Radio Vatikan Archiv

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An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von

Radio Vatikan in der Zeit vom Dienstag, den 21. Januar bis Freitag, den 23. Januar 1998.

 

Vatikan

Papst Johannes Paul II. befindet sich vom 21. bis 25. Januar zu einer Pastoralreise auf Kuba. Gleich bei seiner Ankunft rief er Kuba auf, sich der Welt zu öffnen, wie auch die Welt sich Kuba gegenüber öffnen solle. Der Staat solle keine Angst haben vor der christichen Botschaft. Der Papst wiederholte seinen Aufruf: öffnet euch für Christus, habt keine Angst vor ihm. Beobachter werten dies als Appell, alte Ideologien zu überwinden und der Kirche mehr Freiraum zu geben. Während seines Fluges nach Kuba forderte er gegenüber der mitfliegenden Presse die Aufhebung des Wirtschaftsembargos durch die Vereinigten Staaten. Es verursache unendliches Leid für die Armen. Das weiße Haus ließ wissen, dies könne erst geschehen, wenn sich die Politik von Fidel Castro ändere.
Präsident Castro machte sich bei der Begrüßung des hohen Gastes zum Sprecher aller Unterdrückten dieser Erde und erinnerte an die Millionen zu Tode gebrachter Ureinwohner des amerikansichen Kontinents und der aus Afrika importierten Sklaven. Der Papst habe wiederholt gezeigt, daß er mit Castro für Gerechtigkeit kämpfe.
Johannes Paul hat indessen bei Meßfeiern in Santa Clara und Camaguey die Familien und die Jugendlichen aufgerufen, zu den tragenden moralischen Werten zurückzukehren. Die Familien hätten ein Recht, ihre Kinder selbst zu erziehen, der Staat habe nur Hilfsfunktion. Den Jugendlichen rief der Papst zu, sich nicht durch Drogen, Konsum und oberflächlingen Sex verführen zu lassen. Sie sollten ihr Leben und die Zukunft des Landes in die Hand nehmen. Das koste Opfer, aber bringe auch ein erfülltes Leben. Christus helfe dabei.
Zu den Meßfeiern kamen jeweils mehr als 100.000 Personen und feierten begeistert mit. Das kubanische Fernsehen übertrug die Veranstaltungen nicht, wie zuvor angekündigt nur lokal, sondern landesweit. Präsident Castro hatte seine Landsleute aufgerufen, in großer Zahl mit dem Papst zu feiern. Sie haben dafür arbeitsfrei. Die kubanische Presse versucht sichtlich, eine Übereinstimmung des Papstes mit der Regierung herauszustellen, als sei der Papst ganz anders und viel besser als die sonstige kirchliche Hierarchie, vor allem die kubanische.
Beobachter vermuten, daß die Regierung Castro durch den Papstbesuch politische gewinnen will. Mehrfach wurde aber von Castro und dem Vatikan mitgeteilt, daß es sich um eine rein pastorale und keine politische Reise handle. Am Freitag spätabends traf der Papst in Havanna mit der "Welt der Kultur" zusammen. Am Samstag besucht er die Wallfahrtsmadonna "del Cobre", feiert in Santiago de Cuba eine Messe und besucht ein Leprosenheim.
Angeblich sind rund 4000 Journalisten aus aller Welt auf Kuba. Auch 1500 Exilkubaner sollen in ihre Heimat gekommen sein. Die Weltkirche nimmt durch viele Bischofsdelegationen an dem Großereignis teil. Die bischöfliche Aktion Adveniat ist durch Weihbischof Franz Grave vertreten. Viele Bischöfe der USA haben sich auch wiederholt gegen das US-Embargo gegen Kuba ausgesprochen. Es handelt sich um die 81. Pastoralreise des Papstes im Ausland. Er wird am Montag, den 26. Januar nach Rom zurückkehren.

[Hiweis: Live-Bilder vom Papstbesuch bei CNN oder NBC]

Vatikan

Das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie, Patriarch Bartholomaios, hat der katholischen Kirche eine expansionistische Politik vorgeworfen. Bevor es weitere Fortschritte in der ökumene gebe, müsse die Kirche aufhören, orthodoxe Gläubige abzuwerben. Dies sagte der Patriarch am 21. Januar in einem Zeitungsinterview.

Deutschland

Obwohl der Inhalt des päpstlichen Schreibens zur Schwangerenkonfliktberatung bisher nicht bekannt ist, gab es am 21. Januar von allen Seiten Stellungnahmen. Diese zielen auf den Fall, daß Papst Johannes Paul II. einen Ausstieg fordern sollte. Politiker aller Parteien haben die katholische Kirche zum Verbleib im staatlichen System der Schwangerenkonfliktberatung aufgefordert.

österreich

Am 25. Januar findet in Wien ein Treffen von 15 katholischen Bischöfen und Priestern statt, die über die Probleme der Kirche in ihrem Land sprechen wollen. Die Begegnung wird vom Leiter der katholischen Aktion, Christian Friesel, moderiert. Der Austausch findet statt, nachdem die österreichische Kirche seit Wochen mit zum Teil sehr negativen Schlagezeilen in den Medien präsent ist.

Großbritannien

Einen Schuldenerlaß für Schwarzafrika zur Jahrtausendwende hat am 21. Januar der Erzbischof von Canterbury, George Carey, gefordert. Wie das geistliche Oberhaupt der "Church of England" in Addis Abega, betonte, sei der Schuldenberg der 52 afrikaischen Ländern südlich der Sahara auf rund 235 Billionen US-Dollars angewachsen. Am schlimmsten sei die Lage in Mozambique, wo jedes neugeborene Kind gleich eine Auslandsschuldenlast von 350 Dollar als "Morgengabe" mit auf den Weg bekommt.

Zypern

Am 23. Januar hat in der Hauptstadt Nikosia ein Treffen der Oberhäupter der Kirchen des Nahen Ostens begonnen. Die Versammelten wollen über die Herausforderungen an die Christenheit in ihren Gebieten diskutieren. Wegen der großen Anzahl an Kirchenoberhäußtern handelt es sich um eine historische Begegnung.

Rußland

Boris Jelzin wird bei seinem Italienbesuch im Febraur nicht mit Papst Johannes Paul II. über die Beziehung der katholischen Kirche zur russischen Orthodoxie sprechen. Dies bestätigte am 21. Januar ein Regierungssprecher. Die katholische Kirche bemüht sich um die Rückgabe enteigneter Besitztümer in der Ukraine.

Rußland

Vertreter der Konferenz europäischer Kirchen sind am 23. Januar zu einem Treffen mit Patriarch Alexij II. nach Moskau gereist. Es ist der erste offizielle Besuch der Kirchenvertreter in Rußland. Ziel des Treffens ist eine Vertiefung der ökumene besonders zwischen Ost- und West-Europa.

Mexiko

Die katholsiche Kirche des Landes wird sich über die Einführung des Religionsunterrichts an staatlichen Schulen einsetzen. Das hat der Bischof von Tuluca, Francisco Robles, am 21. Januar erklärt. Er ist gleichzeitig Präsident der kichlichen Sonderkommission für Bildung und Kultur. Bislang gebe es einen Dialog mit der Regierung, aber noch keine formellen Schritte. Das Argument der Kirche sei, daß jeder ein Recht auf religiöse Bildung habe, nicht nur diejenigen, die das Geld für nicht-staatliche Schulen hätte, so der Bischof.

Mexiko

Hunderte von indianischen Pilgern aus der Chiapas-Region haben am 22. Januar im Heiligtum der Muttergottes von Guadalupe in Mexiko-Stadt an einem Friedensgottesdienst teilgenommen. Ihr fast 1000 Kilometer langer "Marsch für den Frieden in Chiapas" wurde von ihrem Bischof und Verteidiger, Samuel Ruiz, angeführt.

Vereinigte Staaten

54 Bischöfe haben am 21. Januar Präsident Bill Clinton aufgerufen, das Embargo gegen den Irak aufzuheben. In einem Brief der Bischöfe hieß es, das Embargo hätte mehr als einer Million Irakis das Leben gekostet. Es müsse daher unbedingt beendet werden. Die Sanktionen widersprächen nicht nur der christlichen Lehre, sondern auch den Menschenrechten, schreiben die katholischen Würdenträger. Im Dezember erklärte das UNO-Kinderhilfswerk, Unicef, daß fast eine Million Kinder im Irak an Unterernährung leiden. Jeden Monat sterben schätzungsweise 4500 Kinder unter fünf Jahren.

Vereinigte Staaten

Die Freigabe der Abtreibung in den USA vor 25 Jahren hat Papst Johannes Paul II. scharf verurteilt. Mit der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes sei eine immer noch andauernde Vernichtung unschuldigen Lebens begonnen worden. Das betonte der Papst in einem am 22. Januar in Washington verlesenen Brief. Der Schwangerschaftsabbruch, wie auch die Euthanasie, seien "Verbrechen am von Gott gegebenen Geschenk des Lebens."

Vereinigte Staaten

Das US-amerikanische Verteidigungsministerium hat am 21. Januar angekündigt, daß es den 34 Kilometer langen Gürtel von Anti-Personen-Mienen, der um die us-amerikanische Militärbasis Guantanamo auf Kuba liegt, räumen wird.

Hinweise auf das Wochenprogramm:

Sonntag: Der Papst in Kuba

Montag: Weltkirchen-Magazin

Dienstag: Aldo Parmeggiani: In der neuen Reihe:

"Menschen der Zeit" - Gespräch mit Ernst Nolte.

Man hört Radio Vatikan:

täglich 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr

auf Mittelwelle 1530 kHz und auf den

Kurzwellen-Frequenzen: 5880, 7250, 9645 kHz

Über Radio Campanile. Im Kabel und auf Tonunterträger von

DSF um 16.15 Uhr 19.10 Uhr

Vier-Monatsprogramm kann angefordert werden bei:

Winfried Aufterbeck, Wiesenstr. 9a, D-40878 Ratingen

Tel. 0 21 02 / 2 30 31, Fax: 0 21 02 / 2 14 13

Für die Internet-Nachrichten verantwortlich:

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Redaktion dieser Ausgabe: Dominik Finkelde

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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan Nachrichten: Dienstag, 27. 1. 1998.

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