Radio Vatikan Archiv

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Radio Vatikan in der Zeit von

Mittwoch, 26. November bis Freitag, 28. November 1997

 

E U R O P A

 

Vatikan

Während der vergangenen drei Tage haben auf der Amerika-Bischofs-Synode rund 4o Fachleute, meist Laien, das Wort ergriffen. Unter ihnen waren mehrere Frauen. Eine Sprecherin der Afro-Amerikaner der USA bedauerte den fortbestehenden Rassismus. Die Kirche müsse sich mit ihm auseinandersetzen. Noch immer hätten Menschen schwarzer Hautfarbe mit Diskriminierung zu rechnen. Eine Sprecherin der Laien auf Kuba berichtete von den Prüfungen der langen kommunistischen Zeit. Bis heute habe die Kirche keinen Zugang zu den Medien. Der Glaube könne nur von Person zu Person weitergegeben werden. Eine große Rolle spielten auch die indianischen Ureinwohner in der neuen Welt. Die Kirche müsse noch besser lernen, den Glauben in ihre Kultur zu übersetzen. Ein nordamerikanischer Indianer beklagte die Verbindungen der Glaubensverkündigung mit politischer Eroberung. Sprecher aus Lateinamerika verwiesen auf die Abhängigkeit vieler Indios vom Koka-Anbau. Auch werde der Lebensraum vieler Indios durch die Zerstörung der Tropenwälder vernichtet. Der Repräsentant Afrikas vertrat die Überzeugung, die wirtschaftliche Armut in seinem Kontinent sei ebenso wie in Amerika nicht die ungewollte Frucht der Marktmechanismen, sondern von den Mächtigen gewollt. Der Erzbischof von Kingasani in Kongo-Zaire schloß sich der päpstlichen Forderung nach Erlaß der Auslandsschulden an. Am 28. November wurden alle Wortmeldungen während der ersten 10 Tage in eine große Relation zusammengefaßt. Ab dem 29. November arbeiten die Synodenväter in kleinen Sprachgruppen.

Vatikan/Vereinte Nationen

Der apostolische Nuntius bei der UNO in New York, Erzbischof Renato Martino, hat am 24. November an die Staatengemeinschaft appelliert, den Friedensprozeß im Nahen Osten voranzutreiben. Der Stillstand im Friedensprozeß habe für das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nation, das in den besetzten Gebieten mit der katholischen Ortskirche zusammenarbeitet, große Probleme mit sich gebracht. "Die Schließung der Grenzen, hat sehr negative Folgen für die Berufsausübung, die freie Religionsausübung, die medizinische Versorgung und die Schulbildung der Palästinenser. Und die Abriegelung schafft keine Sicherheit. Sie verschärft vielmehr das Gefühl der Verzweiflung, des Ausgeliefertseins bei den Palästinensern", so der Erzbischof.

Vatikan

Wie der Pressesaal des Heiligen Stuhls am 27. November bestätigte, hat der irakische Präsident Sassam Hussein in den vergangenen Tagen einen Brief an den Papst geschrieben. Darin dankte Hussein Johannes Paul II. für sein andauerndes Mitgefühl mit den Leiden des irakischen Volkes. In den vergangenen Wochen hatte der Papst mehrfach Embargos als Repressalie gegen Länder verurteilt, da sie immer die Schwächsten träfen.

Deutschland

Der Präsident der israelischen Knesset, Dan Tichon hat am 26. November die Bundesregierung in Bonn eindringlich aufgefordert, den noch nicht entschädigten Holocaust-Opfern rasch zu helfen. Viele von ihnen seien in vorgerücktem Alter. Tichon bezog sich dabei vor allem auf KZ-Insassen, die im ehemaligen Ost-Block gelebt hatten und daher noch keine Entschädigung von Bonn erhalten haben. Auch in Tunesien und Libyen lebten noch Nazi-Opfer, die nichts erhalten hätten.

österreich

Papst Johannes Paul II wird während seines österreich-Besuchs zwei Seligsprechungen vornehmen. Das wurde jetzt in Wien bestäigt. Es handelt sich dabei um den Prämonstratenser Jakob Kern, der sein tödliches Leiden besonders zur Wiedergutmachung für den Kirchenaustritt eines böhmischen Mitbruders aufopferte und heroisch starb. Außerdem wird die Hartmann-Schwester Restituta Kafka seliggesprochen, die von den Nazionalsozialisten ermordet wurde, weil sie durch ihr Leben und Tun das Regime herausforderte. Vor wenigen Tagen hatte das Wiener Landgericht für Strafsachen das Todesurteil der Nazis gegen sie aufgehoben.

Polen

In Warschau ging am 27. November das Treffen der KSZE-Staaten über Menschenrechtsverletzungen zu Ende. Bei den Anhörungen gerieten mehrere Staaten ins Kreuzfeuer, da dort die Menschenrechte regelmäßig verletzt werden. So gab es zum Thema Minderheitenschutz harte Kritik der USA an der Slowakei. Die Regierung versuche, den Gebrauch der ungarischen Sprache an Schulen zu begrenzen. Die USA warfen auch Mazedonien, Kasachstan, Griechenland und der Türkei ethnischen und religiöse Diskriminierung vor. Kritik ging außerdem an die Adresse von Dänemark und Deutschland. Auch dort soll es, wie in der Hälfte aller KSZE-Staaten, zur Mißhandlung von Häftlingen gekommen sein.

Türkei

Der Präsident des päpstlichen Rats für die Einheit der Christen, Kardinal Edward Cassidy, wird dem Patriarchen von Konstantinopel, Bartolomaios I, am 29. November eine Botschaft des Papstes überreichen. Trotz der zur Zeit angespannten Beziehungen zum Patriarchat nimmt eine Vatikandelegation an den jährlichen Feiern zum Fest des heiligen Andreas teil. Der Besuch stellt eine Versöhnungsgeste dar. Erst Ende vergangenen Monats hatte Bartolomaios bei einer Konferenz an einer US-amerikanischen Universität zum Thema ökumene erklärt, von orthodoxer Seite konstatiere man immer größere Meinungsunterschiede. Die Äußerungen wurden erst jetzt bei der Amerika-Synode im Vatikan bekannt, da die Univesität sie ob ihrer Härte nicht veröffentlicht hatte.

Türkei

Das größte Hindernis für sein Land zum Vollmitglied in der Europäischen Union zu werden, sei die Vorherrschaft des islamischen Religion in der Türkei. Diese Meinung hat am 28. November der Landwirtschaftminister Mustafa Tasar vertreten. Eine weiterführende Begründung für seine These lieferte Tasar bisher jedoch nicht.

Bosnien-Herzegowina

Der Bischof von Banja Luka, Franjo Komarica, hat erneut die Diskriminierungen angeprangert, denen die Katholiken seiner Diözese ausgesetzt sind. Gegenüber US-amerikanischen Pilgern betonte er, die Benachteiligungen der Katholiken gehörten in diesem von den Serben kontrollierten Gebiet Bosniens zur Tagesordnung. Schuld daran seien vor allem die Gleichgültigkeit der internationalen Gemeinschaft und die Nicht-Anwendung des Dayton-Abkommens.

A S I E N

Libanon

Amnesty International hat am 28. November eine "umgehende Aktion" zugunsten der libanesischen Zivilisten vorgeschlagen, die während der Kämpfe im Südlibanon festgenommen wurden. Man habe sich für einen derartigen Appell entschieden, nachdem am 23. November in dem Dorf Beit Lif, mindestens sieben Personen durch Bomben getötet wurden. Protestbriefe sollen an den israelischen Premierminister, Benjamin Netanyahu, sowie an Hitzbollaführer, Hassan Nasrallah, geschickt werden.

Afghanistan

Das Ernährungsprogramm der Vereinten Nationen plant jetzt eine Luftbrücke in die zentralafghanische Bamiyan-Provinz. 160. 000 der 1,2 Millionen dort lebenden Menschen sind nach Angaben der UNO vom Verhungern bedroht. Die Taliban-Milizen blockieren seit fünf Monaten alle Hilfstransporte in die von Oppositionstruppen kontrollierte Region. Der in der Hauptstadt Kabul gestrandete UN-Hilfskonvoy soll deshalb jetzt über Pakistan auf dem Luftweg zu den Bedürftigen gebracht werden.

Sri Lanka

Kürzlich haben Katholiken aus dem Süden eine Wallfahrt in das nördliche Bürgerkriegsgebiet der Tamilen gemacht, um dadurch ihren Friedenswillen zum Ausdruck zu bringen. Sie trafen dort mit rund 10. 000 Tamilen zusammen. Als Zeichen der Versöhnung zwischen den verfeindeten Bevülkerungsgruppen feierte man eine Messe in singhalesischer und tamilischer Sprache. Nach ihrer Rückkehr in ihre singhalesischen Heimatorte berichteten sie auch über das Elend, das sie im Norden des Landes gesehen hatten.

Vietnam

Die Regierung in Hanoi versucht, die wiederholten Unruhen in der südlichen Dong Nai-Provinz zu vertuschen. Nach Agenturmeldungen war es dort erneut zu Unruhen zwischen Katholiken und Ordnungshütern gekommen. Die Christen hatten zum zweiten Mal in einem Monat versucht, die strategisch wichtige Nord-Süd-Autobahn zu blockieren.Die Proteste der katholischen Landbevölkerung richten sich vor allem gegen die Unterdrückungspolitik der korrupten Regierung im Norden des Landes.

Australien

Der Ärzteverband des Landes hat ein Verbot der sogenannten "Euthanasie-Pille" gefordert. Das für sterbewillige Pazienten im Endstadium gedachte Medikament wird derzeit von Forschern in Darwin entwickelt. Die Ärzte sowie Menschenrechtsgruppen befürchten jetzt, daß auch depressive Menschen zu der tödlichen Mischung greifen könnten.

A F R I K A

Somalia

Die Entwicklungshilfeminister der Europäischen Union entschieden am 28. November in Brüssel über die eventuelle Freigabe der seit dem Bürgerkrieg blockierten Hilfsgelder für Somalia. Italien hatte beantragt, die von der Konvention von Lomé vorgesehenen rund 180 Millionen Mark für Somalia endlich freizugeben. Die Entscheidung wurde noch nicht bekanntgegeben.

A M E R I K A

Kuba

Die Zuckerinsel braucht das Gebet und die Anstrengung aller Christen. So wörtlich Präsident Fidel Castro am 25. November vor rund 7o Vertretern der evangelischen Kirche. Beobachter sind erstaunt über die Wendungen des Revolutionärs, der sich früher als Atheist bekannt und die Kirchen stark verfolgt hatte. Vor zwei Tagen traf Castro 9 Stunden lang mit Representanten der meisten protestantischen Gemeinschaften Kubas zusammen. Darunter sind vor allem Methodisten, Baptisten, Presbyterianer und Pfingstler. Auch die israelische Kultusgemeinde war bei der Begegnung verteten. Themen der Gespräche waren Kirchbauten und Armenspeisung, Prostitution und Abtreibung.

Mexiko

Eine US-amerikanische Hilfsorganisation, genannt "Pastoren für den Frieden", haben jetzt tonnenweise Lebensmittel und Medikamente in die Provinz Chiapaz gebracht. Die dort lebende indianische Bevölkerung ist seit Wochen Übergriffen der Polizei und paramilitärischer Gruppen ausgesetzt. Diese verdächtigen die Indios, die zapatistischen Rebellen zu unterstützen. Viele haben sich nach Angaben der "Pastoren für den Frieden" in die Berge geflüchtet, wo sie von Hunger und Krankheiten bedroht sind.

Ein Mitglied des Vermittlungsausschusses, dem der Bischof von San Cristobal de las Casas, Samuel Ruiz, vorsteht, gab am 28. Novmeber an, die Verhandlungen zwischen der Regierung und der zapatistischen Befreiungsfront seien in der Krise. Noch hoffe man jedoch auf eine politische Lösung.

Kolumbien

Guerrillas der Nationalen Befreiungsarmee ELN haben am 25. November Bischof Quintero-Diaz im Nordosten des Landes entführt. Das wurde jetzt aus Kirchenkreisen bekannt. Die Entführer hätten bisher noch kein Lösegeld gefordert, hieß es. Schon in der Vergangenheit hatte die ELN Priester entführt, denen sie Verrat an den Armen vorwarf. Der apostolische Nuntius in Bogotà hat jetzt seine Vermittlung angeboten. Die Entführung von Bischof José de Jesus Quinterosei sei der "Gipfel der Absurdität", sagte Nuntius Paolo Romero.

 

 

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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan Nachrichten:

Dienstag, 2. Dezember 1997

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