Radio Vatikan Archiv

Verehrte Internet-Benutzer und Benutzerinnen!  An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Samstag, 6. Dezember bis Dienstag, 9. Dezember 1997

 

EUROPA

Vatikan

Die Bischofssynode für Amerika ist jetzt in ihrer letzten und entscheidenden Woche. Diese Einschätzung äußerte Papst Johannes Paul II. beim Angelusgebet am 7. Dezember. Nach Agenturangaben ist unter den Bischöfen aus Nord- und Südamerika noch sehr umstritten, wie sie sich zum Thema Auslandsschulden äußern sollen. Als überraschende Vermittler zeigen sich offenbar wieder die kanadischen Bischöfe. Viele Teilnehmer der Synode bestätigten die Idee des Papstes: Es sei tatsächlich ein sehr interessanter Austausch und Zusammenarbeit zwischen Norden und Süden Amerikas möglich. Die Synode endet am 12. Dezember. Der Papst wird die Amerikasynode im kommenden Jahr im mexikanischen Wallfahrtsort Guadalupe abschließen. Wie dazu der für die Bischofssynoden zuständige Sekretär, Kardinal Jan Schotte, mitteilte, wird der Papst dabei die Ergebnisse der gemeinsamen Synode der Bischofe des amerikanischen Subkontinents bekanntgeben. Der genaue Zeitpunkt der Abschlußveranstaltung steht noch nicht fest.

Vatikan

Der Apostolische Stuhl weist Gerüchte über eine Lagerung von Nazigold aus Kroatien bei der Vatikanbank zurück. Eine Nachforschung in den vatikanischen Archiven habe keinen Hinweis darauf ergeben, erklärte am 9. Dezember der Pressesaal. Er bestätigte, daß eine Vatikandelegation an der Londoner Nazigold-Konferenz teilgenommen habe.

Vatikan

Am 5. Dezember hat die Kirche das Programm für den Papstbesuch in Kuba bekanntgegeben. Neben vier Messen an den Hauptorten der Insel wird der Papst mit Professoren, Künstlern und Medienschaffenden zusammentreffen. Es ist auch ein Treffen mit armen und kranken Menschen geplant. Der Papst wird in der Nuntiatur in Havanna wohnen und abends jeweils dorthin zurückkehren. Am Tag nach seiner Ankunft wird Johannes Paul II. mit Präsident Fidel Castro unter vier Augen sprechen.

Vatikan

Papst Johannes Paul II. hat am 5. Dezember die Türkei aufgerufen, ethnische Minderheiten zu respektieren. Sie sollten nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung gesehen werden, meinte der Papst gegenüber dem neuen Botschafter der Türkei beim apostolischen Stuhl, der dem Papst sein Beglaubigungsschreiben überreichte. Ohne die Kurden namentlich zu nennen, drückte der Papt seine Überzeugung aus, daß Harmonie nicht durch Unterdrückung geschaffen werde. Etwa ein Fünftel der 60 Millionen Türken sind Kurden. Er sprach sich außerdem für die Integration von türkischen Gastarbeitern in ihren jeweiligen Aufenthaltsländern - vor allem in Deutschland - aus.

Vatikan

Der Papst warnt vor Endzeitstimmung und Fatalismus in Sachen Jahr 2000. Beim Angelus in Rom am 8. Dezember erklärte Johannes Paul II., Maria sei ein Modell der Erwartung und Hoffnung. Zur Feier des Hochfestes der Unbefleckten Empfängnis Mariens legte der Papst einen Kranz an der römischen Mariensäule nieder. Am Abend feierte er eine Messe in der römischen Basilika Santa Maria Maggiore.

Vatikan

Erneut hat Papst Johannes Paul II. zu einer Wiederaufnahme des Friedensprozesses in Nahost aufgerufen. Wenn der Durst nach Frieden immer enttäuscht werde, dann entstehe ein explosives Gemisch aus Frustration und Ausweglosigkeit. Das schreibt der Papst in einem Brief zum 150. Geburtstag des Lateinischen Patriarchats in Jerusalem. Er sei überzeugt, daß die breite Mehrheit der Menschen im Heiligen Land den Frieden wollten, so Johannes Paul. Er wiederholt ausdrücklich seinen Wunsch nach einer Reise in das Heilige Land, nannte aber kein Datum.

Vatikan

Der Seligsprechungsprozeß für Erzbischof Romero macht gute Fortschritte. Das berichtet sein Nachfolger in San Salvador, Erzbischof Fernando Saenz Lacalle. Die diözesane Phase sei bereits abgeschlossen. In einem Brief an die Teilnehmer der Amerika-Synode im Vatikan bittet Saenz Lacalle darum, nicht zuzulassen, daß das Bild von Erzbischof Romero im nachhinein entstellt werde. Man dürfe ihn nicht als Gallionsfigur einer Theologie des Widerspruchs sehen. Oscar Arnulfo Romero war im März 1980 während der Meßfeier erschossen worden.

Vatikan

Die Welt und die Kirche brauchen die Art der Frauen, zu denken und ihre Sensibilität. Das erklärte der Papst vor Teilnehmerinnen eines Kongresses in Rom. Er sagte dort am 6. Dezember, es sei kein Zufall, daß viele Frauen Jüngerinnen Christi gewesen seien. Sie seien von Anfang an ganz besondere Verkünderinnen der Großtaten Gottes gewesen. Ohne die Frauen könne die Kirche heute keinen christlichen Humanismus entwickeln, so der Papst.

 

E U R O P A

 

Deutschland

 

Die Menschenrechte müssen auch innerhalb der Kirche verwirklicht werden. Das hat am 8. Dezember die Bewegung "Wir sind Kirche" in Darmstadt gefordert. Dringender Handlungsbedarf bestehe vor allem bei der Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie beim Recht jedes Menschen auf Ehe und Familie. Die Laien-Instruktion oder die Errichtung des Erzbistums Vaduz durch den Vatikan machen nach Ansicht von "Wir sind Kirche" deutlich, daß das Kirchenvolk sich mehr Gehör verschaffen muß.

Schweiz

Bischof Haas von Chur, hat jetzt von der Diözes Chur verabschiedet. In einem Schreiben räumte er ein, daß für ihn der neue Auftrag eine große Umstellung bedeute. Er betonte, daß sie eine Chance sei, wie aus Verfügbarkeit und Treue Gutes und Fruchtbares für das Leben der Kirche entstehe. Die gleiche Haltung wünsche er sich von allen, die nun mit dieser Verfügung des Vatikans konfrontiert seien. Am Ende seines Bischofswortes bittet Haas alle, die er in den vergangenen Jahren verletzt oder beleidigt habe um Nachsicht und dankt denen, die ihn liebevoll begleitet und unterstützt haben.

 

 

Polen

106 Parlamentsabgeordnete haben jetzt dem Leiter des katholischen Senders Radio Maria, dem Redemptoristenpater Tadeusz Rydzyk, ihre Unterstützung ausgesprochen. Gegen Rydzyk waren gerichtliche Schritte eingeleitet worden, nachdem er die Abtreibungsbefürworter im Parlament mit "Naziprostituierten" verglichen hatte. Die Abgeordneten warnten jetzt davor, daß ein Prozeß gegen den Redemptoristenpater die polnische Justiz der Lächerlichkeit preisgeben könne.

Polen

Vom Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers in Ausschwitz sind jetzt alle Kreuze und Davidssterne entfernt worden. Das gab der Leiter der Gedenkstätte bekannt. Die Diskussion um die religiösen Zeichen auf dem Gelände hatte die Beziehungen von Juden und Katholiken in den letzten Jahren erheblich beeinträchtigt. Die Kreuze wurden jetzt in eine Kirche in Ausschwitz gebracht, die Davidsterne sollen im Holocaust-Museum in Washington aufbewahrt werden.

Polen

Zahlreiche Priester haben in ihren Sonntagspredigten zu einer Integration Polens in die Europäischen Union aufgerufen. Das beobachtet die Nachrichtenagentur efe. Sie spricht von einer radikalen Neuorientierung des polnischen Klerus. Nach einem Besuch der Bischöfe Polens bei EU-Institutionen in Brüssel erklärten viele, sie setzten große Hoffnungen in Europa.

Rußland

Dialogbereitschaft gegenüber der katholischen Kirche haben jetzt sowohl der Moskauer Patriarch Alexij II. als auch der ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Istanbul geäußert. Nach monatelang getrübten Beziehungen zwischen dem ökumenischen Patriarchat und dem Vatikan konnte am ersten Adventssonntag das seit Jahrzehnten gute Einvernehmen der beiden Schwesterkirchen wiederhergestellt werden. Zum Fest des Patrons des Patriarchats von Konstantinopel, des Apostel Andreas, waren am 30. November eine Vatikandelegation und der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn nach Istanbul gereist. Die Entscheidung zu schwierigen Themen des christlichen Miteinanders soll einem Konzil der gesamten Orthodoxie im Jahr 2000 vorbehalten werden. Damit ist die Bahn frei für verstärkten Dialog. Bereitschaft dazu hat jetzt auch Patriarch Alexeij II. von Moskau und ganz Rußland signalisiert. Das geht aus einer Botschaft des Oberhauptes der Russischen Orthodoxie hervor, die am 6. Dezember im Mailänder Dom verlesen wurde.

 

A S I E N

 

Palästina

Der Legislativrat der palästinensischen Autonomiebehörde hat den islamischen Gipfel von Teheran gebeten, etwas gegen die Beziehungen Vatikan-Israel zu tun. Das wurde am 9. Dezember aus Ramallah bei Jerusalem bekannt. Der kürzliche Vertrag zwischen Israel und dem Apostolischen Stuhl sei eine - so wörtlich - aggressive Maßnahme gegen das palästinensische Volk, weil sie die Besetzung Jerusalems durch Israel akzeptiert. So heißt es in einer Resolution, die der palästinensische Legislativrat am 9. Dezember verabschiedet hat. Er bittet unter anderem Yassir Arafat darum, seine Kontakte zum Papst zu nutzen, um die Ratifizierung des Abkommens zu verhindern.

Japan

Buddhisten, Shintoisten und Katholiken haben am 7. Dezember in Kyoto gemeinsam für einen Erfolg des Klimagipfels gebetet. Die Hauptveranstaltung fand in der katholischen Kathedrale statt. Die Religionsvertreter drängten die Gipfelteilnehmer, Egoismen zu überwinden und an die Zukunft der Erde zu denken.

Ost-Timor

Friedensnobelpreisträger, Bischof Carlos Belo hat am 5. Dezember bei einer Pressekonferenz bedauert, daß sich seit seiner Ehrung durch das Nobelkomittee für die Bevölkerung der Insel nichts zum besseren gewendet habe. Es komme alle Tage sehr darauf an, diskzipliniert und zurückhaltend zu sein. Belo beurteilt die Gespräche zwischen Indonesien und der ehemaligen Kolonialmacht Portugal unter UNO-Aufsicht als gescheitert. Zu den kürzlich gefundenen Leichen, von denen Indonesien behauptet, es handle sich um Opfer von Terroristen, meinte Belo, sicher seien Katholiken nicht die Schuldigen.

 

A F R I K A

 

Tansania

Der erste afrikanische Kardinal, Mons. Laurean Rugamwa, ist am 8. Dezember in Dar-es-Salaam verstorben. Rugamwa war im Jahre 1960 als erster Bischof des Schwarzen Kontinents von Papst Johannes XXIII zum Kardinal gemacht worden. Er hatte aktiv am 2. Vatikanischen Konzil teilgenommen und auch später seine Stimme für die Inkulturation des Christentums in Afrika und die Rolle der Laien in der Kirche erhoben. Der Papst drückte jetzt gegenüber den tansanischen Bischöfen sein Beileid aus und würdigte Rugamwas Dienst an der Kirche.

Simbabwe

Die Bischöfe warnen Präsident Robert Mugabe, bei der Landreform Gerechtigkeit und Fairness nicht über Bord zu werfen. Die Farmer - es sind vor allem Weiße - , deren Land jetzt eingezogen wird, müßten fair entschädigt werden, so die Bischöfe. Der Präsident plant, 5,5 Millionen Hektar Farmland einzuziehen und die Besitzer nur für Gebäude, nicht aber für das Land zu entschädigen.

Demokratische Republik Kongo

Das Regime Kabila hat jetzt einen protestantischen Pastor festgenommen, dem es vorwirft, sich abfällig über die neue Regierung geäußert zu haben. Das melden Kirchenkreise in Kinshasa. Der Pastor hat dem Vernehmen nach während einer Predigt geäußert, die neuen Herren begingen die gleichen Fehler wie das frühere Regime unter Mobutu.

Ruanda

Die Menschenrechtslage in Ruanda wendet sich zum Schlechteren. Darauf hat die UNO-Menschenrechtskommissarin, Mary Robinson, hingewiesen. Die Tutsi-Regierung tue nichts für einer Wiederversöhnung, und die Angriffe der Hutu-Rebellen machten das Leben in vielen Landesteilen buchstäblich unmöglich.

 

A M E R I K A

 

Kanada

Der Präsident des päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden,Kardinal Roger Etchegaray, hat am 6. Dezember in Ottawa dazu aufgerufen, nach den Anti-Personen-Minen auch leichte Schußwaffen zu bannen. Sie seien so leicht zu tragen und zu gebrauchen, daß sie leider auch von Kindern benutzt würden. Nach dem Kampf gegen die Minen müsse man jetzt ihnen den Kampf ansagen. Im übrigen gebe es sehr viel zu tun, den Menschen zu helfen, die durch Explosion von Landminen schwer geschädigt worden seien.

Kolumbien

Der von der Nationalen Befreiungsfront in Tibu entführte Bischof Jose Quintero Diaz soll am kommenden Wochenende freigelassen werden. Das gab am 5. Dezember der ehemalige Außenminister Augusto Ramirez Ocampo bekannt. Nach Angaben von Ocampo laufen die Verhandlungen noch. Der Tag und der Ort der Freilassung stehen noch nicht fest.

Bolivien

Am 6. Dezember ist in Cochabamba der 14. Kongress der Caritas für Lateinamerika und die karibsichen Länder zu Ende gegangen. Über 200 Teilnehmer aus 23 Ländern waren anwesend. In der Schlußerklärung der Caritas spricht sich die Hilfsorganisation gegen den Neoliberalismus aus und wird demnächst in Zusammenarbeit mit Kirchenkreisen und Laien nach wirtschaftlichen Alternativen für die Notdürftigen und sozial benachteilgten Schichten der Bevölkerung suchen.

Brasilien

Die Gewalt im Amazonasgebiet nimmt zu. Diesen Schluß zieht der katholische Indianer-Missionsrat in seinem Jahresbericht. Der Bericht wurde am 6. Dezember in Brasilia veröffentlicht. Problematisch seien unter anderem die Landbesetzungen. Durch ein Dekret seien sie bisher nicht verboten, bis die Demarkation der Indianergebiete abgeschlossen werde. Ein weiteres ernstes Problem seien die von Ausländern in die Region eingeschleppten Krankheiten. Die Goldgräber hätten zudem in der Region Prostitution, Tuberkulose und Alkohol heimisch gemacht, so der Bericht.

Brasilien

Das sogenannte "Parlament von Südamerika" hat am 6. Dezember in Sao Paolo vorgeschlagen, daß alle 22 Staaten des Südkontinentes gemeinsame Vorkehrungen gegen Aids treffen. Sie sollten dazu ein Gesetz über Blutbanken und Bluttransfusionen erlassen. Mit Betroffenheit stellen die 100 Delegierten aus allen Ländern Lateinamerikas fest, daß sich die Zahl der HIV-Infizierten von 1988 einer halben Million bis heute auf 8 Millionen erhöht hat. Die einzelnen Staaten sollten daher ihre Landesgesetze entsprechend anpassen.

 

 

 

 

Hinweise auf unser Wochenprogramm

Mittwoch: Römische Woche - Amerika-Synode im Vatikan, Kirche in der Werbung

Donnerstag: Kreuz des Südens - Afghanistan, Der Vertreter eines Hilfswerks berichtet

Freitag: Prismamagazin

 

Man hört Radio Vatikan:

täglich 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr

auf Mittelwelle 1530 kHz und auf den

Kurzwellen-Frequenzen: 5880, 7250, 9645 kHz

Über Radio Campanile. Im Kabel und auf Tonunterträger von

DSF um 16.15 Uhr 19.10 Uhr

Vier-Monatsprogramm kann angefordert werden bei:

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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan Nachrichten:

Freitag, 12. Dezember 1997