Radio Vatikan Archiv

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An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von
Radio Vatikan in der Zeit von Dienstag, 9. Dezember bis Freitag, 12. Dezember 1997
 
EUROPA

Vatikan
Mit einer Eucharistiefeier im Petersdom ist am Freitagmorgen, 12.12., die Bischofssynode für Amerika zu Ende gegangen. In seinem Schluß-Statement vor den Synodenvätern warnte Papst Johannes Paul II. vor sozialen Härten als möglichen Folgen der Globalisierung; er deutete an, daß er das Schlußdokument der Synode, das in den nächsten Monaten erstellt werden wird, im mexikanischen Marienwallfahrtsort Guadalupe vorstellen wolle. Einen Termin nannte er allerdings nicht. Am 11. Dezember hatte die Amerika-Bischofssynode ihre Botschaft an das Volk Gottes veröffentlicht. Sie fordert darin unter anderem einen Nachlaß der internationalen Schulden, Hilfe für Straßenkinder und vereinsamte Menschen sowie Respekt vor den Ureinwohnern und Afroamerikanern. Auf der Konferenz sei vor allem der Schrei der Menschen im Elend gehört worden. Daher beklagen die Bischöfe die große Kluft zwischen Arm und Reich in Amerika. Sie könne mit der gottgegebenen Würde des Menschen nicht vereinbart werden. Die rund 300 Synodenteilnehmer aus allen Teilen Amerikas grüßen die Laienchristen und unter ihnen besonders die Frauen, die einen sehr großen Anteil an der Christianisierung Amerikas gehabt hätten. Am Schluß des Dokuments sprechen die Bischöfe von der Herausforderung vor dem Jahr 2000. Es sei jetzt nötig, eine Kultur zu entwickeln, die für Gott offen ist. Auch die Medien sollten für den Glauben genutzt werden.
Der Erzbischof von Montreal, Jean Claude Turcotte, unterstrich, daß für die Synode der bewußte Geist der Einheit sehr wichtig war. Es hätten nicht die Bischöfe von zwei Amerikas, sondern von einem Kontinent gesprochen. Er wies weiter darauf hin, daß der Aufruf zu Solidarität eine Kernaussage des Treffens gewesen sei. Die Gläubigen sollen sich gegenseitig inspirieren, sich der heutigen Probleme annehmen und gemeinsam mit Jesus den Weg der Umkehr gehen. Der Propräfekt der Kleruskongregation, Bischof Dario Castrillon Hoyos, wies auf die brüderlich freundschaftliche Atmosphäre hin, in der die Gespräche der Synodalen stattgefunden hätten. Ein mexikanischer Erzbischof kritisierte am Rand der Synode die Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten als menschenverachtend.

Vatikan
Kardinal Achille Silvestrini ist am 11. Dezember von seiner Israelreise zurückgekommen
. Er hatte dort an den 150-Jahr-Feiern der Wiedereinrichtung des lateinischen Patriarchats in Jerusalem teilgenommen. Dabei hatte er auch eine Grußbotschaft Johannes Paul II. überbracht. Bei zahlreichen Besuchen in Gemeinden der Region und Zusammentreffen mit Vertretern der verschiedenen Volksgruppen bekräftigte der Kurienkardinal das Engagement der Kirche für den interreligiösen Dialog.

Liechtenstein
Agenturmeldungen zufolge wird das Parlament des Fürstentums bei seiner nächsten Sitzung die Regierung auffordern, ein Konkordat mit dem apostolischen Stuhl abzuschließen. Damit soll vom Staat her die Basis für die Gründung des Erzbistums Liechtenstein gelegt werden. Regierungsschef Mario Frick vertrat die Ansicht, eine Zustimmung von Fürst Hans-Adam reiche dafür nicht aus. Paul Vogt von der ökologischen Freien Liste meinte, man werde unter Umständen die Übernahme der Florin-Kirche durch Bischof Wolfgang Haas als Bischofskirche verhindern. Eine Agentur meldete, inzwischen würden Unterschriften für den Verbleib Liechteinsteins bei der Diözese Chur gesammelt.

Deutschland
Nach Überzeugung der Deutschen Bischofskonferenz ist ihr Verhältnis zum Zentralkommittee der deutschen Katholiken erheblich beschädigt. Der Aufruf der Laienorganisation zum Widerstand gegen die Laien-Instruktion des Vatikans mache den Dialog unmöglich, so Bischof Lehmann in einem Schreiben an den Präsidenten des ZdK, Hans-Joachim Meyer. Lehmann wies darauf hin, daß es auch innerhalb der organisierten Laienschaft Kritik an Meyers Widerstands-Aufruf gegeben habe.
Pressemeldung der Bischofskonferenz

Deutschland
Unter dem Titel "Fremde Heimat Kirche" erscheint in Kürze die Auswertung der Mitgliederuntersuchung der Evangelischen Kirche.
Die Datenerhebung war 1992 erfolgt. Das wichtigste Ergebnis der Befragung ist, daß sowohl Mitglieder als auch Distanzierte ein lebensgeschichtliches Interesse an ihrer Kirche und an deren Amtshandlungen äußern. Den Kirchenmitgliedern gehe es in erster Linie darum, daß die Institution die subjektive Aneignung des Glaubens zur Bewältigung des eigenen Lebens ermöglicht. Neben Daten über die westdeutschen Kirchenmitglieder wurden zum ersten Mal Erkenntnisse über die Konfessionslosen im Osten erhoben. Die Auswertung der EKD ergab, daß unter den Konfessionslosen im Westen eine völlige Ablehnung der Kirche bei gleichzeitigem Interesse an Religion oder Religiösem vorherrscht. Im Osten reagieren die Konfessionslosen mit extremer Ablehnung auf Religion, sind aber durchaus bereit, der Kirche als Institution eine gewisse Achtung entgegenzubringen.

österreich
Das Oberhaupt der koptischen Kirche, Schenuda III., wird im April kommenden Jahres in das Alpenland reisen. Das kündigte eine österreichische Nachrichtenagentur heute an. Die koptische Kirche mit Sitz in Kairo vereinigt die Christen ägyptischen Ursprungs.

österreich
Der Innsbrucker Altbischof Reinhold Stecher hat die Laien-Instruktion des Vatikans kritisiert. Das geht aus einem vertraulichen Brief hervor, der mehreren Nachrichtenagenturen vorliegt. Nach Stecher zeige die Instruktion, daß der Vatikan ein theologisches und pastorales Defizit haben. Was das Festhalten am Zölibat betreffe, so sei es erschütternd, daß menschliche Ordnungen und Traditionen höher gewertet würden als der göttliche Auftrag, den Menschen die Sakramente zu bringen. Bischof Stecher hat sich bislang noch nicht zu dem Brief geäußert; auch aus dem Vatikan liegt noch keine Stellungnahme vor.
[Brieftext auf "www.we-are-church.org"]

österreich
Für seine Antrittspressekonferenz hat der neue Innsbrucker Bischof, Alois Kothgasser, den Caritas-Zufluchtsort für abgelehnte Asylbewerber gewählt. "Ich möchte dort sein, wo Menschen in Not und Bedrängnis geraten und in innerer sowie äußerer Obdachlosigkeit leben. Es gehe ihm dabei nicht um die Diskussion über Asylgesetze, sondern er wolle durch die Wahl des Ortes für eine Kirche eintreten, die Heimat gibt, sagte Bischof Kothgasser am 12. Dezember in Innsbruck.

Frankreich
Amnesty International hat jetzt eine weltweite Kampagne mit dem Motto:" 50 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte: Zeit zum Handeln". gestartet
. Das Ereignis wird am 10.Dezember nächsten Jahres begangen. Amnesty und kirchliche Organisationen starten zum "Tag der Menschenrechte" am 10. Dezember zahlreiche Initiativen. Unter anderem will Amnesty International an diesem Tag UNO-Generalsekretär Kofi Annan Millionen von Unterschriften zur Bekräftigung der Menschenrechte überreichen.

Frankreich
Der von der französischen Justiz angeklagte Abtreibungsgegner Xavier Dor hat am 11. Dezember die Nuntiatur in Paris verlassen, in der er politisches Asyl beim Vatikan beantragt hatte. Ein Vatikansprecher erklärte in diesem Zusammenhang, Dor habe die Nuntiatur freiwillig verlassen. Es habe sich nicht um einen Fall politischer Verfolgung, sondern um eine Gewissensfrage gehandelt.

Großbritannien
Die Anglikanische Kirche steht der Wiederaufnahme eines "brüderlichen Dialogs" mit der katholischen Kirche positiv gegenüber. Das geht aus einer Schrift der anglikanischen Bischöfe hervor. Sie versuchen, in dem Dokument eine Antwort auf die Enzyklika Johannes Pauls II. "Ut Unum Sint" zu geben. Dabei übergehen sie aber die umstrittende Frauenordination.

Polen
Das neue Parlament hat beschlossen, das Konkordat mit dem apostolischen Stuhl zu ratifizieren. Die vorherige Regierung der Postkommunisten hatte den Vertrag mit der Begründung blockiert, er räume dem Vatikan zuviel Macht ein. Die jetzige Regierungskoalition aus liberalen und konservativen Parteien erklärte, eine solche Gefahr bestehe nicht.

Kroatien
Die verschiedenen Kirchen des Landes, darunter auch die serbisch-orthodoxe, wollen zusammenarbeiten, um eine Wiederversöhnung unter den verschiedenen Volksgruppen möglich zu machen. Darauf einigten sie sich am 10. Dezember in der kroatischen Hauptstadt. Ihr Treffen war von dem neuen Nationalrat für Versöhnung organisiert worden. Er soll die Reintegration des bislang serbisch gehaltenen Ost-Slawonien ins kroatische Staatsgebiet erleichtern.

Türkei
Der Generalstab hat beschlossen, über sechzig Offiziere und Soldaten wegen Zusammenarbeit mit islamistischen Kräften aus dem Militärdienst zu entlassen. Pressemeldungen zufolge sollen die einzelnen Fälle in diesen Tagen überprüft werden.

ASIEN
Israel-Palästina
Der frühere Ministerpräsident Shimon Peres hat erneut Sympathien für die Schaffung eines eigenen Palästinenser-Staats geäußert. Das erklärte er am 11. Dezember nach einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak in Kairo. Das israelische Volk sei derzeit allerdings noch tief gespalten in dieser Frage; es gehe darum, welchen Preis es für einen Frieden mit den Palästinensern zu zahlen habe. Seine Arbeiterpartei habe keine Einwände gegen die Schaffung eines palästinensischen Staates im Westjordanland und dem Gazastreifen. Eine andere mögliche Option sei allerdings auch ein gemeinsamer israelisch-palästinensischer Staat.

Iran
Die islamische Welt wird nicht von außen am meisten bedroht, sondern aus ihrem eigenen Innern heraus. Diese Ansicht vertrat am 11. Dezember der ägyptische Außenminister Amr Mussa auf der Islam-Konferenz in Teheran. Besonders der Terrorismus von fundamentalistischen Moslemgruppen sei eine Gefahr, der man entschlossener begegnen müsse. Die iranischen Staaten dürften auch nicht ihre Hauptfeinde immer nur außerhalb ihrer Grenzen vermuten. Die 55 islamischen Staaten der OIL faßten den Beschluß, den Terrorismus in Zukunft entschieden zu bekämpfen. Sie befürworten eine internationale Terrorismus-Konferenz, die die UNO seit langem wünscht.

AFRIKA
Ägypten
Die Oppositionsparteien fordern ein Ende der Notstands-Gesetzgebung, die seit 16 Jahren angewandt wird. Das erklärten sie auf einem Kongreß, der am 12. Dezember in Kairo zu Ende ging. Ägypten brauche politische Reformen, dann könne es auch besser auf die Gewaltwelle der letzten Jahre reagieren.

Angola
Der Friedensprozeß in diesem afrikanischen Land geht zu langsam voran. Das hat jetzt der Erzbischof der Hauptstadt Luanda, Kardinal Alexander do Nascimento, in Lissabon beklagt. Der Vorsitzende der angolanischen Bischofskonferenz hält sich zu einem Besuch in Portugal auf.

Ghana
Die Bischöfe Afrikas reden den Politikern des Kontinents ins Gewissen. Sie könnten mit Ressourcen und Infrastruktur ihrer Ländern nicht nach Belieben schalten und walten. In einem offenen Brief aus Accra, der Hauptstadt Ghanas, fordern die Bischöfe Afrikas und Madagaskars eine Abkehr von der Art und Weise, mit der man bisher auf dem schwarzen Kontinent Politik macht. Scharf kritisieren sie Waffenkäufe und das Lostreten von immer neuen Kriegen. Die Bischöfe fordern transparente und unabhängige Wahlen. Gleichzeitig bieten sie den Politikern ihre Hilfe an. Die Liebe Gottes sei jedoch ihre einzige Waffe, so die Bischöfe.

Demokratische Republik Kongo
Das Welternährungsprogramm hat seine Aktivitäten in der Umgegend von Goma eingestellt. Wie die UNO-Organisation mitteilte, befolgt sie damit die Anordnungen von der Regierung Laurent Kabilas. Eine Begründung dieser Forderung wurde von offizieller Seite nicht genannt. Goma war zur Basis der UNO geworden, als 800.000 ruandische Hutus im damaligen Zaire Unterschlupf suchten.

Nigeria
Das US-Außenministerium hat jetzt die Regierung des Landes zu Erklärungen zum Tod eines gefangenen Oppositionspolitikers aufgefordert. General Yar'Ardua, ein erklärter Gegner des nigerianischen Staatschefs, war am 9. Dezember nach offiziellen Angaben im Gefängnis eines natürlichen Todes gestorben. In Diplomatenkreisen mutmaßt man jedoch, das Regime General Sani Abachas habe den prominenten muslimischen Politiker, so wörtlich, "eliminiert".

Uganda
US-Außenministerin Madeleine Albright ist am 11. Dezember mit dem Führer der sudanesischen Rebellen, John Garang, in Uganda zusammengetroffen
. Dabei rief sie die von Garang geleitete Befreiungsorganisation dazu auf, den Streit mit den anderern Rebellengruppen zu beenden und eine glaubwürdige Regierung zu bilden.

AMERIKA
Mexiko
Millionen von Menschen haben am 12. Dezember das Fest Unserer lieben Frau von Guadalupe begangen. Es geht auf eine Marienerscheinung vor 466 Jahren zurück, die das mexikanische Selbstverständnis bis heute prägend bestimmt.

Mexiko
Ein ranghohes Mitglied der mexikanischen Regierung hat am 11. Dezember dazu aufgerufen, für den Indio-Aufstand im Bundesstaat Chiapas jetzt schnell eine juristische Lösung zu finden. Wenn eine solche juristische Grundlage geschaffen werde, könne man endlich die nötigen Einzel-Lösungen für die Probleme in Chiapas finden, und die Abkommen zwischen Regierung und Zapatisten-Rebellen könnten in der Bundesverfassung festgeschrieben werden.

Peru
Die Sicherheitsbehörden foltern, und machen Politiker und Journalisten mundtot. Diese Vorwürfe erhebt jetzt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Sie fordert auch erneut eine Untersuchung, ob die Geiselnehmer der japanischen Botschaft von Lima im vergangenen April bei der Stürmung des Gebäudes regelrecht hingerichtet wurden.
 
 
 
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Samstag:
Wochenkommentar und Betrachtung zum 3. Advent
Sonntag: Sie schreiben - Wir antworten
Montag: Weltkirchenmagazin
 
 
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DSF um 16.15 Uhr 19.10 Uhr
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Winfried Aufterbeck, Wiesenstr. 9a, D-40878 Ratingen
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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan Nachrichten:
Dienstag, 16. Dezember 1997