Radio Vatikan Archiv

Verehrte Internet-Benutzerinnen und -Benutzer! An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Mittwoch, 6. Mai bis Freitag, 8. Mai 1998

V A T I K A N

Für den ermordeten Oberst der Schweizer Garde, Alois Estermann, und seine Frau fand am 6.Mai ein feierlicher Trauergottesdienst in St.Peter statt. Das Requiem für Korporal Cedric Tornay fand am folgenden Tag in der vatikanischen Sankt Anna-Kirche statt.
Bei der Feier für das ermordete Ehepaar erklärte Kardinal-Staats-sekretär Angelo Sodano, die schreckliche Tat in der Garde könne nicht ihre Verdienste während 5oo Jahren verdunkeln. Er reagierte damit auf die Pressemeldungen, wonach die Garde in Frage zustellen sei. Nach Angaben des vatikanischen Pressesprechers bestätigen die Autopsieergebnisse, daß der junge Korporal seinen Vorgesetzten und seine Frau erschossen und sich anschließend den Tod gegeben hat. Indes hat eine Berliner Zeitung behauptet, Estermann sei von 1981 bis 1984 Stasi-Spitzel gewesen. Der Vatikan weist diese Behauptung als unbegründet zurück. Auch die Gauck-Behörde kann die Meldung nicht bestätigen.
Die Leitung der Schweizer Garde hat nun vorübergehend der vor kurzem ausgeschiedene ehemalige Garde-Chef, Roland Buchs übernommen. Beim Requiem für den Korporal kam es zu bewegenden Szenen, als die Mutter des Mörders die Eltern des Ermordeten beim Friedensgruß umarmte.

Vatikan-Asiensynode

Eine protestantische Pastorin aus Indonesien, Augustina Lumentut, forderte am 8. Mai vor den Synodenvätern die Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche. Sie hoffe, daß die Forderung nach Gleichberechtigung der Frau in der Gesellschaft auch im Abschlußdokument der Synode Ausdruck fände. Die Pastorin lobte ausdrücklich den Einsatz der katholischen Kirche für Menschen am Rande.

SONDERMELDUNG

Pakistan

Der Bischof von Faisalabad, John Joseph, hat sich am Abend des 6.Mai aus Protest gegen das geltende Blasphemiegesetz und die damit verbundene Diskriminierung der Christen vor einem Gerichtsgebäude erschossen. Zuvor hatte der Bischof eine Gebetswache für einen wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilten Katholiken gehalten und zum Frieden zwischen Christen und Muslimen aufgerufen. Der Selbstmord Josephs löste im Vatikan bei der dort tagenden Asiensynode sowie bei der deutschen Kirche Fassungslosigkeit und Bestürtzung aus. Die US-Regierung verurteilte das Blasphemiegesetz und forderte Pakistan erneut auf, es aufzuheben, da es zu einer Atmophäre der religiösen Intoleranz führe, so ein Sprecher des US-Außenministeriums am 8. Mai.Bei einer spontanen Demonstration von rund 10.000 Menschen, die den Leichnam Josephs begleiteten, kam es ebenfalls am 8. Mai zu schweren Zwischenfällen. Die pakistanische Polizei eröffnete das Feuer auf die Demonstranten und verletzte drei Menschen.

Vatikan

Am kommenden Sonntag wird Papst Johannes Paul II. mehrere Ordensfrauen seligsprechen, die während des spanischen Bürgerkrieges wegen ihres Festhaltens am christlichen Glauben und ihrer Treue zur katholischen Kirche ermordet worden sind.

D E U T S C H E R S P R A C H R A U M

Deutschland

Im Mittelpunkt der 18. Mainzer Gespräche standen die Schwangerenkonfliktberatung, das Verhältnis von Christen und Juden sowie Sparmaßnahmen an den theologischen Fakultäten. Die Teilnehmer waren sich einig, daß man bei dem Ziel, in der gesetzlichen Schwangerenkonfliktberatung zu verbleiben, versuchen müsse, den Bedenken des Papstes hinsichtlich des Unrechtscharakters der Abtreibung gerecht zu werden. Die Erklärung des Vatikan zum Holocaust wurde von allen Seiten positiv gewertet und als wichtiger Schritt zum Miteinander von Christen und Juden gewürdigt. Hinsichtlich der Lage der theologischen Fakultäten kam man zu dem Ergebnis, daß es aufgrund von Sparmaßnahmen zu Einbußen gekommen sei. Teilnehmer der Veranstaltung waren Theologen und Bischöfe.

Deutschland

Kardinal Hans-Hermann Groer hält sich zur Zeit in einem Frauenkloster mit Seniorenheim in der Nähe von Dresden auf. Auf Anfragen teilte der Bischof der sächsischen Diözese, Joachim Reinelt, mit, daß sein Bistum während der DDR-Zeit große Unterstützung aus Wien erhalten habe. Groers ehemaliger Sekretär erklärte, daß Sachsen nicht der endgültige Pensionierungsort des Kardinals sei. Er habe österreich verlassen, um bei der Papstvisite im Juni kein Anlaß für Störungen zu sein.

Deutschland

Scientology hat ein Untersuchungskomitee eingerichtet, um sich gegen öffentliche Kritik zur Wehr zu setzen. Die Organisation teilte am 6. Mai in München mit, daß der Ausschuß aufdecken solle, wer der Drahtzieher von Diffamierungskampagnen gegen religiöse Minderheiten sei. Die Ergebnisse sollen den Vereinten Nationen, dem US-Außenministerium und internationalen Menschenrechtsorganisationen vorgelegt werden.

Deutschland

Im Zusammenhang mit der vom 10. bis 16. Mai stattfindenden "Woche für das Leben" starten die Bistümer Limburg, Mainz, Speyer und Trier am 11. Mai eine Telefonaktion. Bischöfe und Fachleute beantworten dann täglich - jeweils von 16 bis 21 Uhr - Fragen zu Ehe und Familie unter der gebührenfreien Telefonnummer: 0800/1998555.

Deutschland

Im vergangenen Jahr hat die Hilfsaktion RENOVABIS mit 58 Millionen Mark insgesamt 1.200 Projekte in Mittel-, Südost- und Osteuropa unterstützt. Bei der Vorstellung des Jahresberichtes für 1997 wurde in Hannover am 7. Mai erklärt, daß der Solidaritätsaktion 38 Millionen Mark aus kirchlichen Haushaltsmitteln zugeflossen seien.

österreich

Anläßlich der Europatagung des Büros für den Erwachsenen-Katechumenat wurde am 7. Mai erklärt, daß in den meisten europäischen Ländern die Taufen von Erwachsenen stark zunehmen. Während es in Deutschland etwa jährlich ca. 2.500 bis 3.000 Erwachsenentaufen gibt, bereiten sich derzeit in Frankreich sogar 12.000 Erwachsene auf das Sakrament vor.

E U R O P A

Tschechien

Der Erzbischof von Prag, Kardinal Miloslav Vlk, hat in einem Brief an den Präsidenten der Europäischen Kommission, Jaques Santer, den mangelnden Fortschritt in den Beziehungen zwischen Kirche und Staat kritisiert.

Griechenland

Die sozialistische Regierung hat am 5. Mai erklärt, daß sie die Kirche nicht völlig vom Staat trennen will. Diese Entscheidung kann als Reaktion auf anderslautende Befürchtungen des griechisch-orthodoxen Erzbischofs, Christodoulos, gewertet werden. Griechenland könnte damit eines der wenigen Länder mit einer offiziellen Staatsreligion werden.

Spanien

Ein hoher UNESCO-Mitarbeiter hat anläßlich einer Tagung in Granada am 6. Mai eine stärkere Berücksichtigung des geistlich-religösen Lebens durch die Organisation gefordert. Der Senegalese Doudu Diene hob vor dem Seminar die Bedeutung der Religionen für Kultur und Frieden heraus und erinnerte an das friedliche Zusammenleben zwischen den Religionen in Südspanien während vieler Jahrhunderte.

Kroatien

Der frühere Erzbischof von Zagreb, Kardinal Aloyisius Stepinac, soll im Jahre 1960 womöglich an Gift gestorben sein. Eine katholische italienische Zeitschrift schreibt in ihrer Ausgabe vom 8. Mai, daß man im Rahmen des laufenden Seligsprechungs-prozesses bei der Untersuchung seiner Gebeine Spuren von Gift gefunden habe. Berichte aus Zagreb, daß Papst Johannes Paul II. zur Seligsprechung von Stepinac erwartet wird, werden aus dem Vatikan derzeit nicht bestätigt.

Belgien

Der Präsident der bischöflichen Europakommission, Josef Homeyer, fordert eine größtmögliche Transparenz für die zukünftige Europäische Zentralbank. Geldpolitik müsse dem Gemeinwohl und nicht nationalen Interessen dienen, betonte Homeyer. Er sehe den Euro als Chance, die Massenarbeitslosigkeit zu verringern und soziale Ausgrenznugen zu beenden.

A S I E N

Philippinen

Im Zusammenhang mit den bevorstehenden Präsidentenwahlen hat Kardinal Jaime Sin von Manila indirekt davor gewarnt, den ehemaligen Schauspieler Josef Estrada zu wählen. Der Kardinal rät von der Wahl aufgrund der zweifelhaften Vorgeschichte des Anwärters ab. Estrada wird allerdings von einer etwa 2 Millionen Mitglieder zählenden Sekte unterstützt und hat viele Befürworter unter den von den bisherigen Präsidenten enttäuschten Slumbewohnern, die sich seit langem Landreformen erhoffen.

Vietnam

Bei einem vermeintlichen Verkehrsunfall wurden am 4. Mai zwei Redemptoristenpatres verletzt, die mit dem Motorrad auf dem Weg zum Begräbnis eines kommunistischen Parteimitglieds waren. Nach Angaben der Patres, die seit Anfang der 90-er Jahre vom kommunistischen Regime unter Beobachtung gestellt wurden, handelt es sich dabei entweder um einen Einschüchterungsversuch oder gar Mordanschlag.

Indonesien

Katholiken und Protestanten fordern angesichts der verheerenden Wirtschaftslage grundlegende politische und soziale Reformen. Ein Teilnehmer der Asiensynode begrüßte ausdrücklich die Studentendemonstrationen und erklärte sich mit ihren Motiven und Aktionen solidarisch. Die protestantische Kirche rief ebenfalls die Bevölkerung dazu auf, sich an Demonstrationen zu beteiligen.

A M E R I K A

Vereinigte Staaten

Als nicht akzeptabel betrachten Christen, Juden und Muslime einhellig die Beihilfe zum Selbstmord. Im Bundesstaat Michigan unterzeichneten Vetreter der drei Religionen gemeinsam eine Stellungnahme, die auf die Gefahr aufmerksam macht, daß auf diese Weise Druck auf kranke und alte Menschen ausgeübt werden und Sterbehilfe letztlich zur Sterbepflicht führen könnte.

Guatemala

Der Tatverdächtige im Mordfall des Bischofs Gerardi ist offiziellen Kreisen zufolge entlastet worden. Der 24 -Jährige paßt demnach nicht auf die Beschreibung der Augenzeugen und kann zudem ein Alibi für die Tatzeit vorweisen.

Guatemala

Das Gerichtsverfahren im Mordfall des ermordeten Bischofs, Juan José Gerardi, ist offiziell am 6. Mai eröffnet worden. Der einzige bislang Tatverdächtige, von seinem Verteidiger als Alkoholiker bezeichnet, beteuerte in einer ersten Vernehmung am 5. Mai seine Unschuld. Eine Einladung des Präsidenten der Republik an die Kirche, bei der Verhandlung eine Kontrollfunktion zu übernehmen ohne direkt einzugreifen, wurde abgelehnt. Die Entscheidung beruhe nicht auf Gleichgültigkeit, betonten die Bischöfe, sondern man sei daran interessiert, daß die Behörden die Verhandlung schnell und sorgfältig führen und zum Abschluß bringen.

Hinweise auf unser Wochenprogramm:

Samstag: Kommentar der Woche von Dr. Erhard Busek und "Wenn ich beten könnte" von Hans Schaller SJ

Sonntag: Aktenzeichen: Henri Dunant - Gründer des "Roten Kreuzes"

Montag: Weltkirchen-Magazin

Dienstag: Radio-Akademie: Christliche Wurzeln Europas?

Man hört Radio Vatikan:

täglich 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr

auf Mittelwelle 1530 kHz und auf den

Kurzwellen-Frequenzen: 5880, 7250, 9645 kHz

Über Radio Campanile. Im Kabel und auf Tonunterträger von

DSF um 6.1o, 7.10., 16.45 und 19.10 Uhr

Vier-Monatsprogramm kann angefordert werden bei:

Winfried Aufterbeck, Wiesenstr. 9a, D-40878 Ratingen

Tel. 0 21 02 / 2 30 31, Fax: 0 21 02 / 2 14 13

Für die Internet-Nachrichten verantwortlich:

Anne Granda

Redaktion dieser Ausgabe: Verena Schlinkert

Tel.: 00396 69 88 41 01, Fax 00396 69 88 38 44

Post: Radio Vatikan - sezione tedesca, I-00120 Città del Vaticano

E-Mail: SEDOC@VATIRADIO.VA

Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan Nachrichten: Dienstag: 12.05.1998.

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