Verehrte Internet-Nutzer, an dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan vom 30.5. bis 2.6.97

Polen

Papst Johannes Paul II. hat am 31. Mai seine sechste Pastoralreise nach Polen begonnen.

Am Sonntag beendete er in Breslau den 46. Eucharistischen Weltkongress und betonte in seiner Predigt, daß die Eucharistie den Menschen zur Freiheit führe. Freiheit sei aber nicht Beliebigkeit, sondern freiwillige Bindung an Werte. Der Papst bezeichnete es als eine Skandal, daß Millionen Menschen und vor allem Kinder heute noch Hunger leiden und sterben. Die Menschheit habe eine große Verpflichtung den Hunger zu besiegen, denn die Erde könne durchaus alle Menschen ernähren. Zur Eucharistiefeier im Herzen von Breslau waren etwa 200000 Gläubige gekommen. Sie bereiteten dem Papst einen stürmischen Empfang und applaudierten auch, wenn er die polnische Staatführung indirekt kritisierte. Er wies den Vorwurf der liberalen Regierung zurück, die Kirche habe Angst vor der Freiheit. Im Gegenteil sei sie eine Hüterin der Freiheit.

Am Montag feierte der Papst im nahegelegenen Liegnitz die Eucharistie und erinnerte besonders an die nationalsozialistischen und kommunistischen Straflager in der Gegend. Einige ehemalige Häftlinge waren auch unter den Gottesdienstteilnehmern.

Anschließend flog der Papst nach Gorzów, das ehemalige Landsberg. Hier erinnerte er an das Martyrium der fünf "Polnischen Brüder", die kurz nach dem Martyrium des Hl. Adalbert des Glaubens wegen ermordet worden waren.

Am Dienstag, 3. Juni, fand in Gnesen die große 1000-Jahr-Feier zur Ehren des Hl. Adalbert statt. Dazu waren auch sieben europäische Staatpräsidenten gekommen, unter ihnen Präsident Roman Herzog. Die Staatsoberhäupter kamen aus den Ländern, die der Hl. Adalbert vor mehr als 1000 Jahren zu missionieren versucht hatte. Hier unterstrich der Papst mit außergewöhnlichem Nachdruck, daß es ein Europa ohne verbindlichen Bezug zum Christentum nicht geben könne. Ohne Christus könne man die Einheit Europas nicht schaffen. Nachdem die Mauern gefallen seien, gelte es nun, die Mauer in den Herzen niederzureißen. Sie bestünden aus Angst und Agression, Ablehnung fremder Menschen und Verachtung des Lebens.

 

Österreich

Der orthodoxer Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I. hat seinen offiziellen Besuch in Graz zur 2. Europäischen Ökumenischen Versammlung abgesagt. Bartholomaios hatte gehofft, an der Begegnung zwischen Papst Johannes Paul II. und dem orthodoxen Patriarchen von Moskau, Alexi II. teilzunehmen. Grund für die Absage ist nach Angaben aus Wiener Kirchenkreisen, die Tatsache, daß Johannes Paul ein Zusammentreffen mit Alexi II. in Österreich akzeptiert, die Teilnahme des Patriarchen von Konstantinopel bei der Begegnung jedoch abgelehnt hat.

 

Rußland

Der Patriarch Alexi II. hat seinen Österreich-Besuch für Ende Juni am Freitag bestätigt. Die geplante Österreich-Reise Alexis werde durch die Absage des Besuchs des ökumenischen Patriarchen nicht beeinflußt, so ein Sprecher des Moskauer Patriarchats. Für den Moskauer Patriarchen sei die Teilnahme an der 2. Europäischen Ökumenischen Versammlung das Wichtigste überhaupt.

 

Russland

Präsident Boris Jelzin hat die Bedeutung der religiösen Gemeinschaften für ein harmonisches Zusammenleben der verschiedenen Völkerstämme in Rußland unterstrichen. Bei einer Sitzung des Rates für die Beziehungen zwischen den Religionsgemeinschaften in Moskau, wurde gestern die Notwendigkeit eines konstruktiven Dialogs zwischen Staat und Kirche betont. Im Hinblick auf die schwierige Situation im Kaukasus würdigte die Versammlung besonders die Dialogbemühungen zwischen orthodoxen Christen und Muslimen.

 

Ukraine

Die vergoldete Kuppel der Verkündigungskathedrale in der Stadt Kharkiv ist am Montag durch einen Brand zerstört worden. Agenturangaben zufolge brach das Feuer am späten Montag aus und konnte erst nach drei Stunden gelöscht werden. Die Feuerwehr verdächtigt Handwerker, die in einem Raum unterhalb der Kuppel arbeiteten, durch mangelnde Sicherheitsmaßnahmen das Feuer ausgelöst zu haben.

 

Bolivien

Die Kirche des Landes hat zu einer genauen Überprüfung der Parteien aufgefordert, die sich am kommenden Sonntag zur Wahl stellen. Der Weihbischof von La Paz verurteilte in seiner Fronleichnamspredigt die Gewalt, die Suche nach Revanche und andere unterschwellige Symptome der Rache, die während des Wahlkampfs das Bild beherrschten. Er äußerte die Hoffnung, daß die sich zur Wahl stellenden Politiker nicht der Versuchung zur Rivalität, Beleidigung der Person und der Entwürdigung der Demokratie erliegen mögen.

 

Brasilien

Die Kirche Brasiliens hat die baldige Heiligsprechung des italienischen Kapuziners Damiano de Bozzano gefordert, der am Samstag im Alter von 98 Jahren in Recife verstarb. Präsident Cardoso rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Damit solle die jahrzehntelange Arbeit des Paters für die Armen gewürdigt werden. Für viele Gläubige galt Pater Damiano schon zu Lebzeiten als Heiliger. Der Erzbischof von Petrolina gab bekannt, daß man beim Vatikan umgehend die Erlaubnis zu seiner Kanonisierung einholen werde.

 

Brasilien

Die katholische Kirche hat der Regierung rund 9o.ooo Hektar Land aus Kirchenbesitz zur Verteilung an landlose Familien angeboten. Nach Angaben der Zeitschift "O Globe" könnten 3500 Familien darauf angesiedelt werden. Dieses Angebot ist ein weiterer Versuch der Kirche, die Regierung zu einer Beschleunigung der jahrzehntlang verschleppten Agrarreform zu bewegen und so die Situation der 4 Millionen Landlosen zu verbessern.

 

Brasilien

Die bischöfliche Kommission "Gerechtigkeit und Frieden" organisiert eine breit angelegte Kampagne gegen Korruption bei Wahlen. Ziel der Aktion ist es, die öffentliche Meinung im Hinblick auf das Thema zu sensibilisieren. Die Aktion soll in zwei Schritten verlaufen: im Rahmen einer Untersuchung bekommen die Diözesen einen Fragebogen über Wahlkorruption. Die Auswertung der Ergebnisse sollen später zu einem Vorschlag über eine Wahlgesetzreform genutzt werden.

 

Uruguay

Die katholische Kirche des Landes hat Militärangehörigen, die Informationen über den Verbleib von Verschwundenen geben, die vertrauliche Behandlung ihrer Angaben angeboten. Dabei geht es nicht um das Beichtgeheimnis, sondern darum, professionell die Anonymität der Informanten zu wahren. Noch immer fehlt jede Spur von 35 Personen, die während der Diktatur zwischen 1973 und 1985 verschwanden. Von offizieller Seite werden keinerlei Untersuchungen mehr angestellt. Ein Referendum entschied nämlich 1986, daß Angehörige von Militär und Polizei, die zu Zeiten der Diktatur an Menschenrechtsverletzungen beteiligt waren, rechtlich nicht verfolgt werden können. Bischof Pablo Galimberti, der die Vermittlerrolle der Kirche vorschlug, ist überzeugt, daß die noch offenen Fälle gelöst werden müssen. Es gebe eine soziale Schuld, die eingelöst werden müsse. Die Vergangenheit könne nicht völlig vergessen werden. Das Angebot der Kirche, das im vergangenen Monat von der Bischofskonferenz beraten wurde, solle den Hinterbliebenen die Möglichkeit geben, die Gräber ihrer Angehörigen ausfindig zu machen. Wenn der Vorschlag angenommen wird, könnte er zu einen Durchbruch im nach 12 Jahren immer heftiger werdenden Streit um die Verschwundenen führen.

 

Hong Kong

Vertreter der katholischen Kirche haben sich Ende letzten Monats zu einem geheimen Besuch in Peking aufgehalten, um mit der dortigen Regierung über die Zukunft der Kirche nach Übergabe der britischen Kronkolonie an China zu beraten. Nach Angaben einer Hong Konger Zeitung erklärten die Kirchenvertreter, die offenen und freundlichen Gespräche hätten ihr Vertrauen gestärkt. Peking habe versprochen, die Religion unter anderen Aspekten des Hong Konger Lebens zu respektieren.

 

Philippinen

Die katholische Kirche der Inselrepublik möchte sich für die Evangelisierung auch der Massenmedien bedienen. Bisher gibt es auf den Philippinen zwar nur ein vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Oscar Cruz, herausgegebenes, alle zwei Wochen erscheinendes Informationsblatt. Das soll aber künftig anders werden. Wenn es auch nicht gleich zu einer katholischen Tageszeitung reicht, will man es zumindest zu einer im ganzen Land verbreiteten Wochenzeitschrift bringen.

 

Burma

Gegner des herrschenden Militärregimes von Burma haben die am Montag getroffene Entscheidung der ASEAN-Staaten, das Land als Mitglied aufzunehmen, heftig verurteilt. Sie verwiesen auf die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen, durch die nach wie vor alle demokratischen Strömungen im Land unterdrückt würden. Auch die Vereinigten Staaten hatten sich aus diesem Grund gegen die Aufnahme ausgesprochen.

 

Kenya

Kirche und Opposition haben zum Protest gegen die jährliche öffentliche Rede des Präsidenten Arap Moi aufgerufen. Nachdem es im Vorfeld der Staatsfeier zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam, zogen sich Teile der Kirche vom Protestaufruf zurück. Vier führende Oppositionsvertreter wurden von der Polizei unter Hausarrest gestellt.

 

Hinweise auf das Wochenprogramm von Radio Vatikan

Man hört Radio Vatikan täglich 6.2o, 16.oo und 2o.2o Uhr auf Mittelwelle 1530 kHz und Kurzwellen-Frequenzen: 5880, 7250, 9645 kHz und über Radio Campanile (Im Kabel und auf Tonunterträger von DSF um 16.15 und 19.1o Uhr

 

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