____________________________Vatican_Radio_P Eberhard_von_Gemmingen   
News | Archiv |  
Zum Tod von Mutter Teresa 
 
Die 87jährige Ordensfrau und Friedensnobelpreisträgerin erlag am Freitag, 5. September 1997 um 21.30 Ortszeit in Kalkutta einer Herzattacke.  

 

Lebensweg von Mutter Teresa 
Agnes Gonxha Boiaxhin - das war ihr ursprünglicher Name. 1910 wurde sie in Skopje geboren, damals Mazedonien, die Eltern waren Albaner. Als junge Ordnesschwester unterrichtete sie zunächst an einer versnobten Schule in Kalkutta - dann hatte sie, auf einer Bahnfahrt durch Indien, eine Art zweites Bekehrungserlebnis. Sie begann, Sterbende, die auf den Straßen herumlagen, einzusammeln und zu pflegen. Sie wollte ihnen in den letzten Stunden ein bißchen Liebe zeigen. 1950 schlug so die Geburtsstunde des Ordens "Missionarinnen der Nächstenliebe", der heute, mit einem kleineren männlichen Zweig angeschlossen, weltweit für die Armen und Ausgestoßenen sorgt. Mutter Teresas Rezept hieß: Liebe. Für Millionen von Menschen und für mehrere Generationen war ihre krumme Gestalt im weißen Sari ein Bild der Liebe Gottes zu den Menschen. Der Mensch Mutter Teresa war dickköpfig, sehr humorvoll und von einem verblüffend einfachen Glauben. 1979 bekam sie den Friedensnobelpreis, 1980 die amreikanische Freiheitsmedaille. Die kleine Heilige - so sahen sie viele - machte keine große Politik und schrieb keine Manifeste, sie umarmte Aids-Kranke und streichelte Sterbende. Solange sie reisen konnte, war ihr Hauptgepäckstück eine Plastiktüte mit dem Nötigsten und ein paar billige Rosenkränze oder Medaillen drin, zum Weiterverschenken. Seit Anfang der 90er spielte ihr Herz nicht mehr richtig mit, letztes Jahr wählte der Orden in Schwester Nirmala eine neue Generaloberin. Die damals todkranke Mutter Teresa erzählte, daß sie in einer Nacht träumte, sie komme in den Himmel, aber Petrus sagte zu ihr: "Gehen Sie wieder zurück, Sie sind noch zu früh dran." Am 5. September 1997 kam dann für Mutter Teresa die Stunde, wo es Zeit wurde. 

 
 
Würdigungen und Reaktionen zu Mutter Teresas Tod 
Am Tag nach Mutter Teresas Tod, am Samstag, 6. September,  feierte Papst Johannes Paul II. in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo die heilige Messe für die Verstorbene. Mit tiefem Schmerz und Bewegung, so wurde mitgeteilt, hatter er am Vorabend die Nachricht von ihrem Tode aufgenommen. Der Papst und die Ordensfrau kannten sich gut. In einem Beileidstelegramm nach Kalkutta nennt Johannes Paul Mutter Teresa eine Frau von unerschütterlichem Glauben, ein Geschenk an die Kirche und an die Welt. Die Erinnerung an ihre ungewöhnliche geistliche Vision werde bleiben. In der Samstagsaudienz ging der Papst nochmals auf Mutter Teresa ein: Sie war ein seltenes Beispiel der Nächstenliebe, so der Papst, eine unvergeßliche Zeugin der Liebe zu den Ausgestoßenen. Mutter Teresa, so Johannes Paul wörtlich, hat die Geschichte unseres Jahrhunderts geprägt. So erinnern wir uns an sie - eine mutige Frau, die aller Welt das Evangelium von der Liebe verkündet hat. Beim Angelusgebet am 7. September hob der Papst zwei Vorlieben von Mutter Teresa hervor: ihre Liebe zum Leben und zur Familie. Das Leben gewinne trotz Schwierigkeiten und Widersprüche seinen ganzen Wert, wenn es der Liebe begegne. In ihrem großen Herzen habe aber die Familie einen besonderen Platz eingenommen. Eine Familie sei glücklich, wenn sie eine betende Familie ist - so Mutter Teresas Überzeugung. 
Würdigungen von Mutter Teresa kamen aus allen Teilen der Welt. "Schön ist immerhin, daß sie so kurz nach Lady Di starb", findet der katholische Erzbischof von Westminster, Kardinal Basil Hume. "Die beiden waren ja sehr befreundet und finden sich jetzt wieder." Der anglikanische Primas George Carey, betont, daß Mutter Teresa die Herzen aller Christen berührt habe. "Sie war eine unglaubliche Person, eine von den Giganten unserer Zeit" - der das sagt, ist US-Präsident Bill Clinton. Unter den vielen Politikern, die die Verstorbene würdigen, sind auch der UNO-Generalsekretär und der deutsche Bundespräsident Roman Herzog. Bundeskanzler Kohl beteuert, Mutter Teresa werde nie vergessen werden. Man redet so oft von einem "Mann Gottes" - Mutter Theresa war eine "Frau Gottes". Das erklärte in einer ersten Stellungnahme der Mailänder Erzbischof, Kardinal Carlo Maria Martini. Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, sprach von einem Engel der Liebe und dankte Gott für dieses Geschenk eines, so wörtliche, heiligmäßigen Lebens. Wir müssen ihre Arbeit weiterführen, erklärte der Ökumenische Weltkirchenrat in Genf.  
 

 
  

Fakten und Informationen  
Am 6. September sind die sterblichen Überreste der Verstorbenen in die katholische Sankt Thomas Kirche von Kalkutta überführt worden. Ihr Leichnam wurde dort in einem gläsernen Sarg aufgebahrt. Die indische Regierung hat beschlossen, die Friedensnobelpreisträgerin am 13. September mit einem Staatsbegräbnis zu ehren. Als Grund dafür wurde angegeben, daß die Verstorbene ohne öffentliches Amt dem indischen Volk gedient habe. Auch der indische Ministerpräsident erwies ihr bereits an ihrem Sarg die letzte Ehre. Fast alle indischen Zeitungen würdigten Mutter Teresa auf der Titelseite. Die albanische Heimat von Mutter Teresa und der Kosovo in Serbien haben Nationaltrauer ausgerufen. Die Trauerfeier für Mutter Theresa wird in einem Stadion in multireligiösem Ritus stattfinden. Das wurde jetzt von den Missionarinnen der Nächstenliebe und der Stadt Calcutta entschieden. Bei der Feier sollen ein Text aus dem Alten, einer aus dem Neuen Testament, sowie ein Psalm gelesen werden. Die Zeremonie soll aber - wie es aus Kalkutta heißt - den Geschmack mehrerer Religionen haben. Papst Johannes Paul II. hat jetzt eine offizielle Delegation für die Beerdigung von Mutter Theresa ernannt. Ihr gehören neben Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano, der indische Kardinal Simon Lourdousamy, sowie der päpstliche Nuntius in Neu-Delhi, der deutsche Erzbischof Georg Zur an. 
Über 100.000 Menschen haben seit Sonntag Mutter Teresa in der Thomaskirche von Kalkutta die lezte Ehre erwiesen. Geduldg wartetenn dabei Angehörige aller Klassen und Religionen in einer bis zu drei Kilometer langen Schlange, um einen Augenblick vor dem Leichnam der "Heiligen der Allerärmsten" zu verweilen.

PhilNet 
Stefan Müller 
PhilNet 


Kommentar zum Tod von Lady Di und Mutter Teresa 
  
Pater Eberhard von Gemmingen S.J.  
 

Der Tod von Mutter Teresa kurz vor der Beerdigung von Prinzessin Diana scheint mir eine Botschaft. Zwei Frauen, die einander mehrfach begegnet waren, die so verschieden und doch von allen bewundert waren: Die eine schön, jung, lebensgierig, nicht ohne Fehl und doch offen für viele Nöte. Die andere alt, zerfurcht und abgerackert, aber gerade deswegen von allen bewundert. Vermutlich empfand Lady Diana Mutter Teresa als eine Botschaft Gottes. Und das ist sie meines Erachtens auch: eine Botschaft an die ganze Menschheit zum Ende des 20. Jahrhunderts. Damit wir sie in unsere Herzen aufnehmen können, müssen wir genau hinhören. Die Botschaft Gottes lautet: Jeder Mensch ist unendlich wertvoll. Er braucht Brot, aber mehr als Brot braucht er Liebe. Ganz besonders ist er darauf angewiesen, wenn es ans Sterben geht. Und Gottes Botschaft lautet weiter: Wenn Du Dich dem Armen, dem Sterbenden zuwendest, dann wird dieser dich reich beschenken. Die Armen haben der Menschheit sehr viel zu sagen. Das ist Gottes Botschaft an die Menschen.

Man kann an das Phänomen Mutter Theresa auch zwei kritische Fragen stellen. Erstens: Warum hat sie nie versucht, die Ursachen der Armut selbst zu bekämpfen? Sie pflegte nur die Wunden und überließ es anderen, dafür zu sorgen, daß niemandem Wunden geschlagen werden. Und die zweite Frage: Ist die materielle Armut eigentlich ein Segen für die Menschheit? Wäre die Welt ärmer ohne die Armen? Mutter Teresa hätte zu diesen Fragen wohl nur verschmitzt gelächelt und die Antwort den Philosophen überlassen. Eines aber hätte sie betont: Am ärmsten sind Menschen, die ohne Liebe aufwachsen, die vielleicht in Palästen - und sei es im Buckingham-Palast - wohnen, aber von niemanden Liebe erfahren. Die Botschaft Gottes durch die Gestalt von Mutter Teresa lautet: All das, worum ihr euch den ganzen Tag plagt, daß ihr zu Essen und ein Dach über dem Kopf habt, daß ihr Arbeit und ein Auto habt, - all das ist bei weitem nicht so wichtig wie die Liebe. Und Liebe heißt nicht Sympathie zu diejenigen, die man eben gerne hat, sondern Liebe heißt Zuwendung zu dem, von dem ich mich eigentlich abwenden möchte, der abstoßend ist. Denn Liebe ist zuerst Zuwendung Gottes zu mir, der  i c h    abstoßend bin. Liebe heißt Selbstverwandlung durch Gottes Liebe zu mir, sodaß ich fähig bin, auch den Abstoßendsten in Liebe zu umarmen. Das ist die Botschaft von Mutter Teresa, die wohl auch Prinzessin Diana ins Herz getroffen hat. Und die auch Lady Diana weitergegeben hat, auf ihre Weise. 

 

Radio Vatikan Archiv
Leitseite www.kath.de