Radio Vatikan Archiv

Verehrte Internet-Benutzer und Benutzerinnen! An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit vom Mittwoch, den 17. Februar bis Freitag, den 20. Februar 1998.

Vatikan

Die Botschaft des Papstes für die Fastenzeit ist am 18. Februar veröffentlicht worden. Sie steht unter dem Motto: "Ihr Gesegneten meines Vaters, denn ich war arm... und ihr habt mich aufgenommen." Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht das Leid der Flüchtlinge, Asylsuchenden und Heimatvertriebene. In seiner Botschaft spricht Papst Johannes Paul II. klare Worte. Die Armut habe viele Gesichter: die offensichtlichste, die materielle Armut sei ein Skandal. Der Mangel des Lebensnotwendigsten demütige den Menschen. Ebenso schwerwiegend sei aber auch die geistige Armut, der Mangel an geistiger Nahrung. Der Mensch verlange im Innersten seines Herzens nach Sinn, nach Liebe. Jeder Christ sei aufgerufen, sich für die Bedürfnisse der anderen zu öffnen. Die Kirche bekämpfe seit jeher alle Formen der Armut, so der Heilige Vater.

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Die diplomatische Aufmerksamkeit des Vatikans ist in diesen Tagen auf den Golf gerichtet. Im Vatikan wurde am 18. Februar das Schreiben der us-merikanischen Kardinäle veröffentlicht, die sich gegen eine Militärintervention aussprachen. Der deutsche Zweig des internationalen Versöhnungsbundes hat ebenfalls dringend eine diplomatische Lösung gefordert. Er schloß sich damit dem Papst und der Vatikan-Diplomatie an. Indes hat der anglikanisch Erzbischof von York die Meinung vertreten, die Kriterien für einen gerechten Krieg gegen den Irak seien fast erfüllt. Die dortige Waffenproduktion müsse unbedingt gestoppt werden. Die USA und Großbritannien könnten nicht mehr zurück.

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Papst Johannes Paul II. möchte in den Irak reisen. Dieser Plan stehe nicht im Zusammenhng mit der derzeitigen Irak-Krise. Wenn der richtige Moment gekommen sei, wolle Johannes Paul dort als Pilger auf den Spuren Abrahams wandeln. Das erklärte am 18. Februar der Patriarch von Bagdad, Rühael Bidawid in der Tageszeitung Corriere della Sera. Er habe den Papst bei einer Audienz erneut zu einem Besuch in den Irak eingeladen, so Bidawid.

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Auch die vatikaniche Tageszeitung hat am 19. Februar den am 17. Februar verstorbenen deutschen Schriftsteller Ernst Jünger gewürdigt. Er sei ein Romancier und Essayist von hohem Rang gewesen. Zur Hitlerzeit sei Jünger ein kritischer Nationalsozialist gewesen, der Hitler vorgeworfen habe, die Massen zu verführen. Ernst Jünger habe sich auch zeitlebens gegen die große Technologie-Schwemme und die Massenzivilisation ausgesprochen.

Vatikan

Der Substitut des päpstlichen Staatssekretariats, Erzbischof Giovanni Battista Re, hat am 18. Februar im Auftrag des Papstes dem Präsidenten des olympischen Komittes, Juan Antonio Samaranch, für dessen Schreiben gedankt. Er drükte gleichzeitig die Hoffnung aus, daß der olympische Frieden gewahrt bleibe. So wie die Sieger bei Wettkämpfen die Nachkommenden mit Freude erwarten, so sollten auch die reicheren Ländern den ärmeren helfen zur Förderung des einzelnen Menschen und im Aufbau einer sozialen Gemeinschaft.

Vatikan

Wie am 18. Februar bekannt wurde, hat sich 1o Jahre lang die damalige Index-Kongregation mit den Schriften von Nicolo Machiavelle befaßt, bevor sie verurteilt wurden. Das geht aus Studien im Archiv der Glaubenskongregation hervor, die jetzt in Tübingen veröffentlicht worden sind. 1570 waren Theologen beauftragt worden, die Schriften von Machiavelli zu studieren. Nach rund 1o Jahren kam das negative Urteil.

Vatikan

Am 20. Januar kam es in Rom zeitgleich zu zwei Begegnungen, die die Kirche österreichs betreffen. Zum einen empfing Papst Johannes Paul II. den Wiener Alterzbischof, Kardinal Hans Hermann Groer, in Audienz. Zum anderen sprach der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn mit der Presse. Dabei stand die Frage nach seinem Amtvorgänger im Vordergrund. Seit Wochen kommen in österreich die Vorwürfe gegen Hans Hermann Groer in Sachen Amtmißbrauch und sexuellen Mißbrauch von Mittarbeitern nicht zum Schweigen. Gegenüber den Journalisten sagte Schönborn er hoffe, Kardinal Groer werde die Kraft zu einem Bekenntnis zu finden. Das Evangelium lade jeden Menschen dazu ein, seine Schuld zu bekennen. Schönborn forderte die Christen dazu auf, dafür zu beten, daß dies Kardinal Groer gelinge.

Vatikan

Die Kirche schlägt sich auf verschiedenen Ebenen mit möglichen Schuldbekenntnissen herum. So hat die internationale Theologenkommission in diesen Tagen die Frage geprüft, ob die Kirche ihre Schuld an der Inquisition bekennen soll. Ein spanischer Kardinal wies hingegen den Vorschlag zurück, die Kirche Spaniens sollte sich für ihre Zusammenarbeit mit dem Diktator Franco entschuldigen. Es geht dabei nicht darum, Schuld oder Versagen totzuschweigen. Der Papst selbst hatte vorgeschlagen die Kirche solle vor den Feiern zum Jahr 2000 ihre Schuld bekennen. Historiker wenden ein, daß es sinnlos sei, sich pauschal für vergangenes Versagen zu entschuldigen.

Vatikan

Am 20. Februar ist das Arbeitsdokument für die Asiensynode veröffentlicht worden. Sie findet vom 18. April bis 15.Mai im Vatikan statt. In dem Papier wird einerseits auf die religiösen und kulturellen Reichtümer des Kontinents hingeweisen, anderseits auf die sehr geringe Zahl von Katholiken. Es gebe einige große Bedrohungen des Lebens aufgrund der wirtschaftlichen und sozialen Lage in vielen asiatischen Ländern.

Deutschland

Was hat das gemeinsame Sozialwort der Kirchen, das vor einem Jahr veröffentlicht wurde bewirkt. Am Aschermittwoch ziehen zu dieser Frage die Spitzen der evangelishcen und katholischen Kirche eine Zwischenbilanz. Nach den Worten des Frankfurter Sozialethikers Friedhelm Hengsbach hat das Sozial-Wort der Kirchen kaum Einfluß auf die Regierungspolitik gehabt. Das sagte der Jesuit am 20. Februar in einem Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur. Nach ihm haben die Parteien nur das aus dem Kirchenwort herausgelesen, was ihre eigene Politik bestätigt.

Frankreich

Bei einer Feierstunde in der UNESCO in Paris hat am 18. Februar der Staatspräsident Jacques Chirac das Edikt von Nantes, mit dem die Hugenottenkriege beendet wurden, als "Lektion für Toleranz" und Aufruf, Unterschiede anzuerkennen, gewürdigt. Das aus dem Jahre 1598 stammende, von Heinrich IV. von Frankreich erlassene Edikt sei ein Zeichen der Einheit gewesen, sagte Chirac. Es habe den Dialog, den Pragmatismus, politische Intelligenz und Mut in den Mittelpunkt gestellt. Es zeige, daß wichtige Entscheidungen nur mit Unterstützung des Volkes getroffen werden könnten, aber niemals gegen seinen Willen. Der Generaldirektor der UNESCO Frederico Mayor mahnte allerdings, daß es auch noch heute in einigen Ländern "Bartholomäusnächte" gebe. Die Nacht vom 24. August 1572, die sogenannte Bartholomäusnacht oder auch Pariser Bluthochzeit genannt, war der blutige Höhepunkt des französischen Konfessionskrieges gewesen, in der über 5.000 Protestanten ermordet wurden.

Deutschland

Rund 60.000 Juden sind seit 1991 nach einer Schätzung des Postdamer Historikers Julius Schoeps aus den GUS-Staaten nach Deutschland eingewandert. Ebenso viele hätten ihr Interesse an einer Übersiedlung angemeldet, teilte Schoeps am 18. Februar in Berlin mit. Zudem seien seit dem Ende der Sowjetunion mehr als eine halbe Million Juden nach Israel und 300.000 in die USA emigriert, so der Historiker.

Großbritannien

Die Regierung des Landes, die zur Zeit die EU-Präsidentschaft inne hat, wirbt für einen Schuldenerlaß der ärmsten Länder. Dieser Wunsch wurde am 18. Februar im Anschluß eines Treffen zwischen dem britischen Finanzminister, Gordon Brown, und dem Präsidenten der Weltbank, James Wolfensohn, geäußert. Die Industrienationen der Welt müßten sich um eine Verbesserung der Lebensbedingugen der ärmsten Länder kümmern. Dabei müsse man zuerst die Nationen berücksichtigen, die am meisten unter den Schulden leiden.

Nord Irland

Wie am 18. Februar bekannt wurde, hat sich die Sinn-Fein-Partei gegen den drohen Ausschluß von den Friedensverhandlungen an den obersten Gerichtshof in Dublin gewandt. Wegen eines Mordes durch die IRA sollte die Partei davon entfernt werden.

Indien

Seit dem 16. Februar wird in Indien, der größten Demokratie der Welt, gewählt. Dabei gibt es viele Gewalttaten und Tote, wie am 18. Februar bekannt wurde. Die Wahlen betreffen auch direkt die Kirchen. Denn ein Sieg der großen Hindu-Partei wäre eine ausgesrprochene Gefahr für die Christen und alle anderen Minderheiten. Die Wahlen ziehen sich noch bis zum 7. März hin. Viele Christen tendieren dazu, die Kongreß-Partei zu wählen, die Indien praktisch 50 Jahre lang dominiert hat und jetzt weitgehend als kurrupt gilt. Einige progessive Kirchenlaute halte es wegen der sozialenGerechtigkeit mit der einst starken kommunistischen Partei.

Bangladesch

Die Konferenz Katholischer Orden hat am 20. Februar ein Hilfswerk zur Verteidigung der Rechte christlicher Frauen in Kirche und Gesellschaft gegründet. Sie wollen damit gegen die allgegenwärtige Diskriminierung der Frauen kämpfen, darunter auch gegen den Kaufpreis den Brautväter heute noch an die Familie des zukünftigen Mannes zahlen müssen.

Indonesien

Protestanten und Katholken in Asien sollen von der Basis her über ökumene informiert werden. Dies ist das Ergebnis einer kurzlichen Konferenz der asiatischen Bewegung für christliche Einheit auf der Insel Bali. Die Verschiedenartigkeit der Kirchen sollte nicht als Problem angesehen werden. Daher hielten es die Vertreter der aisatischen Bischofskonferenz und der christlichen Konferenz Asiens für eine vordringliche Aufgabe, ökumenische Aufklärungsarbeit in den Gemeinden zu leisten. Dies könnte dann das Bewußtsein fördern, in einer pluralistischen Umwelt zu leben. Materialismus, Sekularismus und Individualismus hätten Moral, Spiritualität sowie Familien- und Gemeinschaftssinn verdrängt.

Ost-Timor

Friedensnobelpreisträger Bischof Carlos Belo hat am 18. Februar vor der Presse in Rom gefordert, daß die Europäische Union sch zusammen mit den Vereiniten Nationen für eine gerechte und friedliche Lösung seiner Heimat Ost-Timor einsetzt. Es müßten immer drei an einem Tisch sitzen, Ost-Timor selbst, zusammen mit Portugal und Indonesien.

Elfenbeinküste

Am 18. Februar begann in Abidjan ein Islam-Weltkongress. Er steht unter dem Motto: Islam - Religion der Gerechtigkeit, des Friedens, der Entwicklung und Solidarität. Nach Regierungsangaben nehmen 36 Staaten an der Veranstaltung teil, die im Land selbst sehr umstritten ist.

Sierra Leone

Fünf europäische Missionsschwester sind von Regierungstruppen gekidnapt worden. Wie ein Kirchensprecher am 18. Februar bestätigte, befanden sich die Ordensfreuan in Lunsar, eine Stadt 60 Kilometer von der Hauptstadt Freetown entfernt. Die Entführer befanden sich auf der Flucht vor westafrikanischen Friedenstruppen.

Burundi

Die Bischöfe des Landes forderten am 18. Februar zusammen mit den Bischöfen Ruandas die Aufhebung des Embargos gegen Burundi. Es versperre dem Land den Zugang zur internationalen Gemeinschaft und schade besonders der armen Bevölkerung. Burundi wurde mit Sanktionen belegt, nachdem das von den Tutsis dominierte Militär unter Oberst Pierre Buyoya die Herrschaft an sich riß.

Israel

Das 50-jährige Bestehen der Apostlischen Delegation in Palästina ist am 18. Februar mit einer Konzelebration im Päpstlichen Zentrum "Notre Dame von Jerusalem" gefeiert worden. Hauptzelebrant war der Apostolische Legat in Palästina und Jerusalem, Erzbischof Andrea Montezemolo. Im Namen des Papstes hatte Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano, eine Grußbotschaft übermittelt, in der Gerechtigkeit und Freiheit für die Stadt Jerusalem gefordert wird. "Jerusalem, von zwei Völkern als Hauptstadt beansprucht und geistliche Heimat von drei Religionen, möge für die ganze Welt ein Ort der Anbetung, der Begegnung und des Gebets werden, heißt es unter anderem in dem Text.

Mexiko

Die indianischen Flüchtlinge in Chiapaz leben wie Tiere. Diese Feststellung traf am 18. Februar eine internationale Gruppe von Menschenrechtsbeobachtern, die derzeit die mexikaische Provinz bereist. Die Gruppe besteht überwiegend aus US-Amerikanern und Europäern und ist bislang die größte Einheit, die sich in der Gegend aufhält. Die Regierung versucht unterdessen, Ausländer aus der Region fernzuhalten.

Kuba

Wie am 20. Februar bekannt wurde, hat der Besuch von Papst Johannes Paul II. viel in Bewegung gebracht. Seiner Bitte, politische Gefangene freizulassen, ist die Regierung inzwischen nachgekommen. Aber auch innerhalb der Kirche zogen die Bischöfe des Landes mit einem Hirtenbrief nicht nur Bilanz. Sie stellten auch ein Aktionsprogramm auf. Die Kirche Kubas muß mehr tun, um den Menschen klar zu machen, daß sie selbst für das Schicksal ihres Landes verantwortlich sind. So heißt es in der Botschaft der Bischöfe. Des weiteren will die Kirche den Dialog sowohl mit den anderen christlichen Konfessionen wie auch mit den staatlichen Autoritäten suchen.

Vereinigte Staaten

Der Anführer einer Anti-Abtreibungsgruppe ist am 19. Februar im US-Bundesstaat Virginia zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe wegen Hausfriedensbruch verurteilt worden. Flip Benham, der Leiter der Aktionsgruppe "Operation Rescue", hatte im November vergangenen Jahres an einer Demonstration auf einem Schulgelände teilgenommen. Nachdem er der Aufforderung der Polizei nicht nachgekommen war, das Gelände zu verlassen, wurde er festgenommen.

Hinweise auf das Wochenprogramm:

Mittwoch: Römische Woche
Donnerstag: Kreuizfeuer: Kirche, wo es kritisch wird
Freitag: Prisma-Magazin

Man hört Radio Vatikan:
täglich 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr
auf Mittelwelle 1530 kHz und auf den
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Über Radio Campanile. Im Kabel und auf Tonunterträger von
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Vier-Monatsprogramm kann angefordert werden bei:
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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan Nachrichten: Dienstag, 24. 2. 1998.

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