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An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan von Freitag, 6.6.97 bis Montag, 9.6.97

Am Sonntag, den 8. Juni hat Papst Johannes Paul II. in Krakau die selige Königin Hedwig von Polen heilig gesprochen. Die Herrscherin hatte sich im 14. Jahrhunder besonders durch soziales Engagement, diplomatisches Geschick und geistige Interessen ausgezeichnet. Bald nach ihrem Tod im Jahr 1399 wurde sie vom Volk als Heilige verehrt. Im Jahr 1979 erklärte der Papst offiziell, daß sie als Selige verehrt werden darf. Nun soll sie von der gesamten Weltkirche als Heilige verehrt werden. An der Messe nahme mehr als eine Million Gläubige teil. Der Papst unterstrich in seiner Predigt auch ihre Bedeutung für ganz Europa. Sie habe erkannt, daß Staat und Kirche für ihre Vollständigkeit auch eine Universität brauchen. Bei einem anschließenden Festvortrag in der Krakauer Jagellonen-Universität legte der Papst die Begründung für seine These vor, in der Universität gehe es um die Wahrheit, der der Mensch sich beugen müsse. Die Gefahr der heutigen Wissenschaft sei eine falsches Menschenbild, nach dem der Mensch nicht mehr Subjekt der Wissenschaft ist, sondern nur noch das Meterial. Der Papst warnte vor allem vor einem falschen Gebrauch der Bio-Medizin. Am Vortag hatte der Papst in dem Kurort Zakopane eine Kirche eingeweiht, wobei er an das große Engagement der polnischen Katholiken für den Kirchbau erinnerte. Wichtiger als die Gebäude sei aber der Bau der Kirche als Gemeinschaft derer, die an Christus glauben. Am Samstag Abend betet der Papst mit Gläubigen das Rosenkranzgebet, das später von Radio Vatikan ausgestrahlt wurde. Am Montag, 9. Juni, besuchte der Papst die Warschauer Kathedrale, feierte in ihrer Krypta zum Gedenken an seine erste Messe vor 50 Jahren die Eucharistie und besuchte anschließend das Grab seiner Eltern auf einem Krakauer Friedhof. Beim Besuch eines neuen Krankenhauses für Herzchirurgie erinnerte er die Mediziner daran, daß es ihnen immer an erster Stelle um den Menschen und nicht die Wissenschaft gehen müsse.

Vatikan
Papst Johannes Paul II. wird am Mittwoch, den 11. Juni keine Generalaudienz auf dem Petersplatz abhalten. Nach der Rückkehr von seiner Polenreise müsse er sich erholen, hieß es aus der Präfektur des päpstlichen Hauses.

Vatikan
Pressemitteilungen zufolge hat der Sekretär der Glaubenskongregation Tarcisio Bertone eine Enzyklika über den Gebrauch des Geldes und den Wucher gefordert. Nach den Angaben einer italienischen Agentur nahm Bertone die Vorstellung eines Buches über unlautere Verdienste in Florenz zum Anlaß, seine Forderung zu äußern. Das Thema des Kredits sei heute um so dramatischer, als es die Außenverschuldung ganzer Staaten betreffe.

Vatikan
Wie kann die hohe Verschuldung von sogenannten Dritt-Welt-Ländern verringert werden? Diese Frage wird seit 9. Juni auf einer Fachtagung hinter verschlossenen Türen im Vatikan diskutiert. Eingeladen hat dazu der Päpstliche Rat Justitia et Pax. Mit dabei sind unter anderem der Generaldirektor der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds, sowie Vertreter der lateinamerikanischen Bischofskonferenz. Wie der Präsident des Rates, Kardinal Roger Etchegaray, erklärte, wolle man bei der Begegnung über eine moderne Wirtschaft, die politische Demokratisierung und eine verbesserte soziale Gerechtigkeit sprechen.

Deutschland
Die Innenminister haben am Freitag die Überwachung von Scientology durch den Bundesnachrichtendienst beschlossen. Sie folgten damit der Empfehlung der Sekten-Kommission, die die Organisation angeklagt hatte, totalitäre Grundsätze zu verfolgen.

Österreich
Mehrere Zeitungen des Landes haben am 6. Juni berichtet, Bischof Reinhold Stecher von Innsbruck habe dem päpstlichen Nuntius in Wien geschrieben und darum gebeten, daß sein Nachfolger ein Vertrauensmann der jetzigen Diözesanleitung werden soll. Angeblich habe Bischof Stecher sonst mit seinem Rücktritt gedroht. Den Pressemeldungen zufolge hält Bischof Stecher den Dekan der Stadt Hall, Ernst Jäger für den geeignetsten Nachfolger. Er sei auch von der überwiegenden Mehrheit der von ihm befragten Priester und Laien als idealer Nachfolger genannt worden. In einem vertraulichen Schreiben an Nuntius Renato Squicciarini, das jetzt durch Indiskretion bekannt wurde, fragt Bischof Stecher, warum man einen Mann von außerhalb der Diözese suche, wenn es einen geeigneten Seelsorger der Diözese gibt. Der aus der Steiermark stammende und in Bayern dozierende Salesianer Alois Kothgasser erklärte in einem Zeitungsinterview, auf ihn sei bisher niemand zugekommen, um ihn zum Bischof von Innsbruck zu machen. Er wird nämlich als Hauptkandidat für die Stecher-Nachfolge genannt. Stecher verdeutlichte, es gehe ihm darum, daß die Ortskirche Gehör finden solle. Er sei gegen keinen Kandidaten. Der Bischof von St. Pölten, Kurt Krenn erklärte gegenüber der Presse, er schätze seinen Innsbrucker Kollegen Stecher sehr und würde es bedauern, wenn er frühzeitig sein Amt niederlegen würde. Der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Johann Weber meinte, er habe Stechers Erklärungen nichts hinzuzufügen. Nuntius Squicciarini hat sich zu dem ganzen Vorgang nicht geäußert. Bischof Stecher hatte schon vor mehr als einem Jahr eine vertrauliche Umfrage unter Laien und Priestern seiner Diözese über einen geeigneten Nachfolger gemacht und das gesamte Material nach Rom gesandt.

Österreich
In Innsbruck ist am 8. Juni ein Mahnmal zur Reichskristallnacht vom 9. November 1938 enthüllt worden. Damals wurde die Synagoge der Tiroler Hauptstadt von den Nationalsozialisten zerstört. Viele Menschen kamen dabei ums Leben. Das Denkmal wurde vom österreichischen Großrabbiner Paul Chaim Eisenberg in Anwesenheit des Innsbrucker Bischofs Reinhold Stecher eingeweiht.

Ungarn
Im diesem Monat wird das Abkommen zwischen der Regierung und dem Vatikan über Kirchenfinanzierung unterzeichnet. Im Vorfeld der Entscheidung war es zu Kontroversen innerhalb der Regierungskoalition gekommen. Die Freien Demokraten hatten die Besorgnis geäußert, daß die Auswahl einer einzigen Religion für staatliche Unterstützung verfassungswidrig sei.

Israel
Palästinenserpräsident Yassir Arafat hat sich in einem Interview gegen Selbstjustiz ausgesprochen. Er bezog sich damit auf die Hinrichtung dreier Araber durch Unbekannte. Diese waren nach der Äußerung des seit 4. Mai amtierenden Justizministers geschehen, der gesagt hatte, "jeder, der Land an Israelis verkauft, würde hingerichtet". Arafat erklärte, wenn die Verantwortlichen gefunden würden, müßten sie inhaftiert werden.

Libanon
Am 10. Juni beginnt in Beirut der erste Kongreß der katholischen Laien des Nahen Ostens. Bei dem Treffen, das bis zum 14. Juni dauert, wollen die rund 100 Teilnehmer übr ihre Identität als Gläubige und ihren Missionsauftrag reflektieren.

Rußland
Zur Vorbereitung eines Treffen zwischen Patriarch Alexi II. von Moskau und Johannes Paul II. haben Gespräche stattgefunden. Das hat ein Sprecher der russisch-orthodoxen Kirche erklärt. Danach sind beide Seiten zu dieser historischen Begegnung bereit, die voraussichtlich am 21. Juni in Wien stattfinden wird. Trotz der Absage des ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, an diesem Treffen teilzunehmen, äußerten jetzt laut Pressemeldungen österreichische Kirchenkreise erneut die Hoffnung, daß Bartholomaios I. doch noch nach Wien kommen werden.

Rußland
Der Streit um eine Verschärfung des russischen Religionsgesetzes ist jetzt in die nächste Runde gegangen. Nach Informationen eines Mitglieds der Duma für Religionsfragen, wolle eine Kommission einen Gesetzesvorschlag durchbringen, der starke Restriktionen gegen religiöse Minderheiten und Sekten beinhalte. Der Vorschlag führe auch zu Einschränkungen für das Wirken der katholischen Kirche.

Rußland
Der Präsident von Klamykien, Kirsan Ilyumzhinov hat dem russischen Patriarch Alexi II. am 6. Juni den "Weiße-Lotus-Orden überreicht. Die Auszeichnung ist eine Würdigung für Alexis herausragenden Beitrag an der spirituellen Wiedererweckung der Republik Kalmykia. Während des offiziellen Besuches sprach der Patriarch seine Freude über das beispielhaft friedliche Zusammenleben von Buddhisten, Orthodoxen und Moslems in der Republik Kalmykien aus.

Ägypten
Das Parlament in Kairo hat ein Gesetz veröffentlicht, das schwere Strafen für den Handel mit menschlichen Organene vorsieht. Dies berichtete am 9. Juni die offizielle Presse. Das Strafmaß beginnt mit fünf Jahren für diejenigen, die in die illegale Organverpflanzung verwickelt sind. Sollte bei der Operation der Patient sterben, ist eine lebenslange Haftstrafe vorgesehen.

Ägypten
Das Oberhaupt der koptischen Christen, Papst Shenouda III., hat ebenfalls zu den palästinensischen Landverkäufen Stellung bezogen. Wie er in einem am 9. Juni veröffentlichten Interview sagte, käme der Verkauf einem Verrat gleich. Allerdings ging er nicht soweit, für die Verantwortlichen die Todesstrafe zu fordern.

Demokratische Republik Kongo
Die Regierung in Kinshasa hat jetzt mögliche Tötungen von Flüchtlingen im Feuerwechsel während des Bügerkrieges zugegeben. Die neuen Machthaber hoffen, ausländische Geldgeber gütlich zu stimmen, indem sie von der ursprünglichen Version abrücken, daß es nie zu Massakern unter Flüchtlingen gekommen sei. Agenturangaben zufolge kam es zu dem Eingeständnis im Vorfeld des für 6. Juni angesetzten Besuches amerikanischer Unterhändler.

Argentinien
Die Anschuldigungen gegenüber Kurienkardinal Pio Laghi können nicht ernst genommen werden. Damit verteidigt die Jesuiten-Zeitschrift Civilta Cattolica in ihrer jüngsten Ausgabe den Kardinal gegenüber Behauptungen aus Argentinien, wonach Laghi während seiner Zeit als Nuntius von politischer Folter gewußt habe. Die Mütter von der Plaza de Mayo hatten sich im Mai an das italienische Justizministerium mit der Bitte gewandt, den Präfekten der Kongregation für das Bildungswesen unter Anklage zu stellen. In ihrer Juniausgabe erläutert die Zeitschrift, daß die Beschuldigungen auf sich widersprechenden und falsch interpretierten Zeugenaussagen beruhten.

Vereinigte Staaten
Am 5. Juni hat der ständige Beobachter des apostolischen Stuhls bei den Vereinten Nationen, Erzbischof Renato Martino, in New York die Preise der Gesellschaft "Weg für das Leben" vergeben. Unter anderen wurde die ehemalige Präsidentin Nicaraguas, Violeta Chamorro ausgezeichnet.

Vereinigte Staaten
Nach Auffassung der staatlichen Bioethik-Kommission ist das Klonen von Menschen gegenwärtig moralisch unakzeptabel. In den am 8. Juni veröffentlichten Empfehlungen der Kommission heißt es, der Versuch, ein Kind durch Klonen zu erzeugen, wäre unverantwortlich, unethisch und unprofessionell. Die jetzigen Klonierungstechniken seien zu unsicher. Ein Klonen zu Forschungszwecken ist nach Auffassung der Bioethik-Kommission allerdings nicht ausgeschlossen.

Hinweise auf das Wochenprogramm von Radio Vatikan
Dienstag, 10.6.97 bis Sonntag, 15.6.97
Dienstag:
Berichte vom letzten Tag der Papstreise in Polen.
Mittwoch: Römische Woche: Kommentar zur Reise von Papst Johannes Paul II. in Polen. - "Entschuldung in der Dritten Welt", eine Fachtagung des Päpstlichen Rates Justitia et Pax. - Vorstellung Rom-Buch - Interview mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Teufel zu seinem Vatikanbesuch.
Donnerstag: Jugendmagazin: Die neue Shell-Jugendstudie. - Das Hamburger Drogenprojekt. - Gespräch mit der neuen BDKJ-Vorsitzenden. - Sommer-Akademie in der Sternwarte des Vatikan.
Freitag: Prisma-Magazin: Perspektiven weltweit? Treffen der Fair-Handels-Szene in Tutzing. - Religionsunterricht wohin? Exklusivgespräch mit der Kultusministerin von Baden-Württemberg, Annette Schavan. - Libanon: Laientreffen für den Frieden. Ein Bericht. - Vereinte Nationen: Der Weltbericht zur Entwicklung der Menschheit 1997 ist vorgestellt worden. Daten und Hintergründe.
Samstag: Kommentar der Woche von Erzbischof Alois Wagner, Rom Betrachtung zum Sonntag von Erwin Albrecht, Eichstätt
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