Radio Vatikan Archiv

Verehrte Internet-Benutzer und Benutzerinnen! An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit vom Samstag, 7. März 1998 bis Dienstag, 10. März 1998.

Vatikan

Madeleine Albright, die US-Außenministerin, war am 7. März zu einer dreißigminütigen Privataudienz bei Papst Johannes Paul II. Themen des Gesprächs war zunächst die Rolle der USA auf internationaler Bühne, dann die Lage im Kosovo und der Friedensprozeß im Nahen Osten, außerdem die ethnischen Konflikte in Afrika. Dann ging es um Themen, die Papst Johannes Paul II. besonders am Herzen liegen: die Religionsfreiheit in China und die Zukunft von Kuba. Vom Vatikan wurde der Meinungsaustausch danach als nützlich bezeichnet.

Vatikan

Am 7. März gab es einen wichtigen Personalwechsel. Der bisherige Nuntius in Israel und Palästina wird Nuntius in Italien. Erzbischof Andrea Cordero Lanza die Montezemolo hatte wesentlich zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und dem apostolischen Stuhl beigetragen. Sein Nachfolger in Israel ist noch nicht ernannt worden. Montezemolo tritt an die Stelle von Kardinal Colasuonno, der eine Funktion im Vatikan übernehmen wird. Der Papst hat ferner einen neuen Archivar und Bibliothekar der katholischen Kirche ernannt. s ist der bisherige Sekretär der Bischofskongregation, Erzbischof Jorge Mejia. An seine Stelle tritt der bisherige Nuntius in Sarajewo, Erzbischof Francesco Monterisi.

Vatikan

Am 7. März sind die Fastenexerzitien im Vatikan zu Ende gegangen. Papst Johannes Paul II. dankte Kardinal Jan Korec aus der Slowakei für sein Glaubenszeugnis, das er nicht nur während der Exerzitien, sondern vor allem auch während der langen Jahre der Kirchenverfolgung in seiner Heimat gegeben hatte. Der Kardinal war fast 40 Jahre lang an der Ausübung seines Bischofsamtes gehindert worden und arbeitete in einer Maschinenfabrik. An den Exerzitien hatte seit letztem Sonntag Papst Johannes Paul II., sowie Bischöfe und Kardinäle teilgenommen.

Vatikan

Papst Johannes Paul II. hat beim Angelusgebet am 8. März gefordert, daß den Bürgern im Kosovo angemessene Freiheitsrechte eingeräumt würden. Er sprach seine Sorge über die Gewalttaten in der autonomen Republik Kosovo aus. Der Papst bat die politisch Verantwortlichen alles nur mögliche zu tun, um die Gewaltausbrüche zu vermeiden und eine gerechte Lösung zu finden. Anschließend sprach der Papst anläßlich des Welt-Frauentages seine Überzeugung aus, daß vielen Frauen grundlegende Rechte verweigert würden. Er kritisierte, daß den Frauen in einigen Ländern verboten werde, zu studieren, eine Beruf auszuüben und öffentlich ihre Meinung zu sagen.

Vatikan

Papst Johannes Paul II. hat am 9. März den Präsidenten von Burundi, Pierre Buyoya, in Privataudienz empfangen. Thema der Gespräche war die kritische Lage in der afrikanischen Region der Großen Seen. Der Papst versicherte dem Präsident, daß die Kirche am moralischen und bürgerlichen Wiederaufbau in Burundi sehr interessiert sei. In einer Stellungnahme nach der Begegnung sprach sich der Vatikan gegen die Sanktionen aus; sie waren erst vor wenigen Tagen von den Nachbarn Burundis erneuert worden.

Vatikan

Der apostolische Stuhl hat mit Vietnam ein Abkommen über die Besetzung des Bischofsstuhls von Ho-Tschi-Minh-Stadt und über zwei weitere Ernennungen getroffen. Das wurde am 9. März von der Kongregation für die Glaubensverbreitung mitgeteilt. Demnach übernimmt Weihbischof Di My Tho den Erzbischofssitz des ehemaligen Saigon. Um diese Neubesetzung war zwischen dem Vatikan und dem kommunistihen Regime Vietnams lange gerungen worden. In diesen Tagen war eine Vatikandelegation in dem fernöstlichen Land und hatte über diese Besetzungen verhandelt.

Vatikan

Am 9. März ist vom päpstlichen Einheitsrat ein neues Dokument zur ökumenischen Aus- und Weiterbildung der Priester vorgestellt worden. Doch wie der Präsident, Kurienkardinal Edward Cassidy bei der Präsentation unterstrich, richtet sich das Büchlein an alle Gläubige, vor allem an die, die besser über die Prinzipien und Normen der ökumene informiert sein wollen.

Vatikan

Papst Johannes Paul II. hat sich in einer persönlichen Botschaft an den Vorsitzenden der kolumbianischen Bischofkonferenz, Erzbischof Alberto Giraldo Jaramillo, für eine Friedenslösung in dem Land eingesetzt. In dem Schreiben macht der Papst den abgrundtiefen Unterschied zwischen Reichen und Armen sowei den ungebremsten Machthunger für die nicht abreißende Gewaltwell in dem Land verantwortlich.

Vatikan

Am 10. März ist ein Dokument über Ausbildung und Lebensführung von ständigen Diakonen veröffentlicht worden. Es soll in erster Linie als Hilfmittel für die Diakone selbst dienen, sowie für die Bischöfe. Die einheitlichen praktischen Richtlinien erläßt der Vatikan nach 30 Jahre der Wiedererrichtung des Ständigen Diakonats. Zum Thema Diakonat der Frau enthält das Dokument keine Angaben.

österreich

Am 7. März hat der Abt-Primas der Benediktiner Marcel Rooney seine außerordentliche Visitation des Stiftes Göttweig abgeschlossen. Zum Ende der einwöchigen Befragung der 65 Mönche und ehemaliger Ordensleute erklärte er, dies sei nur der erste Schritt gewesen. Nun verfasse er einen Bericht für den Vatikan. Dieser werde dann alles weitere entscheiden. Abt-Primas Rooney betonte, die Mönche seien sehr offen und ehrlich gewesen und hätten ihr Möglichstes getan, um ein klares Bild von der Situation der Gemeinschaft zu geben. Nicht bekannt ist, ob bei der Visitation auch Kardinal Hans-Hermann Groer befragt worden ist. Er war vor seinem Amtsantritt als Erzbischof von Wien Mönch des Stiftes Göttweig gewesen. Bereits am ersten Tag der Visite hatte der Visitator auch eine Abordnung der ehemaligen Mönche gehört.

österreich

Am 8. März hat die Zeitung Kurier eine Meinungsumfrage über die derzeitige Einstellung der österreichischen Katholiken zu ihrer Kirche veröffentlicht. Demnach hat ein Drittel aller Katholiken schon einmal über den Kirchenaustritt nachgedacht. Nach der Umfrage wünschen 58 Prozent, daß Bischof Kurt Krenn von St.Pölten versetzt wird. Fast 80 Prozent der Befragten meinen, Kardinal Hans-Hermann Groer habe sich homosexueller Straftaten schuldig gemacht. Die allermeisten Befragten sind zufrieden mit der Erklärung der fünf Bischöfe, die ihre Ansicht ausgedrückt haben, aller Wahrschenlichkeit nach, sei Groer schuldig.

österreich

Der Erzbischof von Wien, Kardinal Christoph Schönborn, ist zu einer vertraulichen Begegnung mit der apostolischen Untersuchungskommission für das Kloster Göttweig zusammengetroffen. Das hat am 8. März der Sprecher der Wiener Erzdiözese bekanntgegeben. Diesen Angaben zufolge war das Gespräch zwischen Schönborn, dem Abt- Primas der Benediktiner, Marcel Rooney und dem deutschen Abt Franziskus Heeremann sehr offen und positiv.

Deutschland

Die "Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen" feiert am kommenden Dienstag und Mittwoch in Kassel ihr 50-jähriges Bestehen. Der Zusammenschluß, dem heute 14 Kirchen als Vollmitglieder angehören, war dort am 10. März 1948 gegründet worden.

Frankreich

Etwa 100 illegale Einwanderer aus afrikanischen Ländern haben am 7. März die moderne Kathedrale von Evry bei Paris besetzt. Sie wollen das Gotteshaus erst wieder räumen, wenn die Behörden ihnen Aufenthaltsgenehmigungen geben. Die meisten Kathedralen-Besetzer sind Stipendiaten, die ohne ihre Familien nach Frankreich gekommen sind. Vor zwei Jahren hatten afrikanische Einwanderer eine Kirche im Zentrum von Paris besetzt, bis die Polizei eine Räumung durchführte. Darüber läuft bis heute eine erregte Debatte.

Frankreich

Eine Gruppe von rund 60 illegal im Land lebenden Ausländern hält weiterhin die neue französische Kathedrale von Evry südlich von Paris besetzt. Sie fordern von den Behörden eine Legalisierung ihres Aufenthaltes in Frankreich. Ein Specher des Bistums sagte am 10. März, daß die Verhandlungen der Gruppe mit den staatlichen Stellen gescheitert seien und sie deshalb die Besetzung der Kathedrale fortsetzen wollen.

Kosovo

Der Weltkirchenrat, der lutherische Weltbund und die Konfernz Europäischer Kirchen haben am 10. März die Kirchenführer Restjugoslawiens aufgerufen, zu einer Konfliktlösung im Kosovo beizutragen. Die Generalsekretäre der drei Organisatoren appellierten an die Verantwortlichen, die Gewalt in der Region zu beenden. Der UNO-Flüchtlingsrat hat alle europäischen Länder und dabei ganz besonders Deutschland und die Schweiz aufgefordert, die Rückführung der Kosovo-Flüchtlinge wegen der gefährlichen Lage in ihrer Heimat zu blockieren.

Libanon

Die maronitischen Bischöfe des Libanon haben gegenüber Ministerpräsident Rafic Hariri harsche Kritik an der Regierung geübt. Ende der vergangenen Woche war er mit Patriarch Nasrallah Sfeir und den Bischöfen zu Gesprächen über die politische Lage im Land zusammengetroffen.

Israel

Einige Hundert Palästinenserinnen haben am 8. März im Gaza-Streifen und auf der Westbank gegen doppelte Unterdrückung demonstriert. Nach Ausagen der Ehefrau von Präsident Arafad werden die Frauen einerseits nach nahöstlicher Sitte unterdrückt, anderseits durch die - wie sie sagte - koloniale Besatzung durch Israel. In ihrer Rede sagte Frau Arafat: Sie sei Mutter der Martyrer, Ehefrau der Gefangenen, und Schwester der Waisen.

Israel

Tausende von orthodoxen Juden haben am 8. März in Tel Aviv gegen die öffnung von Geschäften am Sabbath demonstriert. Der Bürgermeister der Stadt hatte kommerzielle Tätigkeiten am jüdischen Ruhetag erlaubt.

Israel

Über 1.500 Reserveoffiziere und Soldaten haben den Ministerpräsi-denten, Benjamin Natanjahu, am 8. März aufgefordert, die Friedensverträge mit den Palästinensern einzuhalten. In einer ganzseitigen Zeitungsanzeige erklärten die Armee-Angehörigen, unter denen viele hohe Ränge vertreten sind, Netanjahus Siedlungspolitik schüre "Zweifel an der Gerechtigkeit unserer Sache".

Nigeria

Die Bischofskonferenz hat in Lagos am 7. März das Regime von Abacha aufgerufen, alle politischen Gefangenen freizulassen. Nur so sei eine Spaltung des Landes zu vermeiden, in das der Papst in zwei Wochen kommen wird. Ein Versöhnungsprozess sei auf politischem, sozialem und religiösem Gebiet dringend nötig. Erst vergangene Woche war der Rechtsanwalt und Menschenrechtlicher Olisa Agbakoba verhaftet worden, der früher den Bürgerrechtler Ken Saro-Wiwa verteidigt hatte.

Kolumbien

Zu der Delegation von Kirchenleuten, die in den nächsten Tagen in Kolumbien nach dem Frieden suchen, gehören auch zwei Deutsche. Außer Delegationsleiter Paul Josef Cordes, dem deutschen Kurienerzbischof, wird auch der Misereor-Experte für Lateinamerika, Martin Brockelmann-Simon, an der Reise teilnehmen. Die Bischöfe Kolumbiens haben am 9. März ihre Vollversammlung begonnen, auf der sie über ein Ende des Bürgerkrieges beraten wollen.

Brasilien

Nach Angaben der parlamentarischen Menschenrechtskommission treiben weiterhin zahlreiche Todesschwadronen in verschiedenen Bundesstaaten ihr Unwesen. Sie bestehen meist aus Polizisten oder aus vom Polizeidienst Entlassenen. Nach einem Bericht der Kommission haben sie vor allem im Mato Grosso und an den Grenzen zu Bolivien und Paragay gemordet und gefoltert. Ihre bevorzugten Opfer sind dabei Bauernführer, Gewerkschaftler und Straßenkinder. Agenturmeldungen zufolge hat der Staat die Kontrolle über die Lage verloren.

Vereinigte Staaten

Der diesjährige Tempelton-Preis für religiöse Förderung geht an den ungarischen Geschäftsmann Sigmund Sternberg. Der 76-jährige Präsident des Internationalen Rates der Christlich-Jüdischen Vereinigung ist ein bedeutender Förderer des interreligiösen Dialogs.

Vereinte Nationen

45.000 Menschen aus 63 Ländern gelten als verschollen. Nach einem am 9. März in Genf veröffentlichten UN-Bericht steht dabei der Irak mit über 16.000 "Disaparicidos" an erster Stelle. Bei dem größten Teil davon handelt es sich um Kurden, die bei der "ethnischen Säuberung" im Jahr 1988 spurlos verschwunden sind. Weitere Länder mit einem hohen Anteil an Verschollenen sind Sri Lanka mit 12.000 und Argentinien mit über 3.000.

Hinweise auf unser Wochenprogramm:

Mittwoch: Römische Woche

Donnerstag: Kreuz des Südens

Freitag: Prisma-Magazin

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täglich 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr

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Winfried Aufterbeck, Wiesenstr. 9a, D-40878 Ratingen

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Für die Internet-Nachrichten verantwortlich:

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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan Nachrichten: Freitag, 13.3.1998.

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