Radio Vatikan Archiv

Verehrte Internet-Benutzer und Benutzerinnen! An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Freitag, 26. Dezember 1997 bis Montag, 5. Januar 1998.

Vatikan / Castelgandolfo

Am Tag des Hl. Stephan betete der Papst in Castelgandolfo mit mehreren Tausend Pilgern und Besuchern das Angelusgebet. Dabei verurteilte der Papst die jüngsten Massaker an den Eingeborenen im mexikanischen Bundesstaat Chiapas. Die Weihnachtsfreude ist diesmal durch einen grausamen Vorgang gestört worden, sagte Papst Johannes Paul II. Er bete für die Getöteten und erbitte Gottes Beistand für deren Angehörige und für die so geprüfte katholische Gemeinschaft. Der Papst rief dazu auf, für die offenen sozialen Probleme von Chiapas im Dialog und Solidarität nach Lösungen zu suchen.

Vatikan

Am 31. Dezember hat Papst Johannes Paul II. zur Neu-Evangelisierung der Stadt Rom aufgerufen. Bei seinem traditionellen Jahres-Schluß-Te-Deum in der Kirche San Ignazio erinnerte er an die Stadtmission, die derzeit im Gang ist und verglich sie mit einer großen Baustelle. Dabei nannte er die wichtigsten Etappen im Lauf des letzten Jahres, zu denen auch seine Pfarreibesuche gehören. Insgesamt machte der Papst während seiner fast 20 Pontifikatsjahre 265 Besuche in Pfarreien der Diözese Rom.

Vatikan

Friede ohne Gerechtigkeit - das ist überhaupt nicht möglich. Diese Überzeugung äußerte Papst Johannes Paul II. bei der Neujahrsmesse im Petersdom. Aus der Gerechtigkeit des einzelnen erwächst der Frieden für alle, so der Papst und so auch das Motto des diesjährigen Weltfriedenstages. Die Menschheit müsse sich 1998 noch energischer für den Weltfrieden einsetzen. Der Papst betonte auch, daß die Geburt Jesu nicht nur für die Christen Bedeutung habe, sondern für die ganze Menschheit - für das Heil eines jeden Menschen. In einer schriftlichen Botschaft zum Weltfriedenstag wandte sich der Papst an die Regierungen in aller Welt. Darin betonte er, daß es unerträglich und eine Beleidigung für die Menschenwürde sei, daß in der Welt immer noch Steinreiche und Allerärmste Seite an Seite leben. Beim Angelus auf dem Petersplatz forderte der Papst dann am Mittag mehr Gleichheit und Solidarität bei der sogenannten Globalisierung. Man müsse unbedingt verhindern, daß Personen, Gruppen oder sogar ganze Völker an den Rand gedrängt werden. Ziel sei immer noch eine Familie der Nationen. Generell wünschte sich Johannes Paul vom Heiligen Jahr 2000, daß die Menschen in ihrem Lebensstil mehr Bescheidenheit lernen.

Vatikan

Mit scharfen Worten hat Papst Johannes Paul II. die jüngsten Massaker in Burundi und Algerien verurteilt. Beim Angelusgebet am 4. Januar auf dem Petersplatz sagte der Papst, in Algerien seine zahlreiche Menschen mit schrecklicher Grausamkeit abgeschlachtet worden. Das Massaker in der Nacht auf Mittwoch war ein unerhörtes Gemetzel, so Johannes Paul II. Auch in Burundi, erklärte er weiter, wüte ein bewaffneter Konflikt, der Todesopfer vor allem bei der Zivilbevölkerung fordere und Tod und Schrecken verbreite. Johannes Paul erinnerte daran, daß Gewalt kein Weg in eine bessere Zukunft biete. Die Verantwortlichen in Algerien und Burundi sollten die systematische Gewalt sofort einstellen und nach friedlichen Lösungen suchen.

österreich

Papst Johannes Paul II. hat die Teilnehmer des 20. Europäischen Jugendtreffens, das am 29. Dezember in Wien begonnen hat ermutigt, "ihren Glauben zu vertiefen und über ihren Einsatz in der Nachfolge Christi nachzudenken". Sowohl die von der ökumenischen Gemeinschaft von Taize vorbereiteten Jugendtreffen als auch die katholischen Jugendtage seien "ein wahrer Grund zur Hoffnung für das dritte Jahrtausend, ein Zeichen der ewigen Jugend der Kirche", betonte der Papst in seinem Grusswort an den Gründer von Taize, Frere Roger Schütz. Er hoffe dass die Jugendlichen nach dem Erlebnis des Treffens zu gefestigten Christen werden, die sich bemühen, durch das Wort und das Zeugnis der Nächstenliebe von der Guten Nachricht des Evangeliums Rechenschaft zu bringen. Zum Ende des Treffens, am 2. Januar, kündigte Frere Roger Schütz Hilfsmaßnahmen seiner Bruderschaft für notleidende Menschen in Bulgarien, sowie eine Spende von 1000 Tonnen Mais für Hungernde in Nordkorea an.

österreich

Der Wiener Alt-Erzbischof, Kardinal Hans-Hermann Groer, gibt jetzt auch sein Amt als Prior des Benediktinerklosters Maria Roggendorf auf. Das wurde am 3. Januar in Wien bekannt. Groer war 1995 nach Beschuldigungen des sexuellen Mißbrauchs von Jugendlichen als Erzbischof von Wien abgelöst worden. In den letzten Tagen wurden neue Vorwürfe gegen den 78-jährigen erhoben. Der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Johann Weber von Graz, hat am 4. Januar versprochen, daß allen Beschuldigungen gegen Kardinal Groer nachgegangen werden. Es solle eine objektive und transparente Untersuchung geben, so Bischof Weber gegenüber der Nachrichtenagentur kathpress. Er begrüsste den Rücktritt Groers in Maria Roggendorf und schloß sich dem Ruf des zuständigen Abtes nach einer Prüfung der Vorwürfe an.

Italien

Papst Johannes Paul II. hat am 3. Januar das Erdbebengebiet in Mittelitalien besucht. In zwei stark zerstörten Gebirgsdörfern sowie in Assisi rief der Papst zur Solidarität und zum Wiederaufbau auf. Der Besuch dauerte sechs Stunden und fand bei strahlendem Sonnenschein und unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt. Johannes Paul war erschüttert über das Ausmaß der Zerstörung in den Dörfern, die er besuchte, sie lagen im Epizentrum des Bebens vom letzten Herbst. "Laßt euch nicht entmutigen", bat der Papst die Menschen, die jetzt schon seit Monaten in Behelfs-Containern hausen. Er machte klar, daß man jetzt beim Wiederaufbau nicht nur ans Materielle denken dürfe - schließlich habe das Beben auch in den Seelen vieler Menschen Schäden angerichtet.

Italien

Der Papstbesuch vom 3. Januar im Erdbebengebiet zeigt offenbar schon erste Wirkungen bei den Behörden. Presseberichten zufolge hat der Regierungsbeauftragte für die Restaurierung der Franziskusbasilika von Assisi den Abschluß der Arbeiten bis Ende 1999 fest zugesagt.

Russland

Patriarch Alexij II. hält ein Treffen mit Papst Johannes Paul II. nicht für ausgeschlossen. Das gab am 27. Dezember der Erzbischof Sergyi von Solechnogorsk bekannt. Das Treffen zwischen den Kirchenoberhäuptern könnte Juni 1998 während der Papstvisite in österreich stattfinden. Derweil begrüsste Erzbischof Sergyi die Bemühungen des Vatikans um einen Dialog mit der orthodoxen Kirche, doch seien die Voraussetzungen für ein Treffen mit dem Patriarch bis jetzt noch nicht gegeben, so der Erzbischof wörtlich.


Israel

Jüngste archäologische Funde bestätigen die Schilderung der Hochzeit von Kana im Evangelium nach Johannes. Bei Ausgrabungen stiess der Professor für biblische Altertumsforschung, Eugenio Alliata, auf Reste einiger Häuser aus dem 1. Jahrhundert und auf die Apsis einer Kirche aus frühchristlicher Zeit. Es handle sich hierbei um Teile eines Sanktuariums, das im 5. Jahrhundert an dieser Stelle der Hochzeit von Kana geweiht worden sei. Die Ausgrabungen, die wichtige Daten über das Leben von Jesu ans Licht bringen sollen, werden in den nächsten Monaten fortgesetzt.

Irak

Das Palament in Bagdad hat einen Appell an Papst Johannes Paul II. gerichtet, sich für die Aufhebung des seit sieben Jahren dauernden Embargos einzusetzen. Das berichtet am Freitag die irakische Nachrichtenagentur INA. Das Embargo, schreiben die irakischen Parlamentarier in ihrer Weihnachtsbotschaft an den Papst, hätte dem 22 Millionen zählenden Volk im Irak großes Leid angetan. Papst Johannes Paul II. hat sich in jüngster Zeit mehrmals gegen diese Form der Unterdrückung ausgesprochen.

Irak

Papst Johannes Paul II. hat sich für eine Aufhebung des seit 1990 in dem Land herrschenden Wirtschaftsembargos ausgesprochen. Das teilte am 30. Dezember der apostolische Nuntius in Bagdad, Giuseppe Lazzerotto dem Präsidenten des Kommitees für internationale Beziehungen, Quassem Hamoudi mit. Beim Gespräch überreichte Hamoudi im Namen irakischer Menschenrechtsorgani-sationen dem Nuntius eine Botschaft für Johannes Paul II. Das Parlament hatte während der letzten Tage mehrmals an den Papst appelliert, seine Bemühungen zu Gunsten des irakischen Volkes zu verdoppeln.

Saudi Arabien

Am 30. Dezember hat für die Muslime in aller Welt der Fastenmonat Ramadan begonnen. Die beauftragten Fachleute des Islam hatten den Mond aufgehen sehen und benachrichtigten die Autoritäten in rund 50 mehrheitlich muslimischen Ländern, daß die muslimische Fastenzeit beginnt. Die Christen in diesen Staaten versuchen, sich in ihren Neujahrsfeiern zurückzuhalten, um die Anhänger des Islam nicht zu stören. Zum ersten Mal seit 30 Jahren fallen Jahreswechsel und Beginn des Fastenmonats zusammen. Während dieser Zeit dürfen die Anhänger des Propheten Mohammed tagsüber nichts essen und trinken, dürfen nicht rauchen und müssen sich des Geschlechtsverkehrs enthalten.

Indien

Durch ein weltweites Netzwerk mit anderen Menschenrechtsgruppen sollen in Indien die Rechte der christlichen Minderheit gesichert werden. Dieser Vorschlag ist das Ergebnis eines Seminars über Menschenrechte und Minderheiten, das jetzt in Neu-Delhi veranstaltet wurde. An ihm nahmen auch Parlamentsmitglie-der teil. Unter anderem geht es darum, daß der christlichen Minderheit Indiens die gleichen Vorteile zugestanden werden, wie den Buddhisten, Hindus und Shikhs, die den unteren Kasten angehören.

Philippinen

Für die Asien-Bischofssynode im kommenden Frühling stellen die Ortskrichen von China, der Mongolei und anderen Staaten Zentral-Asiens die große Herausforderung dar. So der Vorsitzende der Foederation asiatischer Bischofskonferenz, Oskar Cruz gegenüber Radio Vatikan. Man wisse nicht, welche Bischöfe aus den genannten Ländern an der Bischofsversammlung in Rom teilnehmen können. Und man wisse wenig über das Leben der dortigen Ortskirchen. Auf jeden Fall aber seien sie eine Herausforderung.

Osttimor

Friedensnobelpreisträger Bischof Carlos Belo hat am 31. Dezember seine Befürchtungen ausgesprochen, dass die Unruhen und Menschenrechtsverletzungen in seinem Land auch im kommenden Jahr nicht abnehmen werden. Schuld daran sei die unveränderte Politik der indonesischen Regierung, die seit der Besetzung und Annexion der ehemaligen portugiesischen Kolonie die Autonomiebestrebungen der Halbinsel gewaltätig unterdrücke.

Algerien

In dem nordafrikanischen Land sind an den Vortagen des Fastenmonats Ramadan schwere Unruhen ausgebrochen. Den Massakern der islamischen bewaffneten Kommandogruppen fielen in den letzten acht Tagen 242 Personen, darunter zahlreiche Kinder zum Opfer. Die Angst vor einem weiteren blutigen Ramadan, wie im Vorjahr, wird immer größer. Der Innenminister rief die Bevölkerung über Presse und Fernsehen zur Zusammenarbeit mit den öffentlichen Sicherheitsorganen auf.

Kuba

Zum ersten Mal wird das Fernsehen des Landes eine Ansprache des katholischen Oberhirten übertragen. Wie der Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, jetzt gegenüber Auslandsjourna-listen erklärte, werden seine Worte in der zweiten Januarwoche über den Äther gehen.

Kuba

Die Kirche des Landes ist im Aufwind. Das belegen die vielen Gläubigen bei den liturgischen Feiern, die steigende Zahl der Priesterberufungen und das Laienengagement. Dies sagte am 1. Januar der Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega beim Neujahrsgottesdienst, den er zusammen mit dem Erzbischof von Baltimore, Kardinal William Keeler feierte. In seiner Predigt ging Kardinal Ortega vor Hunderten von Gläubigen mehrmals auf die Friedensbotschaft des Papstes ein. Er dankte dabei auch für die Hilfe anderer Bischofskonferenzen, mit der es möglich war, die Kathedrale von Havanna für den Papstbesuch zu restaurieren.

Mexiko

Der Erzbischof von Mexiko-City hat nach dem Mord an 45 Indios in Chiapas dazu aufgerufen, nicht nur die Schuldigen zu bestrafen, sondern die sozialen Verhältnisse zu überwinden, die solche Massaker ermöglichen. Es gehe letztlich um die Armut in der Region der Chiapas-Indios. Der Generalvikar der Diözese San-Cristobal de la Casas verwies auf die geistigen Hintermänner des Mordanschlages kurz vor Weihnachten. Sie seien die wahrhaft Schuldigen. Auch Papst Johannes Paul II. hatte den Mord wärend einer Messe scharf verurteilt. Indes wurden die ermordeten 45 Personen am 27. Dezember unter großer Anteilnahme der Bevölkerung von Erzbischof Samuel Ruiz beigesetzt. In Mexiko-City fanden Demonstrationen gegen die Regierung statt.

Mexiko

In einigen Städten der Provinz Chiapaz hat die katholische Kirche am 1. Januar Friedensmärsche veranstaltet. An der Spitze der Prozession in San Cristobal marschierte der katholische Unterhändler Bischof Samuel Ruiz. Presseberichten zufolge sollen jedoch überwiegend Ausländer und kaum Mexikaner an der Friedensaktion teilgenommen haben. In seiner Friedensbotschaft nannte der Bischof von Tapachula im Namen der katholischen Kirche von Chiapaz einen acht-Punkte-Katalog zur Befriedung der Region. Als erstes forderte er dabei Entwicklungshilfe für die Armen, dann die Klärung der Massaker sowie Gesetze, die die Rechte und die Kultur der Indios berücksichtigen.

Mexiko

Die Kirche im südlichen Bundesstaat Chiapas fordert einen Abzug der paramilitärischen Truppen aus dem Krisengebiet. Bischof Samuel Ruiz von San Cristobal erklärte am 4. Januar, die Regierung müsse jetzt ihren Willen zum Frieden beweisen. So müßten die wahren Schuldigen des Massakers an 45 Indios bestraft werden.

Vereinigte Staaten

Im Jahre 1997 haben die USA einen traurigen Rekord erreicht: allein in diesem Jahr wurden 74 Todesurteile vollstreckt. Es ist dies die höchste Zahl in den letzten 42 Jahren. An der Spitze steht der US-Bundesstaat Texas mit 37 Exekutionen durch den Strang oder den elektrischen Stuhl. Die Zahl der Bundesstaaten in den Vereinigten Staaten, in denen die Todesstrafe gesetzlich angewandt wird, beträgt 38. Bekanntlich hat sich Papst Johannes Paul II. mehrmals für die Begnadigung eines Verurteilten eingesetzt und sich wiederholt für die Aufhebung der Todesstrafe ausgesprochen.

Vereinigte Staaten

Aller Voraussicht nach wird am 3. Februar mit der Exekution einer Frau der Hinrichtungsreigen im US-Bundesstaat Texas für das Jahr 1998 eröffnet. In Texas war 1997 mit 37 Personen ein Exekutionsrekord erreicht worden. Während sich der Gouverneur des Staates, der Sohn des früheren Präsidenten George Bush unnachgiebig zeigt, macht sich die extreme christliche Rechte diesmal für die Todeskandidatin stark. In Texas war vor 100 Jahren das letzte Mal eine Frau hingerichtet worden.

Hinweise auf unser Wochenprogramm:

Dienstag: Kardinal Josef Ratzinger: Die Versuchung Jesu und das Ende des Jahrtausends

Mittwoch: Römische Woche

Donnerstag: Jugendmagazin: Spezial, Spurensuche im Kloster

Freitag: Prisma-Magazin

 

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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan Nachrichten:

Freitag, 9. Januar 1998

 

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