Radio Vatikan Archiv

Verehrte Internet-Benutzer und Benutzerinnen, An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Mittwoch, 3. Dezember bis Freitag, 5. Dezember 1997

 

EUROPA

Vatikan
Mehrere Teilnehmer der Amerika-Bischofssynode haben in diesen Tagen darauf hingewiesen, daß die Hauptfrucht der Zusammenkunft bis jetzt die Erfahrung der großen Gemeinschaft in Nord- und Südamerika ist. Bisher habe man das nicht so gesehen. Jetzt wisse man, daß man geschwisterlich verbunden sei. Nach Aussagen anderer stand das große Elend von Millionen im Zentrum vieler Debatten. Eine der berufenen Fachfrauen in der Synode beklagte gegenüber einer Nachrichten-Agentur, daß die vielen Frauen, die in Amerika die Seelsorge tragen, bei der Synode nicht genügend vertreten seien. 19 Frauen sind als Fachleute in der Bischofsversammlung, die insgesamt etwa 3oo Personen zählt.
Im Rahmen der Amerika-Bischofssynode hat der Präsident des päpstlichen Rates für das Gesundheitswesen vorgeschlagen, daß die Kirche in Amerika ein Programm gegen übertriebenes Rauchen, Trinken und gegen Drogenkonsum durchführt. Insbesondere sollte sie sich für die Aidskranken einsetzen. Die katholischen Krankenhäuser sollten sich dazu verpflichten, Filialen in armen Gegenden zu errichten. Priester sollten von ihrer Ausbildung ab mit Krankenseelsorge vertraut gemacht werden.

Vatikan
Der Generalobere der jungen Gemeinschaft der Legionäre Christi aus Mexiko hat im Rahmen der Amerika-Synode Modelle der Sozialhilfe und Evangelisierung vorgestellt. Junge katholische Unternehmer hätten aus einem Geschenk von 12 Millionen Dollar Kleinkredite an 200.000 Familien zu Minimalzinsen gegeben. Die Bedachten hätten damit selbständig für ihr Familienauskommen sorgen können. Zur Neuevangelisierung seien in Mexiko 22.000 Laien-Apostel herangebildet worden. Diese hätten bereits 650.000 Familien in ländlichen Gebieten und Ureinwohner im Rahmen der Neu-Evangelisierung besucht.

Vatikan
Der Bruder des kubanischen Präsidenten, Raul Castro, ist am 3. Dezember zu einem privaten Besuch in Rom eingetroffen. Vatikansprecher dementierten Meldungen italienischer Zeitungen, der stellvertretende kubanische Regierungschef werde auch private Gespräche im Vatikan führen.

Vatikan
Die internationale Gemeinschaft darf Albanien jetzt mit seinen Problemen nicht alleinlassen. Darauf hat am 5. Dezember Papst Johannes Paul II. gedrängt, bei einem Empfang für den Botschafter aus Tirana beim Heiligen Stuhl. Die Kirche sei sehr besorgt, ob die Albaner Lösungsmöglichkeiten für ihre prekären Lebensumstände erhalten - zu Hause in Albanien, aber auch anderswo. Der Papst spielte auf die Tausenden von albanischen Flüchtlingen an, die sich vor allem in Italien aufhalten. ERst vor zwei Tagen waren mehrere Hundert von ihnen zwangsweise repatriiert worden, was in der italienischen öffentlichkeit eine heiße Debatte auslöste. Johannes Paul wörtlich: Mir stehen die Leiden und Hoffnungen der Albaner immer vor Augen, die ihr Land verlasssen, aus Notwendigkeit und weil sie eine besser Zukunft für sich und ihre Familien wollen.

Vatikan
Der Präfekt der Kongregation für die Orientalischen Kirchen, Kardinal Achille Silvestrini, beginnt am 5.12. einen sechtägigen Besuch in Israel. Der Lateinische Patriarch von Jerusalem Michel Sabbah, hat ihn eingeladen zur 150-Jahrfeier der Wiedererrichtung des Patriarchats.

 

E U R O P A

 

Schweiz
Der Vorsitzende der helvetischen Bischofskonferenz, Bischof Henri Salina, hat am 2. Dezember die Schweizer Katholiken aufgerufen, nach der Berufung von Bischof Wolfgang Haas nach Liechtenstein sich nicht als Sieger oder Besiegte zu fühlen. Er rief sie zur Einheit auf. Die Bewegung Pro Ecclesia bedauerte das Scheiden von Bischof Haas von Chur.

Liechtenstein
Die Dekanatsversammlung des Fürstentum Liechtenstein hat jetzt Bedenken gegen Erhebung zum Erzbistum und der damit verbundenen Abtrennung vom Schweizer Bistum Chur erhoben. Sie forderte alle zuständtigen Instanzen dazu auf, beim Papst auf eine mehrjährige Denkpause zu drängen. Es sei eine überstürzte Entscheidung ohne klares Konzept heißt es in der Stellungnahme der Dekanatsversammlung, die am 4.12. mit 18 gegen sechs Stimmen verabschiedet wurde. Die Dekane führten gegen diese Entscheidung eine Reihe von Klagen ins Feld. So sei niemand von den direkt oder indirekt Betroffenen zu Rate gezogen worden. Auch der neuernannte Erzbischof Wolfgang Haas habe eine solche Lösung bis dahin als nicht sinnvoll erachtet. Es würde außerdem eine 1600-jährige Geschichte gestrichen, da Liechtenstein seit den Anfängen zur Diözese Chur gehört habe. Für eine gute Pastoral sei es notwendig, daß das Fürstentum die Rückbindung an eine größere Diözese habe. Abschließender Appell der Liechtensteiner Dekane: Die Errichtung der neuen Erzdiözese solle zunächst ausgesetzt werden.

Schweiz
Die Laien-Instruktion ist in einigen Teilen der Kirche des Landes mit Betroffenheit und Bestürzung aufgenommen worden. In einer Erklärung vom 3. Dezember weisen die Schweizer Bischöfe daraufhin, daß sie selbst von der Veröffentlichung des Dokuments weitgehend unvorbereitet überrascht worden sind. Man müsse jetzt darauf achten, mit der römischen Weisung der pastoralen Wirklichkeit gerecht zu werden und Mißbräuche und Überschreitungen aufzudecken. Ausdrücklich weisen die Bischöfe daraufhin, daß Beauftragungen, die sie und ihre Vorgänger ausgesprochen haben, weiter in Kraft sind.

österreich
Nicht nur innerkirchliche Probleme behandeln, sondern den Menschen dienen. Das sei Aufgabe des von den katholischen Bischöfen initiierten "Dialogs für österreich". Das unterstrich der Wiener Weihbischof Alois Schwarz jetzt vor der Kommission der katholischen Bischofskonferenzen in der Europäischen Union in Brüssel. Der Verantwortliche der Arbeitsgruppe warnte, daß Arbeitslose, Abtreibungen und die vielen österreicher, die an der Armutsgrenze lebten, ein Beweis für leere Worte seien. Theoretisch werde die Würde der Person zwar bejaht, in der Praxis sei sie aber sehr angefochten. Hier habe die Kirche ihre Stimme zu erheben, sagte der Weihbischof.

Großbritannien
Die anglikanische Kirche möchte erneut Gespräche zur Vereinigung mit den Methodisten führen. Das hat nach Angaben einer Presseagentur die anglikanische Bischofssynode beschlossen. Im Juni kommenden jahres wird die Konferenz der Methodisten über den vorschlag entscheiden. Die 1969 und 1972 vorangegangene Vereinigungsversuche waren fehlgeschlagen. Es handle sich nicht um eine Fusion, sondern um die sichtbare Einheit, betonte der anglikanische Bischof von Grimsby, David Tustin.

Großbritannien
Die Jüdische Gemeinschaft hat scharfe Vorwürfe an die Dreiparteienkommission bei der Londoner Nazigold-Konferenz gerichtet. An die französische Vertretung erging der Aufruf, die Archive zu öffnen. Der Exekutivdirektor des jüdischen Weltkongresses, Elan Steinberg, forderte die Miteinbeziehung von Schmuck und Zahngold, das den Holocaust-Opfern abgenommen worden war, aber als nichtmonetäres Gold bei der Konferenz außen vor bleibt. Auch die Vertreter der Roma-Vereinigung wollen auf der Konferenz ihre Ansprüche geltend machen. Sie richteten ihre Forderungen auch an den Heiligen Stuhl.

Rußland
Der Vizepräsident des Foederationsrates, Vassiliy Likatschew, hat jetzt in Moskau nach einem Besuch bei Papst Johannes Paul II. bekanntgegeben, daß er Patriarch Alexij eine mündliche Botschaft des Paptes überbracht habe. Pressemeldungen zufolge antwortete der Papst auf eine Mitteilung des orthodoxen Oberhirten von Moskau und ganz Rußland. Fachleute erinnern daran, daß ein Treffen zwischen den beiden Kirchenoberhäuptern im Juni dieses Jahres geplant war, das aber dann wegen Vorbehalten von orthodoxer Seite nicht zustande kam. Es wäre die erste Begegnung zwischen den Spitzen der beiden Kirchen seit dem Bruch vom Jahr 1054 gewesen. Die Orthodoxie wirft der Katholischen Kirche Proselytenmacherei vor.

Ungarn
Das Parlament in Budapest hat am 3.12. das Abkommen über die Rückgabe der enteigneten Kirchengüter ratifiziert. Der Vertrag war im letzten Juni von der Regierung und dem apostolischen Stuhl unterzeichnet worden. Pressemeldungen zufolge handelt es sich um einen Wert von über 500 Millionen Dollar. Mehr als die Hälfte davon werde in Form der enteigneten Immobilien und Liegenschaften zurückgegeben. Der Rest, der nicht in Sachwerten erstattet werden kann, wird in Geld ausgezahlt.

 

A S I E N

Israel
Ein Sprecher des lateinischen Patriarchats in Jerusalem hat jetzt kritisiert, daß das israelische Staatsradio die monatliche Sendung für Katholiken gestrichen hat. Finanzgründe seien dafür angegeben worden, erklärte Bischof Giacinto Boulos-Marcuzzo. Auch andere Programme für die christliche Minderheit in Israel seien gestrichen worden. Indessen verteidigte ein Sprecher der Muslime diese Kürzungen, sie gingen auf Finanzengpässe zurück und die Muslime seien wesentlich zahlreicher als die Christen. Dazu seien die Christen in verschiedene Denominationen gespalten.

Libanon
Der oberste Gerichtshof hat erneut einen Prozeß gegen den früheren christlichen Milizenführer Samir Geagea aufgenommen. Diesmal geht es nicht um das Massaker in einer maronitischen Kirche von 1989, das Geagea begangen haben soll. Das Gericht beschuldigt ihn vielmehr der Verwicklung in den Mord am sunnitischen Premierminister Karami von 1987. Der maronitische Patriarch, Kardinal Nasrallah Sfeir, forderte gegenüber Radio Vatikan die Freilassung Geageas; das gehöre zu einer vollständigen Wiederversöhnung.

Indien
Die Bischöfe werfen den Politikern verantwortungsloses Handeln vor. Es gehe ihnen derzeit nicht mehr um das Wohl des Volkes, sondern um Machterhalt. Es sei eine Schande, daß sich die Politiker in billigen Machtkämpfen ergingen, während die Nation immer mehr von Spannungen und wirtschaftlicher Stagnation bedroht werde, so Erzbischof Alan de Lastic, der Vize-Präsident der Bischofskonferenz. Es ist die schärfste Stellungnahme der Bischöfe seit Amtsamtritt des neuen Präsidenten im Spätsommer. Die Kirche hatte sich von ihm eigentlich frischen Wind in der verkrusteten, korrupten Politiklandschaft versprochen.

 

A F R I K A

Sudan
Der Kirchenrat des Landes hat der Regierung vorgeworfen, die christlichen Kirchen zu benachteiligen. In einem Brief an den Sozialminister erklären die Kirchenvertreter, die Regierung werde ihrer offiziellen Verpflichtung zur friedlichen Koexistenz der Religionen nicht gerecht. Kirchen und christliche Gemeindezentren würden willkürlich abgerissen. Staatliche Schulen stellten keine christlichen Religionslehrer ein.

Ruanda
Hunderte von Hutu-Kriegern haben am 4. Dezember das Gefängnis der kleinen, 59 km westlich von Kigali gelegenen Stadt Bulinga überfallen. Dabei konnten sie ungestört rund 500 ihrer, zum Teil wegen Völkermord verurteilten Stammesbrüder befreien. Die Gefängnisaufseher konnten kaum auf den Überfall reagieren, geschweige denn die Haftanstalt verteidigen oder Hilfe herbeirufen.

Kongo
Die Demokratische Republik Kongo, das frühere Zaire, soll internationale Hilfe beim Wiederaufbau erhalten. Darauf einigte sich eine Konferenz in Brüssel auf Initiative der Weltbank. Die Regierung des Nachbarlands Kongo-Brazzaville hat derweil vier internationale Organisationen eingeladen, die Bürgerkriege von 1993 und 1997 vor Ort zu untersuchen.

 

A M E R I K A

 

Kolumbien
Präsident Ernesto Samper hat am 4. Dezember ein Gesetz unterzeichnet, wonach evangelische Kirchen, die mehr als eine Million Mitglieder zählen, offiziell anerkannt werden können, wenn sie dies wünschen. Danach sind unter anderem Trauungen vor evangelischen Pastoren ebenso staatlich gültig wie die vor katholischen Pfarrern. Auch können evangelische Geistliche Gefängnissen-, Krankenhaus und Militärseelsorger werden. Mit der Regelung erhalten die großen evangelischen Gemeinschaften die gleichen Rechte, wie sie bisher nur die katholische Kirche hatte.

Kolumbien
Die Guerillas der Nationalen Befreiungsarmee haben jetzt die baldige Freilassung Bischofs José Quintero Diaz und zweier entführter Verwaltungsbeamter in Aussicht gestellt. Sie fordern im Gegenzug, daß der historische Anführer der Rebellengruppe, ein spanischer Priester, die Erlaubnis erhält, das Land zu verlassen. In ihrer Erklärung werfen die Rebellen den Sicherheitskräften im Nordwesten des Landes schlimmste Menschenrechtsverletzungen vor. Sie arbeiteten mit paramilitärischen Todesschwadronen zusammen, hieß es.

Argentinien
Nach Angaben internationaler Sicherheitsexpertensexperten breitet sich in Südamerika der Terrorismus islamischer Guerrillatruppen immer weiter aus. Besonders an den Grenzen zwischen Argentinien, Paraguay und Brasilien sei das Phänomen besonders ausgeprägt. Seit jüngstem sind in den Grenzgebieten spzielle Sicherheitseinheiten zur Kontrolle und Vorbeugung der zunehmenden Kriminalität in dem Kontinent eingeführt worden.

 

Hinweise auf unser Wochenprogramm
Mittwoch:
Römische Woche
Donnerstag: Kreuz des Südens
Freitag: Prismamagazin

 

Man hört Radio Vatikan:
täglich 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr
auf Mittelwelle 1530 kHz und auf den
Kurzwellen-Frequenzen: 5880, 7250, 9645 kHz
Über Radio Campanile. Im Kabel und auf Tonunterträger von DSF um 16.15 Uhr 19.10 Uhr

Vier-Monatsprogramm kann angefordert werden bei:
Winfried Aufterbeck, Wiesenstr. 9a, D-40878 Ratingen
Tel. 0 21 02 / 2 30 31, Fax: 0 21 02 / 2 14 13

 

Für die Internet-Nachrichten verantwortlich:
Anne Granda
Redaktion dieser Ausgabe: Ellen Hoepffner
Tel.: 00396 69 88 41 01, Fax 00396 69 88 38 44
Post: Radio Vatikan, I-00120 Città del Vaticano
E-Mail: SEDOC@VATIRADIO.VA

 

Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan Nachrichten:
Dienstag, 9. Dezember 1997

Radio Vatikan Archiv