Königin Ester - eine Nach-Auschwitz-Botschaft

von Pater Gemmingen

Radio Vatikan
Jan. 1998

 
     
Die alttestamentliche Königin Ester hat der Frau von heute, aber vor allem den 'Menschen nach Ausschwitz' etwas zu sagen. Ester wurde wider ihren Willen in das Machtspiel zwischen drei Männern verwickelt. Weil sie darin 'ihre Frau gestanden' hat, ist sie quer durch die ganze Weltgeschichte eine Botschaft. Worum gehts: Das jüdische Waisenmädchen Ester wird in den Harem des Perserkönig Achaschwerosch (historisch Xerxes) aufgenommen, wird ein Jahr lang kosmetisch behandelt, findet das besondere Gefallen des Königs und wird Königin. Ihr Onkel Mordechai, der sie großgezogen hat, ist ein frommer Jude, der zwar Dienst am Königshof tut, aber dem ehrgeizigen und aufstiegswilligen Höfling Haman den Kniefall verweigert. Daher verfolgt Haman ihn und alle ins Perserreich verschleppten Juden.

Er will sie alle umbringen lassen - letztlich weil sie sich nur ihrem Gott Jahwe unterordnen. Mordechai bittet die Königin Ester, beim König für ihr Volk zu intervenieren, was Ester aber selbst in Lebensgefahr bringt, denn sie darf nur zum König, wenn sie gerufen wird. Sie wagt ungerufen aus Liebe zu ihrem Volk den todesmutigen Schritt beim König und denunziert Haman. Der König erhört ihre Bitte, und Haman wird genau an der Stange aufgehängt, die er selbst für den widerstrebenden Juden Mordechai aufgestellt hatte.

Was ist die Botschaft Esters heute? Sie ist treu und steht zu ihrem Volk, obwohl sie das das Leben kosten kann. Aber Ester wirkt gar nicht wie eine fromme Jüdin.
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Das Wort 'Gott - Jahwe' kommt in der ganzen Erzählung überhaupt nicht vor, geschweige denn ein Gebet aus dem Mund der starken Frau. Sie unterscheidet sich darin sehr von anderen jüdischen Vorbildern, wie der Tyrannen-Mörderin Judith oder der Moses-Schwester Miriam oder der treuen Ruth. Ein Gebet wird nicht von ihr überliefert. Aber sie ist todesmutig; heute würde man sagen 'eine anonyme Gläubige'. Und wenn sie Jesus beim Gericht lobend zu sich ruft, würde sie fragen, wann hab ich dir Gutes getan. Er aber antwortete: mir hast du die Treue gehalten, trotz deiner Todesfurcht. Ester - eine moderne Frau, die nach dem Glauben lebt, auch wenn sie ihn nicht auf den Lippen trägt. Aber die Ester-Geschichte hat noch eine andere Botschaft - gerade für die Generationen nach Ausschwitz, nach der versuchten Juden-Vernichtung. Das jüdische Volk ist begabt, bringt es oft weit an Königshöfen und in Präsidentenpalästen. Es hält fest zusammen und fällt dadurch auf, daß es anders ist als andere Völker. Es weiß sich in besonderer Weise von Gott berufen und unterwirft sich daher den Sitten und Gepflogenheiten der Umwelt nicht. Das schafft immer Ärger, oft sogar Verfolgung. Das Zusammenleben zwischen Juden und Nichtjuden kann dennoch gelingen, wenn beide Gruppen die Gefahren erkennen und meiden, in die sie nicht fallen dürfen: Die Nichtjuden sollten es ertragen, daß hier eine Gruppe sich als besonders berufen und begabt versteht und ihren eigenen Bräuchen folgt. Die Juden sollten ihre Erwählung nicht arrogant vor sich hertragen, sie nicht als Besitz verstehen, sondern als Aufgabe. Wer viele Talente bekommen hat, muß viel geben. Das gilt für die Juden ebenso wie für die Christen. Christen bewundern und verehren Esters Vorbild ebenso wie Juden. Königin Ester breite deine Arme aus und umfange beide Gruppen!