Radio Vatikan Archiv

Verehrte Internet-Benutzer und Benutzerinnen! An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit vom Mittwoch, den 14. Januar bis Freitag, den 16. Januar 1998.

Vatikan

Der Papst hat am 14. Januar erneut zum Ende des Blutvergießens in Algerien und Ruanda aufgerufen. Er sei tief betroffen, daß der Haß immer weiter zu Gewaltausbrüchen in Afrika führe. Das sagte Papst Johannes Paul II. vor den Pilgern und Besuchern in Rom. Die Massaker in Algerien lägen der ganzen Menschheit schwer auf dem Gewissen. Was Ruanda betrifft, bestätigte der Papst, daß fünf Missionsschwestern dort umgerbracht worden seien, außerdem zwei Laien-Mitarbeiter. Zwei Ordensfrauen seien schwer verletzt worden.

Vatikan

Wie am 14. Januar bekannt wurde, hat der apostolische Stuhl eine Übereinkunft mit der palästinensischen Autonomiebehörde getroffen, derzufolge eine gemeinsame Kommission gebildet wird. Das wurde aus palästinensischen Kreisen bekannt. Ziel sind Diskussionen über den Status des arabischen Teils von Jerusalem und über katholische Institutionen auf palästinensischen Gebieten. Der Vatikan erkennt die israelische Autorität in der arabischen Zone Jerusalems nicht an. Das betonte der Palästinenservertreter Afif Safie, der sich um die Kontakte zum apostolischen Stuhl kümmert. Die Kommission werde die Rechte und Privilegien der palästinensisch-katholischen Institutionen definieren.

Vatikan

Das Archiv der Glaubenskongregation enthält keine "heiklen Dossiers" über alte Justizverfahren. Dies präzisierte am 14. Januar eine Mitteilung des vatikanischen Pressesaals. Vielmehr bietet das nun der öffentlichkeit zugängliche Archiv der Kongregation für die Glaubenslehre, die aus dem Heiligen Uffizium hervorgegangen ist, historische Dokumente der Theologie, der Spiritualität, des Kirchenrechts und das ehemalige Inquisitionsarchiv selbst bis zum Stichjahr 1903.

Vatikan

Wie am 15. Januar bekannt wurde, gibt es Spannungen im Vorfeld der Asiensynode, die im Frühjahr dieses Jahres stattfindet. Vietnam hat den apostolischen Stuhl angeklagt, die Situation der Katholiken in dem kommunistisch regierten Land nicht zu begreifen. Die Vorwürfe sind eine Reaktion auf die Aussage Roms, nach der das Regime von Hanoi Druck ausgeübt hat, um die Entsendung von Bischöfen zur Synode zu behindern.

Vatikan

Papst Johannes Paul II. hat am 16. Januar eine Gruppe von polnischen Bischöfen empfangen, die gerade zum ad-limina-Besuch in Rom sind. Dabei lobte er die Solidarität, die bei der Hochwasser-Katastrophe im letzten Herbst in der Bevölkerung aufgekommen war. Der Papst verteidigte die Tatsache, daß die Kirche in der polnischen Gesellschaft weiterhin eine aktive Rolle spiele, und unterstrich, auch im mehrheitlich katholischen Polen müsse die Kirche ökumenisch arbeiten.

Vatikan

Der Zölibat in der Kirche geht trotz gegenteiliger Behauptungen bis auf die Zeit der Apostel und der ersten Christen zurück. Wenn aber einige von ihnen, wie zum Beispiel Petrus, bereits verheiratet waren, lebten sie für den Rest ihres Leben in völliger Enthaltsamkeit. Das geht aus einem Artikel des Theologen Stefan Heid in der Ausgabe vom 16. Januar des "Osservatore Romano" hervor. Heid widerspricht in seinem Aufsatz der These, daß die Apostel und die ihnen in den ersten christlichen Jahrhunderten nachfolgenden Bischöfe, Priester und Diakone verheiratet waren.

Deutschland

Der bayrische CSU-Fraktionsvorsitzende Alois Glück warnte am 14. Januar die Kirche vor den Folgen eines Ausstiegs aus der staatlichen Schwangerschaftsberatung. Nach Ansicht Glücks würde ein solcher Ausstieg der kirchlichen Beratungsstellen zum schwersten innerkirchlichen Konflikt seit Kriegsende führen. Nach Glück wären die Möglichkeiten der Kirche, Leben zu schützen, stark reduziert. In manchen Gegenden Deutchlands blieben nach den Worten des Leiters der Berliner katholischen Akademie nach einer Schließung kaum noch Alternativen zu Beratungsstellen wie "Pro Familia".

österreich

Die Universalität und Unteilbarkeit der Menschrechte hat der Apostolische Nunitius, Erzbischof Donato Squicciarini, beim traditionellen Neujahrsempfang des Bundespräsidenten für das Diplomatische Corps, betont. Zugleich würdigte der Erzbischof am 15. Januar den Einsatz österreichs für das Verbot von Landminen. Er erinnerte daran, daß es sich bei dem von 125 Staaten unterzeichneten Vertrag über das Verbot von Gebrauch, Lagerung und Produktion um einen Erfolg der österreichischen Diplomatie handle.

österreich

Der Sekretär der Bischofskonferenz, Michael Wilhelm, hat am 16. Januar davor gewarnt, Homosexuelle zu diskriminieren. Die Kirche lehre, daß niemand wegen seiner sexuellen Neigungen an den Pranger gestellt werden dürfe, so Wilhelm in der Zeitung "Standard". Es sei nicht richtig, wenn man einen Priester, dessen homosexuelle Tendenzen bekannt würden, innerkirchlich gleich so behandle, als habe er die Pest.

Irland

Die Kirche begrüßt die Vorschläge, die bei den Nordirland-Friedensgesprächen jetzt auf den Tisch gekommen sind. Das sagte am 15. Januar der irische Primas, Erbischof Sean Brady, in einem Interview mit Radio Vatikan. Brady zeigte sich vor allem froh darüber, daß der Stillstand bei den Friedensgesprächen vorüber ist.

Ungarn

Die Kirchen und auch die jüdische Gemeinschaft wollen eigene Vertreter im Parlament haben. Das forderten sie am 14. Januar in Budapest. Der Vizepräsident der Bischofskonferenz, Endre Gulay, wünscht sich zumindest einen direkten Repräsentanten der Kirche als Abgeordneten; das solle aber kein Priester sein, sondern ein Laie.

Türkei

Die islamische Wohlfahrtspartei ist am 16. Januar vom Verfassungsgereicht verboten worden. Ihr Vorsitzender, der ehemalige Ministerpräsident Necmettin Erbakan, erhielt Politikverbot für fünf Jahre und muß auch sein Abgeordnetenmandat niederlegen. Die Partei verstoße gegen das laizistische Prinzip des türkischen Staates, befanden die Verfassungrichter mit neun gegen zwei Stimmen. Die Wohlfahrtspartei war die größte politische Formation des Landes.

Algerien

Am 15. Januar wurde bekannt, daß die Delegation der EU doch kommen darf. Die Führung in Algier hat die Ausladung der Delegaion vom 14. Januar wieder rückgängig gemacht und rechnet schon in den nächsten Tagen mit dem Eintreffen der EU-Vertreter. Derweil hat sich auch die Arabische Parlamentarische Union für eine internationale Konferenz ausgesprochen, um Algeriens Probleme zu lösen.

Israel

Verteidigungsminister Jitzak Mordechai sagte am 15. Januar im israelischen Rundfunk, er wolle ernstmachen mit einem Abzug der Armee aus dem Südlibanon. Einziges Hindernis sei noch, daß der Libanon zunächst die Kontrolle über seinen südlichen Teil von Syrien zurückgewinnen müsste.

Pakistan

Ein erneutes Todesopfer hat der jahrelange sogenannte "Glaubenskampf" zwischen der sunnitischen Mehrheit und der schiitischen Minderheit des Landes gefordert. Am 13. Januar wurde ein höherer schiitischer Amtsträger von einem bisher unbekannten Täter in Faisalabad angeschossen. Er starb nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus.

Kuba

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten hat sich ein kubanischer Kirchenführer im nationalen Fernsehen äußern dürfen. Der Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, widmete, wie am 14. Januar bekannt wurde, die ihm gewährte halbe Stunde Sendezeit am Dienstag Abend dem kommenden Papstbesuch. Er verwies darauf, daß auch Papst Johannes Paul II. aus humanitären Gründen die amerikanische Wirtschaftsblockade gegen Kuba ablehne.

Kuba

"Der Papst ist unser Mann in Havanna," so die Schlagzeile der Washington Post am 15. Januar. Die bevorstehende Kuba-Reise des Papstes wertet das US-Blatt als Duell zwischen zwei großen Persönlichkeiten des Kalten Krieges. Der Papst zeige Kuba den Weg zur Demokratie. Die Zuckerinsel selbst ist jetzt schon besetzt von ausländischen Journalisten und Pilgern. Die Regierung Fidel Castro hat jetzt drei Briefmarken zum Papstbesuch herausgegeben.

Kuba

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte hat den Verdacht, daß vor dem Papstbesuch auf Kuba politische Gefangene von anderen Häftlingen getrennt und verlegt werden. Das sagte die deutsche Sprecherin der Organisation, Michaela Koller, am 16. Januar in einem Gespräch mit Radio Vatikan.

Mexico

Die Kirche hält an ihrer Vermittlung im Konflikt zwischen Regierung und Zapatisten-Rebellen fest. Das ist das Ergebnis der Bischofsberatungen vom 14. Januar. Ausdrücklich fordert die Kirche den Staat auf, die Rolle des Militärs in Chiapas zu überdenken. Es dürfe auf keinen Fall durch die massive Armee-Präsenz zu weiteren Provokationen der Indios kommen. Die Regierung hielt dagegen, sie wolle ihre Soldaten in Chiapas belassen. Sie würden dort gebraucht, um paramilitärische Einheiten zu entwaffnen.

Mexico

Die Regierung zeigt sich im Chiapas-Konflikt verhandlungsbereit. Wie am 15. Januar bekannt wurde traf sich am 14. Januar ein Regierungsmitglied mit dem Leiter der Vermittlungskomission, Bischof Samuel Ruiz. Unterdessen blockierten Tausende von Indianern Schnellstraßen und Regierungsgebäude im Süden des Landes. Sie wollten damit gegen das jüngste Massaker und die Erschießung einer jungen Frau durch die Polizei zu Beginn dieser Woche protestieren.

Paraguay

Ein 67-jähriger holländischer Priester ist am 15. Januar in der Stadt Encarnacion von einem bisher unbekannten Täter ermordet worden. Polzeiberichten zufolge hielt sich der Steyler-Missionar in diesen Tagen in einem Ferienheim für Ordensleute auf. Er starb kurz nach der Einlieferung in die Krankenstation.

Vereinigte Staaten

Die US-Regierung warnt Exil-Kubaner mit scharfen Worten vor jedem Versuch, während des Papst-Besuches illegal von den USA nach Kuba zu reisen. Man werde jeden daran hindern, in der Luft oder auf dem Seeweg die USA in Richtung Kuba zu verlassen, so ein Sprecher des US-Außenministeriums am 13. Januar. Im Februar 1996 hatte Kuba zwei US-Flugzeuge abgeschossen, mit denen Exil-Kubaner auf die Insel gelangen wollten, die vier Passagiere kamen dabei ums Leben. Der US-Vertreter deutete an, man erwarte sich vom Papstbesuch auf Kuba eine Stärkung der Menschenrechte.

Rußland

Vertreter der russisch-orthodoxen und der katholischen Kirche wollen gemeinsam die West-Urkaine besuchen. Dies wurde am 15. Januar bekannt. Dort sollen vor Ort ihre Meinungsverschiedenheiten über kirchliche Gebäude und Besitztümer beigelegt werden. Darauf hat sich jetzt eine orthodox-katholische Gesprächsrunde in Moskau verständigt. Die Teilnehmer, darunter Kurienkardinal Edward Cassidy, wurden auch vom orthodoxen Patriarchen Alexej II. empfangen. Die Nachrichtenagentur Itar-Tass schrieb, nach ihrer Einschätzung sei jetzt eines der Haupthindernisse für ein Treffen Alexejs mit dem Papst beiseite geräumt.

Sri Lanka

Die Ortskirche hat die Exkommunikation gegen den Theologen Tissa Balasuriya wieder aufgehoben. Das meldete am 16. Januar die Nachrichtenagentur uca-News. Der Priester sei mit einer Zeremonie im Haus des Erzbischofs von Colombo rehabilitiert worden. Erst vor einem Jahr war Tissa Balasuriya, der exponierteste Vertreter einer neuen asiatischen Theologie, exkommuniziert worden, weil seine Äußerungen in dem Buch "Maria und die menschliche Befreiung" nicht mit der katholischen Lehre übereinstimmten. Jetzt wurde diese Strafe mit Zustimmung des Vatikans aufgehoben.

 

 

 

 

Hinweise auf das Wochenprogramm:

Freitag: Prisma Magazin

Samstag: Anette Schavan

Kommentar der Woche:

Peter Dyckhoff - Das Ruhegebet

Sonntag: Aldo Parmeggiano

Aktenzeichen: Leo Wohleb,

Humanist und Politiker

Man hört Radio Vatikan:

täglich 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr

auf Mittelwelle 1530 kHz und auf den

Kurzwellen-Frequenzen: 5880, 7250, 9645 kHz

Über Radio Campanile. Im Kabel und auf Tonunterträger von

DSF um 16.15 Uhr 19.10 Uhr

Vier-Monatsprogramm kann angefordert werden bei:

Winfried Aufterbeck, Wiesenstr. 9a, D-40878 Ratingen

Tel. 0 21 02 / 2 30 31, Fax: 0 21 02 / 2 14 13

Für die Internet-Nachrichten verantwortlich:

Anne Granda

Redaktion dieser Ausgabe: Dominik Finkelde

Tel.: 00396 69 88 41 01, Fax 00396 69 88 38 44

Post: Radio Vatikan, I-00120 Città del Vaticano

E-Mail: SEDOC@VATIRADIO.VA

Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan Nachrichten: Dienstag, den 20.1.1998.

Leitseite www.kath.de

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