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An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Mittwoch, 17. September bis Freitag, 19. September 1997

 

Vatikan
Am 18. September hat die vatikanische Kleruskongregation der Presse ein neues katechetisches Direktorium vorgestellt. Es ist eine Handreichung für die Bischöfe zur Abfassung von Katechismen und soll von ihnen als Bezugspunkt benutzt werden. Die letzte Schrift dieser Art stammte aus dem Jahr 1971 und war vor allem durch den neuen Weltkatechismus überholt. Das Direktorium geht aus vom Missionsauftrag Christi an seine Jünger. Im Herbst findet in Rom eine Fachtagung von Verantwortlichen für die Abfassung von Katechismen statt.

Vatikan
Angesichts der augenblicklichen politischen und sozialen Lage im Sudan hat Papst Johannes Paul II. die Bischöfe des Landes aufgerufen, gegen eine mögliche Isolierung anzukämpfen und die gegenseitige Unterstützung zu suchen. Nur so könnten sie einen gemeinsamen Pastoralplan entwickeln und die Herausforderungen meistern, sagte der Papst am 18. September gegenüber den Bischöfen, die zu ihrem Ad Limina Besuch im Vatikan weilen.
Lob erteilte der Papst fuer die Arbeit der Bischöfe im Einsatz zur Verteidigung und Staerkung des Glaubens. Er ermunterte sie, ihre Hilfsprogramme fuer Fluechtlinge fortzufuehren. Auch den guten Ruf, den die katholischen Schulen geniessen, hob Papst Johannes Paul II. hervor. Er unterstrich die Notwendigkeit, durch Bildung ethnische Spannungen zu überwinden.

Vatikan
Ende Oktober wird in Rom ein von Papst Johannes Paul II. gefordertes Symposium über Christen und Antisemitismus stattfinden. Das gab am 19. September der Direktor der Gregoriana-Universitaet in Rom bekannt. Der kongress wird sich mit dem Verhaeltnis zwischen der christlichen Lehre und der Ausbreitung des Antisemitismus befassen. Von juedischer Seite hofft man, dass das Symposium die Herausgabe eines Vatikandokumentes ueber die Mitverantwortung der Kirche fuer den Antisemitismus beguenstigt. Papst Johannes Paul II. hatte bereits vor zehn Jahren ein solches Papier angekuendigt.

Vatikan
Am kommenden Dienstag wird in Honkong die jaehrliche Versammlung der Leiter der Weltbank und des internationalen Waehrungsfonds stattfinden. Parallel dazu werden Finanz- und Wirtschaftspolitiker die Frage der internationalen Verschuldung diskutieren. Zu diesem Anlass hat der Praesident des paepstlichen Rates fuer Gerechtigkeit und Frieden, Kardinal Roger Etschegaray, einen Aufruf an die Teilnehmer gerichtet. Die internationalen Finanzinstitutionen haetten zwar erkannt, dass die Schuldenlast der armen Laender deren wirtschaftliche Entwicklung behindert und verherende soziale Folgen nach sich ziehe. Nun muesse man aber auch praktische Konsequenzen aus dieser Erkenntnis ziehen. Es sei noetig, in zuegigen Verfahren so vielen Laendern wie moeglich ein drastische Schuldenminderung zu ermoeglichen. Es werde keine wirkliche Globalisierung geben ohne einen Sinn fuer internationale Solidaritaet.

Deutschland
Die Konflikte zwischen der deutschen Bischofskonferenz und Rom wegen der Schwangerenkonfliktberatung sind hochstilisiert worden. Dies sagte der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter am 18. September in Freising. Die Bischöfe stünden unumstößlich auf dem selben Fundament. Sie hätten das gemeinsame Ziel, ungeborenes Leben zu retten. Meinungsverscheidenheiten bestünden laut Wetter nur über das Wie des besten Lebensschutzes.

Frankreich
Die Kirche des Nachbarlandes wird demnächst ihre Schuld für ihr Schweigen zur Judenvernichtung bekennen. Am 30. September findet in Paris eine entsprechende Feier statt, zu der Vertreter der jüdischen Gemeinden Frankreichs sowie der Verschleppten-Organisationen eingeladen werden. Die französsiche Kirche will dabei ein Mea Culpa dafür sprechen, daß sie zu den antisemiti-schen Gesetzen und zum Judenabtransport während der deutschen Besetzung Frankreichs schwieg. Rund 120.000 Juden wurden verschleppt, von denen 75.000 ermordet wurden.

Polen
Die " Nacharbeit " zur Grazer Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung steht im Mittelpunkt der Vollversammlung des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), die vom 2. bis 5. Oktober im Koster Jana Gora stattfindet. Die Vollversammlung unter der Leitung von Kardinal Miloslav Vlk wird sich ausführlich mit der bevorstehenden Sondersynode für Europa auseinandersetzen, die 1999 in Rom stattfinden wird. Ausserdem werden die Vorsitzenden der europäischen Bischofskonferenzen die Berichte verschiedener CCEE -Kommissionen über die Fragenkreise Migranten, Medien, Islam und Europäische Union , diskutieren.

Bosnien-Herzegowina
Bei einer Bombenexplosion im kroatisch verwalteten Teil von Mostar wurden am 18. September fünfzig Menschen, darunter auch einige Kinder, verletzt. Bei dem Attentat handelte es sich um eine Autobombe, die in der Nähe der Polizeiwache explodoerte. Agenturmeldungen zufolge könte es sich bei den bisher unbekannten Tätern um Feinde der gemeinsamen kroatisch-muslimischen Polizei Mostars handeln. Die Explosion wird als die schwerste seit der Unterzeichnung des Dayton-Friedensabkommens bezeichnet.

Russland
Die russische Duma hat am 19. September das Religionsgesetz in seiner überarbeiteten Fassung angenommen. Damit stimmte es dem von Präsident Boris Jelzin vorgelegten Neuentwurf zu.
Jetzt muß das Gesetz noch von der zweiten Kammer des russischen Parlaments, dem Föderationsrat, angenommen werden. Bei Vertretern der katholischen und protestantischen Kirchen findet der Kompromiß jedoch nicht so eine große Zustimmung. Zwar kann man jetzt in der Präambel lesen, daß neben der Orthodoxie auch das Christentum als Ganzes in der Tradition des russischen Volkes verwurzelt sind, eine volle Betätigungsfreiheit ist dadurch jedoch noch nicht gewährleistet. Diese sollen nämlich nur solche Religionsgemeinschaften erhalten, die nachweislich seit 15 Jahren in Rußland vertreten sind. Und das ist für die katholische Kirche wegen der Unterdrückung durch die Sowjet-Kommunisten schwer.
Der Apostolische Administrator von Moskau,Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz, sagt, daß der katholischen Kirche viele Hindernisse in den Weg gelegt würden. Er beklagte ein schwieriges Verhältnis zu Behörden und der orthodoxen Kirche, in Bezug auf Aufenthaltsgenehmigungen für kath. Priester und dem Vorwurf, Gläubige von den Orthodoxen abzuwerben.
Positiv sind auf der anderen Seite aber Erfolge der kath. Kirche. So werden bald erstmals seit 1917 wieder Russen zu kath. Priestern geweiht.

Tschetschenien
Als Zeichen ihrer Unabhängigkeit von Moskau hat die Regierung der islamischen Republik Tschetschenien zwei Todesurteile vollstreckt. Die in Tschetschenien geltende Sharia will zugleich auch ein Abschreckmittel für in- und ausländische Kriminelle sein. Die Todeskandidaten wurden vor einem zahlreichen Publikum erschossen.

Israel
Jüdische Siedler sind am 18. September mit der Reigerung in Jerusalem übereingekommen, vorübergehend ein arabisches Viertel im Ostteil der Stadt zu räumen. Die Siedler, die von einem US-amerikanischen Millionär unterstützt werden, akzeptierten die Zusicherung, sie hätten dort ein Wohnrecht. Von palästinensischer Seite wurde der Kompromißvorschlag von Präsident Benjamin Netanjahu abgelehnt. Noch ist unklar, wer in die Wohnungen einziehen wird.

China
Der Justizminister der Volksrepublik hat am 15. September die Anwendung der Todesstrafe verteidigt. Er erklärte dazu bei einer Pressekonferenz, dass sie nur selten und für schwere Verbrechen vollstreckt werde. Die Anklagen von Menschenrechtsgruppen, dass im vergangenen Jahr Tausende von Personen auch fuer Kavaliersdelikte hingerichtet wurden, kommentierte der Minister jedoch nicht. Es gebe strikte Beschraenkungen fuer den Einsatz der Todesstrafe.
Bei der gleichen Gelegenheit kam der Justizminister auch auf den inhaftierten Dissidenten, Wang Dan zu sprechen. Dessen Angehörige hatten für ihren Verwandten eine vorzeitige Haftentlassung aus Gesundheitsgründen beantragt. Nach Angaben des Ministers würde sich aber eine derartige Vergünstigung erübrigen, da Wang Dans Gesundheitszustand zufriedenstellend sei.

Philippinen
Die Erzdiözese Manila hat das Militär kritisiert, Mitglieder der katholischen Kirche als Kommunisten zu bezeichnen. Dies erklärte am 18. September der Sprecher von Kardinal Jaime Sin in Manila. "Es ist psychologische Kriegsführung, um einen Keil zwischen uns zu treiben." Jüngst habe der Nachrichtendienst der Armee die Presse mit Meldungen versorgt, wonach mehrere Vertreter der Kirche Verbindungen mit einer illegalen komunistischen Vereinigung haben sollen. Nach Ansicht der Kirche will die Führung damit die Bevölkerung einschüchtern, um nicht an der Großdemonstration am kommenden Sonntag teilzunehmen. Bei der Veranstaltung soll gegen die Absicht von Präsident Fidel Ramos protestiert werden, die Verfassung zu ändern, damit ihm eine zweite Amtszeit ermöglicht wird. Vor allem kirchliche Gruppen haben ihre Teilnahme zugesagt.

Aegypten
Eine islamistische Organisation in London hat am 18. September nach einem Bombenanschlag in Kairo alle Touristen aufgerufen, das Land am Nil zu meiden, solange Präsident Moubarak Gewalt gegen das Volk ausübe. Sein Regime sei schuld an dem Anschlag, bei dem 10 deutsche Reisende umgekommen waren. Nach Angaben des ägyptishen Geheimdienstes wird die londoner Einrichtung von einem Chef der Jihad Adel Abdel Meguid, der in Großbritannien Asyl erhalten hatte, gesteuert.

Sudan
In der Hauptstadt Khartum hat die Polizei eine katholische Schule geschlossen und zugleich den Rektor verhaftet. Nach Angaben der römischen Zentrale der Comboni-Missionare informierte die katholische Kirche im Sudan bereits die Landesregierung über den Vorfall. In den vergangenen Jahren wurden von der Polizei bereits mehrere katholische Schulen geschlossen und dem Erdboden gleichgemacht.

Burundi
Der Anfuehrer der Militaerregierung in Bujumbumbura, Pierre Buyoya, hat am 19. September seine Bereitschaft geaeussert, mit seinen politischen und militaerischen Gegnern zu verhandeln. Gleichzeitig beklagte er das Embargo, das auf seinem Land lastet. Es zerstoere die Wirtschaft und das politische Vertrauen, das fuer einen Fortschritt bei den Verhandlungen noetig sei, so Buyoya. Gegenueber der Nachrichtenagentur Reuter erklaerte er, er sei auch bereit, den Anfuehrer der Hutu-Rebellen, Leonard Nyangoma zu treffen.

Suedafrika
Präsident Nelson Mandela hat am 19. September den Friedensprozess in seinem Land als Vorbild für den Nahen Osten hingestellt. Bei der Entgegennahme der Ehrendoktorwürde von der israelischen Ben-Gurion-Universität lobte er vor allem das Engagement von Privat-personen, um den Graben zwischen Israelis und Palästinenser zu überbrücken.

Brasilien
Neue kirchliche Kritik an Praesident Henrique Cardoso. der Bischof von Mariana, Luciano Mendes, hat ihm am 17. September vorgeworfen, er denke nur an seine Wiederwahl, vernachlaessige aber wesentliche Probleme wie etwa die draengende Landreform. Auch gegen die Gewaltverbrechen an Landlosen, die Brachland besetzten, werde zu wenig getan.

Venezuela
Keine Aufenthaltsgenehmigung mehr für die Moon-Sekte. Wie ein Vertreter des venezualischen Justizministeriums am 15. September mitteilte, ist der Gemeinschaft des Japaners Sun-Myung Moon jetzt verboten worden, weiter zu missionieren. Die Sekte verstoße gegen verschiedene Prinzipien der Verfassung. So sei es etwa illegal, Kinder von der Familie fernzuhalten. Ein Vertreter der Sekte sagte, seine Vereinigung habe sich nichts vorzuwerfen.
Sie sei sehr caritativ tätig.


Hinweise auf unser Wochenprogramm:
Samstag:
Kommentar der Woche mit Herbert Schneider OFM
Sonntag: Sie schreiben - wir antworten
Montag: Weltkirchenmagazin: Interview mit Bischof Lehmann
Dienstag: Radioakademie: Hildegard von Bingen - 900 Jahre, von Gregor Papsch - 4. Teil: Hildegard - Die Heilkundige


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Über Radio Campanile. Im Kabel und auf Tonunterträger von DSF um 16.15 Uhr 19.10 Uhr

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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan Nachrichten:
Dienstag, 23. September 1997, 19 Uhr

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