Radio Vatikan Archiv

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An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Mittwoch, 22. April 1998 bis Freitag, 24. April 1998.

Vatikan

Am 22. April hat der chinesische Bischof Matthias Duan Yinming ein Telegramm aus dem Vatikan erhalten, das ihn und seinen Koadjutor zur Synodenversammlung nach Rom einlädt. Am gleichen Tag erklärte er vor der Presse, er habe das Schreiben an das Büro für religiöse Angelegenheiten weitergeleitet und warte nun auf eine Erlaubnis der Regierung. Der bekannteste chinesische Dissident glaubt indessen nicht an einen möglichen Dialog zwischen dem Vatikan und Peking. In der Volksrepublik gebe es viele Religionen und die Regierung betreibe allen gegenüber eine repressive Politik. Der Einsatz des Papstes und des Vatikan sind unnötig, wenn die Katholiken in China nicht mit den anderen Religionen zusammenarbeiten, so Wei Jingsheng.

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Am 22. April sprach der Kardinal von Taiwan, Paul Shan Kuo-Hsi, vor der Synode über die Probleme seines Landes. Auch wenn die Menschen seines Landes in einer weitgehend säkularisierten und industrialisierten Gesellschaft lebten, sei der Hunger nach spirituellen und religiösen Werten sehr groß, vor allem bei jungen Menschen. Die Kirche müsse ihr Bestes tun, um diesen Bedarf zu stillen, auch wenn sie im Land nur eine kleine Minderheit bildet. Der Kardinal sieht einen Lösungsweg im Dialog mit den anderen großen Religionen. Gemeinsam müsse man nach einer Erneuerung der Gesellschaft streben und den Stellenwert von religiösen und spirituellen Belangen wieder erhöhen.

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Am 23. April berichtete der thailändische Bischof Michael Bunluen Mansap bei der Asien-Synode von den Beziehungen zwischen Christen und Buddhisten in seinem Land. Nach den Worten des Bischofs werden die Christen von dem einfachen Lebensstil und der Unvoreingenommenheit der Buddhisten inspiriert. Umgekehrt bewunderten die buddhistischen Glaubensbrüder den Einsatz der katholischen Kirche für eine bessere Gesellschaft und einen besseren Stand des Einzelnen. Dennoch gebe es noch viele Punkte, in denen die Inkulturation und der Dialog verbessert werden könnten.

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Der Dialog zwischen Christen und Moslems im Nahen Osten wird durch die unbegrenzte Hilfe der Vereinigten Staaten an Israel behindert. Das sagte am 23. April der libanesishe Bischof Salim Boutros aus Baalbek, der als melekitischer Christ ebenfalls an der Asiensynode teilnimmt. Eine Lösung des israelisch-palästinensischen Koffliktes und die Befreiung der von Israel besetzten Territorien würden den interreligiösen Dialog sehr fördern, so Bischof Boutros.

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Der indonesische Bischof Francis Xavier Hadismuarta hat eine Dezentralisierung der katholischen Kirche gefordert. Er wünschte sich in seinem Synodenbeitrag ein Forum des Informationsaustausches und ein Koordinationszentrum in Rom.

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Papst Johannes Paul II. hat sich am 23. April mit einer Grußbotschaft an die Teilnehmer der 4. Plenarsitzung der päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften gewandt. Die Kirche wolle keine Modelle oder technische Lösungen für einzelne Probleme liefern. Sie biete indessen durch die Fülle des Evangeliums eine Botschaft, die alle Bereiche der modernen Gesellschaft durchdringen müsse. Die Konferenz befaßt sich noch bis zum 25. April mit dem Thema "Demokratie".

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Der Vatikan ist gegen Krieg, auch wenn er das Recht der einzelnen Staaten auf Verteidigung anerkennt. Waffeneinsätze zur Konfliktlösung hätten sich fast immer als "Illusion" erwiesen. Das letzte Beispiel dafür sei der Golfkrieg gewesen. Das betonte am 23. April der vatikanische "Außenminister" Erzbischof Jean Louis Tauran, bei einem Vortrag in Rom. Bei der gleichen Gelegenheit wies er auf die Friedensarbeit des Apostolischen Stuhls hin. Die Beteiligung des Vatikans bei der Vorbereitung und Ausarbeitung internationaler Konventionen sei leider nahezu unbekannt, sagte Tauran.

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Der Dialog mit den Muslimen und die Zerstörung der einheimischen Kultur waren am 23. und 24. April Zentralthemen bei der Asiensynode. Christen müßten die Geschichte zusammen mit den Muslimen neu lesen. Auch im Islam wehe der Heilige Geist. So ein Synodenbischof aus dem Nahen Osten. Andere Bischöfe erinnerten an die Urbevölkerungen Asiens, denen etwa die Hälfte aller Asiaten angehörten. Sie seien durch Industrialisierung und Ausbeutung gerade auch der Frauen und Kinder besonders gefährdet. Die Frauen hätten für Evangelisierung und Entwicklung aber außerordentliche Bedeutung.

Vatikan

Der Generalobere des Maristenordens hat auf der Asiensynode den Wunsch geäußert, daß die katholischen Orden ihre geistliche Dimension wieder entdecken. Dazu sei auch der Einsatz von Mantras und Yoga nützlich. Der afrikanische Kardinal Francis Arinze ergänzte, die positiven Elemente der Hoch- und Stammesreligionen dürften nicht ignoriert werden.

Nordirland

Elf Tage nach Abschluß des Friedensvertrages wieder ein Mord in der Krisenregion. In der mehrheitlich von Protestanten bewohnten Stadt Portadown ist am 21. April ein Katholik erschossen worden. Nach Angaben eines Polizeisprechers könnte es sich um ein Attentat paramilitäruischer Gruppen handeln. Genauere Informationen liegen aber noch nicht vor.

Polen

An dem "Marsch der Überlebenden" von Auschwitz hat am 23. April auch der polnische Ministerpräsident Jerzy Buzek teilgenommen. Am 22. April hatte er an die Bewohner der Region um Auschwitz appelliert, Provokationen und unverantwortliches Verhalten zu vermeiden. Zu dem Marsch kamen etwa 7.000 Juden aus der ganzen Welt, darunter auch der israelische Ministerrpräsident Banjamin Netanjahu. Der "Marsch der Überlebenden" war von den jüngsten Auseinandersetzungen um das Holzkreuz am Rande des ehemaligen KZ-Geländes überschattet worden.

Rumänien

Die Menschenrechtslage ist immer noch von schweren Verstößen gekennzeichnet. Das berichtete am 21. April Amnesty International in Straßburg. Nach Angaben der Menschen-rechtsorganisation sind besonders Roma-Minderheiten und Homosexuelle von gewalttätigem Vorgehen der Polizei betroffen. Ein Polizeisprecher sagte, es handle sich um einzelne Vorkommnisse, die bereits Fall für Fall offengelegt worden seien.

Bosnien-Herzegowina

Der Kardinal von Sarajewo ist am 24. April sechs Stunden lang in einer Kirche festgehalten worden. Während einer Meßfeier im serbischen Teil Bosniens belagerten hunderte aufgebrachter Serben die Kirche. Als die Polizei und UNO-Soldaten die Kirchgänger befreiten, flogen Steine. Mehrere Menschen wurden dabei verletzt.

Afghanistan

Es besteht Aussicht auf den Beginn von Friedensgespräche zwischen den verfeindeten Gruppierungen des Landes. Das hat jetzt der Leiter der UN-Friedensmission angekündigt. Demnach wollen sich am 26. April Vertreter der Taliban und der Allianz des Nordens im benachbarten Pakistan treffen. Nach über einem Jahr wird das der erste direkte Kontakt zwischen den Konfliktparteien sein.

Indien

Hunderte von Hindus haben die Kaschmir-Region im Norden des Landes verlassen. Das berichtete am 22. April die indische Polizei. Muslimische Separatisten hatten in den überwiegend von Hindus bewohnten Gebiet mehrere Menschen getötet. An der Grenze zu Pakistan kommt es seit Jahren immer wieder zu gewalttätigen Übergriffem muslimischer Separatisten.

China

Die Volksrepublik hat drei Wirtschaftsmänner hingerichtet, die wegen Steuerbetruges verurteilt worden waren. Dies berichtete am 23. April die Zeitung "Peoples Daily". Nach Angeben von Amnesty International hatte China im vergangenen Jahr mehr als 6.100 Todesurteile ausgesprochen und über 4.000 im Jahr davor. Peking erlaubt auch bei Steuerhinterziehung die Hinrichtung als Maximalstrafe.

Indonesien

Bei einer von Universitätsstundenten veranstalteten Protestkundgebung gegen die Regierung von Präsident Suharto wurden Presse- und Augenzeugenberichten zufolge 16 Jugendliche leicht verletzt und weitere 15 festgenommen. Bei den vorwiegend friedlich verlaufenen Protestkundgebungen, demonstrierten die indonesischen Studenten gegen die Wirtschaftskrise die das Land erschüttert und die bei weitem als die schwerste seit 1960 gilt.

Algerien

Bei einem Granatenangriff bei einer Moschee sind am Abend des 21. April 5 Personen getötet und 40 verletzt worden. Diese Zahlen teilte eine Nachrichtenagentur unter Berufung auf Angaben von Ärzten mit. Es handelt sich um die größte bewaffnete Aktion der vergangenen Monate in dieser südlich von Algier gelegenen Gegend. Urheber des Attentats ist die bewaffnete islamische Gruppe GIA.

Algerien

Das Gesundheitsministerium will Frauen, die von islamischen Terroristen vergewaltigt wurden, Abtreibungen erlauben. Das wurde am 22. April in Algier bekannt. Die Entscheidung kommt nach einer heftigen Debatte in islamischen Kreisen. Der Hohe Islamische Rat erklärt, er habe seine Überlegungen in dieser Frage noch nicht abgeschlossen.

Sudan

Karthums Erzbischof Gabriel Zubeir-Wako ist zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Er soll für Nahrungsmittelhilfe, die er Flüchtlingen zukommen ließ, nicht gezahlt haben. Die Kirche hat nach Angaben einer Missions-Nachrichtenagentur bereits Berufung eingelegt.

Sudan

Durch ein Buschfeuer im Süden des Landes sind knapp 50 Personen ums Leben gekommen. Außerdem wird die Region von einer Hungersnot bedroht. Selbst unter günstigen Witterungsverhältnissen kann die Ernte oft wegen kriegerischer Auseinandersetzungen nicht eingebracht werden. UNICEF-Direktorin Carol Bellamy forderte nun die Regierung in Khartum auf, Hilfsorganisationen nicht an ihrer Arbeit zu hindern.

Sierra Leone

Die Kirche in dem schwarzafrikanischen Land möchte alle ihre in den letzten Monaten zerstörten Einrichtungen wieder aufbauen, wird aber ihre Pläne aus Geldmangel wohl weiter aufschieben müssen. Der größte Teil ihrer Missionsstationen, Schulen und Krankenhäuser wurde bei den Kämpfen zwischen den afrikanischen Einsatztruppen ECOMOC und den Rebelleneinheiten der RUF zerstört.

Ruanda

Trotz internationaler Proteste sind am 24. April in mehreren Teilen Ruandas 22 Menschen öffentlich hingerichtet worden. Sie sollen für den Völkermord von 1994 mitverantwortlich gewesen sein. Papst Johannes Paul II. bekundete seine Trauer über die Exekutionen. Er hatte am 23. April den ruandischen Präsidenten in einem Telegramm eindringlich gewarnt, die Hinrichtungen könnten die Spannungen im Land vertiefen.

Mexiko

Die katholischen Bischöfe haben sich als Vermittler im Konflikt zwischen der Regierung und den Zapatistenrebellen angeboten. In einem offenen Brief an beide Seiten erklärten die Bischöfe, daß in der Krisenregion Chiapas eine breiter angelegte Vermittlungsaktion nötig sei, als die der Nationalen Versöhnungskommission unter dem Vorsitz von Samuel Ruiz. Auch in Guatemala sei es unter Mithilfe der Kirche zum Ende des bewaffneten Konfliktes gekommen. Das betonten Teilnehmer der seit dem 20. April tagenden Vollversammlung der Bischofskonferenz.

Ecuador

Das Land geht durch eine der schwierigsten Phasen seiner Geschichte. Zu diesem Schluß sind die Bischöfe bei ihrer Frühjahrs-Vollversammlung gekommen. Die Klimakatastrophe El-Nino habe die Hälfte Ecuadors zerstört; die Wirtschaft werde täglich schwächer und Arbeitslosigkeit sowie Streiks führten immer wieder dazu, daß nur noch das Recht des Stärkeren gelte. Die Bischöfe riefen dringend zur Einheit unter der Bevölkerung auf.

Brasilien

Die Bischöfe des Landes untersuchen die Möglichkeit, das Taufritual zu ändern. Das erklärten am 23. April Teilnehmer der Vollversammlung der Bischofskonferenz. Dabei wurde eine Teilung der Taufe vorgeschlagen. Das erste Ritual soll der Aufnahme der Kinder in die Gemeinschaft der Gläubigen gelten, das zweite der Taufe selbst. Auch wenn der Vorschlag angenommen wird, ist die Durchführung jedoch nicht bindend, erklärte der Bischof von Colatina.

Vereinigte Staaten

Trotz eines Gnadengesuches von Papst Johannes Paul II. ist in Texas der 33-jährige Joseph Cannon hingerichtet worden. Der Fall hatte deshalb besonderes Aufsehen erregt, weil Cannon wegen einer Tat verurteilt worden war, die er vor mehr als 20 Jahren als Minderjähriger begangen hatte. In Texas werden die meisten Todesurteile der USA vollstreckt. Problematisch war auch die kürzliche Hinrichtung eines honduranischen Staatsbürgers, der in Arizona wegen Mordes exekutiert wurde. Hier hatte sogar US-Außenministerin Madeleine Albright darum ersucht, die Rechtslage genau zu prüfen. Die Anwälte des Mannes hatten EInspruch wegen Verletzung internationalen Rechts erhoben.

Vereinte Nationen

UNO-Generalsekrtär Kofi Annan hat am 21. April sein Bedauern anläßlich der gegenwärtigen Stagnation der Friedensgespräche zwischen Israelis und Palästinensern ausgeprochen. Wie Annan ausdrücklich in Los Angeles betonte, könnte der Mangel an konkreten Gesprächen den Friedensprozess gefährden und zu erneuten gewalttätigen Auseinanderstzungen in der Region führen.

Hinweise auf unser Wochenprogramm:

Samstag: Kommentar der Woche von Hans-B. Würmeling

"Wenn ich beten könnte" von Hans Schaller SJ

Sonntag: Aus der Reihe "Aktenzeichen": "Die Gebrüder Berrigan -

Ungehorsam gegen die USA" von Aldo Parmeggiani

Montag: Weltkirchen-Magazin

Dienstag: Radio-Akademie: Mit Leib und Seele von Corinna Mühlstedt

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täglich 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr

auf Mittelwelle 1530 kHz und auf den

Kurzwellen-Frequenzen: 5880, 7250, 9645 kHz

Über Radio Campanile. Im Kabel und auf Tonunterträger von

DSF um 6.10, 7.10, 16.45 und 19.10 Uhr

Vier-Monatsprogramm kann angefordert werden bei:

Winfried Aufterbeck, Wiesenstr. 9a, D-40878 Ratingen

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Redaktion dieser Ausgabe: Daniela Sadgorski

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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan Nachrichten: Dienstag, 28. April 1998.

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