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Radio Vatikan Online-Archiv

Verehrte Internet-Benutzer und Benutzerinnen! An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Samstag, 8. November bis Dienstag, 11. November 1997

 

Vatikan

Israel und der Vatikan haben am 9. November ein Abkommen geschlossen, das den juristischen Status der Kirche in Israel regelt. Bisher arbeitete die Kirche im Heiligen Land in einer rechtlichen Grauzone. Der Vatikan zeigte sich zufrieden, betonte aber, daß sich seine Haltung zu Jerusalem nicht geändert habe, für das er einen international garantierten Sonderstatus fordert.

Vatikan

Papst Johannes Paul II. hat am Sonntag, den 9. November drei herausragende Christen seliggesprochen, zwei Bischöfe und eine Ordensgründerin: Den ungarischen Bischof Wilhelm Apor, der im Jahr 1945 von russischen Soldaten erschossen wurde, als er diesen den Weg zu mehreren jungen Frauen versperrte, die sie verwaltigen wollten. Der zweite Bischof, Giovanni Battista Scalabrini, ist in ganz Italien wegen seines Einsatzes für die italienischen Auswanderer in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts bekannt. Um ihnen zu helfen, gründete er sogar eine Ordenskongregation, die Scalabrinermissionare. Die dritte neue Selige stammt aus Mexiko, Vincenta Maria di Santa Dorotea. Auch sie hat Anfang des Jahrhunderts eine geistliche Gemeinschaft gegründet. Sie hat sich besonders während der schweren Christenverfolgung in Mexiko durch ihren Dienst an den Armen und Kranken ausgezeichnet. Beim Angelusgebet rief der Papst die Gläubigen dazu auf, den Auswanderern, Flüchtlingen und Asylsuchenden aus christlichem Geist zu helfen. Das soziale Evangelium müsse von allen Christen gelebt werden.

Vatikan

Papst Johannes Paul II. hat am 8. November den ungarischen Präsidenten Arpas Goncz in Privatausdienz empfangen. Dieser hat am 9. November an den Seligsprechungs-Feiern auf dem Petersplatz teilgenommen. Außerdem empfing der Papst die Teilnehmer eines internationalen Kongresses, den der päpstliche Rat für die Seelsorge an den Kranken organisiert hat. Dabei erinnerte der Papst daran, daß die Kirche während ihrer ganzen Geschichte Christus in den Kranken und Schwachen gesehen habe. In unserer Zeit sei Mutter Teresa von Kalkutta dafür eine herausragende Zeugin gewesen. Johannes Paul warnte davor, im Gesundheitswesen nur an Profit zu denken. Auch die Armen hätten Anspruch auf Medizin. Gesundheit sei kein Privileg derer, die es sich leisten können.

Deutschland

Bundeskanzler Helmut Kohl hat den Caritas-Verband aufgefordert, die Sozialpolitik nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa weiterhin aktiv mitzugestalten. Kohl sprach am 10. November als erster Bundeskanzler vor dem Zentralrat des Verbandes. Die Sozialpolitik werde zwar auch künftig hauptsächlich von den einzelnen Mitgliedsstaaten bestimmt. Der Rat der Europäischen Union könne jedoch Richtlinien erlassen, die von Wohlfahrtsverbänden und anderen sozialen Einrichtungen mitgestaltet werden sollten, so Kohl.

österreich

Gegen ein Rütteln an kirchlichen Feiertagen hat sich der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Johann Weber ausgesprochen. Das war eines der Anliegen, die Weber zum Abschluß der Herbstvollversammlung der österreichischen Bischofskonferenz am 6. November vor der Presse formulierte. Als wichtigen Punkt betonte Bischof Weber bei der Abschlußpressekonferenz, daß niemand in der Bischofskonferenz eine Veranlassung sehe, über Feiertage zu verhandeln. In deutlicher Abgrenzung zur FPö ging Weber auf das kirchliche Verständnis von Nächstenliebe ein. Das höre keineswegs bei den "Fernen" auf und lasse kein Auseinanderdividieren von Menschen zu. Zum "Dialog für österreich" hob Weber hervor, daß es sich dabei nicht um eine Verlegenheitslösung handle, sondern um ein ernsthaftes Bemühen um ein Gespräch, vor allem auch mit Menschen, die sich nicht mehr in der Kirche beheimatet fühlen. Zum Papstbesuch nächstes Jahr vom 19. bis 21. Juni schränkte Weber ein, daß alle Einzelheiten erst in Planung seien. Er erhoffe sich aber doch, daß der dritte Besuch des Papstes in österreich zu einem beeindruckenden und wirkungsvollen Ereignis werde.

Italien

Die Erde kann alle ihre Bewohner richtig ernähren, vorausgesetzt, man geht richtig mit ihren Ressourcen um. Daran hat am 8. November der vatikanische Staatssektretär Kardinal Angelo Sodano erinnert.Bei der Eröffnung der Generalversammlung der FAO verurteilte der Kardinal Protektionismus und Egoismen der reichen Länder. So erreiche man nie eine ausgeglichene landwirtschaftliche Aktivität rund um den Globus. Die FAO ist die Landwirtschafts- udn Ernährungsorganisation der UNO, ihr Sitz ist Rom.

Frankreich

Menschenrechtsgruppen, Intellektuelle und Showstars in Frankreich haben den 10. November zum "Tag für Algerien" erklärt. Mit Vorträgen, Friedensmärschen und Mahnwachen wollen sie die Politiker dazu bewegen, in dem von Anschlägen auf Zivilisten gebeutelten nordafrikanischen Land aktiv zu werden. Sie fordern eine internationale Untersuchung der jüngsten Massaker.

Frankreich

Die Bischöfe des Landes haben am 8. November ein großes Dokument über das Zusammenleben verschiedener Kulturen verabschiedet. Sie riefen die Katholiken, aber darüber hinaus alle Landsleute auf, alte Ängste zu überwinden und das Miteinander zu lernen. Von der Fähigkeit, mit fremden Menschen und Kulturen auszukommen, hänge die Zukunft ab. Auf ihrer Herbstvollversammlung am 10. November in Lourdes riefen die Bischöfe insbesondere zum Dialog mit dem Islam auf. Die 58 Millionen französischer Katholiken, deren größter Teil sich von der Kirche abgewendet hat, betrachteten die muslimischen Einwanderer mit großem Mißbehagen, das leicht in Rassismus umschlagen könne, so die Bischöfe.

Spanien

Die katholische Kirche des Landes hat sich bereit erklärt, als Vermittler im Baskenkonflikt aufzutreten. Der Vorschlag von Bischof Jose Maria Setien zu Vorgesprächen zwischen der Regierung in Madrid und der baskischen Befreiungsorganisation ETA war in den letzten Tagen bei den meisten politischen Parteien auf harte Kritik gestoßen.

Dänemark

Vor wachsender Ausländerfeindlichkeit und Rassenhaß haben fünf der zehn lutherischen Bischöfe gewarnt. Es gelte, die menschlichen und christlichen Werte zu verteidigen, schrieben die Bischöfe in einem Aufruf an Politik und Medien. Es war die erste Stellungnahme dieser Art von Seiten der lutherischen Staatskirche. In Dänemark ist die Haltung zu Flüchtlingen und Einwanderern zur Zeit politisches Reizthema Nummer eins. Viele Wähler sind beim jüngsten Urnengang zu eher radikalen und ausländer-unfreundlichen Strömungen abgewandert.

Polen

Am 7. November hat die Regierungskoalition von Ministerpräsident Jerzy Buzek einen Vertragsentwurf für die Ratifizierung des Konkordats mit dem Vatikan gebilligt. Der vorhergehende Entwurf war von den Ex-Kommunisten verzögert worden , die in der Ratifizierung eine mögliche Begünstigung der katholischen Kirche fürchteten. Die Altkommunisten werden gegen das Konkordat mit dem apostolischen Stuhl stimmen. Das hat der Oppositionspolitiker Leschek Miller - Pressemeldungen zufolge - am 8. November erklären lassen.

Türkei

Mitglieder der Islamistenpartei Necmettin Erbakans haben am 11. November vor dem türkischen Verfassungsgericht gegen deren eventuelle Auflösung demonstriert. Grund dafür war die an diesem Tag beginnende Verhandlungsrunde, bei der der Oberste Verfassungsrichter für ein Verbot der Islamistischen Wohlfahrtspartei plädiert.

Israel

Archäologen vermuten, die Raststelle gefunden zu haben, wo Maria und Josef zum letzten Mal eine Verschnaufpause eingelegt haben, bevor sie zur Volkszählung Bethlehem erreichten. Bei den Bau-arbeiten in Har Choma wurden die Reste einer Byzantinischen Kirche entdeckt, die der Tradition nach an dem Ort der Rast Mariens erbaut wurde.

Indien

Für Missionare in Hazaribag, Bundesstaat Bihar, ist die Lage schwierig geworden. Das erklärte jetzt der dortige Bischof. In dem benachbarten Madhya Pradesh hätten Hindu-Fundamentalisten große Kampagnen gestartet, um Christen aus den armen Schichten zum Hinduismus zu bekehren. Das mache sich auch in seinem Bistum bemerkbar. Die Folge seien Spannungen, die unter anderem zum Mord an einem Jesuiten und zur öffentlichen Folter eines weiteren Ordensmannes geführt hätten.

Sri Lanka

An der jährlichen Wallfahrt der Tamilen zum Marienwallfahrtsort Mahdu haben dieses Jahr zum ersten Mal auch Singalesen teilgenommen und das trotz des anhaltenden Bürgerkriegs. Die Bischöfe hatten sich dieses Zeichen von Einheit zwischen Nord- und Südteil der Insel gewünscht und gegen erhebliche Widerstände auch durchgesetzt.

Philippinen

Der entführte irische Priester Desmond Hartford ist am 8. November kurz nach Mitternacht freigelassen worden. Nach Angaben eines Gouvernors der Provinz Lanao del Norte wurde kein Lösegeld gezahlt. Derweil gaben kirchliche Quellen bekannt, dass die Entführer, vermutlich Mitglieder einer islamischen Separatistengruppe, Hartford um Vermittlungsgespräche mit der Regierung gebeten hätten. Hartford hat inzwischen sehr positiv über seine Entführer berichtet. Er sei gut behandelt worden. Die Rebellen in den südlichen Landesteilen seien von der großen Armut der Bevölkerung motiviert, ihre Politik zu betreiben.

Japan

Übergriffe durch Einwanderungsbehörden, Polizei und Gefängnispersonal auf Ausländer hat am 10. November Amnesty International beklagt. Offizielle japanische Stellen würden Mißhandlungen ignorieren oder decken. Ausführliche Fallberichte der Menschenrechtsorganisation sollten die Regierung zum Einschreiten bewegen.

Vietnam

Die Bischöfe bitten um Hilfe für die Opfer des jüngsten Taifuns; er war der schlimmste in der Region seit 90 Jahren. 33 Menschen kamen allein im Südvietnam ums Leben; im Dekanat von Camau wurden nach ersten Informationen sechs Kirchen und vier kirchliche Einrichtungen zerstört, weitere Kirchen und katholische Schulen zum Teil schwer beschädigt. Zahlen aus anderen Landesteilen stehen noch aus.

Vietnam

Bei Zusammenstößen zwischen einigen tausend Demonstranten und der Polizei sind am Wochenende in der überwiegend von Katholiken bewohnten Privinz Dong Nai im Süden des Landes mehrere Menschen verletzt worden. Nach Berichten der Agentur afp hat sich die Lage wieder beruhigt. Vorausgegangen waren Proteste gegen Korruption und gegen die Beschlagnahmung von Grundbesitz der Diözese, auf dem Schulen gebaut werden sollten. Der Bischof der Diözese rief zur Ruhe auf, nachdem die Regierung in Hanoi um kirchliche Intervention gebeten hatte. Es heißt, die Proteste hätten keinen religiösen Hintergrund, sondern beruhten auf Ungerechtigkeiten im System. Am 11. November verlautete aus Agenturmeldungen, die Regierung in Hanoi habe einen detaillierten Bericht der Vorkommnisse verlangt.

Vietnam

Abgesehen von wirtschaftlicher Freiheit hat sich in Vietnam wegen der politischen Repression und der institutionellen Vormachtstellung der kommunistischen Partei nichts geändert. Zu diesem Schluß kam die US-amerikanische Menschenrechtsorgani-sation "Human Rights Watch". Sie verurteilt in einem jetzt veröffentlichten Report vor allem den Mißbrauch der sogenannten "administrativen Haft". Dabei würden alle dem Regime unbequemen Oppositionellen ohne Verhöre und Prozesse verhaftet und aus dem Weg geschafft.

Algerien

In einem Dorf in der Nähe der Hauptstadt sind in der Nacht zum 8. November fast 30 Zivilisten getötet worden. Das wurde aus Krankenhauskreisen bekannt. Eine Gruppe von Männern benutzte Sprengstoff, um in die Häuser der Opfer einzudringen. Bislang übernahm niemand die Verantwortung. Es wird jedoch vermutet, daß es sich um militante Moslems handelt, deren Ziel es ist, die Regierung von Präsident Liamine Zeroual zu Fall zu bringen.

Algerien

Die Regierung hat erneut scharf den Verdacht zurückgewiesen, der Geheimdienst oder die algerische Armee könnten etwas mit den Terroranschlägen in Paris von 1995 zu tun gehabt haben. Bisher wurde angenommen, diese gingen auf das Konto der islamischen Terrorgruppe CIA - bis zwei europäische Zeitungen, Le Monde und Observer, jüngst eine Beteiligung des algerischen Geheimdienstes vermuteten. Das angenommene Motiv: Die Regierung von Algier wollte Frankreich gegen die Terroristen in Algerien aufbringen und dadurch Hilfe aus Paris erzwingen. Ein algerischer Regierungssprecher wies die Anschuldigungen gestern als Lügen zurück und verteidigte die Armee; er räumte allerdings ein, daß es, so wörtlich, Elemente gebe, die Zweifel nährten.

Kenia

Staatspräsident Daniel Arap Moi hat am 10. November das Parlament seines Landes aufgelöst, um den Weg für Neuwahlen, die noch für dieses Jahr geplant sind, freizumachen. Ein genaues Datum steht noch nicht fest. In der vergangenen Woche waren die letzten Verfassungsreformen vom Parlament angenommen worden, die von der Opposition und religiösen Gruppen gefordert worden waren. Diese betonten nun, daß die Neuerungen rein kosmetischer Natur seien und an den ausgedehnten Machtbefugnissen des Präsidenten nichts änderten.

Venezuela

Papst Johannes Paul II. hat in einer Botschaft an das Gipfeltreffen der Staatschefs Lateinamerikas daran erinnert, daß alle Bürger das Recht haben, ihre Regierung frei zu wählen. Sie müßten so die Möglichkeit haben, am Gemeinwohl mitzuwirken. Der Papst räumte ein, daß die Kirche zwar keine allgemeingültige Formel für die Verfassungen der Staaten habe. Alle Bürger aber müßten das Recht zur aktiven Mitwirkung an der Gestaltung des Gemeinwesens genießen. Beobachter registrierten auf dem Gipfel in Venezuela, daß der kubanische Revolutionsführer sich offenbar angegriffen fühlte. Er reagierte nämlich mit einer Verteidigung der kubanischen Revolution. Der Papst wird ihn in wenigen Monaten in Kuba begrüßen.

Vereinigte Staaten

Die Scientology-Organisation in Deutschland ist keine verfolgte Minderheit. Das hat am 9. November der US-Kongress entschieden und einen anders lautenden Antrag abgelehnt. Präsident Bill Clinton wird dementsprechend gegenüber der Bundesrepublik keine Besorgnis über die Verfolgung religiöser Minderheiten, insbesondere der Scientology-Sekte, äußern. Ein Richter der US-Einwanderungsbehörde hat dagegen einer deutschen Frau, die zur Scientologie-Sekte gehört, politisches Asyl gewährt.Das berichtete heute die New York Times, ohne Namen zu nennen. Die Frau habe bereits im Februar bei der Anhörung angegeben, in Deutschland aus religiösen Gründen verfolgt zu werden. Das US-Außenministerium, die Einwanderungszentrale und die deutsche Botschaft erklären, sie wüßten nichts von diesem Fall.

Vereinigte Staaten

Der ökumenische Patriarch Bartholomäus hat in Kalifornien alle Christen dazu aufgerufen, die Schöpfung Gottes besser zu respektieren. Mißachtung der Umwelt sei eine Sünde, meinte der als besonders umweltbewußt bekannte orthodoxe Kirchenmann. Er befindet sich seit fast einem Monat auf einer Reise durch die Vereinigten Staaten zum Besuch der orthodoxen Kirchen. Ausdrücklich nannte Bartholomäus in einer Predigt die Erhaltung der Arten und ihrer Vielfalt sowie den Schutz des Klimas.

 

 

Hinweise auf unser Wochenprogramm

Mittwoch: Römische Woche - Ein neues Museum in Rom, das "Aquario Romano"

Donnerstag: Kreuz des Südens - Leben in jungen Kirchen

Freitag: Prismamagazin

 

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auf Mittelwelle 1530 kHz und auf den

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Über Radio Campanile. Im Kabel und auf Tonunterträger von

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Für die Internet-Nachrichten verantwortlich:

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Redaktion dieser Ausgabe: Ellen Hoepffner

Tel.: 00396 69 88 41 01, Fax 00396 69 88 38 44

Post: Radio Vatikan, I-00120 Città del Vaticano

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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan Nachrichten:

Freitag, 11. November 1997

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