Verehrte Internet-Benutzer und Benutzerinnen! An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Mittwoch, 22. Oktober bis Freitag, 24. Oktober 1997

 

Vatikan
"Wurzeln des Antisemitismus im christlichen Umfeld"
. So heißt das Thema des viel beachteten Kongresses, zu dem die Heilig-Jahr-Kommission jetzt in den Vatikan einlädt. An der vom 30. Oktober bis zum 1. November dauernden Veranstaltung nehmen rund 60 Theologen, darunter auch Protestanten und Orthodoxe aus aller Welt teil. Sie alle werden sich mit den Ursprüngen des Antisemitismus innerhalb der christlichen Kirchen befassen.

Vatikan
Papst Johannes Paul II.
hat erneut zu Schuldbekenntnissen der Christen vor dem Jahr 2000 aufgerufen; am 23. Oktober vor den englischen Bischöfen, die sich zu Ihrem Ad-limina-Besuch im Vatikan aufhalten. Allerdings: nur in Worten Schmerz zu bekunden, reiche nicht, so Papst Johannes Paul II. Es müsse um wirkliche Umkehr gehen. Bereuen und Umkehr hätten eine radikal persönliche Natur.

Vatikan
Der Vorsitzende der englischen Bischofskonferenz, Basil Hume, hat am 23. Oktober in seinem Grußwort an den Papst von einer neuerwachten Suche der Jugend nach neuen Werten berichtet. Doch neben diesem positiven Zeichen sehe er mit Besorgnis die Situation der immer zahlreicher werdenden Immigranten. Die Bischöfe Englands und Wales halten es für eine wichtige Aufgabe, ein Klima der Nächstenliebe und Solidarität zu schaffen.

Vatikan
Papst Johannes Paul II. hat den neuen albanischen Präsidenten Rexhet Mejdani am 23. Oktober in Audienz empfangen. Dabei lud ihn der sozialistische Politiker zu einer neuen Reise nach Albanien ein. Der Papst hatte das Land schon 1993 besucht - kurz nach dem Fall des kommunistischen Regimes in Tirana. nach seiner Begegnung mit Johannes Paul traf sich Präsident Mejdani auch mit Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano.

Vatikan
Am 21. Oktober hat eine Vertreterin des apostolischen Stuhls vor einer UNO-Kommission in New York über die Rechte der Mütter aus der Sicht der katholischen Kirche gesprochen. Sie forderte, daß die Rechte von Müttern besser respektiert werden. Sie müßten frei entscheiden können, beruflich außer Haus tätig zu sein oder nicht. Der Staat habe kein Recht, den Frauen vorzuschreiben, ob und wieviele Kinder sie haben wollen.

Vatikan
"Die christliche Gemeinschaft kann nicht auf eine Autorität verzichten, die die Glaubensinhalte definiert und weitergibt." Das hat der Papst am 24. Oktober bei einer Audienz für die Vollversammlung der Glaubenskongregation betont. Papst Johannes Paul II. zeigt sich sehr zufrieden mit den neuen Richtlinien für die Untersuchung von abweichenden Lehren; solche Untersuchungen würden jetzt sicher adäquater, meinte der Papst. Er betonte, daß es einen Zusammenhang zwischen Wahrheit und Freiheit gibt, der heute oft aus den Augen verloren werde. Daß Freiheit ohne Wahrheit nicht geht, müsse die Kirche den Menschen ganz klar sagen. Der Papst bekräftigte auch die Mission der Kirche für den Menschen. "Die Kirche ist für den Menschen da."

Vatikan
Unter dem Titel "Die Automobile der Päpste erzählen" findet zwischen dem 21. und 30. November in Pordenone in der Region Venetien eine Ausstellung von sieben historischen Papstautomobilen statt. Dies wurde am 23. Oktober auf einer Pressekonferenz im Vatikan angekündigt.

österreich
In Wien begann am 23. Oktober ein mehrtägiges Symposium über den Heiligen Petrus Canisius anläßlich seines 400. Todestages. An ihm nahmen außer dem Wiener Erzbischof Christoph Schönborn auch Kardinal Carlo-Maria Martini und Jesuitengeneral Peter-Hans Kolvenbach teil. Die Themenpalette reichte von den Religionskriegen des 16. Jahrhunderts bis zu den Arbeitsplänen der Caritas in der Zukunft.

österreich
Am 23. Oktober begann in Mödling eine theologische Fachtagung über das ständige Diakonat. Zwei Fragen standen im Mittelpunkt: die Möglichkeit, daß ständige Diakone das Sakrament der Krankensalbung spenden und das Diakonat für Frauen. Der Sekretär der vatikanischen Kleruskongregation, Erzbischof Sepe, hatte vorher schon angedeutet, daß die Diakoninnen des Altertums keine Weihe, sondern nur einen Segen erhalten hatten. Damit senkte er die Hoffnungen vieler auf das Diakonat der Frau.

österreich
Nach Ansicht des Judaismus-Fachmanns, Professor Kurt Schubert, war der Holocaust nur auf dem Hintergrund des kirchlichen Antijudaismus möglich. Schubert stellte am 21. Oktober in Wien eine Erklärung zum Holokaust vor, die er zusammen mit mehreren Judaismus-und Kirchen- Fachleuten erarbeitet hatte. Darin bekennt die katholsiche Kirche ihre Schuld gegenüber den Juden. Die Feindseligkeiten seien theologisch begründet worden. Im Weiteren wird unterschieden zwischen einem unchristlichen Antisemitismus der Nazis und einem christlichen Antijudaismus.

österreich
Die diesjährigen Gespräche über eine Aussöhnung in Osttimor sind am 23. Oktober in Krumbach bei Wien zu Ende gegangen. Das zum dritten Mal von der UNO organisierte Treffen hatte zum Ziel, die drei am Konflikt beteiligten Parteien, Osttimor, Indonesien und Portugal an einen Tisch zu bringen. Die 35 Teilnehmer arbeiteten bei der Zusammenkunft sieben Punkte heraus, an denen sie gemeinschaftlich weiterarbeiten wollen. Dabei soll es auch um die Verbesserung der Situation von Frauen und Kindern auf Osttimor gehen, sowie den Aufbau eines Kulturzentrums.

Grossbritannien
Nach Meinung einer privaten, "multi-religiösen Kommission" herrscht im Vereinigten Königreich eine Angst vor dem Islam. Diese sei vor allem durch Vorurteile in den Medien entstanden. In einem am 22. Oktober in London veröffentlichten Bericht fordert die Kommission deshalb neue Gesetze zum Schutz der 1,5 Millionen Moslems in Großbritannien - gegen Diskriminierung, Beleidigung und gewalttätige Übergriffe. "Bisher sind nur anti-christliche Äußerungen vom Gesetz verboten", beklagt der Bericht.

Portugal
Die Altkatholische Kirche von Lissabon wird Anfang November zwei Frauen zu Diakonen weihen. Das meldet die Nachrichtenagentur AFP. Die Altkatholische Hierarchie hofft auf Verständnis bei den katholischen Bischöfen von Portugal.

Polen
Anläßlich des Jahrestages der Amtsübernahme durch Papst Johannes Paul II. am 22. Oktober, hat die polnische Stadt Lublin dem Papst die Ehrenbürgerschaft zuerkannt. Sie wurde ihm während der Generalaudienz vom Erzbischof und Bürgermeister von Lublin überbracht. Der Papst bedankte sich herzlich und meinte, in Gedanken kehre er oft in die Stadt zurück, wo er an der katholischen Universtätit unterrichtet hatte.

Rußland
Auch das östlichste Land Europas kennt das Problem der Straßenkinder. Nach einem Bericht aus Moskau leben etwa eine Million Kinder Rußlands ohne Obdach. Allein in Moskau und Petersburg sind es jeweils 60.000. Die Zahlen wurden am 21. Oktober bei einer Konfrenz über Gewalt gegen Minderjährige bekanntgegeben. Dabei wurde auch mitgeteilt, daß 40 Prozent aller Kinder physisch oder psychisch von Lehrern angegriffen würden. Ebensoviele Kinder müßten unter Gewalttaten in der Familie leiden.

Israel
In diesen Tagen haben jüdische Extremisten versucht, auf dem Tempelberg in Jerusalem, den Grundstein für einen neuen Tempel zu legen. Sie wurden von palästinensischen und israelischen Polizisten daran gehindert. Fünf Israelis wurden festgenommen. Die Störaktionen der jüdischen Extermisten auf dem Tempelberg haben schon fast Tradition. Für Moslems bedeuten diese Einbruchversuche in die Al-Aksah-Moschee eine unerhörte Provokation. Die Moschee ist der heiligste Ort des Islams außerhalb von Mekka und Medina.

Iran
"Die blinde Imitation des westlichen Frauenbildes ist schädlich." Dies hat am 22. Oktober der Ministerpräsident des Landes, Ali Khamenei, bei einer Versammlung von mehreren tausend Frauen bekräftigt. Er rief alle Verantwortlichen des Landes dazu auf, die iranische Frau vor dem westlichen Modell zu schützen. Vor allem beklagte er die sexuellen Freiheiten im Abendland.

Kambodscha
Nach Ansicht von Amnesty International hat die internationale Staatengemeinschaft im Hinblick auf die Achtung der Menschenrechte in Kambodscha von der Regierung in Phnom Penh nur leere Versprechungen bekommen. Zum Beweis ihrer Behauptungen hat die Organisation jetzt ein Verzeichnis aller Menschenrechtsverletzungen in diesem asiatischen Land veröffentlicht, die bisher, trotz aller gegenteiliger Versicherungen ungestraft geblieben sind.

Philippinen
Die katholische Kirche des Landes soll eine aktivere Rolle bei der Bekämpfung von AIDS, speziell bei Kindern, einnehmen. Diese Forderung wurde am 22. Oktober von offizieller Seite erhoben. Sie gilt als Reaktion auf die Kritik der Kirche am 4. internationalen AIDS-Kongreß in Asien. Von kirchlicher Seite wurden Befürchtungen geäußert, daß das Treffen zum Gebrauch von Kondomen auffordern würde.

China
Zum ersten Mal überhaupt haben jetzt Vertreter der UNO-Kommission für Menschenrechte mehrere Häftlinge in China besuchen dürfen. Dies wurde in Genf bekanntgegeben. Genauere Aussagen zu den Haftbedingungen der meist politischen Gefangenen wurden nicht gemacht.

Indonesien
Allein in den letzten zwei Jahren hat es 105 Angriffe auf christliche Kirchen oder kirchliche Einrichtungen gegeben. Das zeigt eine Studie der Bischofskonferenz, die am 24. Oktober in Jakarta veröffentlicht wurde. Indonesien ist das zahlenmäßig größte mehrheitlich muslimische Land der Welt. Eine direkte Kritik der katholischen Kirchenspitze am Staat war bisher eher selten. Der Religionsminister des Landes kündigte an, daß er die immer wieder aufflackernden religiösen Unruhen im Land untersuchen wird.

Australien
Anglikanische Priester
dürfen künftig das Beichtgeheimnis brechen, wenn es um Verbrechen, auch um sexuellen Mißbrauch, geht. Das hat die anglikanische Diözese von Sydney am 23. Oktober entschieden. Der Entscheidung war ein heftiger Streit vorausgegangen. Besorgte Stimmen warnten davor, daß das Vertrauen in die Priester Schaden nehemen wird: "Wenn jetzt Angst an die Stelle von Vertrauen tritt, weil der Hirte zum Verräter werden könnte, dann wäre das eine Tragödie."

Algerien
Die internationale Gemeinschaft sollte nicht nur die Massaker, sondern auch die Normalität des Alltags in Allgerien beachten. dazu hat am 24. Oktober der Erzbischof von Algier, Henri Teissier, aufgerufen. Teissier äußerte sich auf einem Kongreß in Rom zur gleichen Zeit, als in Algerien selbst die Kommunalwahlen abgeschlossen wurden. Angesichts großer Sicherheitsvorkehrungen kam es bei den Wahlen nicht zu Zwischenfällen oder Gewalt. Nach ersten Zahlen hat die Partei von Präsident Liamin Zerual gewonnen. Allerdings ist ein Streit um die Wahlbeteiligung ausgebrochen. Oppositionsparteien sprechen auch von massiver Wahlfälschung und Betrug.

Brasilien
Während sich die Politiker um neue Abtreibungsgesetze streiten, schlagen die katholischen Bischöfe des Landes die Adoption aller von ihren Müttern verlassenen Kinder durch Kirche, Staat und Gesellschaft vor. Die Zahl der illegalen Abtreibungen liegt in Brasilien bei rund anderthalb Millionen pro Jahr.

Paraguay
Präsident Juan Carlos Wasmosy hat der Kirche billigen Populismus vorgeworfen
. Sie greife zu leichtfertig die wirtschaftlich aktivsten Kreise der Gesellschaft an, beklagte der Präsident in einer Ansprache in Asuncion. Man müsse in Wohlstand investieren, anstatt die schon bestehende Armut zu teilen. Der Bischof von Missiones hat die Äußerungen des Präsidenten zurückgewiesen. Die Bischöfe machten keine Politik, sondern verteidigten die katholische Soziallehre.

Kuba
130 der 528 Kabinen auf einem Kreuzfahrtschiff, das von Miami zum Papstbesuch nach Kuba fährt, sind bereits gebucht. Dies meldete am 21. Oktober das Reiseunternehmen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Viele der Pilger seien katholische Gläubige - keine Exilkubaner. Die kubanische Regierung verlangt, daß es sich um eine reine Pilgerreise handelt. Deshalb müssen Bar und Spielcasino an Bord geschlossen bleiben.

Vereinigte Staaten
Im Rahmen seiner Reise durch die USA hat der ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I., an einem Gebetsgottesdienst für die Einheit zwischen Katholiken und Orthodoxen in Baltimor teilgenommen. Der Erzbischof von Baltimor, Kardinal William Keeler, betonte dabei, daß Baltimor als die älteste Diözese der Vereinigten Staaten eine traditionelle Bedeutung für die ökumene habe.

 

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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan Nachrichten: Dienstag, 28. Oktober, 19 Uhr

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