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An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Mittwoch, 8. Oktober bis Freitag, 10. Oktober 1997

Vatikan
Am 10. Oktober hat Papst Johannes Paul II. den österreichischen Salasianerpater Alois Kothgasser zum neuen Bischof von Innsbruck ernannt. Der Papst nahm damit gleichzeitig das Rücktrittsgesuch von Bischof Reinhold Stecher an. Der 60jährige Kothgasser aus der Steyermark machte bei den Salesianern seine übliche Ordensausbildung, die er mit dem Doktorat in Rom abschloß. Im Jahr 1964 wurde er zum Priester geweiht und dozierte ab 1968 an der Salesianerhochschule (http://www.kath.de/benediktbeuern/) in Benediktbeuern Dogmatische Theologie.

Österreich
Am 7. Oktober ist in Linz der offizielle Seligsprechungsprozeß für den Wehrdienstverweigerer Franz Jaegerstätter eröffnet worden. Er hatte sich geweigert, einen Eid auf Adolf Hitler zu schwören und war daher enthauptet worden. Es hatte zunächst aber auch Widerstände gegen die Seligsprechung des Bauern und Sakristan aus Sankt Radegund gegeben. Man fürchtete, daß sein Beispiel auch in Situationen Schule machen würde, die Wehrdienstverweigerung nicht rechtfertigen.

Österreich
Der Salzburger Erzbischof Georg Eder ist von einem Besuch beim Moskauer Patriarchen Alexeij II. zurück. Er zeigte sich sehr zufrieden über die Ergebnisse der inoffiziellen Begegnung mit dem russisch-orthodoxen Kirchenoberhaupt.

Italien
Beim elften Internationalen Treffen "Menschen und Religionen" in Venedig hat Papst Johannes Paul II. am 7. Oktober durch Kurienkardinal Etchegaray eine Botschaft verlesen lassen. "Die Geschichte lehrt uns, wie kostbar und bereichernd die Begegnung der Völker ist. Sie ist auch wichtig, um entschieden gegen Konflikte, Trennungen und Zwistigkeiten vorzugehen." Zu der internationalen Begegnung, in Nachfolge des großen Gebetstreffens von Assisi, kamen zahlreiche Gläubige aus verschiedenen Ländern. Angesichts des Jahres 2000, müßte der Friedensprozeß vorangetrieben werden, erklärte der Papst. Organisiert wurde das Treffens in Venedig von der Gemeinschaft St. Egidio. In einem Friedensappell, der auf dem Markusplatz in vielen Sprachen verlesen wurde, heißt es.: "Niemand soll mehr sagen, daß seine Religion ihn ermutigt hat, Krieg zu führen oder gewalttätig zu werden.

Italien
Der argentinische Präsident Carlos Menem ist am 9. Oktober in Rom zu einer dreitägigen Visite eingetroffen. In der für den 11. Oktober geplanten Audienz bei Papst Johannes Paul II. werden vermutlich vor allem Kuba und der Grenzkonflikt zwischen Argentinien und Chile zur Sprache kommen. Vorher trifft Menem verschiedene Kirchenvertreter. Begegnungen mit der italienischen Regierung sind nicht vorgesehen.

Norwegen
Der diesjährige Friedensnobelpreis ist am 10. Oktober der "Internationalen Kampagne für die Ächtung von Landminen" zugesprochen worden. Dieser Zusammenschluß von rund 1000 Nicht-Regierungsorganisationen in allen Erdteilen engagiert sich seit 1991 für ein Verbot der Minen. Auch Papst Johannes Paul II. hatte mehrfach deutlich seine Unterstützung für die Bewegung ausgesprochen. In Deutschland arbeiten für das Verbot zahlreiche kirchliche Organisationen im Rahmen des deutschen Initiativkreises. So etwa das katholische Hilfswerk Misereor und die Caritas.

Frankreich
Etwa die Hälfte aller Franzosen billigt das "Mea culpa" der katholischen Kirche gegenüber den Juden. 40 Prozent von ihnen stehen dem Schuldbekenntnis gleichgültig gegenüber, nahezu 10 Prozent lehnen es ab. Das geht aus einer Umfrage hervor, die jetzt in Paris veröffentlicht worden ist. Vor etwa einer Woche hatten die Bischöfe Frankreichs in einem großen Dokument das Schweigen der Kirche über die Judendeportation während der Nazi-Besetzung beklagt.

Frankreich
"Die Kirche des Landes hat sich zwar für ihr Schweigen zu den Judenverfolgungen während der Nazizeit entschuldigt, die Zigeuner dabei aber wieder einmal vergessen." Das beklagten sozial-engagierte Priester jetzt in einem Brief an ihren Bischof. Ein Wort hätte genügt, um zu zeigen, daß die Zigeuner nicht wieder ausgeschlossen seien. Einer der Verfasser der kirchlichen Reue-Erklärung betonte daraufhin, man habe nicht im Namen aller Opfer, sondern speziell auf den christlichen Antisemitismus reagieren wollen. In französischen Lagern waren während des Krieges 3.000 Zigeuner interniert worden.

Portugal
Seit dem 9. Oktober findet im Wallfahrtsort Fatima eine Konferenz von über 500 Fachleuten über die Wunder und Erscheinungen der Gottesmutter Maria statt. Im Zentrum der Vorträge steht das nicht veröffentlichte 3. Geheimnis, das Phänomen der Erscheinungen, die Botschaften der Gottesmutter an die Seherkinder und ihre Folgen für die Welt und die Kirche. Die Konferenzteilnehmer kommen aus allen Teilen der Welt.

Polen
"Besonders im Ausbildungsbereich sollen christliche Radiosender enger zusammenarbeiten." Darauf verständigten sich kürzlich die Teilnehmer der Jahrestagung der "Europäischen Konferenz christlicher Radios" in Warschau. Derzeit gibt es europaweit rund 500 christliche Radios. Es sei besonders wichtig, daß die Sender professionell und mit einem medienethischem Bewußtsein arbeiteten, sagte der Sekretär des päpstlichen Medienrates.

Mazedonien
Die offizielle Anerkennung einer Mazedonisch-orthodoxen Kirche durch die Weltorthodoxie steht jetzt bevor. Nach vorbereitenden Gesprächen im griechischen Saloniki, wurde ein Grundsatzbeschluß gefaßt. Demnach darf der orthodoxen Kirche Mazedoniens die Autokephalie, das heißt die Selbständigkeit nicht länger vorenthalten werden. Zwei Metropoliten des Ökumenischen Patriarchats in Konstantinopel haben bereits Gespräche mit der Kirchenleitung in Skopje aufgenommen.

Rußland
Rund 500 Anhänger verschiedener Konfessionen und Sekten haben am 7. Oktober in Moskau gegen das neue Religionsgesetz protestiert. Es beschneide die "nicht-traditionellen Religionen" und erschwere ihre Gottesdienstausübung. Außerdem verletze das Gesetz die Menschenrechte, betonten die Demonstranten. Darunter waren auch Vertreter von Scientology, den Siebten-Tages-Adventisten, Hare-Krischna und der Moon-Bewegung.

Rußland
"Die zuständigen Behörden werden das umstrittene neue Religionsgesetz einführen und zugleich vor Mißbrauch durch falsche Interpretationen schützen. Bei einer korrekten Anwendung des Gesetzes haben traditionelle und nicht-traditionelle Religionen in Rußland nichts zu befürchten." Das sagte am 8. Oktober ein Sprecher von Staatspräsident Boris Jelzin bei einer Konferenz über russisch-europäischen Kulturaustausch in Brüssel.

Libanon
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat am 9. Oktober der Regierung in Beirut vorgeworfen, trotz des Endes des Bürgerkriegs, ihr "unbequeme" Menschen willkürlich zu verhaften, zu foltern oder sie als Kranke zu internieren. Das geht aus einem Bericht hervor, der der Regierung durch einen Beiruter Mitarbeiter von Amnesty übergeben wurde.

Korea
Gemeinsam wollen die christlichen Kirchen Südkoreas in Nordkorea eine Kirche mit Gemeindezentrum und Altersheim bauen. Den Baugrund in der Freihandelszone Rajin-Songbong stellen dagegen die Kirchen Nordkoreas zur Verfügung. Ein entsprechendes Abkommen wurde bereits Ende September von Kirchenvertretern beider Länder unterzeichnet.

Vietnam
Die Regierung wünscht engere Verbindungen mit den Religionen des Landes. Das erklärte jetzt der neue Leiter der staatlichen Kommission für Glaubensangelegenheiten vor Kirchenvertretern. In dem kommunistischen Land sind alle religiösen Aktivitäten unter strenger staatlicher Kontrolle. Die Tatsache, daß die Partei Bischofsernennungen bestätigen muß, bringt Spannungen zwischen der Regierung und dem Vatikan mit sich. Menschenrechtsorganisationen zufolge wurden in der Vergangenheit Kirchenführer wegen ihrer religiösen Einstellung inhaftiert, obwohl offiziell Religionsfreiheit herrscht.

Volksrepublik China
Über hunderte von katholischen Kindern aus der Provinz Hebei, deren Eltern ihren Glauben nicht verleugnet haben und nicht der regierungstreuen Patriotischen Kirche beigetreten sind, ist ein zweijähriges Schulverbot verhängt worden. Agenturmeldungen zufolge werden die Kinder nur dann wieder in die Schule aufgenommen, wenn ihre Eltern schriftlich auf ihren Glauben verzichten oder der von Peking geduldeten Patriotischen Kirche beitreten.

Sri Lanka
Etwa fünftausend buddhistische Mönche haben in diesen Tagen mit einem Schweigemarsch gegen geplante Verfassungsreformen demonstriert. Der Marsch setzte eine Reihe von Protesten fort, die sich dagegen aussprechen, daß regionalen Vereinigungen mehr Macht zugestanden wird. Es wird befürchtet, daß dadurch das vom Bürgerkrieg gebeutelte Land endgültig auseinanderbricht.

Indonesien
"Auf der vorwiegend von Christen bewohnten Inselgruppe "Mentawai" wird systematisch die Islamisierung vorangetrieben." Dies meldete am 10. September die Asiatische Katholische Nachrichtenagentur, unter Berufung auf Aussagen von Einwohnern. Diese Islamisierung werde schon seit 1950 von der Regierung unterstützt. Beispielsweise würden Kinder christlicher Familien von der Regierung in islamische Schulen geschickt, dort "umerzogen" und als Erwachsene zur Missionierung zurück in ihre Familien gesandt.

Äthiopien
Der Generalsekretär der Organisation "Afrikanische Staaten", Ahmed Salim, hat am 9. Oktober die positive Rolle der Kirchen in Afrika gewürdigt. Wie er dazu auf der Generalversammlung der Organisation in Addis Abeba sagte, seien vor allem die verschiedenen Friedensinitiativen der Kirche ein großer Vorteil für die unter Bürgerkriegen leidenden Länder Afrikas.

Brasilien
Im Vorfeld einer Parlamentsdebatte über die Abtreibung hat der Erzbischof von Rio de Janeiro am 7. Oktober erklärt, die Kirche müsse nach einer Abtreibung von dieser Sünde lossprechen, wenn sie bereut wird. Bei Reue habe die Kirche die Barmherzigkeit Gottes zu zeigen, schreibt Kardinal Eugenio Sales in einer Zeitung und beruft sich dabei auch auf die Papstreden vom vergangenen Wochenende.

Bolivien
Der Vertreter des Papstes beim eucharistisch-marianischen Kongreß in Bolivien, Kardinal Antonio Maria Javierre, hat am 7. Oktober die Regierungen der Andenländer aufgerufen, mehr zum Schutz der Familien zu tun. Die Kirche werde sich voll für diesen Grundbaustein der Gesellschaft einsetzen. Außerdem meinte er, die Andenländer müßten möglichst viele Grenzen abreißen und enger zusammenarbeiten. Ein Bischof Boliviens drückte seine Überzeugung aus, daß die Regierungen der betroffenen Länder sich stärker für Indios und ehemalige Afrikaner einsetzen sollten.

Kolumbien
Scheitern im Versöhnungsprozeß
: Linksgerichtete Guerilleros haben am 7. Oktober drei Bewohner eines Dorfes getötet, das in den Auseinandersetzungen zwischen linken und rechten Terroristen neutral bleiben wollte. Es handelte sich um eine sogenannte Pilotgemeinschaft für den Frieden, die aktive Neutralität wahren wollte. Eine Gruppe von engagierten Katholiken interpretierte die Morde als direkten Angriff auf diese Strategie.

Kuba
Die Kirche des Landes hat Berichte von Dienstag zurückgewiesen, nach denen Gläubige, die Gottesdienste besuchten, ihre Arbeit verlören und mit anderen Beeinträchtigungen rechnen müßten. "Wir können diese Angaben weder bestätigen, noch dementieren." so Orlando Marquez, ein Sprecher der Erzdiözese Havanna. "Bisher sind uns keine solchen Fälle gemeldet worden." Er reagierte damit auf Meldungen der kirchlichen Nachrichtenagentur FIDES, wonach einigen Arbeitern mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes gedroht wurde, falls sie beim Papstbesuch vom 21. bis 25. Januar nächsten Jahres, die Messe besuchten. Die kommunistische Regierung Kubas äußerte sich nicht zu den Beschuldigungen. Bistumssprecher Marquez nahm die Regierung jedoch in Schutz. Praesident Fidel Castro persönlich habe den Papst eingeladen. Da sei es unwahrscheinlich, daß er gegen den Papstbesuch propagiere. Er schob Einzelnen die Verantwortung für eventuelle Diskriminierungen zu, da es immer auch Gegner der Papstvisiten gebe.

 Vereinigte Staaten
Der Erzbischof von St. Louis, Justin Rigali, hat sich kürzlich in einer Predigt in Washington vor 1200 Zuhörern - darunter Mitglieder des Obersten Gerichtshofs und der Regierung - gegen die Todesstrafe ausgesprochen. Die Gesellschaft müsse im Sinne einer Solidargemeinschaft ihre Unterstützung der Todesstrafe überdenken.

Vereinigte Staaten
Für den US-amerikanischen Botschafter bei den Vereinten Nationen, Bill Richardson, haben von der UNO verbreitete Kritiken der Todesstrafe keinerlei Bedeutung für die Vereinigten Staaten. Sie würden nur unnötigen Staub aufwirbeln. Die USA erkennen den Vereinten Nationen zwar das Recht auf derartige Kritiken zu. Ihr Strafrecht verfüge aber über die großzügigsten Prozeß- und Verteidigungsformen der Welt, sagte Richardson am 7. Oktober vor Journalisten.

Vereinigte Staaten
Am 8. Oktober schmückten tausende bunter Puppen die Stufen zum Washingtoner Kapitol. Amnesty International wandte sich mit dieser Aktion dagegen, daß die vornehmlich in Guatemala und Honduras von Amerikanern begangenen Menschenrechts-Verstöße von der Regierung nach wie vor gedeckt werden. Daher fordern Amnesty ein Gesetz, das die Namen derer bekannt gibt, die das grausame Gemetzel an Unschuldigen zuließen. Das Gesetz soll ermöglichen, die Versäumnisse der Regierung besonders in Honduras und Guatremala aufzuzeigen und so Licht ins Dunkel der militärischen Operationen und Menschenrechtsverletzungen in diesen Ländern zu bringen.

Hinweise auf unser Wochenprogramm:

Samstag: Kommentar der Woche mit Josef Ammer
Sonntag: Sie schreiben - wir antworten
Montag: Weltkirchen-Magazin
Dienstag: Radioakademie: Eugen Biser - Wege zur Ueberwindung der Glaubenskrise, 2. Teil

Man hört Radio Vatikan:

täglich 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr
auf Mittelwelle 1530 kHz und auf den
Kurzwellen-Frequenzen: 5880, 7250, 9645 kHz
Über Radio Campanile. Im Kabel und auf Tonunterträger von DSF um 16.15 Uhr 19.10 Uhr

Für die Internet-Nachrichten verantwortlich:
Anne Granda
Redaktion dieser Ausgabe: Burkhard Bartsch
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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan Nachrichten: Dienstag, 14. Oktober, 19 Uhr

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