmer des weltweiten "Marsches gegen Kinderarbeit" gefordert. Vor Journalisten betonte die Aktion am 12.Mai, das sich die ganze Welt für ein Ende der Kinderarbeit einsetzen müsse, z. B. indem man keine Produkte kaufe, die von Kindern hergestellt wurden.

österreich

Kardinal Franz König hat bei einer Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen am 10. Mai daran erinnert, daß die Kirche in die Schuld des Dritten Reiches verwoben sei. Das Denken der Kirche sei teilweise irregeleitet gewesen von einem christlichen Antijudaismus, einer falschen Auslegung der Passionsgeschichte, erklärte König.

E U R O P A

Griechenland

Das neue Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche, Erzbischof Christodoulos, ist in Athen am 9. Mai feierlich in sein Amt eingesetzt worden. Entgegen der Tradition nahm Ministerpräsident Costas Smitis nicht daran teil, was Beobachter als Zeichen dafür sehen, daß Kirche und Staat auf größere Distanz gehen. Die Antrittsrede des neuen Erzbischofs hat gemischte Reaktionen ausgelöst. ökumenische Kreise begrüßten die Ankündigung Christodoulos', daß er mit dem Patriarchen von Konstantinopel zusammenarbeiten wolle. Er äußerte aber ebenso, daß die orthodoxe Kirche weiterhin die Vormacht in Griechenland haben solle.

Rußland

Patriarch Alexi und Präsident Jelzin werden nicht an der Beisetzung der sterblichen Überreste der letzten Zarenfamilie in St. Petersburg am 17. Juli teilnehmen. Die orthodoxe Kirche zweifelt daran, daß es sich wirklich um die Überreste der Zarenfamilie handelt, will aber dennoch einen Vertreter zu den Beisetzungsfeierlichkeiten entsenden.

Serbien

Die Kosovo-Krise ist das Hauptthema der Vollversammlung der serbisch-orthodoxen Bischöfe in dieser Woche. Seit dem Beginn der schweren Zwischenfälle in Südserbien ist die Kirche bemüht, nationalistische Gefühle zu dämpfen.

A S I E N

Israel

Einige Zehntausende haben am 9. Mai gegen den Druck der orthodoxen Juden demonstriert und sich dabei auf ihre staatsbürgerlichen Freiheiten berufen. Auf Drängen der ultra-orthodoxen Juden war der Auftritt eines bekannten Balletts, das anläßlich der 50-Jahr-Feiern des Staates zum Text eines traditionellen Gebets tanzen wollte, abgesagt.

Libanon

Präsident Elias Hraoui hat Papst Johannes Paul II. gebeten, im Jahr 2000 nicht zu den Jubiläumsreisen nach Bethlehem zu reisen. Am 8. Mai noch hatte der Papst den libanesischen Präsidenten in AUdienz empfangen und ihm die Gründe dafür genannt. Gegenüber der Presse erklärte Hraoui, der Papst sei zu etwa 75 % mit den Begründungen einverstanden gewesen. So lange die Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und Israelis im Nahen Osten andauerten, sei von einem Besuch des Papstes dringend abzuraten.

Pakistan

Während der Beisetzung von Bischof John Joseph, der sich aus Protest gegen das geltende Blasphemiegesetz das Leben genommen hatte, ist es am 10. Mai zu schweren Ausschreitungen von Muslimen gegen Christen gekommen. Rund 10.000 Christen waren zur Beisetzung ihres Bischofs gekommen als aufgehetzte Muslime Häuser von Christen mit Benzin übergossen und anzündeten. Dutzende von Christen wurden verprügelt und nur durch starken Polizeieinsatz konnte Schlimmeres verhindert werden. In Frankfurt wurde derweil ein "Bischof-Joseph-Kreis" gegründet, der auch in Zukunft an seinen Einsatz für Religionsfreiheit erinnern soll.

China

Die Regierung hat am 10. Mai den fast 80-jährigen Bischof, Zeng Jingmu, nach dreijähriger Haft aus dem Arbeitslager entlassen. Der Bischof hatte ohne staatliche Genehmigung in einer Privatwohnung einen Gottesdienst gefeiert und war daraufhin verhaftet worden. Die Freilassung soll als humane Geste gewertet werden, da Zeng sehr schwach ist und unter chronischer Lungen-entzündung leidet. Das Regime gibt mit diesem Schritt einen Monat vor dem Besuch des US-amerikanischen Präsidenten, Bill Clinton, ein Zeichen, daß es in Sachen Menschenrechte gesprächsbereit sein will. Beobachter warnen jedoch davor, dies überzubewerten, da verschiedene Quellen berichten, daß der Geistliche sein Haus nicht verlassen und nur Kontakt zu engsten Familienangehörigen unterhalten darf.

 

A F R I K A

Ägypten

Der malaysische Ministerpräsident Mahatir hat den Israelis am 9. Mai vorgeworfen, die Muslime so zu behandeln, wie sie selbst von Hitler behandelt worden seien. Anläßlich eines Vortrags an der Al Azahar-Universität in Kairo erklärte Mahatir, die Muslime würden heute - wie damals die Juden - in Ghettos getrieben.

Sudan

Ein Führer der Muslem-Brüder, Professor Jussuf Ed Dajem, hat den neuen Verfassungsentwurf kritisiert, da in ihm der Islam nicht wie bisher als Staatsreligion betrachtet wird. Die Bevölkerung ist vom 1.- 20. Mai zur Abstimmung über den Verfassungsentwurf aufgerufen.

Sierra Leone

Soldaten, die den abgesetzten Putschisten Johnny Paul Koroma

unterstützen, haben im Norden des Landes zahlreiche Zivilisten getötet oder verstümmelt. Tausende befinden sich derzeit auf der Flucht. Koroma hat derweil gegenüber dem Bischof von Makeni angedeutet, sich der Kirche ergeben zu wollen, um sich nicht der westafrikanischen Friedenstruppe Ecomog ausliefern zu müssen.

A M E R I K A

Vereinigte Staaten

Der Weihbischof in Detroit, Thomas Gumbleton, will Medikamente gegen Herzschwäche, Asthma und Diabetes im Gesamtwert von 7,5 Millionen Mark in den Irak bringen. Gumbleton sieht diese Hilfsaktion gleichzeitig als Protest gegen das bestehende Wirtschaftsembargo der USA gegen den Irak.

Vereinigte Staaten

Der Präsident des päpstlichen Migrantenrates, Kardinal Giovanni Cheli, hat anläßlich einer Konferenz in New York erklärt, Kirche und Staat müßten sich auch mit illegalen Einwanderern solidarisch zeigen. Kirche und Stat stünden vor einer neuen Herausforderung, betonte der Kurienkardinal. Vor allem die Kirche müsse wegweisend sein, um das "schlafende Gewissen" aufzurütteln. Der Staat dürfe die Rechte der Immigranten und Flüchtlinge nicht einschränken.

Brasilien

Kirche und Regierung sind weiterhin auf Eskalationskurs, nachdem der Justizminister am 9. Mai Präventivhaft für 15 Anführer der Landlosenbewegung angekündigt hat. Die Landlosenbewegung hat von Beginn an die Plünderungsaktionen der von Hunger bedrohten Bevölkerung unterstützt. Die Kirche, die ebenfalls die Plünderungen gutheißt, verurteilte derweil die Verhaftungen und warf der Regierung vor, den falschen Weg eingeschlagen zu haben. Der Nordosten brauche soziale Hilfe statt Polizeimaßnahmen.

Bolivien

Die Coca-Bauern der tropischen Region Chaparé haben die Kirche um Hilfe gegen Polizei und Militär gebeten, die die Anbauflächen der Bauern verwüsten wollen. Die Coca-Anbauer wehren sich vor allem gegen Pläne, die vorsehen, die Entschädigung für einen Verzicht auf den Anbau der Pflanze zu senken. Die Regierung will mit Unterstützung der USA alle Coca-Pflanzen des größten Drogenanbaugebietes vernichten und andere Kulturen anbauen lassen.

Hinweise auf unser Wochenprogramm:

Mittwoch: Römische Woche

Donnerstag: Kreuz des Südens: Asien-Synode

Freitag: Prisma-Magazin

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täglich 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr

auf Mittelwelle 1530 kHz und auf den

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Vier-Monatsprogramm kann angefordert werden bei:

Winfried Aufterbeck, Wiesenstr. 9a, D-40878 Ratingen

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Redaktion dieser Ausgabe: Verena Schlinkert

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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan: Freitag, den 15. Mai 1998.

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