Liebe Internet-Leser! An dieser Stelle finden Sie die Nachrichtenaus der Weltkirche von Radio Vatikan (20. bis 22. Mai 1997)

Vatikan

Priester, die den Versuch einer zivilen Eheschließung gemacht haben, sind nach dem Kirchenrecht ihrer priesterlichen Vollmachten enthoben. Das geht aus einer am 20. Mai veröffentlichten Erklärung des Päpstlichen Rates für die Interpretation der Gesetzestexte hervor. Nach versuchter Eheschließung eines Priesters folgt automatisch die Enthebung aus den priesterlichen Vollmachten. Die Erkärung betont aber, daß solche Priester in Todesgefahr das Buß- oder Sterbesakrament spenden dürfen.

Vatikan

Kirche spielt beim Friedensprozeß im Nahen Osten eine wichtige Rolle. Das hat Suha Arafat, die Frau von Palästinenserpräsident Jassir Arafat, in einem Gespräch mit unserer Abteilung erklärt. Sie befindet sich anläßlich einer Preisverleihung in Rom. Bereits am 21. Mai wurde sie vom Papst in Audienz empfangen. Dabei bat sie ihn um seinen besonderen Schutz für die Christen in der arabischen Welt und Palästina. Die Kirche kann ihrer Ansicht nach großen Einfluß auf den Friedensprozeß nehmen, wenn sie Grundstücksverkäufe in Israel verhindert. Vor allem beim Siedlungsbau in der Nähe von Kirchen und anderen religiös wichtigen Orten, müsse die Kirche sehr hart sein. Frau Arafat ist Christin aus Bethlehem und betonte, sie gehe auch nach ihrer Heirat mit Jassir Arafat weiter in die Kirche. Moslems und Christen bildeten ein Volk, das brüderlich zusammenlebe, betont sie. Ihr Hauptanliegen sei es, sich in Palästina um religiöse Gemeinschaften und die Rolle der Frau in der dortigen Gesellschaft zu kümmern.

Vatikan

Papst Johannes Paul II. hat Mutter Teresa von Kalkutta in Audienz empfangen. Die 86jährige Nobelpreisträgerin befindet sich in Rom, um am 23. und 24. Mai der Profeß einiger Mitschwestern beizuwohnen.

Vatikan

Der Staat darf gegen die Verweigerung von Grundrechten innerhalb religiöser Sekten aktiv eingreifen. Diese Meinung vertritt der Moraltheologe Gino Concetti in der Zeitung "Osservatore Romano". In dem Artikel geht er auf den Fall zweier Kinder von Zeugen Jehovas ein, die gestorben waren, da die Eltern Bluttransfusionen verweigert hatten. Eine Auslegung der Heiligen Schrift, die unaufhebbare Grundrechte nicht anerkenne, sei objektiv und subjektiv irrig. Der Staat sei verpflichtet, zur Lebensrettung von Patienten aktiv einzuschreiten.

Vatikan

Kurienkardinal Pio Laghi hat erneut Vorwürfe zurückgewiesen, wonach er in seiner Zeit als Nuntius in Argentinien mit der dortigen Militärjunta zusammengearbeitet haben soll. In einer Stellungnahme heißt es, die Beschuldigungen seien diffamierend und entbehrten jeder Grundlage.

Vatikan

Der Reisemarschall des Papstes, Roberto Tucci, hält sich zur Zeit in Havanna auf, um den Kubabesuch Johannes Pauls, der vom 21. bis zum 25. Januar 1998 geplant ist, vorzubereiten. Die Visite war möglich geworden, nachdem Kubas Staatschef Fidel Castro im November vergangenen Jahres Johannes Paul in Rom besucht hatte. Wie der Botschafter Kubas beim Apostolischen Stuhl erklärte, wird der Besuch in Freiheit stattfinden. Auf der Vollversammlung der Bischöfe von Kuba geht es in diesen Tagen neben den Vorbereitungen zur Papstreise auch um Versöhnung und Frieden in der Gesellschaft. Erstmals wurden einige Exilkubaner als Referenten eingeladen. Die Vereinigten Staaten begrüßten die geplante Reise, da der Papst als Sprecher für Frieden und Freiheit einen Wechsel der politishcen Situation auf der Zuckerinsel mit sich bringen könne.

Vatikan

Mit einem Konsistorium hat der Papst die Zulassung der seligen Edith Stein und Hedwig von Polen zur Heiligsprechung bestätigt. Das Konsistorium ist kirchenrechtlicher Bestandteil für die Durchführung der Heiligsprechung, der jetzt nichts mehr im Weg steht.

Vatikan

Der diesjährige Preis "Paul VI." geht an den Gründer der Gemeinschaft "Die Arche", den Franzosen Jean Vanier. 1964 hatte Vanier seine Gruppe als Lebensgemeinschaft geistig behinderter Menschen mit ihren Helfern gegründet. Die Arche ist heute ein Projekt in 26 Ländern.

Tschechische Republik

Die Erzdiözese Prag hat offiziell den Seligsprechungsprozeß für den ehemaligen Prager Erzbischof, Kardinal Josef Beran, eingeleitet. Die Eröffnung des Verfahrens auf diözesaner Ebene gab der Vorsitzende der tschechischen Bischofskonferenz, Kardinal Vlk, jetzt bekannt. Beran erlitt sowohl unter den Nazis, als auch unter der Herrschaft der Kommunisten Verfolgung und starb 1969 im Exil in Rom.

Polen

Die Regierung in Warschau hat eine Intensivierung der Sicherheitsvorkehrungen für den Papstbesuch angekündigt. Nach bekanntgewordenen Störaktionen verschiedener Gruppen wolle man auch die Begleitung von Johannes Paul besser schützen.

Österreich

Zum Gedenken an das bekannteste NS-Opfer des Landes hat in Wien eine Studientagung zu Ehren Franz Jägerstätters stattgefunden. Der Moraltheologe Bernhard Häring erklärte in seinem Vortrag, Jägerstätters gewaltfreier Widerstand und seine "Entfeindungsliebe" durchbrechen das gängige Freund-Feind-Bild.

Großbtritannien

Winston Churchill wußte schon seit 1941 über die Massenmorde an Juden bescheid. Das geht aus Geheimdienstdokumenten hervor, die jetzt veröffentlicht wurden.

Zaire

Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" hat auf das Verschwinden von fast 200.000 Hutuflüchtlingen im Osten des Landes hingewiesen. Der ehemalige Rebellenführer Kabila wirft der Kirche und einigen Agenturen der Vereinten Nationen vor, ihn für Massaker an Tausenden von Hutuflüchtlingen verantwortlich zu machen. Die Rolle der Kirche in Zaire ist dennoch nicht zu unterschätzen. Die Hälfte der Bevölkerung ist katholisch und kirchliche Institutionen waren während der letzten Jahre fast die einzigen, die grundlegende Dienstleistungen wie Krankenhäuser und Schulen garantierten.

Zaire

Die katholischen Bischöfe der Kirchenprovinz Lumbumbashi haben sich bereiterklärt, mit den neuen Machthabern im sozialen Bereich sowie auf den Gebieten Erziehung und Gesundheit zusammenzuarbeiten, wenn das gewünscht werde. Die Bischöfe, die noch auf eine Begegnung mit Kabila warten, drückten gleichzeitig die Hoffnung aus, daß Zaire zur Demokratie zurückfinde.

Algerien

Vor einem Jahr sind die sieben französischen Trappisten von extremistischen Muslimen umgebracht worden. Der Erzbischof von Algier, Henri Teissier, hat anläßlich des Jahrestages eine Messe gefeiert. "Wir sind eine christliche Kirche ohne Gläubigen für ein muslimisches Volk.", faßt Teissier die Lage seiner Gemeinschaft in Algerien zusammen. Er sieht den Missionsauftrag seiner Kirche vor allem im Dialog mit den Andersgläubigen und in der Solidarität mit der Bevölkerung, gleich welcher Konfession. Nach Teissiers Angaben sind die meisten Moslems mit den christlichen Opfern der muslimischen Gewaltakte solidarisch. In der Ermordung der Ordensleute sieht Teissier keinen Grund für die Christen, ihren Missionsauftrag zu verlassen.

China

Trotz oft hoher Gerichtskosten klagt die katholische Kirche heuzutage öfters auf Rückgabe ihres von den Kommunisten beschlagnahmnten Eigentums als in der Vergangenheit. Langwierige Prozesse seien aber die Regel, da die Regierung in Peking wenig Interesse an einer Rückgabe des Eigentums zeigt.

Israel

PLO-Chef Jassir Arafat rechtfertigt die Todesstrafe für Araber, die Land an Juden verkaufen. Er sieht darin eine legitime Verteidigung gegen israelische Landnahme. "Unsere Leute, die der Enteignung ihres Gebietes Nachschub leisten, sind Verräter und wir werden sie dem Gesetz entsprechend verfolgen." Ein palästinensischer Immobilienmakler war in diesem Monat getötet worden, da man ihn verdächtigte, derartige Verkäufe zu tätigen. Der Streit um Land bleibt somit im Zentrum des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern, da letztere ihre zukünftige Hauptstadt gern auf einem Gebiet sähen, das die Juden als Siedlungsgebiet nutzen wollen.

Burma

Die Militärregierung des Landes hat mehrere Mitglieder der Oppositionspartei der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi verhaftet. Das wurde unter Berufung auf Militärkreise bekannt.

Irak

Die Demokratie in dem Golfstaat hat eine Chance. Diese Auffassung hat der Generalvikar der chaldäischen Christen des Landes, Youssef Habbi, im Interview mit einer katholischen Zeitung vertreten. Die einzige Hoffnung für die Zukunft des Landes sei eine Aufhebung des von den Vereinten Nationen verhängten Embargos.

Indonesien

Tausende von Oppositionsanhängern haben am Dienstag heftig gegen das Verbot demonstriert, Wahlveranstaltungen abzuhalten. Sie warfen Steine gegen die Polizei, und zündeten Feuer auf den Strassen an. Mit Tränengas schoß daraufhin die Polizei in die Menge. Am 22. Mai endet in Indonesien der Wahlkampf. Die katholische Bischofskonferenz des Landes hatte schon vor Tagen zum Wahlboykott aufgerufen.

Vereinigte Staaten

Der Senat hat die Gesetzesvorlage zum Verbot von Spätabtreibungen angenommen. Mit 64 zu 63 Stimmen ist das Erbebnis jedoch nicht ausreichend, um das bereits angekündigte Veto von Präsident Bill Clinton zu überstimmen. Mit der jüngsten Abstimmung ist in dem Streit um das Spätabtreibungsgesetz noch kein Ende abzusehen.

Vereinigte Staaten

Durch Fehlplanung und Mißwirtschaft stehen viele Häuser in jüdischen Siedlungen leer. Dieses Ergebnis einer amerikanischen Studie wurde von der israelischen Regierung zurückgewiesen.

Chile

In der Hauptstadt des Landes haben sich Vertreter der katholischen Kirche und mehrerer Regierungen zusammengefunden, um das Problem der Korruption zu erörtern. Bei der Begegnung sollen auch Maßnahmen im Kampf gegen die soziale Ungerechtigkeit und Wirtschaftskrisen erarbeitet werden.

Kolumbien

Die Verhandlungen des Chefs des internatioanlen Roten Kreuzes, Cornelio Sommaruga, mit der Versöhnungskommission über die Auslösugn der 7o Soldaten, die sich noch in der Gewalt der Guerrilleros befinden, haben begonnen. An der Spitze der Kommission zur natioanlen Versöhnung steht ein Vertreter der Kirche. Der Chef der Bischofskonferenz hatte in Medellin angekündigt, daß der Rot-Kreuz-Präsident wegen des Geiseldramas nach Kolumbien kommen werde. Die meisten der Soldaten sind seit 10 Monaten in der Gewalt der Geiselnehmer.

Kolumbien

Amnesty Internationel hat die Regierung des Landes angeklagt, die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen nicht genügend zu schützen. Am 20. Mai waren zwei Mitarbeiter einer jesuitischen Organisation mutmaßlich von einer rechtsextremistischen Todesschwadron ermordet worden.

Kolumbien

Neues Massaker an Landlosen: Paramilitärische Einheiten haben im Norden des Landes mindestens sechs Personen getötet, darunter zwei Minderjährige.

Kolumbien

Das Urteil des Obersten Gerichtshofs, nach dem Euthanasie bei Zustimmung des Patienten für legal erklärt wurde, hat scharfe Kritik hervorgerufen. Ein Kongressmitglied erklärte dazu, die gesetzgebende Versammlung sei durch das Urteil überrascht worden. Die drei in dem Prozess überstimmten Richter äußerten die Überzeugung, daß ihre Kollegen die Grenzen ihrer juristischen Kompetenz überschritten hätten. Die Urteile des Obersten Gerichtshofes können nur durch den Kongress modifiziert werden, in dem eine starke katholische Fraktion alles tun wird, um ein Euthanasiegesetz zu verhindern.

Chile

In Santiago de Chile tagt derzeit ein Seminar über Korruption, an dem Vertreter sowohl der katholischen Kirche als auch mehrerer lateinamerikanischer Regierungen teilnehmen. Ziel der Veranstaltung ist es, Strategien für den Kampf gegen das auf dem Kontinent weit verbreitete Phänomen zu entwickeln. Ein Großteil der wirtschaftlichen Probleme Südamerikas hängt mit der Korruption im öffentlichen und privaten Bereich zusammen. Dies beklagte der Vorsitzende des Rates der lateinamerikanischen Bischofskonferenz, Rodriguez. Ein Hauptproblem, das hinter der Korruption steht, ist der Drogenhandel mit den großen Mengen Geld, die durch ihn bewegt werden, so Rodriguez.

Honduras

Die katholische und evangelische Kirche des Landes sind in einen Streit über die Errichtung eines Christusdenkmals geraten. Der Vorsitzende des Rates der lateinamerikanischen Bischofskonferenzen, Oscar Andres Rodriguez, möchte die 20 meter hohe Statue als Denkmal für 2.000 Jahre Christentum verstanden wissen. Die evangelische Kirche sieht in dem Projekt hingegen eine Bedrohung der in der Verfassung verankerten Religionsfreiheit.

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