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An dieser Stelle finden sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Samstag, 23. August bis Dienstag, 26. August 1997.

Heute finden Sie am Ende dieser Nachrichten einen Kommentar von Pater Eberhard von Gemmingen zu Weltjugendtag und Papstbesuch in Frankreich.

 

Papstreise nach Frankreich anläßlich des 12. Weltjugendtages

23. August 1997
Am dritten Tag der Papstreise ging es etwas geruhsamer zu. Johannes Paul feierte am Morgen die Messe mit 350 Delegierte des Jugendforums aus 135 Nationen in der dem Heiligen Stephanus geweihten Kirche St. Etienne du Mont. Die Feier war als Dank an die Organisatoren des Weltjugendtages und die Teilnehmer des Jugendforums gedacht, das vor dem Weltjugendtag stattgefunden hatte. Die Messe stand im Gedanken der Mission. Ebenfalls am Vormittag sangen Tausende von Jugendlichen Beethovens Lied an die Freude, wobei sie sich zu einer 36 Kilometer langen "Menschenkette der Brüderlichkeit" rund um Paris die Hand gaben. Am Abend hielt Johannes Paul bis in die Nacht hinein mit den Jugendlichen eine Gebetswache auf der Pferderennbahn von Langchamps. Dort übernachteten die Jugendlichen auch bis zur Abschlußmesse am 24. August. Beim Auftakt der Gebetswache erinnerte Papst Johannes Paul II. an die Bartholomäusnacht in Paris vor genau 425 Jahren. Damas hatten Katholiken über 3000 Protestanten ermordet - eine schmerzvolle Erinnerung, so der Papst. Christen hätten dabei den Geist des Evangeliums verraten. Thema der Predigt in dieser Nacht: die Geburt des neuen Menschen durch die Taufe.

24. August 1997
Mit einer Messe auf der Pferderennbahn von Langchamps, an der 1.2 Millionen Menschen teilnahmen, ist der 12. Weltjugendtag zu Ende gegangen. Dabei lud Johannes Paul die Jugendlichen zum nächsten Weltjugendtag im Jahr 2000 nach Rom ein. Die große Ankündigung kam am Ende dieser Papstmesse. Papst Johannes Paul II. wird die kleine heilige Theresia von Lisieux am 19. Oktober in Rom zur Kirchenlehrerin erheben. Vor seinem Rückflug traf Johannes Paul noch mit Frankreichs Premierminister Lionel Jospin zu einer kurzen privaten Unterredung zusammen.

Frankreich
Positive Bilanz der Parisreise des Papstes. Nach Angaben des Osservatore Romano hatte sich der Vatikan vorher auf gleichgültige Reaktionen eingestellt, nicht auf so einen begeisterten Empfang durch die Jugendlichen. Le Monde spricht von einer 68er-Revolution unter umgedrehten Vorzeichen.

Frankreich
Ein Defizit von 6 bis 9 Millionen Mark haben jetzt die Organisatoren des Weltjugendtages in Paris beklagt. Wie der Chef des Organisationskomitees, Bischof Michel Dubost, am Montag mitteilte, seien die Einnahmen weit unter den Erwartungen geblieben. Offensichtlich hätten nicht alle Jugendlichen die vorgesehe Gebühr bezahlt, oder bezahlen können. Dubost appellierte deshalb jetzt an alle Teilnehmer, den Organisatoren bei der Reduzierung der Schulden zu helfen.

Italien
Der Papst beklagt die starke Kultur des Nihilismus in unserer Zeit. Das steht in seiner Botschaft an ein Völkertreffen im italienischen Rimini. Durch systematischen Zweifel habe der moderne Mensch das Gefühl dafür verloren, daß es auch eine Realität außerhalb seiner selbst gebe. Der Text der Botschaft wurde am 23. August von den Organisatoren des Treffens veröffentlicht.

Österreich
Der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn fährt nach Moskaus und trifft am 27. August das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Alexij II. Im Mittelpunkt der Reise, die bis zum kommenden Sonntag dauert, steht neben ökumenischen Fragen vor allem die sozial-karitative Dimension beider Kirchen. Deshalb wird der Wiener Erzbischof u.a. von Caritasdirektor Michael Landau begleitet. Außer dem Patriarchen gilt der Besuch Schönborns in Moskau dem Leiter des Außenamts des russisch-orthodoxen Patriarchats, dem Militärbischof, dem orthodoxen Priesterseminar sowie der Theologischen Akademie. Höhepunkt des Moskau-Besuchs ist die Teilnahme des Erzbischofs an der Göttlichen Liturgie in der Maria-Himmelfahrts-Kathedrale im Kreml am 29. August.Danach reist Schönborn zu einem kurzen Treffen mit Metropolit Wladimir nach St. Petersburg.

Tschechien
Premierminister Vaclav Klaus hat eine Vatikanformel zur Regelung der Rückgabe von Kirchenbesitz abgelehnt. Kirchenvertreter in Prag reagieren enttäuscht.

Israel
Der apostolische Nuntius in Israel hat am 26. August seine Sorge über die andauernde Blockade der Stadt Bethlehem geäußert. In einem Telefongespräch mit einem Vertreter des israelischen Außenministeriums erklärte er, sie behindere nicht nur die Pilger. Der Vatikanverteter machte auf die schweren Konsequenzen der Blockade für die Bewohner der Stadt aufmerksam, deren Einnahmen größtenteils aus dem religiösen Tourismus stammen.

Philippinen
Als unchristlich und unpatriotisch hat am 24. August Präsident Fidel Ramos Kardinal Jaime Sin bezeichnet. Er warf dem Kirchenmann vor, die Bürger dazu aufzurufen, der Regierung die Unterstützung zu entziehen. Der Erzbischof von Manila hatte am Donnerstag die Öffentlichkeit aufgefordert, sich von Ramos zu distanzieren. Bekanntlich versucht Ramos die philippinische Verfassung für eine Verlängerung seiner Amtszeit zu ändern. Davor hat die Kardinal jetzt eindringlich gewarnt.

China
Im letzten Jahr sind in China doppelt so viele Todesurteile wie im Jahr zuvor ausgesprochen worden. Das geht aus einem Bericht von Amnesty International hervor, der jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Danach wurden 1996 in China über 4300 Menschen hingerichtet. Dabei handle es sich nur um bestätigte Fälle. Amnesty zufolge versucht die chinesische Regierung durch ihr hartes Vorgehen die Kriminalität zu bekämpfen.

Sudan
Der südafrikanische Präsident Nelson Mandela plant, sich am 26. August zu Gesprächen mit dem Anführer der sudanesischen Rebellion, John Garang, zu treffen. Ziel der Begegnung ist es, Friedensverhandlungen in dem ostafrikanischen Land in die Wege zu leiten. Das erklärten am 25. August einer Nachrichtenagentur zufolge offizielle Stellen.

Kenia
Trotz der Unruhen ist Präsident Daniel Arap Moi am 23. August nach Mombasa gereist; dabei besuchte er auch die katholische Likoni-Kirche. Seit dem Überfall auf sie in der Nacht zuvor ist die Lage nach außen hin ruhig. Unter den bislang Verhafteten sind auch zwei führende Mitglieder des lokalen Flügels von KANU, der Regierungspartei Arap Mois.

Kenia
Die katholische Kirche des Landes sowie der Nationale Kirchenrat haben Zweifel an dem Regierungsversprechen, der Gewalt Einhalt zu gebieten. Der Erzbischof von Nairobi hielt es für unglaubhaft, daß die Obrigkeit nicht schon vorher von dem Angriff auf das Kommissariat von Likoni gewußt habe. Auch die protestantische Kirche hat sich skeptisch geäußert und vertritt die Ansicht, daß die Regierung nicht entschieden gegen die Gewalt vorgehe.

Kongo
Der Präsident des afrikanischen Kirchenrates hat um die Entsendung einer internationalen Friedenstruppe gebeten. Das meldet die französische Nachrichtenagentur. Eine solche Truppe der internationalen Gemeinschaft oder der UNO solle Rebellen und Regierungstruppen trennen und Kriegsverbrechen beenden. Die Präsidenten Kongos und des früheren Zaire hatten sich auf eine innerafrikansiche Friedenstruppe für die Region geeinigt.

Burundi - Ruanda
Rätselraten über die Gründe, weshalb die Friedensgespräche für Burundi vererst geplatzt sind. Dabei hätte Tansanias ehemaliger Präsident Julius Nyerere vermitteln sollen. Ein Sprecher Nyerere schob die Schuld am 22. August auf die burundische Regierung von Präsident Pierre Buoya. Dabei hatte Buoya ein Interesse daran, auf einer solchen Konferenz die Aufhebung der Sanktionen gegen Burundi zu erreichen. Am 25. August wurde bekannt, daß die anderen am Konflik Beteiligten zu den Gesprächen zusammenkamen. Welchen Nutzen ein Verhandlungsbeginn ohne den Hauptakteur Pierre Buoya haben wird, bleibt abzuwarten.

Tansania
Die Regierung in Daressalam hat am 23. August Burundi beschuldigt, Militär an der Grenze zusammenzuziehen, um Flüchtlingslager angreifen zu können. Auf einer Pressekonferenz in der Hauptstadt kündigte Tansanias Außenminister an, mit Repressalien zu reagieren, sollte Burundi angreifen.

Honduras
Der amerikanische Freihandelsvertrag war ein Betrug
, weil von ihm nur die USA profitieren. Das erklärt der Erzbischof von Tegucigalpa, Oscar Andres Rodrigues, in einem Interviewbuch, das am 25. August in der Hauptstadt von Honduras vorgestellt wurde. Die Freihandelszone, die von der Regierung Clinton als großer Erfolg dargestellt wird, umfaßt die USA, Kanada und Mexiko; sie beruht aber, wie der Erzbischof kritisiert, nicht auf einem Gleichheitsprinzip. So werde beispielsweise der freie Güterverkehr von Mexiko in die USA behindert. Ausdrücklich kritisiert Rodriguez, der auch Vorsitzender des lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM ist, zudem die Korruption in Südamerika.

Brasilien
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz des Landes, Kardinal Lucas Moreira Neves, hat am 23. August die Diskussion über die Gesetze zu Abtreibung und Sterilisation kritisiert. Der Erzbischof kündigte für den 25. August ein Treffen an, bei dem über die Regelungen der Gründe zur legalen Abtreibung diskutiert werden soll. Legale Gründe machten eine unmoralische Sache wie die Abtreibung nicht moralisch, sagte Neves.

Brasilien
Der Staat mißbraucht die Justizbehörden
, um die Aktivisten für eine Landreform zu kriminalisieren. Diese Anklage erhob jetzt Amnesty International bei der Präsentation eines 16-seitigen Berichts über die brasilianische Justiz. Amnesty ist überzeugt, daß der bekannte Landreformer Jose Rainha ein Opfer dieser Taktik ist. Er wurde kürzlich wegen Mordes zu über 26 Jahren Gefängnis verurteilt.

Vereinigte Staaten
Die US-Regierung hat er Erzdiözese von Miami am 22. August die Erlaubnis erteilt, ein Schiff für eine Pilgerfahrt anläßlich des Papstbesuchs auf Kuba nächsten Januar zu chartern. Die Diözese rechnet mit etwa 1.000 Pilgern nach Kuba allein aus Miami. Dort leben viele kubanische Flüchtlinge.

Vereinigte Staaten
Kardinal John O`Conner von New York rechnet damit, daß der Papstbesuch auf Kuba im Januar nächsten Jahres die Beziehungen zwischen den USA und Kuba stark verändern wird. Vor Journalisten erklärte er, Ausdruck dieser politischen Klimaveränderung könne beispielsweise eine Aufhebung des Embargos für Kuba sein.

Kommentar zu Weltjugendtag und Papstbesuch in Frankreich von Pater Eberhard Gemmingen

Das katholische Weltjugendtreffen war ein voller Erfolg. Es kamen mehr Jugendliche als erwartet, sie haben weitergefeiert und gebetet, auch als die Hitze schier unerträglich wurde. Die Gründe für den Erfolg sehe ich in der guten Vorbereitung und liturgischen Gestaltung, im anfänglichen Aufenthalt der Ausländer in französischen Familien, aufs ganze Land verteilt, in den guten Katechesen, in der Tatsache, daß der Papst erst auf dem Höhepunkt dazukam, in der guten Gestaltung von Taufe, Firmung und Erstkommunion von 10 jungen Erwachsenen. Schließlich haben Petrus und der Charme von Paris ihren Beitrag geleistet. Wenn es ständig geregnet hätte oder die Versammlung etwa in Warschau stattgefunden hätte, ware etwas ganz Anderes herausgekommen. Mann kann daraus lernen, daß die Kirche ruhig auf internationale Großtreffen - auch von Jugendlichen - setzen darf, daß sie aber bestens vorbereitet sein muß, daß man dabei von den Gläubigen auch etwas verlangen darf, auch wenn die Motive zur Teilnahme nicht immer rein sprirituell sind und schließlic daß der Papst dabei ein guter Höhepunkt, aber nicht absolut notwendig ist. Die Kirche im deutschen Sprachraum sollte vielleicht lernen, daß nicht nur Katholikentage und Ministrantenwallfahrten gut sind, sondern daß auch aus Rom eine gute Idee kommen kann. Zuletzt möchte ich sagen: Gottlob waren in Paris nicht nur Europäer, sondern erstaunlich viele Christen aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Ohne sie hätte die Versammlung anders ausgesehen.

Hinweise auf unser Wochenprogramm

Mittwoch: Römische Woche: Waldensersynode
Donnerstag: Kreuzfeuer: Sudan
Freitag: Prisma-Magazin: Aktion "Saubere Kleidung" - Kirchenasyl historisch - Religiöse Musik in Rußland -

Man hört Radio Vatikan:
täglich 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr
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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan Nachrichten:
Freitag, 29. August 1997, 19 Uhr

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