Radio Vatikan Archiv

Verehrte Internet-Benutzer und Benutzerinnen! An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit vom Samstag, 14. März 1998 bis Dienstag, 17. März 1998.

Vatikan

Am 16. März ist im Vatikan das lange erwartete Dokument über den Holocaust und den Anti-Judaismus veröffentlicht worden. Die Kirche verwirft alle Kollektivschuld, bekennt sich aber zu den Fehlern und dem Versagen der Katholiken. Viele hätten sich gegen Juden nicht so verhalten, wie man es von Christen erwarten müsse. Heute sollten beide Seiten in echtem Respekt voreinander leben. Das Dokument erinnert weiter an die Stellungnahmen der Kirche gegen die Rasssenlehre der Nationalsozialisten und an das Engagement vieler Katholiken zur Rettung von Juden. "Wir erinnern uns, eine Reflexion über die Shoah" ist von den Verantwortlichen der katholischen Kirche für den christlich-jüdischen Dialog unterzeichnet.

Deutschland

Die Deutsche Bischofskonferenz hat am 16. März eine Stellungnahme zum vatikanischen Schoa-Dokument veröffentlicht. Darin wird erklärt, daß die Kirche sich die Frage nach ihrer Verantwortung stellen müsse. Ob anti-jüdische Vorurteile von Christen die Diskriminierung begünstigt haben und ob sie alles in ihrer Macht stehende zu Rettung von Juden getan haben, könne nicht anhand von Einzelfällen beurteilt werden. Die Shoah als politisches Programm habe von Grund auf der christlichem Ethik widersprochen. Dies sei auch in der Zeit des NS-Regimes gesagt worden. Dennoch seien Wort und Tat oft von Zurückhaltung oder Enthaltung geprägt gewesen. [Dokument auf www.kath.de/sdbk]

Italien

Als wichtigen Schritt auf dem Weg der christlich-jüdischen Beziehungen hat die jüdische Gemeinde in Rom das Vatikan-Papier bezeichnet. Dem müßten jedoch noch andere folgen, um anti-jüdische Gefühle zu verhindern.

Italien

Anläßlich einer Tagung "Kirche und Emigration" (15. und 16. März) erinnerte Kardinal Carlo Maria Martini daran, daß in reicheren Ländern nur eine Rechtsprechung existiere, die die eigenen Rechte verteidige und dabei Einwanderung bremse und hemme. Die Einwanderungsbewegung erfordere jedoch menschliche und solidarische Gesetze. Ziel müsse es daher sein, daß die Heimatländer Gesetze erlassen, die das Recht auf Migration, auf Arbeit und Familienschutz erfassen.

Wien

Im Stephansdom zu Wien wurde am 14. März die sogenannte benediktinische Friedensfackel entzündet. Die Strecke, auf der die Fackel durch Europa getragen wird, führt dieses Jahr über das Kloster Melk, Salzburg, Tarvisio, Rom, Norcia und schließlich nach Montecassino.

Frankreich

Am Morgen des 16. März ist in Paris wieder eine Kirche von der Polizei geräumt worden, in der afrikanische Immigranten Zuflucht gesucht hatten. Nach Angaben eines Sprechers wurden dabei mehrere Personen festgenommen. Schon vor zwei Jehren war ein Pariser Kirchenasyl nach Wochen von der Polizei brutal aufgelöst worden. Damals hatten Proteste aus der Bevölkerung die Regierung dazu gezwungen, den meisten der Flüchtlinge gültige Papiere auszustellen.

Frankreich

Der Großrabbiner von Frankreich hat seine Zufriedenheit über das Vatikan-Papier zum Holocaust geäußert. Dieser Akt der Reue sei eine mutige Geste.

Großbritannien

Enttäuscht über den Inhalt des Vatikan-Dokuments zeigten sich Vertreter des us-amerikanischen und britischen Judentums. Der Präsident des in London ansässigen "Holocaust Educational Trust" bezeichnete den Inhalt als wertlos. Er kritisierte, daß das Schweigen der offiziellen Kirchenvertreter während der Judenvernichtung nicht erwähnt werde.

Nordirland

Zum ersten Mal wird am 17. März in Belfast eine Prozession zu Ehren des irischen Schutzpatrons, des Heiligen Patrick stattfinden. Die Katholiken haben zu dem Umzug auch die Protestanten eingeladen. Diese reagierten bislang noch nicht. Der Heilige Patrick gilt nämlich als Symbol der nationalistischen Bestrebungen für ein geeintes Irland. Trotzdem hofft einer der Veranstalter darauf, mit einer gemeinsamen Prozession ein Zeichen für veränderte Zeiten setzen zu können. Schließlich handle es sich um eine Veranstaltung zu Ehren des Patrons der Region, nicht der einen oder anderen Konfession.

Ungarn

Jüdische Vertreter des Landes haben das Vatikan-Dokument zur Shoah positiv aufgenommen. Ihrer Ansicht nach räumt es mit dem Mißverständnis auf, daß die Juden Schuld am Tod von Jesus seien. Außerdem gestehe es ein, daß der theologisch motivierte Antisemitismus mit zum Holocaust geführt habe.

Serbien

Die orthodoxen Kirchen von Albanien und Kosovo haben ein friedliches Zusammenleben im Kosovo gefordert. Patriarch Anastasi Jannulatos, der der unabhängigen orthodoxen Kirche vorsteht, verurteilte in einem am 14. März in Tirana veröffentlichten Schreiben die Menschenrechtsverletzungen in der Krisenregion. Erzbischof Artemije rief in Pristina zu einem Friedensdialog ohne Vorbedingungen auf.

Rumänien

Nach Auseinandersetzungen zwischen orthodoxen Gläubigen und Katholiken des östlichen Ritus hat der orthodoxe Erzbischof der transsilvanischen Stadt Cluj ein umstrittenes Kirchengebäude offiziell an die Katholiken zurückgegeben.
Die offizielle Übergabe der Kathedrale durch Erzbischof Bartolomeu Anania zieht einen Schlußstrich unter einen Streit der beiden Bekenntnisse. Dieser war mit dem Zusammenbruch des Kommunismus 1989 aufgebrochen und hatte zuletzt bis zu Handgreiflichkeiten geführt.

Rumänien

Intellektuelle und ehemalige Dissidenten haben den Patriarchen der orthodoxen Kirche, Teokist, erneut zum Rücktritt aufgefordert. In einem offenen Brief heißt es, er habe wegen seiner Zusammenarbeit mit dem Ceaucescu-Regime kein moralisches Recht mehr auf sein Amt. Gegen die Zerstörung unzähliger rumänischer Kirchen habe er nichts unternommen, sondern mit der berüchtigten Sicherheitspolizei Securitate gemeinsame Sache gemacht, heißt es. Auch Teile des orthodoxen Klerus sind diesr Ansicht.

Rumänien

Die Geschichte der jüdischen Gemeinschaft des Landes soll künftig zum Lehrplan der Schulen gehören. Das verlautete am 16. März aus dem Erziehungsministerium. Eine Kommission von Historikern wird dazu Empfehlungen ausarbeiten.

Polen

Die jüdische Gemeinde Polens hat das Vatikandokument zur Shoah am 16. März begrüßt. Es enthalte die Bitte um Entschuldigung dafür, daß Katholiken nicht genügend taten, um Juden während des Holocaust zu helfen. Gleichzeitig sei es eine Aufforderung zu weiterem Nachdenken über dieses Thema.

Rußland

Das neue Religionsgesetz in Rußland ist eine Bedrohung für die katholische Kirche in Sibirien. Das hat der Bischof von Novosibirsk, Joseph Werth, bei einem Besuch in Deutschland mitgeteilt. Obwohl das Land sich bemüht, den Gesetzen nach außen hin einen positiven Anstrich zu geben, führen die neuen Regelungen zu Spannungen zwischen Katholiken und den Behörden.

Israel

Der Leiter eines ökumenischen Instituts in Jerusalem, Israel Lippel, nahm am 16. März Stellung zur Vatikan-Erklärung über die Shoah. Lippel erklärte, ein solches Dokument könne nicht die alten Wunden heilen oder 2000 Jahre kirchlichen Antisemitismus ungeschehen machen. Es sei aber von großer Bedeutung für die Zukunft. Der israelitische Experte für christliche Angelegenheiten, Jitzak Minervi, kritisierte, daß der Vatikan die Haltung von Pius XII. verteidigt habe. Das Dokument enthalte außerdem keine echte Bitte um Vergebung und vergleiche das einzigartige Vergehen an den Juden mit Massakern an anderen Völkern.

Israel

Mit dem Ausschluß Europas aus dem Friedensprozeß im Nahen Osten hat am 16. März die israelische Regierung gedroht. Sie will damit verhindern, daß der britische Außenminister Robin Cook, bei seinem derzeitigen Besuch, auch das umstrittene Siedlungsprojekt der Israelis im arabischen Ostteil von Jerusalem besichtigt.

Palästina

Fast 20 Prozent der auf der West Bank und im Gaza Streifen lebenden Palästinenser leben unterhalb der Armutsgrenze. Ursache dafür seien die unsicheren Arbeitsmöglichkeiten, wegen der häufigen Schließung der Grenzen zu Israel. Das geht aus einer am 16. März veröffentlichten Studie hervor, die vom palästinensischen Handelsministerium zusammen mit der Weltbank erstellt wurde. Danach hat sich die wirtschaftliche Situation der Palästinenser seit Unterzeichung des Friedensvertrages mit Israel 1993 kontinuierlich verschlechtert.

Iran

Es gibt nach islamischen Recht keinen Schleierzwang für nicht-muslimische Frauen. Diese liberale Auslegung durch Ayatollah Mohaamad Hadi wurde am 14. März in der Tageszeitung Akhbar zitiert. Der Ayatollah hatte außerdem bei einem Tourismusseminar im Persischen Golf darauf hingewiesen, wie schwierig für Ausländerinnen eine Anpassung an dieses islamische Gebot sei.

Iran

Einen neuen Impuls für mehr Frauen in der Kulturszene des Landes gibt jetzt die erste Buchmesse von Verlegerinnen. Die Präsentation in Teheran wurde sogar vom Ministerium für Kultur und islamische Führung finanziell unterstützt. An der Messe nehmen etwa 50 Frauen teil, die Bücher und Zeitschriften publizieren.

Iran

Eine Gruppe islamischer Theologen hat die Behandlung eines Ayathollahs angeprangert. Zeitungsberichten zufolge war Hossein-Ali Montazeri unter Hausarrest gestellt worden, weil er das Regime kritisiert hatte. Die Proteste kommen vor allem von Studenten. Sie fordern in Briefen an mehrere Ayatollahs die Rückkehr ihres Lehrers.

Afghanistan

Ohne Begleitung durch einen engen männlichen Verwandten dürfen muslimische Frauen, die für die UN oder private Hilforganisationen arbeiten, nicht mehr ins Land einreisen. Darüber hat letzte Woche ein Talibanvertreter die Vereinten Nationen informiert. Nach vertraulichen Angaben ist ein Protest des UN-Koordinators in Afghanistan gegen diese Maßnahme bisher ohne Reaktion geblieben.

Philippinen

Die katholischen Bischöfe des Landes haben sich für das Verhalten einiger Priester während des Freiheitskampfes vor 100 Jahren entschuldigt. Hintergrund ist die Zusammenarbeit einiger Mitglieder des Klerus mit der spanischen Kolonialmacht.

Indonesien

Unter dem Eindruck der Studentenproteste hat die Regierung heute versprochen, aus eigenen Kräften einen Hilfsfonds für Arme einzurichten. Dabei wollen Präsident Suharto und seine 36 Minister je ein Jahresgehalt einzahlen.

Ägypten

Sechs Tote und dreizehn Verletzte. Das ist die Bilanz von Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und bewaffneten Islamisten im Norden des Landes. Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei den Toten um 4 Mitglieder der "Jamaa Islamiya", einen Polizisten und ein Kind.

Nigeria

Eine Woche vor der Papstreise nach Nigeria haben sich am 13. März die katholischen Bischöfe des Landes mit einem Versöhnungsappell an die Bevölkerung gewandt. Sie legen große Hoffnung in den Besuch von Papst Johannes Paul II., der die untereinander verfeindeten Parteien einander näher bringen könnte. Er ist bisher nicht davor zurückgeschreckt, offen auch von Staatsseite begangenes Unrecht zu benennen. Das stützt sicher die Position der Bischöfe, die selbst unlängst z.B. die Entlassung der politischen Häftlinge forderten. Noch in der vergangenen Woche hatten die Autoritäten eine Demonstration von Studenten und Menschenrechtlern mit Tränengas aufgelöst.

Kuba

Mitglieder einer inoffiziellen us-amerikanischen Delegation haben sich auf der Zuckerinsel mit führenden Dissidenten getroffen. Thema der Gespräche war die Kuba-Politik von Washington. Die Delegation war nach Havanna gereist, um die Auswirkungen des Embargos seitens der US-amerikanischen Regierung zu überprüfen.

Kolumbien

Die Bischöfe drängen die Regierung zu einem Kurswechsel, der Friedensverhandlungen mit den Rebellen möglich macht. Zum Abschluß ihrer Vollversammlung in Bogota baten sie vor allem die Regierung um dringende Hilfe und Ideen bei der Suche nach Frieden.

Argentinien

Im Jahr 1946 soll der Vatikan die Regierung in Buenos Aires gebeten haben, Flüchtlinge aus Europa aufzunehmen. Das wurde am 17. März von einer Tageszeitung gemeldet, die sich auf Dokumente stützt. In den historischen Unterlagen fanden sich keine Hinweise darauf, daß der Vatikan die Ausreise von früheren NS-Kriegsverbrechern erleichtert hätte.

Chile

Die katholische Kirche des Landes hat sich gegen eine Blockade der Politik ausgesprochen. Anlaß für entsprechende Befürchtungen ist die Ernennung des langjährigen Diktators Augusto Pinochet zum Senator auf Lebenszeit. Dieses politische Amt sichert dem General Immunität vor gerichtlicher Verfolgung seiner Verbrechen.

Vereinigte Staaten

Die Zustimmung zur Todesstrafe ist nach neuesten Untersuchungen im Bundesstaat Texas gesunken. Nach Angaben einer Tageszeitung liegt die Rate der Befürworter der Todesstrafe nun bei 68 Prozent. Das ist die niedrigste Zahl seit 30 Jahren. Noch vor 4 Jahren ergab eine Meinungsumfrage über 80 Prozent Zustimmung zur Todesstrafe in diesem Bundesstaat.

Hinweise auf unser Wochenprogramm:

Mittwoch: Römische Woche

Donnerstag: Kreuzfeuer - Kirche, wo es kritisch wird

Freitag: Prisma-Magazin

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Winfried Aufterbeck, Wiesenstr. 9a, D-40878 Ratingen

Tel. 0 21 02 / 2 30 31, Fax: 0 21 02 / 2 14 13

Für die Internet-Nachrichten verantwortlich:

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Redaktion dieser Ausgabe: Daniela Sadgorski

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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan Nachrichten: Freitag, 20.3.1998.

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