Liebe Internet-Nutzer! An dieser Stelle finden Sie die Nachrichten aus der Weltkirche von Radio Vatikan vom 16. bis 19.Mai 1997

Der Kommentar der Woche

von P.Eberhard v.Gemmingen SJ In der vergangenen Woche tagten in der Wiener Hofburg christliche und muslimische Wissenschaftler. Es bewegte sie die Frage, ob und wie ein friedliches Zusammenleben möglich ist. Ein Wort aus dem Schlußbericht unserer Korrespondentin nach der Tagung hat mich besonders bewegt, das ich hier kommentieren möchte. Es hieß: Neben den Menschenrechten müsse eine Charta der Menschenpflichten erstellt werden. Ich gestehe, daß ich noch nie vorher von dieser Idee gehört habe, doch sie fasziniert mich. Denn überall auf der Welt entsprechen sich Rechte und Pflichten. Wenn einer Rechte hat, muß dies andere verpflichten, vor allem den Staat und Gesellschaft, die die Rechte beachten müssen. Konkret sind die Menschenrechte ja von der französischen Revolution verkündet worden - und zwar als Reaktion auf die Unterdrückung durch Könige und Fürsten. Die Bürgerschaft stand auf und forderte Recht auf Rede- und Gedanken- und Pressefreiheit, Recht auf einen legalen Prozess, Recht auf Respekt vor der Menschenwürde. Alle sollten vor dem Gesetz gleich sein. Die Rede war auf jeden Fall nur von Rechten der einzelnen Person, die vorher sträflich verletzt worden waren. Die Kirche schloß sich an mit der Erklärung der Religionsfrheit: Keiner darf zu einer Religion gezwungen werden, keiner darf an der Ausübung seiner Religion gehindert werden. Die Gesellschaft scheint also nur ein Behältnis, in dem Individuen leben, die Rechte haben, von denen man nichts fordern darf. Höchstens noch Steuern. Kein Wunder, daß endlich auch von einer Charta der Menschenpflichten die Rede ist. Denn Gesellschaft und Staat können nur funktionieren, wenn die Personen dem Gemeinwesen gegenüber auch Pflchten haben. Sehr deutlich scheint mir dies, wenn die Volksrepublik China erklärt, sie könne die Menschenrechte im westlichen Sinne nicht annehmen. In China steckt zwar der Kommunismus dahinter, aber ein Körnchen Wahrheit ist dennoch darin verborgen. Individuen haben neben den Rechten z.B. die Pflicht der Solidarität zunächst in ihren Familien, dann im kleinsten Gemeinwesen, in der Region, in der Nation und ind er Völkergemeinschaft. Sie müssen die Güter die Erde teilen und dürfen die Ressourcen nicht so ausbeuten, daß die nächste Generantion leer ausgeht. Sie müssen im Generationvertrag für die Altgewordenen sorgen. Wer nichts für die Altersversorgung anderer beiträgt, hat kein Recht, selbst zu nehmen. Höchste Zeit eine internationale Charta der Menschenpflichten aufzustellen und mit Leben zu erfüllen.

Vatikan

Papst Johannes Paul II. hat am Pfingstsonntag, 18.5. sein sieben-undsiebzigstes Lebensjahr vollendet. Beim Mittagsgebet wurde er auf dem Petersplatz von rund 2o.ooo Gläubigen aus Rom und der ganzen Welt stürmisch begrüßt. Er erinnerte an die zairische Hauptstadt Kinshas und sprach den Wunsch aus, daß der Machtwechsel dort friedlich vor sich gehen möge. Gleichzeitig äußerte er die Hoffnung, daß der Heilige Geist in den verscheidenen Konfliktgebieten der Welt Lösungen zeigen möge. Morgens hatte der Papst eine römische Gemeinde besucht. Anäßlich des Papstgeburtstages veröffentlichte eine Schachzeitung in Italien einen Artikel über den jungen Schachspieler Karol Woytila, der sogar als Student Schachartikel geschrieben hatte.

Vatikan

Aus Anlaß des Papstgeburtstages hat ihm der us-amerikanische Bildhauer Frederic Hart ein Kreuz geschenkt, das besonders auf das Jubiläumsjahr 2ooo hinweist. Es symbolisiere einen Christus, der vom Kreuz geboren wird. Im Vatikan wurde im Vatikan auch mitgeteilt, daß der Ppst im Lauf seiner 19 Amtsjahre rund 900 Persönlichkeit aus Politik und öffentichem Leben gesprochen hat. Er habe neben 77 Auslandsreisen 126 Pastoralbesuche in Italien durchgeführt.

Vatikan

Die selige Edith Stein wird in Rom heiliggesprochen. Das wurde im Vatikan bekanntgegeben. Der Zeitpunkt der Feier steht aber noch nicht fest. Ihre Heiligsprechung ist möglich geworden, nachdem ein Kind auf ihre Fürsprache von einer unheilbaren Krankheit geheilt worden war. Unabhängige Ärzte haben die Heilung bestätigt.

Vatikan

Papst Johannes Paul II. hat den georgischen Staatspräsidenten Edward Shevardnatse in Audienz empfangen. Dieser hatte die volle Religionsfreiheit in seinem Land zugesichert. Bei einer Pressekonferenz erklärte er gegenüber Radio Vatikan, Georgien habe mittlerweile eine Verfassung, in der das Recht auf Religions- und Gewissensfreiheit verbrieft sei. Katholiken, Orthodoxe und Muslime lebten harmonisch miteinander.

Vatikan

Das Jubeljahr 2000 ist eine gute Gelegenheit, die Vergebung zu fördern. Das hat jetzt der Generalsekretär der historisch-theologischen Kommission für das Jubeljahr, Georges Cottier, in Bologna gegenüber Journalisten erklärt. Das Thema der Vergebung sei im Bewußtsein der Kirche besonders präsent. Auch der Papst unterstrich laut Cottier diesen Punkt, da vor allem in den vielen Nationen, in denen Krieg herrsche, eine gegenseitige Bitte um Vergebung grundlegend für alle Friedensbemühungen sei.

Libanon

Nach dem Papstbesuch gibt es intensive Kontakte zwischen der maronitischen Kirche und Syrien. Das hat Agenturmeldungen zufolge der Parlamentsvizepräsident gegenüber der Presse erklärt. Sie würden bald gute Früchte bringen. Das Oberhaupt der maronitischen Kirche, Patriarch Nasrallah Sfeir gilt als offener Gegner der syrischen Präsenz im Libanon. Gleichzeitig wurde mitgeteilt, daß Drusenführer Walid Dschumblad die päpstliche Exhorte über die Libanonsynode aufs Äußérste gelobt habe.

Vatikan

Am 18.Mai hat die Vatikanische Tageszeitung Osservatore Romano an den 6o.Jahrestag der Veröffentlichung der Enzyklika "Mit brennender Sorge" erinnert. Papst PIus XI hatte sie im März 1937 gegen die Lehren des Nationalsozialismus geschrieben. Gleichzeitig verurteilte er in der Enzyklika "Divini Redemptoris" den atheistischen Kommunismus.

Israel

Der Staat will zur Vorbereitung der Papstreise intensiv mit den Palästinensern zusammenarbeiten. Das hat jetzt der neue Botschafter Israels beim apostolsichen Stuhl, Aharon Lopez erklärt. Man wolle dadurch Präsident Arafat ein Zeichen des Guten Willens geben. Indessen hat - Pressemeldungen zufolge - der israelische Präsident Weizmann Regierungschef Netanjahu scharf kritisiert. Die Tageszeitung Yedioth Ahronoth schreibt: Weizmann wolle nicht mehr mit Netanjahu sprechen, denn dieser sei uneinsichtig und wisse schon alles.

Österreich

Letzte Woche fand in Wien eine christlich-islamische Dialogkonferenz statt. Daran nahmen Wissenschaftler aus aller Welt teil. Sie stimmten darin überein, daß eine Lösung des Problems der religiösen Minderheiten in islamischen Staaten nur im Rahmen der Menschenrechte möglich sei. Es werde keine einheitliche Antwort geben, die allen Ländern aufgezwungen werden kann. Diese Ansicht vertrat ein tunesischer Sozialwissenschaft-ler, der betonte, daß seiner persönlichen Meinung nach jeder die gleichen Rechte haben solle, unabhängig von seiner Religionszugehörigkeit. Der römische Jesuit Christian Troll betonte dazu, das friedliche Zusammenleben von Menschen verschiedener Religionen benötige gewisse Voraussetzungen. Ganz wesentlich sei es dabei, wie die Lehren der jeweiligen Religionen interpretiert würden. Es liege in der Verantwortung der Religionsvertreter, daß die Lehren so interpretiert würden, daß sie "akzeptable normative Voraussetungen für ein Zusammenleben in Frieden" böten.

Polen

Vor dem Referndum über die neue Verfassung am 25. Mai schlagen die Wellen des Streits hoch. Die katholische Kirche des Landes ruft dazu auf, nach eigenem Gewissen zu entscheiden, betont jedoch gleichzeizig moralische Mängel des Verfassungsentwurfs. Konservative Christen lehnen den Entwurf radikal ab. Durch ihn würden die Kinder ihren Eltern entzogen. Der Staat wolle heimlich den Kommunismus wieder einführen. Die Bischofskonferenz hatte vor allem kritisiert, daß der Lebensschutz und das Erziehungsrecht der Eltern nicht hinreichend klar garantiert sind.

Italien

Am 16.Mai ist der ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartolomäus I. in Mailand eingetroffen. Er beging zusammen mit dem Erzbischof Kardinal Carlo-Maria Martini das Pfingstfest. Der Besuch steht im Rahmen der Feiern zum 16oo. Todestag des Heiligen Ambrosius von Mailand.

Italien

In Rom haben jetzt mehrer Naturwichaftler der Magie und magischen Praktiken den Kampf angesagt. Insbesondere riefen sie ihre Kollegen auf, sich nicht mit Okkultismus, Kartenlegen und Horoskoplesen abzufinden, sondern aktiv an der Aufklärung der Bevölkerugn mitzuarbeiten. Der Aberglaube nehme zu, Magier hätten Hochkonjunktur. Dagegen sollten die Naturwissenschaftlier sich einsetzen, damit die Menschen ihr Leben auf die Vernunft gründen.

Dänemark

Demnächst wird die kirchliche Trauung von Homosexuellen möglich sein. Darauf hat sich - Zeitungsmeldungen zufolge - eine Kommission der lutherischen Staatskirche geeinigt. Der 100-seitige Kommissionsbericht soll in wenigen Tagen erscheinen. Es wird demnach drei bis vier Trauungs-riten für homosexuelle Ehen geben.

Zaire

Erzbischof Laurent Monsengwo, der zum Präsidenten der National-versammlung und zum Leiter der Übergangsregierung berufen worden war, hat sich noch nicht zur Übernahme dieses Amtes geäußert. Beobachter halten dies für unwahrscheinlich, nachdem sich Rebellenführer Kabila zum Präsidenten erklärt hat.

Angola

Die katholische Kirche des Landes befürchtet, daß der Bürgerkrieg im Nachbarland Zaire massive Flüchtlingsströme aus Zaire verursachen könne. Das erklärte der Präsident der angolanischen Bischofskonferenz, Zacarias Camuenho in Portugal. Die Bischofskonferenz seines Landes wird ende Mai zum Ad-Limina-Besuch nach Rom kommen.

Sambia

Derzeit erregt in dem afrikansichen Land ein Hirtenbrief der Bischofskonferenz Aufsehen. Er behandelt das Thema "Kirche als Familie". Allen Katholiken wird besodners ans Herz gelegt, sich um ältere und kranke Familienmitglieder und Waisenkinder besodners zu kümmern. Wichtig sei auch die Förderung der Frau und die Bildung der Jugend. Dann sprechen die Bischöfe von der derzeitigen Krise der Familie aufgrund des Verfalls der traditionellen Werte. Die Bischöfe empfehlen schließlich die Bildung von kleinen christichen Gemeinschaften.

Israel

Der Verkehrsminister des Landes, Yitzhak Levy, hat die teilweise Sperrung einer Hauptverkehrsstrape während des Sabbats in Jerusalem angeordnet. Ebenso soll an jüdischen Feiertagen der Boulevard Bar Ilan jeweils dreimal am Tag zu den Gebetszeiten geschlossen werden. Die Straße führt auch durch ein Wohnviertel der orthodoxen Juden. In der Vergangenheit hatte die Frage der Schließung der Straße zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen strenggläubigen Juden und überzeugten Laien geführt. Nach der Kompromißentscheidung des Ministers sind nun beide Seiten unzufrieden.

Indonesien

Die Bischofkonferenz hat dazu aufgerufen, die Parlamentswahlen zu boykottieren. Es seien keine freien Wahlen, begründeten sie ihren Aufruf. Beamte zum Beispiel müssen an ihrem Arbeitsplatz wählen. Damit stehe hier das Ergebnis beinahe im voraus fest. Die Mitglieder der christlich-nationalistischen Partei, eine der drei zugelassenen Parteien im Land, sehen das anders. Sie berufen sich auf die Pancasila. Die vom Staat vorgegebene Pancasila-Doktrin läßt alle fünf Hauptreligionen im Land gleichberechtigt nebeneinander gelten. Für die christliche Minderheit in Indonesien ist das wichtig. Dennoch errangen die christlichen Abgeordneten bei den Wahlen selten mehr als fünf Plätze.

Volksrepublik China

Nach Angaben der katholischen Agentur Fides wächst der religiöse Glaube in dem Maß, als daß das Vertrauen in die Partei sinkt. Die Agentur beruft sich bei diesen Angaben auf eine Untersuchung der kommunistischen Partei und ihrer Gewerkschaft. Demnach sei der religiöse Glaube um neun Prozent gestiegen, wobei keine absoluten Zahlen genannt werden. Das Zutrauen gerade der Arbeiter in die Partei von rund 7o auf etwa 5o Prozent gefallen. Vor zwei Jahren hatte die Parteileitung schon festgestellt, daß etwa 8 Prozent der Parteimitglieder religiösen Organisationen beigetreten seien.

Hongkong

Die Katholiken von Hongkong haben in den letzten Wochen rund 1o.ooo religiöse Bücher in die Volksrepublik geschickt. Der Katholikenrat hatte dazu aufgerufen. Die Initiative entstand, nachdem einige Katholiken von Hongkong vor ein paar Monaten nach Peking und Schanghai gereist waren. Sie hatten den enormen Mangel an relgiöser Literatur festgestellt. Es gab vor allem in den Priesterseminarien fast nur Bücher, die Missionare vor über 5o Jahren hinterlassen hatten oder Bücher in fremden Sprache. Jetzt wurden Bücher über Theologie, Exegese, Liturgie, Katechese und Spiritualität über die Grenze gesandt.

Vietnam

Der Außenminister des asiatischen Landes hat sich am 17.Mai gegen die Vorwürfe gewandt, in Vietnam würden die Menschenrechte verletzt. Das Europäische Parlament hatte vergangene Woche entsprechende Anklagen erhoben und gefordert, alle politischen Gefangenen ebenso wie diejenigen, die aus Gewissensgründen verhaftet sind, müssten freigelassen werden. Vietnam schränke die bürgerlichen Freiheiten ein.

Vietnam

Am 19 Mai begann in Hanoi ein Frauenkongress, bei dem es um die Gleichberechtigung der Frauen geht. Es geht dabei um den ideologischen Konflikt zwischen marxistischer Gleichheits-vorstellung der Geschlechter und konfuzianischer Unterordung der Frau. Die Präsidentin der vietnamesichen Frauenorganisation erklärte dazu: Wir sind ein asiatisches Land und können hoffnetlich die Übertreibungen anderer Staaten vermeiden.

Australien

Die szenische Darstellung der Passionsgeschichte hat eine Schule in Sidney aus ihrem Lehrplan gestrichen. Die Begründung dafür: Gefangennahme und Kreuzigung seien zu gewalttätig. Im Theaterstück der Schule hatte der 12jährige Jesusdarsteller ein schweres Kreuz geschleppt, und seine Kleider ausgezogen, um auf seinem Rücken das verteilte künstliche Blut zu zeigen. Vertreter der Schulbehörde unterstützten den Schritt der Schule.

Venezela

Der Chef der kirchlichen Kommission für Gerechtigketi und Frieden hat die Polizei des Landes heftig angegriffen. Sie ginge in den Armenvierteln mit unglaublicher Brutalität vor und erlaube sich wahllos auch die Folter. Von den Polizeikommissariaten rund um die Hauptstadt Caracas würden die Bewohner der Slums regelrecht verfolgt. Die Kommission für Gerechtigkeit und Frieden könne nicht länger schweigen. Die Bevölkerung lebe unter ständiger Angst, sodaß es keiner wage, einen Polizisten anzuklagen. Bei der Pressekonferenz berichten zwei junge Leute von den Foltern, die sie selbst bei der Polizei durchgemacht hatten.

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