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An dieser Stelle finden sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Freitag, 8. August bis Montag, 11. August 1997.

Vatikan
Papst Johannes Paul II. hat beim Angelusgebet am 10. August im Blick auf das Weltjugendtreffen die jungen Katholiken aufgerufen, Vorkämpfer einer brüderlicheren und solidarischeren Welt zu sein. Sie sollten ihren Blick fest auf Christus richten. Er schenke den eigentlichen und wahren Frieden. Die jungen Menschen hätten die Handwerker der übernatürlichen Einheit und des echten Friedens zu werden. Daher müssten sie sich Jesus Christus nähern. Er schenke den Frieden, den sonst niemand geben könne. Daher sollte die junge Welt - so wörtlich - den Dialog der Bekehrung führen.

Nordirland
Am 9. August haben fanatische Protestanten ihren traditionellen Marsch durch Londonderry durchgeführt. Es kam nicht zu Gewalttätigkeiten mit den Katholiken, die durch die Demonstration provoziert werden sollten. Sie erinnert an den Sieg der Protestanten im Jahr 1689.

Frankreich
Beim Weltjugendtag in Paris werden mehr Jugendliche aus anderen Ländern teilnehmen, als Franzosen. Das hat am 8. August der für die Organisation verantwortliche Bischof, Michel Dubost, mitgeteilt. Dennoch werde diese Begegnung zu einem wichtigen Ereignis für die katholische Jungend des Landes werden, so Dubost.

Frankreich
Über 54.000 illegale Einwanderer haben seit dem Regierungwechsel um eine Neuprüfung ihrer Fälle gebeten. Diese Zahlen nannte jetzt das Innenministerium in Paris. Die Hälfte der Gesuche kam aus dem Großraum Paris. Premierminister Lionel Jospin hatte bei seinem Amtsantritt eine liberalere Handhabung des Einwanderungsgesetzes signalisiert.

Ungarn
Am 8. August ist die 23. Vollversammlung des reformierten Weltbundes in Debrezen eröffnet worden. An ihr nehmen 208 Kirchenvertreter aus 102 Ländern teil. Die Konferenz behandelt unter anderem die Rolle von Frauen und Männern in der Kirche, sowie Fragen der sozialen Gerechtigkeit. Die letzten Plenarkonferenz des reformierten Weltbundes hatte 1990 in Südkorea stattgefunden. Am 10. August wurde auf dem Weltkongress des Reformierten Weltbundes eine Grußbotschaft von Papst Johannes Paul II. verlesen. Der Papst unterstreicht in der Botschaft, die katholische Kirche suche weiterhin intensiv den Dialog mit allen Protestanten. Das Verständnis zwischen den Kirchen sei schon sehr gewachsen.

Ungarn
Rund 1000 Kinder aus den Hochwasser-Gebieten Polens und Tschechiens machen in diesen Tagen kostenlos Ferien in Ungarn. Sie folgten einer Einladung des ungarischen Tourismusministeriums. Es hatte sich an ungarische Touristik-Unternehmen gewandt und von diesen spontane Zustimmung erhalten.

Albanien
Am 9. August hat das Innenministerium in Tirana bekanntgegeben, daß während der letzten Tage etwa 20 Ikonen aus dem 18. Jahrhundert gestohlen worden sind. Sie waren zu ihrer Sicherung aus der orthodoxen Kirche von Vovica in ein Warenhaus gebracht worden, von wo sie jetzt verschwunden sind. Nach Angaben von örtlichen Presseleuten sind zwei der Ikonen sogar wesentlich älter und daher auch noch viel kostbarer und teurer. Ikonenraub ist in Albanien seit dem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung vor fast einem halben Jahr alltägliche Wirklichkeit geworden.

Türkei
Per Dekret ist seit dem 8. August der nicht genehmigte Gebrauch von Mikrofonen und Megafonen beim islamischen Gebetsaufruf verboten. Das Dekret unterzeichnete der Minister für Religionsangelegenheiten. Die neue Regierung in Ankara begründete die Regelung, nach der nur ein einziger Muezzin pro Stadtzentrum die Megafone benützen darf, mit Bürgerprotesten gegen die oft schlechte Akkustik des Gebetsaufrufs.

Griechenland
Rund 200 Theologinnen aus ganz Europa nehmen vom 17. bis 21. August an der Konferenz für theologische Forschung von Frauen teil. Thema der Zusammenkunft sind die "Quellen feministischer Theologie". Es handelt sich bereits um die 7. internationale Konferenz dieser Art. Sie findet auf der Insel Kreta statt. Besondere Akzente werden vermutlich durch die Teilnahme von 50 Theologinnen aus Osteuropa, 30 griechisch-orthodoxe und drei muslimische Theologinnen gesetzt.

Bosnien
Der Erzbischof von Mailand, Kardinal Carlo Maria Martini hat dem Land gerade einen Besuch abgestatte. Ziel seiner Reise waren die Projekte, mit denen die Mailänder Caritas und Diözese in Bosnien helfen. Martini berichtete, daß die Moral der Katholiken sehr hoch sei. Obwohl es unter ihnen auch viel Angst, besonders vor der Zukunft gäbe, stecken sie dennoch voller Aktivitäten und Lebenslust. Die katholischen Minderheiten seien aus vielem ausgeschlossen, es blieben Feindseligkeiten und Angst voreinander.

Sibirien
Am 10. August ist in Novosibirsk die neue Bischofskirche der dortigen katholischen Gemeinde eingeweiht worden. Papst Johannes Paul II. macht aus diesem Anlaß in einem Schreiben an den dortigen Bischof Josef Werth darauf aufmerksam, daß die Leiden der verfolgten Gläubigen nicht umsonst gewesen sind. Der Papst drückt seinen Wunsch aus, daß die Katholiken mit ihren orthodoxen Brüder und den übrigen Christen, die ebenfalls für ihren Glauben gelitten hätten, konstruktiv zusammenarbeiten. Der Grundstein der neuen Kathedrale stammt vom Petrusgrab unter der Peterskirche und war in Rom vom Paspt gesegnet worden. An der Feier nahmen rund 1000 Gläubige aus mehrern Teilen Sibiriens und 10 Bischöfe aus mehreren Ländern teil. Der orthodoxe Bischof der Stadt sandte ein sehr freundliches Grußtelegramm.

Rußland
Der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn wird noch in diesem Monat nach Moskau reisen. Die russisch-orthodoxe Kirche mißt diesem Besuch große Bedeutung im Hinblick auf die schwierigen Beziehungen zum Vatikan bei. Der Rektor der russisch-orthodoxen Universität der Stadt erklärte dazu wörtlich: "Wir haben sehr gute Beziehungen zur katholischen Kirche Österreichs und sehen in ihr einen guten Mittler zwischen uns und dem Vatikan." Er hoffe sehr, daß die großteils durch Fehlinformationen hervorgerufenen Mißverständnisse zwischen Moskau und dem Vatikan ausgeräumt werden können.

Tibet
Mitglieder der tibetischen Akademie der Sozialwissenschaftler haben jetzt die Vorwürfe der Vereinigten Staaten, China unterdrücke die Religionsfreiheit scharf kritisiert. In einer Erklärung heißt es, der Buddhismus sei in Tibet in ein goldenes Zeitalter eingetreten. Ins Gefängnis werde nur geworfen, wer die Unabhängigkeit Tibets einfordere. Das habe nichts mit religiösen Fragen zu tun. Beobachter weisen darauf hin, daß die Mitglieder der Sozialakademie sich dem Druck aus Peking gebeugt haben und nur Lautsprecher der kommunstischen Partei sind.

Indien
Die Regierung hat jetzt die katholische Bischofkonferenz von Indien dazu aufgefordert, sich an einer hochkarätigen Kommission für die Probleme von Minderheiten zu beteiligen. Die Gruppe hat den Auftrag, innerhalb eines Jahres einen Bericht zur Situation der Minderheiten im Land vorzulegen. Der soll als Grundlage für die Hilfprogramme dienen, die auch wirklich bei den Bedürftigen ankommen. Die christlicher Seite will dabei ein besonderes Augenmerk auf die Situation der Christen legen, die ursprünglich aus den untersten Kaste kamen oder kastenlos waren. Der Hauptgrund für die Einrichtung des neuen Arbeitskreises war das Versagen eines Regierungsprogrammes für Minderheiten von 1983.

Pakistan
Aus religiösen Motiven haben am 9. August unbekannte Täter 16 Personen in der östlichen Provinz Punjab erschossen. Damit erreichen in Pakistan die kürzlich aufgeflammten Kämpfe zwischen beiden Konfessionen des Islam, Suniten und Shiiten, eine neue Qualität der Gewalt. Bislang beschränkten sich Auseinandersetzungen auf Kämpfe zwischen den Einheimischen und Zuwanderern aus Karatschi.
Am 10. August wurde ein großes Kontingent paramilitärischer Truppen in die Region geschickt, die jetzt für Ruhe sorgen soll. Der pakistanische Innenminister äußerte sich optimistisch, daß das Militär die Lage bis zu den Feierlichkeiten des 50. Unabhängigkeitstages am 14. August unter Kontrolle bekommen würde.

Neuseeland
Die Zukunft der anglikanisichen Kirche liegt vermutlich in Afrika. Hier hat sie mehr Mitglieder als in England, den USA, Australien und Neuseeland zusammen. So der Primas der anglikansichen Kirche, George Carey bei seiner derzeitigen Reise durch Neu-Seeland. Er ergänzte, vor 200 Jahren habe es noch keinen anglikansidchen Geistlichen außerhalb von Großbrittanien gegeben. Heute sei die Kirche in rund 150 Ländern präsent.

Kenia
Mehrere hundert Menschen haben am 8. August in Nairobi gegen Präsident Daniel Arap Moi demonstriert. Am Rand der Demonstration wurde ein Mann umgebracht, weil Oppositionelle ihn verdächtigten, Polizeispitzel zu sein. Auch einige Fensterscheiben gingen zu Bruch. Landesweit hatte die Oppositon zu einem Generalstreik aufgerufen. Doch ging diese Kraftprobe zwischen Regierung und Opposition unentschieden aus. Der Aufruf zum Generalstreik wurde nur punktuell befolgt. Eine besondere Aufgabe kommt in der Krise den Kirchen zu. An sie hatte sich der Präsident schon zweimal im Lauf des letzten Monats gewandt, um Verfassungsreformen durchzusprechen.

Ruanda
Ein versteckter Bürgerkrieg findet seit Mai im Nordwesten des Landes statt. Nach Angaben der UNO wurden dabei bereits fast 2.900 Personen ermordet, unter ihnen viele unbewaffnete Zivilisten. Regierungsautoritäten wiesen die Anklagen als unwahr zurück. Unterdessen hat die Caritas auf die dramatische Situation in den überfüllten Gefängnissen des Landes hingewiesen, in denen fast 110.000 der Beteiligung am Völkermord Angeklagte in Haft sind.

Südafrika
Die calvinistische Kirche des Landes hat sich jetzt für ihre Rolle bei der Einführung und Festigung der Apartheit entschuldigt. Sie habe sich zu sehr auf die Seite der weißen Bevölkerung gestellt und dabei die verzweifelten Lebensumstände anderer vernachlässigt. Das berichtet am 8. August die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Diese Kirche galt fast 50 Jahre lang als "Nationalpartei im Gebet". In ihren Reihen war die Theorie der Apartheid entwickelt, biblisch begründet und betrieben worden.

Südafrika
Die Wahrheitskommission hat am 11. August mit ihren Anhörungen zum Mord an dem Kommunistenführer Chris Hani begonnen. Es handelt sich dabei um einen der schwierigsten Fälle, den die Kommission zu verhandeln hat, da durch die 1993 begangene Tat der Übergang von der Apartheid zur modernen Demokratie ernsthaft gefährdet wurde. Die von Präsident Nelson Mandela eingesetzte Kommission kann Angeklagten gegen ein volles Geständnis Straffreiheit garantieren, wenn diese politische Motive für ihr Handeln geltend machen können. Demonstranten forderten, dem Angeklagten keine Amnestie zu gewähren. Chris Han war nach Mandela die populärste Figur im Übergangsprozeß.

Brasilien
Der neue Präsident der kirchlichen Landkommission, Bischof Thomas Balduino, ruft Landlose zur Besetzung fruchtbaren Bodens auf. Im Gespräch mit einer Tageszeitung kritisierte Balduino, daß die Landreform nur unfruchtbare Böden verteile, und forderte eine Änderung des entsprechenden Gesetzes von 1988. Er wolle zwar weder Chaos noch die Konfiszierung wertvollen Bodens; dennoch unterstüzte er Besetzungsaktionen von fruchtbarem Boden, um die Regierung zu einer Kurskorrektur zu zwingen.

Vereinte Nationen
Das Rote Kreuz hat eine Weltkarte von Minenfeldern erstellt; sie wurde jetzt in Genf der Öffentlichkeit präsentiert. Nach dieser Karte sind die meisten der 120 Millionen Minen im Nahen Osten, Nordafrika und Zentralasien; allein in Bosnien lauern schätzungsweise noch drei Millionen Minen im Boden. Alle 20 Minuten wird auf der Welt ein Mensch durch eine Mine verstümmelt oder getötet.

 

Hinweise auf unser Wochenprogramm:
Dienstag: Radioakademie: Propheten - Fanale ins Jenseits, von Aldo Parmeggiani
Mittwoch: Römische Woche: Interview mit dem Präsidenten des Päpstlichen Laienrates über den Weltjugendtag in Paris - Bericht über sommerliche Hilfsaktionen in Rom - Bibelquiz
Donnerstag: Kreuz des Südens: Indien - 50 Jahre unabhängig

Man hört Radio Vatikan:
täglich 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr
auf Mittelwelle 1530 kHz und auf den Kurzwellen-Frequenzen: 5880, 7250, 9645 kHz
Über Radio Campanile. Im Kabel und auf Tonunterträger von DSF um 16.15 Uhr 19.10 Uhr

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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan Nachrichten: Donnerstag, 14. August 1997, 19 Uhr

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