Radio Vatikan Archiv

Verehrte Internet-Benutzer und Benutzerinnen! An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Montag, 5. Januar bis Freitag, 9. Januar 1998.

Vatikan

Papst Johannes Paul II. hat am 5. Januar bei den Feiern zum Dreikönigs-Fest die weltweite Sendung der Kirche bekräftigt. Im Petersdom weihte der Papst außerdem neun Priester aus aller Welt zu Bischöfen. Die Predigt das Papstes war ein Versuch, der Kirche neuen missionarischen Eifer einzuimpfen. Die neuen Bischöfe sollten in der Welt Herolde der Neuevangelisierung sein.

Vatikan

Die Kirche will einen Pakt für den Frieden mit der islamischen Welt. Das schreibt der Vatikan am 7. Januar in einer Grußbotschaft an die Moslems zu ihrem Fastenmonat Ramadan. Wörtlich erklärt darin der Vorsitzende des päpstlichen Rates für den internationalen Dialog, Kardinal Francis Arinze, "die Gemeinschaft der Glaubenden sollte auch dem Menschen, seiner Würde und seinen Rechten die Treue bewahren. Wir sind aufgerufen, einen Pakt für den Frieden zu schließen, indem wir auf Gewalt als Methode der Konfliktlösung verzichten."

Deutschland

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat am 7. Januar ihr Engagement für den Bau von Moscheen in Deutschland bekräftigt. In einem von der Diözesanleitung veröffentlichten Papier, das sich auf Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils und auf das Grundrecht auf freie Religionsausübung beruft, wird der Bau von Moscheen oder Gebetsstätten als "Selbstverständlichkeit" für muslimische Mitbürger angesehen.

Deutschland

Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, hat Skepsis gegenüber Glücksansprüchen von Menschen an Staat oder Gesellschaft bekundet. In der neuesten Ausgabe der Bistumszeitung "Glaube und Leben" schreibt er: "Es drängt sich mehr und mehr die Frage auf, ob man das Glück des Menschen überhaupt von außen machen kann und von staatswegen verordnen darf." Wegen fehlender Finanzen aber auch vom theologischen Standpunkt seien die Ansprüche gegenüber dem Staat fragwürdig.

österreich

Das Geld, das die Sternsinger sich von Tür zu Tür ersingen, geht in diesem Jahr vor allem an die Straßenkinder in Brasilien und Kenia. Nach Angaben der Organisatoren erhalten die als Heilige drei Könige verkleideten Kinder im Durchschnitt an jeder Haustür 20 bis 50 Schillinge.

österreich

Erzbischof Georg Eder von Salzburg hat sich jetzt in einem Schreiben an den Papst für die Vorwürfe von Bischof Reinhold Stecher gegen den Vatikan entschuldigt. Ohne Stecher ausdrücklich zu nennen, schreibt Eder, die Kritik sei maßlos gewesen, und dem Papst sei großes Unrecht zugefügt worden. Er bitte auch im Namen vieler treuer Katholiken um Verzeihung für diese Beleidigung des Papstes. Stecher hatte dem Vatikan unter anderem vorgeworfen, er sei hart und unbarmherzig.

Polen

Das von Mitte-Rechts-Parteien dominierte Parlament in Warschau hat am 8. Januar das Konkordat mit dem Heiligen Stuhl ratifiziert. In den vergangen vier Jahren hatte die damals machthabende linke Legislative den Abschluß des Vertrages immer wieder verhindert. Das hatte zu Spannungen zwischen der katholischen Kirche Polens und der Regierung geführt. Bis zuletzt wollten die Ex-Kommunisten, dem bereits vor Jahren ausgehandelten Konkordat noch Ergänzungen hinzufügen. Mit der Ratifizierung konnte Präsident Alexander Kwasniewski ein Versprechen einlösen, das er dem Papst bei seinem Besuch vor einem Jahr gegeben hat.

Italien

Im Blick auf das "Kurden-Drama" hat der Erzbischof von Lecce, die interessierten Regierungen aufgefordert, umgehend eine internationale Lösung zu finden. Die Aufnahmestrukturen der Kirche in Apulien seien überfordert. Das Hinauszögern des Problems führe nur zur Explosion dieser Zeitbombe mit den damit verbundenen Risiken; nicht nur für den Nahen Osten, sondern für Europa und die ganze Welt.

Italien

Das Attentat auf den Papst 1981 war ein Komplott, daran läßt sich nicht zweifeln. Zu diesem Schluß kam am 9. Januar ein Untersuchungsbericht, der jetzt veröffentlicht wurde. Klar benennen ließen sich die Hintermänner nicht, sehr wahrscheinlich bliebe aber die sogenannte bulgarische Piste.

Bulgarien

Staatspräsident Peter Stojanov, hat am Donnerstag die Spitzen der bulgarischen orthodoxen Kirche aufgefordert, von ihren Ämtern zurückzutreten. Sie seien durch ihre Unterstützung des ehemaligen kommunistischen Regimes Schuld an dem "Schisma", das die orthodoxe Kirche des Landes seit Jahren bedroht. Im Rahmen dieses Konfliktes exkommunizierte der auf Lebenszeit gewählte Patriarch Maxim den 1996 von den "Dissidenten" proklamierten Patriarchen Pimen. Maxim ist bis heute von den orthodoxen Schwesterkrichen in Rußland und Griechenland anerkannt.

Jugoslawische Förderation

In dem balkanischen Land ist am 6. Januar endgültig eine Bischofskonferenz eingerichtet worden. Sie umfaßt fünf kirchliche Verwaltungsbezirke in der serbischen Republik, in den autonomen Regionen Voivodina und Kosowo, sowie in Montenegro. Vorsitzender der Bischofskonferenz ist der derzeitige Erzbischof von Belgrad, Frank Perko. Nach seinen Angaben leben auf dem Gebiet der neuen Konferenz eine halbe Million Katholiken. Sie gehören zu verschiedenen ethnischen Gruppen, unter anderem zu Kroaten, Albanern und Slowenen.

Kroatien

Der neue Erzbischof von Zagreb sagte am 7. Januar, er denke darüber nach, ob sich die kroatische Kirche für ihre Haltung während der Faschistenzeit entschuldigen soll. Die sogenannte "Ustascha"-Periode Anfang der 40er Jahre entzweit bis heute Kroaten und Serben.

Algerien

Die jüngste Gewalt in dem nordafrikanischen Land hat am 5. Januar Bestürzung aber auch unbeugsame Reaktionen hervorgerufen. Der Rektor der Pariser Moschee drückte im Namen aller in Frankreich lebenden Moslems seinen absoluten Schrecken über das Massaker an den Dorfbewohnern aus. Energisch verurteilte er den unhaltbaren Angriff auf das menschliche Leben, noch dazu im heiligen Monat Ramadan. Deutschland und Italien sprachen sich dafür aus, eine Mission der Europäischen Union nach Algier zu schicken. Am 6. Januar ist es erneut zu Massakern in vier Dörfern rund um Algier gekommen. Dabei sollen über 200 Menschen, darunter auch mehrere Kinder, niedergemetzelt worden sein. Die Europäische Union äußerte ihre tiefe Besorgnis darüber, daß die Zahl der Morde seit Beginn des Ramadan so drastisch angestiegen sei. Derweil wollen die Vereinigten Staaten eine Untersuchung auf internationaler Ebene einleiten, um die Verantworlichen für die Massaker ausfindig zu machen. Auch Papst Johannes Paul II. hat sich beim Angelusgebet auf dem Petersplatz scharf gegen die anhaltende Gewalt in Algerien ausgesporchen.

Algerien

Hunderte von Dorfbewohnern fliehen seit den Massakern der vergangenen Woche, die mindestens 600 Opfer gefordert haben, aus dem Westen des Landes. Die vom Europaparlament preisgekrönte algerische Journalistin Salima Ghezali klagte am 7. Januar im Interview mit einer deutschen Zeitschrift die algerische Regierung der Mitschuld an den Attentaten an. Die Generäle des Militärs kümmerten sich vor allem um den Erhalt ihrer Macht und ihres Eigentums, das sie Dank der ölvorkommen anhäufen konnten, so die Jouranlistin.

Rußland

Die russisch-orthodoxe Kirche hat am 5. Januar ihre Bereitschaft für den ökumenischen Dialog mit der katholischen Kirche bekräftigt. Danach soll als erstes das Problem der unierten Kirchen und des Proselytismus angegangen werden. Erst danach ist das Moskauer Patriarchat bereit, auch über andere ökumenische Fragen zu sprechen. Auch ein Treffen des Papstes mit Patriarch Alexej II. sei erst möglich, wenn diese Vorgespräche zu einem Ergebnis geführt hätten.

Israel

Eine Vorzeitige Freilassung von 23 plästinensischen Häftlingen hat am 6. Januar die israelische Armee zugesagt. Als Geste zum Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan sollen sie in den nächsten Tagen freigelassen werden. Sie waren alle wegen geringfügiger Vergehen in Sicherheitsverwahrung genommen worden.

Vereinigte Staaten

Am 5. Januar wurde gemeldet, daß in diesen Monaten auch im Bundesstaat Maine definitiv die Sterbehilfe legalisiert werden soll. Einer der Initiatoren des Gesetzentwurfes, der demokratische Politiker und Katholik Joseph Brooks, erwartet aber heftigen Widerstand von der katholischen Kirche in den USA. Bisher ist in den 24 Bundesstaaten Sterbehilfe möglich.

Kolumbien

Wie am 9. Januar bekannt wurde, sind im Nordosten des Landes Massengräber mit den Leichen von Bauern entdeckt worden. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um Opfer von Todesschwadronen. Jesuiten vor Ort hatten bereits im Dezember die Ermordung von mehr als 30 Bauern durch paramilitärische Einheiten angeprangert.

Argentinien

Führer der jüdischen Gemeinde des Landes haben am 5. Januar besondere Gesetze gefordert, die die Verwüstung ihrer Gräber unter Strafe stellen. Sie reagierten damit auf jünste Fälle von Vandalismus auf zwei jüdischen Friedhöfen am Rande von Buenos Aires. Die Regierung sicherte den Juden eine entsprechende Gesetzesinitiative zu. Die bisher unbekannten Täter, die zu Weihnachten und Neujahr jüdische Friedhöfe in Buenos Aires geschändet haben, können jederzeit erneute Schäden anrichten. Diese Meinung vertrat am 5. Januar der Gouverneur der Provinz im argentinischen Rundfunk. Er wies darauf hin, daß es für die Vandalen ein leichtes Spiel wäre, weitere Gräber zu schänden, da eine lückenlose Überwachung der zahlreichen jüdischen Friedhöfe praktisch unmöglich sei.

Argentinien

Etwas 50 Indios aus Feuerland haben am Dienstag in der Stadt Esquel eine Kirche besetzt. Sie demonstrieren dafür, daß ihre Gebiete endlich vom Staat als ihr Besitz anerkannt werden. Die Regierung im fernen Buenos Aires habe ihnen schon seit vielen Jahren versprochen, ihr Eigentum an Grund und Boden anzuerkennen, aber geschehen sei noch nichts. Auch die argentinische Kirche will sich dieser Frage annehmen.

Mexico

Sofern sich das Militär um die Entwaffnung aller kämpfenden Gruppen kümmert, ist es in der Provinz Chiapaz willkommen. Wichtig sei, daß die Sicherheit der Bewohner garantiert werde. Dies erklärte am 5. Januar der Generalvikar der Diözese San Christobal.

Mexico

Um die Belange der indianischen Bevölkerung geht es in der mexikanischen Krisenregion Chiapas. Dort ist am 8. Januar der Gouverneur zurückgetreten. Julio Cesar Ruis ist der zweite hochrangige Regierungsvertreter, der nach dem Massaker an 45 indianischen Flüchtlingen kurz vor Weihnachten jetzt die Konsequenzen ziehen mußte. Der neue Gouverneur hat versprochen, daß er es in Chiapas zu keinen weiteren bewaffneten Auseinander-setzungen kommen lassen will.

Ecuador

Die von den Gewerkschaften des Landes für den 6. Januar angekündigten Protestmärsche gegen jüngste Wirtschaftsmaßnahmen haben die Unterstützung der Kirche. Dies erklärte am 5. Januar der Vorsitzende der ecuadorianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Mario Ruiz, in einem Zeitungsinterview.

Kuba

Ein erfolgreicher Ausgang des Papstbesuches ist Aufgabe aller Kubaner. Dies sagte am 8. Januar der Vertreter des Komitees zur Verteidigung der Revolution jetzt in Havanna vor der Presse. Aus diesem Grunde wolle die Freiwilligenorganisation alle Maßnahmen ergreifen, damit die Papstmessen ungestört gefeiert werden können. Die Organisation war 1960 zur Verteidigung des revolutionären Gedankens und zur Überwachung von Aktivitäten gegen die Regierung gegründet worden. Sie hat rund siebeneinhalb Millionen Mitglieder.

China

Die Verfolgung der katholischen Kirche in der Volksrepublik stellt das schlimmste Ereignis dieses Jahrhunderts dar. Diese Auffassung vertrat am 5. Januar der in den USA lebende Kardinal Ignatius Gong Pin-Mei gegenüber dem vatikanischen Pressedienst Fides. In den vergangenen Jahren habe Peking zwar seine Haltung gegenüber Wirtschaft und Handel geändert, doch die religiöse Unterdrückung habe sich nicht gewandelt, so der exilierte Bischof von Shanghai. Daß trotz der Verfolgung die Untergrundkirche von drei auf acht Millionen zugenommen hat, zeige, daß sie, geführt vom Heiligen Geist, an Stärke gewonnen habe.

Sudan

Die Regierung in Karthoum hat am 5. Januar die Forderung der Vereinten Nationen nach der Eröffnung eines Menschenrechtsbüros abgelehnt. Das meldete eine lokale Zeitung. Grund ist die angebliche Hilfe von früher ins Land gekommenen Hilfsorganisationen an Rebellengruppen, wie die von John Garang. Die neue Menschenrechtskommissarin der UNO, Mary Robinson, hatte ein solches Büro gefordert, nachdem die USA den Sudan im vergangenen November mit erneuten Handelssanktionen belegt hatten.

Kanada

Die Regierung hat sich jetzt bei den Ureinwohnern des Landes für die jahrzehntelange Diskriminierung entschuldigt. Bei einer Zeremonie in Ottawa verlas am 8. Januar die zuständige Ministerin für Indianerfragen eine entsprechende Erklärung. Darin wurde vor allem die gewaltsame Assimilierung von Indianer- und Eskimokindern bedauert. Diese war im vergangenen Jahrhundert in staatlich finanzierten kirchlichen Schulen erfolgt.

Australien

Australien reagierte unmittelbar auf die kanadische Entschuldigung mit einer völligen Ablehnung einer solchen Geste gegenüber den eigenen Ureinwohnern. Die Regierung hatte zwar letzten Monat tausenden von Ureinwohnern, die als Kinder ihren Eltern weggenommen worden waren, finanzielle Wiedergutmachung zugesichert. Aber gleichzeitig betonen die Verantwortlichen, daß die kanadische Entschuldigung keinen Einfluß auf Australien haben werde.

Indien

Hindus und Moslems sollen an einem zwischen beiden Religionen heftig umstrittenen Ort in Zukunft gemeinsam beten. Das hat am 5. Januar ein hochrangiger Hindu-Führer vorgeschlagen. Radikale Hindus hatten 1992 die Moschee von Ayodya niedergerissen, weil die Stätte auch ihnen heilig ist.

 

Hinweise auf das Wochenprogramm:

Samstag: Wochenkommentar von Dr. Anette Schawan: Thema: Und immer leidet der einzelne Mensch - Sonntagsbetrachtung von Peter Dyckhoff, Das Ruhegebet, Einübung nach Johannes Cassian

Sonntag: Sie schreiben - Wir antworten

Montag: Weltkirche-Magazin

Man hört Radio Vatikan: täglich 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr auf Mittelwelle 1530 kHz und auf den Kurzwellen-Frequenzen: 5880, 7250, 9645 kHz

Über Radio Campanile. Im Kabel und auf Tonunterträger von DSF um 16.15 Uhr 19.10 Uhr

Vier-Monatsprogramm kann angefordert werden bei:
Winfried Aufterbeck, Wiesenstr. 9a, D-40878 Ratingen Tel. 0 21 02 / 2 30 31, Fax: 0 21 02 / 2 14 13
Für die Internet-Nachrichten verantwortlich:

Anne Granda

Redaktion dieser Ausgabe: Dominik Finkelde

Tel.: 00396 69 88 41 01, Fax 00396 69 88 38 44

Post: Radio Vatikan, I-00120 Città del Vaticano

E-Mail: SEDOC@VATIRADIO.VA

Radio Vatikan Archiv

Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan Nachrichten: Dienstag, 13. Januar

Leitseite www.kath.de