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An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan von Freitag, 11.7.97 bis Montag, 14.7.97.

Vatikan
Der Vatikan hat erneut zu einem internationalen Schuldenerlaß für die ärmsten Länder der Welt und einen effektiveren Kampf gegen die organisierte Kriminalität aufgerufen. Anlaß ist die Intervention des Sekretärs des Päpstlichen Rates Justitia et Pax, Diarmuid Martin, vor dem Wirtschafts- und Sozialrat der UNO in Genf. Wer als Staat in einem anderen Land investiere, der müsse sicher gehen, daß die Finanzen tätsächlich die gesamte Bevölkerung erreichten. Wirtschaftliche Globalisierung enthebe nicht von der Verantwortung für soziales Wohlergehen. Martin forderte außerdem eine deutlichere Einschränkung der militärischen Ausgaben. Abrüstung könne zur politischen Entspannung ebenso beitragen wie zu einem Neubeginn einer guten wirtschaftlichen Entwicklung.

Vatikan
Papst Johannes Paul II. hat im Anschluß an das sonntägliche Angelusgebet den Mord an dem spanischen Politiker Miguel Angel Blanco Garrido energisch verurteilt. Der Mord eines Unschuldigen könne nie gerechtfertigt werden. Der Papst wünschte Spanien Mut und Ausdauer auf dem Weg zu einem Zusammenleben in Frieden. Er versprach der Familie des Samstag Nacht Ermordeten sein Gebet.

Vatikan
Papst Johannes Paul II. hat dem zum Tode verurteilten US-Amerikaner Josef O'Dell durch seinen Pressesprecher mitteilen lassen, daß er für ihn bete. Er sei ihm gerade jetzt in diesen Tagen vor seiner Hinrichtung am 23. Juli besonders nahe. Er wolle nicht in der Rechtsfrage mitdiskutieren, aber Gott allein habe das Recht über Leben und Tod eines Menschen zu bestimmen.

Deutschland
Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend und das Kindermissionswerk haben in der "Aktion Dreikönigssingen" zu Beginn dieses Jahres über 48 Millionen Mark gesammelt. Damit steigerten sie das Ergebnis des Vorjahres um 2,6 Millionen Mark. Circa 2500 Projekte werden mit dem Geld unterstützt, erklärte am 11. Juli das Kindermissionswerk in Aachen.

Deutschland
Kardinal Josef Ratzinger hat am 13. Juli bei einem Gottesdienst in seiner Heimatstadt Marktl am Inn vor Nationalismus gewarnt. Die Nation sei zwar ein Wert, dürfe aber nicht absolut genommen werden. Außerdem warnte der Kardinal die deutschen Katholiken vor religiöser Eigenbrötelei. Sie sollten froh sein, daß sie im Papst ein sichtbares Zeichen der Einheit hätten. Auch könne das persönliche Gewissen nicht als letztgültige Instanz angesehen werden. Am Sonntag Abend erhielt Ratzinger die Ehrenbürgerwürde von Marktl, wo er im Jahr 1927 geboren wurde.

Deutschland
Seit 14. Juli findet in Hamburg der 5. Internationale Kongress über Erwachsenenbildung statt. Grundgedanke der von der UNESCO veranstalteten Konferenz ist es, während des ganzen Lebens kontinuierlich zu lernen. Mit diesem Thema befassen sich die Delegierten, unter denen auch der ständige Beobachter des Vatikans bei der UNESCO ist, während der kommenden Tage.

Schweiz
Erstmals wird in dem Alpenstaat eine landesweite Kampagne gegen Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit durchgeführt. Verschiedene Organisationen einigten sich auf eine gemeinsame Strategie. Einer der Verantwortlichen erklärte gegenüber der Presse, Rassismus sei wie eine Droge, die einem das Gefühl der Überlegenheit gebe. Einer solchen Einstellung müßten Staat, Gesellschaft und Kirche entgegenwirken.

Frankreich
Die katholische Kirche des Landes will sich bei Juden und Protestanten für jahrhundertelange Verfolgungen entschuldigen. Der Akt findet im Vorfeld des Papstbesuches in Paris im August statt. Die Bitte um Vergebung entspricht den Vatikanrichtlinien von 1994, die Katholiken dazu auffordern, sich mit anderen religiösen Gruppen zu versöhnen. Dabei geht es vor allem um die Intoleranz und Gleichgültigkeit der Kirche, unter der andere Glaubensgruppierungen gelitten haben. Der Erzbischof von Paris, Kardinal Jean-Marie Lustiger, erklärte am 10. Juli gegenüber Journalisten, daß eine Versöhnungsmesse für den 19. August geplant sei, einen Tag vor dem Weltjugendtag.

Großbritannien
Am 11. Juli hat in York die Synode der anglikanischen Kirche ihre Arbeit aufgenommen. Bei dem Treffen, bei dem Geistliche und Laien anwesend sind, werden Themen wie künstliche Befruchtung, Sexualität, und die zunehmende Gewalt in den Medien diskutiert. Mit dabei ist auch der anglikanische Bischof von Liverpool, in einem Beitrag in Bezug auf das Problem der Arbeitslosigkeit, die als grosse Herausforderung für die jetzige Regierung und die Gesellschaft gilt, zu neuen Handlungsmustern aufgerufen hat.

Großbritannien
Die anglikanische Kirche soll sich in ihren Finanzinvestitionen strenger an ethische Regeln halten. Dies wurde am 12. Juli auf der derzeit in York tagenden Synode gefordert. Die Kirche investiert nur in folgenen Bereichen nicht: Waffen und Unterhaltung, Alkohol und Tabak, sowie Medien. In Zukunft soll stärker auf die Tätigkeiten einzelner Unternehmen geachtet werden. Die anglikanische Kirche hat rund 5 Milliarden Dollar investiert.

Bosnien-Hercegovina
Der Erzbischof von Sarajevo, Kardinal Vinko Puljic ist mit dem Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Pavle zusammengetroffen. Das Treffen fand am 9. Juli in Belgrad statt. Kardinal Puljic beschrieb danach die Gespräche mit dem Patriarchen als "sehr offen" und "sehr herzlich". Dort, wo die beiden Glaubensgemeinschaften zusammenleben, müßten sie vor allem nach Frieden und Vertrauen suchen und ihre Unterschiede achten.

Griechenland
Die orthodoxe Kirche des Landes hat sich am 12. Juli erneut gegen das Schengener Abkommen ausgesprochen. An einer Demonstration in den Straßen von Athen nahmen mehrere hundert Gläubige teil. Die Freizügigkeit des Schengener Vertrages treibe das Böse in die Welt, erklärte ein Kirchenvertreter wörtlich. Satanische Symbole und Zahlenkombinationen, die in dem Vertragswerk angeblich auftauchen, würden den europäischen Kontinent gefährden.

Israel
Der Führer der libanesischen Hisbolla-Miliz, Hassan Nasrallah, hat am 10. Juli die Palestinenser zu weiteren Selbstmordattentaten in Israel aufgerufen. Gegen die Autoren des antiislamischen Manifestes, das Ende Juni in Hebron verbreitet worden war, äußerte er zugleich Morddrohungen.

Israel
Palästinenserpräsident Jassir Arafat hat einer Delegation der weißrussischen orthodoxen Kirche versprochen, den Fall des Klosters in Hebron zu untersuchen. Vor einigen Tagen waren die Geistlichen durch palästinensische Polizeikräfte von dort vertrieben worden, um der russisch-orthodoxen Kirche von Moskau die Örtlichkeiten zu übergeben. Der Berater Arafats für christliche Fragen erklärte jetzt, daß nun die Besitzrechte, auf die beide Kirchen Anspruch erheben, geprüft würden. Auch habe der Palästinenserführer die Anwendung von Gewalt bei der Übergabe des Klosters bestritten.

Israel
Orthodoxe Jüdinnen müssen in den Stadtbussen künftig hinten sitzen. Wie das israelische Transportministerium jetzt erklärte, werden demnächst in den Jerusalemer und Tel Aviver Wohnvierteln Busse mit zwei Abteilen eingesetzt.

Indien
Der Redemptorist Thomas Kochery ist jetzt von einer US-amerikansichen Fachorganisation für Meeresschutz ausgezeichnet worden. Er erhält die 15o.ooo Dollar im Oktober für seinen Einsatz zugusnten des traditionellen Fischfangs. Er hatte ein entsprechende Fischer-Organisation gegründet und geleitet.

Thailand
In der künftigen Verfassung wird Buddhismus nicht als Staatsreligion verankert. Das hat die Versammlung, die den Verfassungsentwurf bearbeitet, am 13. Juli beschlossen.
Buddhistische Mönche hatten damit gedroht, keine religiösen Riten mehr zu zelebrieren, falls ihr Glauben nicht zur Staatsreligion erhoben würde. Die verfassungsgebende Versammlung begründete ihre Ablehnung mit den zu befürchtenden konfessionellen Unruhen im Süden des Inselstaates. Dort leben vier Prozent islamischer Thais, deren Anführer für den Fall der Einführung einer Staatsreligion mit Unruhen drohen. Der neue Entwurf enthält nun bewußt keinen Verweis auf eine Staatsreligion.

Taiwan
Die Verfassungsreform, die Politiker in Taipeh durchsetzen wollen, ist zu einem Machtkampf geworden. Sie gefährde die Demokratie der Insel. Das erklärte jetzt der Präsident der taiwanesischen Bischofskonferenz gegenüber einer Nachrichtenagentur. Er betonte, daß eine Verfassungsreform zwar nötig sei, jede Eile dabei aber nur schade.

Tunesien
Fünf Menschenrechtsorganisationen haben am 12. Juli der Regierung in Tunis vorgeworfen, die menschlichen Grundrechte schwer zu verletzen. Die in Paris ansässigen Organisationen erklärten, daß in Tunesien noch immer gefoltert werde. Bis zu 100 Personen seien in den letzten fünf Jahren verschwunden. Das Europäische Parlament in Straßburg solle gegen die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen vorgehen, so die Forderung.

Ägypten
Die Regierung hält das Verbot Mädchen zu beschneiden weiterhin aufrecht. Das erklärte am 11. Juli der Gesundheitsminister in der staatlichen Zeitung Al-Akhbar. Ein Gericht hatte das Verbot erst kürzlich wieder aufgehoben. Die ägyptische Regierung werde gegen dieses Urteil in der nächsthöheren Instanz vorgehen. Es sei eine Beleidigung der Religion, den Islam mit der Sitte der Beschneidung in Zusammenhang zu bringen.

Ägypten
Zum Auftakt einer internationalen Konferenz "Der Islam und der Westen", an dem zahlreiche Vertreter des Christentums teilnehmen, hat Ägyptens Staatspräsident Hosni Mubarak am 13. Juli zu mehr Toleranz aufgerufen. Der Islam dürfe von anderen Religionen nicht nur negativ gesehen werden. Fundamentalistische Tendenzen seien eine Minderheit, so Mubarak in Kairo. Rund eine Woche nehmen Delegierte aus 85 Staaten an den Gesprächen teil, darunter auch das Oberhaupt der Koptischen Kirche und Vatikanvertreter.

Elfenbeinküste
Wir müssen das Evangelium glaubhaft verkünden, um vor der Welt von morgen ein Zeugnis abgeben zu können. Mit diesem Aufruf hat am 12. Juli der Propräfekt der vatikanischen Kleruskongregation, Erzbischof Castillon Hoyos die Verantwortung der Priester auf dem Weg ins neue Jahrtausend zusammengefaßt. Hoyos sprach beim internationalen Priestertreffens an der Elfenbeinküste, das am 13. Juli mit einer Life-Schaltung zum Angelusgebet des Papstes im Aosta-Tal seinen Abschluß fand. Die Mission und die Neuevangelisierung sei nicht nur eine Frage der Öffentlichkeitsarbeit und des Marketings, sondern müsse die Grundprinzipien priesterlichen Handelns bestimmen, so Hoyos wörtlich.

Kenia
Am 12. Juli ist der charismatische muslimische Führer, Scheich Chalid Balala aus Frankfurt kommend in Nairobi eingetoffen. Er wurde von seinen Anhängern mit Jubel begrüßt. Er arbeitet zusammen mit Christen und Muslimen, sowie vielen Menschenrechtskämpfern für eine Verfassungsreform vor den nächsten Wahlen. Präsident Arap Moi möchte sich ein fünftes Mal durch Wahlen bestätigen lassen. Auch die katholische Kirche hat wiederholt grundlegende Reformen in Kenia verlangt.

Kenia
Der anglikanische Erzbischof, David Gitari, hat am 13. Juli Präsident Arap Moi von der Kanzel herunter angegriffen. In der überfüllten Allerheiligen-Kathedrale sagte Gitari wörtlich über das kenianische Staatoberhaupt: "Du bist gewogen und für zu leicht befunden worden." Weiter führte er aus, daß man Herrschern nur so lange gehorchen müsse, wie sie nicht die Rechte ihres Volkes verletzten.

Kenia
Tausende von steinewerfenden Studenten haben am 14. Juli das Straßenbild Nairobis Straßen beherrscht. Sie forderten Verfassungsreformen noch vor den nächsten Parlamentswahlen im Herbst. Bei den Unruhen kam es zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei, die mit Tränengas vorging um die Studenten auf das Universitätsgelände zurückzudrängen.

Mexiko
Die Politiker müssen es endlich lernen, im Interesse der Gesellschaft, zusammenzuarbeiten. Das hat jetzt der Sekretär der mexikanischen Bischofskonferenz, im Hinblick auf die jüngste Wahlniederlage der bisherigen Regierungspartei erklärt. Alle Parteien könnten aus den Wahlergebnissen genau sehen, was sich die Mexikaner für die Zukunft wünschen: nicht die Vorherrschaft einer Großpartei, sondern die Zusammenarbeit aller Parteien zum Wohl des Volkes.

Kuba
Am 12. Juli sind die sterblichen Überreste des Sozial-Revolutionärs Ernesto Che Guevara und einiger Gefährten von Bolivien nach Havanna überführt worden. Sie waren 1967 in dem lateinamerikanischen Andenstaat im Guerilla-Kampf umgekommen.

Vereinte Nationen
Am 11. Juli begingen die Vereinten Nationen zum zehnten Mal den Weltbevölkerungstag. Auf der Erde leben derzeit 5,8 Milliarden Menschen. Die UNO meldete, daß die Wachstumsrate um einige Prozentpunkte geringer als erwartet ausgefallen sei. Trotzdem wird sich die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 fast verdoppelt haben.

Hinweise auf unser Wochenprogramm:
Dienstag:
Radioakademie: "Neid zerfrißt Meschlichkeit" von Corinna Mühlstedt
Mittwoch:
Römische Woche: Globalisierung wohin? Anmerkungen zur Intervention des Vatikan bei der Wirtschafts- und Sozialkommission der Vereinten Nationen. - Schlaglichter 2000 - Summerschool an der Päpstlichen Sternwarte.
Donnerstag:
Kreuz-Feuer, Kirche wo es kritisch wird. Thema heute: Das gemeinsame Papier der beiden Kirchen in Deutschland zu Flüchtlings- und Migrationsfragen. Dazu historische Hintergründe zum Kirchenasyl, Gesprächspartner der Bundesregierung und der deutschen Kirche.

Man hört Radio Vatikan:
täglich 6.20, 16.00 und 20.00 Uhr
auf Mittelwelle 1530 kHz und auf den
Kurzwellen-Frequenzen: 5880, 7250, 9645 kHz
Über Radio Campanile. Im Kabel und auf Tonunterträger von DSF um 16.15 Uhr 19.10 Uhr

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Nächste Zusammenfassung der wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan Nachrichten: Montag, 17. Juli 1997, 19 Uhr

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