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Der gute Mensch von Molokai - Damian de Veuster (1840-1889)
 
 
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    "Die Welt der Politik und des Journalismus kennt wenige Helden von Format des Pater Damian von Molokai. Es lohnt sich, der Quelle nachzuspüren, aus der solches Heldentum stammt" (Mahatma Gandhi, 1945). Die "Quelle" seines Heldentums lag wohl in seinem katholischen Elternhaus. Jozef Damian (sein späterer Ordensname) de Veuster war das siebente von acht Kindern. Er wurde im flandrischen Tremelo (Belgien) am 3. Januar 1840 geboren und noch am selben Tag getauft. Mit 19 Jahren trat er bei den Herz-Jesu-Missionaren (Arnsteiner Patres) ein. Vier Jahre später fuhr er nach Hawaii. Ein Jahr nach seiner Ankunft wurde er zum Priester geweiht - im März 1865. Damals starben viele Insulaner an heimtückischen Epidemien und Krankheiten. Von rund 250.000 Einwohnern im Jahr 1770 waren 100 Jahre später nur noch 50.000 übrig. Um einer dieser Seuchen Einhalt zu gebieten, deportierte man alle Leprakranken des Archipels auf die Insel Molokai - und überließ sie ihrem Schicksal. Aussatz war im 19. Jahrhundert noch weitgehend unerforscht; er galt als unheilbar. Leprakranke wurden geächtet und gemieden. Sie lebten total im Abseits der menschlichen Gesellschaft - in der Verbannung.  
 
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    Als dem jungen belgischen Pater die schreckliche Lage der Aussätzigen bewußt wurde, meldete er sich freiwillig auf die Todesinsel. Das war 1873. Zwölf Jahre später war auch er angesteckt - und damit unheilbar krank geworden. Zuvor aber hatte er sich der Kranken angenommen. Er baute ihnen Hütten, feierte mit ihnen die Eucharistie und spendete die Sterbesakramente jenen, die es wünschten. Auch verfaßte er liturgische Texte für Prozessionen und Trauungen. Immer aber ging es ihm darum, den Aussätzigen die menschliche Würde wiederzugeben. Als "Priester der Verbannten" wollte er den "Fluch" und die Ächtung von diesen Ärmsten der Armen wieder wegnehmen. Mit seinem Tod - er starb am 15. April 1889 auf Molokai - rüttelte der damals 49jährige die Weltöffentlichkeit wach. Allenthalben, vor allem in den USA und in England, entstanden Stiftungen und Vereine zum Kampf gegen die Lepra. Seitdem spricht die Welt - nicht nur die katholische - von diesem guten Menschen von Molokai. Mutter Teresa war nur eine von unzähligen Bittstellern, die auf das Vorbild dieses Mannes hinwies, als sie an den Papst schrieb: "Um die Arbeit der Liebe und der Heilung fortsetzen zu können, brauchen wir einen Heiligen, der uns führt und schützt. Pater Damian könnte dieser Heilige sein."   Johannes Paul II. ging auf diese Bitten ein. Im Juni 1995 pilgerte er an das Grab Pater Damians, dessen Gebeine seit 1936 in der Klosterkirche seiner Ordensgemeinschaft in Leuven ruhen. Mit der Seligsprechung dieses Mannes wurde abermals deutlich, daß die Kirche auch weiterhin jene besonders ehrt, die sich mühen, die Liebe Gottes nicht nur zu predigen, sondern auch vorzuleben. Was Gandhi einst meinte, als er Pater Damian einen "Helden von Format" nannte, was Mutter Teresa ansprach, indem sie seine Seligsprechung befürwortete, ist längst ins Bewußtsein vieler Menschen eingegangen: Damian de Veuster war vielleicht kein Heiliger "von Kindesbeinen an", aber er war mit allen Kräften darum bemüht, die Mitmenschen zu verstehen, ihnen zu helfen, für sie da zu sein - vor allem dann, wenn sie von anderen geschmäht und geächtet wurden. Er heilte in erster Linie durch seine Anteilnahme, durch seine uneingeschränkte Liebe. Sein Beispiel und der Einsatz seines Lebens sind uns noch heute Appell, denen zu helfen, die nicht nur nach Brot und nach Medikamenten hungern, sondern auch nach Liebe. Denn letztlich gilt: Nur geliebte Menschen haben echte Chancen, gesund zu werden - und heil zu bleiben.  
     
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    P. Adalbert Balling CMM  
 

 

 

 

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