Liebe Internet-Nutzer! An dieser Stelle finden Sie die Nachrichten aus der Weltkirche von Radio Vatikan vom 13.bis 15.Mai 1997

Vatikan

Der Libanon beweist, daß ein friedliches Zusammenleben verschiedener Religionen möglich ist. Diese Ansicht hat Papst Johannes Paul II. am 14.Mai bei der Generalaudienz vertreten. Es gebe in dem Zedernstaat keinen Fundamentalismus. Dies unterscheide ihn von anderen Ländern. Der Papst erinnerte die Politiker daran, daß das Land Recht auf Frieden habe. Nur so könne der Libanon wirklich er selbst sein, ein Land, in dem die verschiedenen kulturellen und religiösen Gemeinschaften friedlich zusammenleben und dennoch ihre Identität bewahren. Die Berufung des Libanon liege in seiner Offenheit und in der Ökumene. Das habe auch die Eucharistiefeier in Beyrouth gezeigt, an der nicht nur Katholiken, sondern auch Christen anderer Konfessionen und Muslime teilgenommen hätten. Das nachsynodale Dokument, das der Papst vor den libanesischen Jugendlichen unterzeichnet hatte, sei jetzt die Magna Charta der Kirche des Libanon.

Libanon

Innenminister Michel Murr hat am 13.Mai in Beyrouth bekanntgegeben, daß ein Attentat gegen den Papst geplant gewesen war. Erst 24 Stunden vor der Ankunft des Papstes in Libanon sei er von italienischen und kanadischen Geheimdienst informiert worden. Außer ihm sei nur Staatspräsident Hrawi, Regierungschef Hariri und der Armeechef informiert worden. Man habe dann die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt, um den Papst zu schützen

Vatikan

Katholische und orthodoxe Kirche verurteilen jede Gewalt zwischen den kirchlichen Gemeinschaften in der Ukraine. Der Chef des vatikanischen Einheitsrates und der Leiter des Moskauer orthodoxen Außenamtes sprachen sich in einer Erklärung Ende letzter Woche für die friedliche Beilegung der Konflikte wegen des Kircheneigentums aus. Die mit Rom verbundene katholische Ost-Kirche in der Ukraine kämpft für die Rückerstattung der von den Kommunisten den Orthodoxen überschriebenen Kirchen in der Westukraine. Die beiden Kirchenmänner verurteilen in ihrer Erklärung auch überzogenen Nationalismus und konfessionelle Intoleranz.

Vatikan

Papst Johannes Paul II hat seinen tiefen Schmerz über die Erdbebenkatastrophe im Iran zum Ausdruck gebracht. In einem Telegramm an Präsident Rafsanjani schrieb er, er vertraue die Opfer der Barmherzigkeit des allmächtigen Gottes an und rufe ihn auch für die betroffenen Familien an. Im Telegramm denkt der Johannes Paul II. auch an die Heimatlosen und an diejenigen die durch ihre Arbeit im Katastrophengebiet helfen, das Leid zu mildern. Bei dem Erdbeben im Nordosten des Iran waren am Samstag nach letzten Angaben 2000 bis 4000 Menschen getötet und mehr als 6000 verletzt worden.

Vatikan

Der Georgische Staatspräsident Edward Schewardnatse will mit dem Papst über einen möglichen Besuch in Georgien sprechen. Das hat er gegenüber Radio Vatikan geäußert. In seinem Land herrsche völlige Religionsfreiheit. Katholiken, Orthodoxe und Muslime lebten sehr friedlich nebeneinander.

Vatikan

Papst Johannes Paul II hat am 15.Mai vor Teilnehmern eines Kongresses über den Hunger in der Welt die Staatengemeinschaft aufgerufen, die Kluft zwischen reichen und hungernden Menschen zu schließen. Die Lebensmittelindustrie müsse ihre Verantwortung gegenüber den Armen wahrnehmen. Man dürfe sich nicht mit dem Hunger abfinden und die Hungernden nicht vergessen.

Vatikan

Die Verkündigung des Evangeliums muß einhergehen mit dem Kampf gegen die Armut. Diese Ansicht hat der Papst am 15.Mai gegenüber den Leitern von Missionswerken aus der ganzen Welt vertreten. Sie seien berufen, die Zusammenarbeit in der Weltkirche zu fördern. Die Menschen von morgen müßten Hoffnung haben können. Es gehe letztlich um das Reich Gottes auf Erden.

Österreich

Der Dialog zwischen den Religionen hat weltpolitische Bedeutung. Diese Ansicht wurde mehrfach beim Kongreß von führenden Christen und Muslimen in Wien vertreten. Gerade zwischen diesen beiden Religionen habe es - so der österreichische Außenminister Wolfgang Schüssel - trotz mancher Konkurrenzsituation auch ein fruchtbares Geben und Nehmen gegeben. Auch könne die Auffassung, daß Religion nur Privatsache sei, nicht im Allgemeinen vertreten werden. Religion könne einen vitalen und konstruktiven gesellschaftlichen Beitrag leisten. König Hassan von Marokko übte in einer Botschaft an den Kongreß scharfe Kritik am religiösen Extremismus.

Italien

Die Franziskaner haben am 14.Mai einen neuen Generaloberen gewählt. Es ist der Italiener Giacomo Bini. Der 60-jährige war viele Jahre lang Novizenmeister und seit 1983 Afrika-Missionar. Im Rahmen seiner Ausbildung wurde er vom Institut Catholique in Paris in Religionswissenschaften promoviert. Bini tritt an die Stelle des deutschen Bruders Hermann Schallück, der den Orden des Heiligen Franziskus von Assisi 6 Jahre lang geleitet hatte.

Italien

Die Medizin konzentriert sich heutzutage zu sehr auf die biologische Dimension und läßt den Menschen und die Religion außen vor. Diese Kritik steht im Mittelpunkt einer morgen in Rom stattfindenden Tagung, die von der katholischen Universität Sacro Cuore veranstaltet wird. Bei dem Treffen, an dem Vertreter verschiedener Fachrichtungen teilnehmen, wird darüber diskutiert werden, wie die Spiritualität auf die Gesundheit eingreift. Außerdem wird hinterfragt, wie und ob spirituelle und religiöse Inhalte umgelenkt oder instrumentalisiert werden können.

Italien

Neben der staatlichen spielt die katholische Schule eine wichtige Rolle im italienischen Bildungswesen. Das unterstrich Kardinal Agostino Casaroli vor Journalisten im sizilianischen Acicastello. Man müsse die Gefahren einer Verstaatlichung der Bildung meiden, erläuterte der Kardinal. Das Problem bestehe nicht darin, daß die beiden Schularten gegensätzlich seien, sondern daß Unterrichtsfreiheit gewahrt werden müsse.

Großbritannien

In Indien werden Kinder zur Arbeit herangezogen. Die christliche Hilfsorganisation "Christian Aid" hat am 12.Mai in London einige Sportartikelhersteller beschuldigt, von Kinderarbeit in Indien zu profitieren. So bestellt zum Beispiel Englands Bundesligaverein "Manchester United" Fußbälle, die von Kindern genäht werden. Die Kinder bekommen pro Ball etwa dreißig Pfennig, verkauft werden diese dann zum Stückpreis von etwa 20 Mark.

Portugal

In den Wallfahrtsort Fatima sind anläßlich des 8o.Jahrestage der ersten Erscheinung der Gottesmutter mehr als 400.000 Pilger gekommen. Darunter waren sehr viele aus Osteuropa, aus Japan und Amerika. Die meisten von ihnen kamen die letzten Kilometer zu Fuß, einige sogar auf ihren Knien rutschend. Unter den Gläubigen war auch Friedensnobelpreisträger Bischof Carlos Ximenes Belo. Bei seiner Ankunft auf dem Flughafen von Lissabon sagte Belo, daß er in Fatima der Gottesmutter danken wolle, daß er gleichzeitig aber auch für Frieden in seinem unruhigen Land beten wolle.

Europäische Union

Patriarch Bartholmäus von Konstantinopel hat am 12.Mai seine Bedenken gegen die Osterweiterung von Nato und EU geäußert. Es könne dadurch zu einer erneuten Teilung zwischen Katholiken und Protestanten in Westeuropa und den Orthodoxen Gläubigen in Ost-Europa kommen. Die Warnung war gezielt gegen Rumänien gerichtet.

Zaire

Der Erzbischof von Kisangani, Laurten Mongengwo will, daß die Verfassung des Landes respektiert wird. Gegenüber Radio Vatikan erklärte er, falls er das Amt des Präsidenten annehme, sehe er es als seine Aufgabe an, das Land auf eine Basis zu stellen, auf der die Verfassung respektiert wird. Außerdem möchte er im Fall, daß er der Übergangsregierung vorsteht, verhindern, daß eine Verfassungsordnung aufgezwungen wird, die nicht durch die vom Volk gewählte Nationalversammlung beschlossen ist. In einem weiteren Interview erklärte Monsengwo am 15.Mai, es müsse auf alle Fälle ein Blutbad in Kinshasa verhindert werden. Daher hätten Verhandlungen oberste Priorität.

Kamerun

Missionare warnen vor Wahlbetrug bei den Parlamentswahlen am Samstag. In einer Erklärung weisen Missionsgesellschaften darauf hin, daß Mitglieder bestimmter Parteien und Bewohner gewisser Regionen von vornherein von den Wahlen ausgeschlossen seien. Andere erhielten wegen Spitzfindigkeit keine Wahlpapiere.

Nigeria

Der Erzbischof von Lagos hat die jüngste Reise von Oberst Gaddafi nach Nigeria scharf kritisiert. Sie habe die Beziehungen zwischen Christen und Muslime verschlechtert. Die erträgliche Koexistenz der letzten Jahre werde durch den Aufruf Gaddafis zum Krieg gegen die Christen gefährdet.

Zaire

Eine Gruppe Hutusoldaten und zairischer Militärangehöriger hält noch immer den belgischen Franziskaner Raoul Buisseret in ihrer Gewalt. Die Geisel wird nach Angaben des Franziskanerordens in Zaire als Schild benutzt, um von den Rebellen um Laurent Kabila Durchlaß in das Nachbarland Sambia zu erzwingen. Das in Assisi versammelte Generalkapitel des Franziskanerordens forderte jetzt die Befreiung des Mitbruders.

Südafrika

Scharfe Kritik wurde jetzt von politischen und kirchlichen Autoritäten des Landes an einem Entwurf für ein neues Arbeitsgesetz geäußert. Darin ist unter anderem die Möglichkeit vorgesehen, Tages- und Wochenarbeitszeiten ohne Lohnausgleich zu verlängern. Der Sekretär der Bischofskommission für die Arbeitspastoral, John Capel, erklärte, ein solches Gesetz könne disaströse Folgen für das Familienleben haben.

Indonesien

Die Bischöfe des Inselstaates haben die Katholiken zum Wahlboykott aufgerufen. Das hat nach Berichten aus Jakarta die katholische Kirche gespalten. Eine Seite meint, die Bischöfe mischten sich zu sehr in die Politik ein und gingen in Konfron-tation zu Präsident Suharto. Die andere Seite fragt sich, warum die Bischöfe damit von ihrer Tradition abwichen. Bisher hatten sie immer zur Teilnahme an der Wahl aufgerufen. Viele Moslems haben den Aufruf der katholischen Kirche zum Wahlboykott begrüßt. Die politische Opposition begrüßte den Aufruf.

Argentinien-Chile

Die Präsidenten beider Länder haben sich am 14.Mai darauf geeinigt, den Vatikan im Streit um den Zugang zur Arktis um Vermittlung zu bitten. In Buenos Aires wurde mitgeteilt, daß diese Bitte ausgesprochen würde, wenn die Parlamente der beiden Länder sich nicht einigen könnten. Argentinien und Chile suchen in der Antarktis Zugang zu Bodenschätzen und Trinkwasservorräten.

Kuba

Eine Menschenrechtsorganisation will die US-Sanktionen gegen Kuba unterlaufen und dorthin Medikamente liefern. Die Lieferung soll über Mexiko oder Kanada laufen. Am 13.Mai wurden Dutzende von Fahrzeugen mit medizinischen Hilfsgütern und Unterrichtsmaterialien beladen und auf den Weg gebracht. Seit 37 Jahren gibt es ein Wirtschaftsembargo der USA gegen das Castro-Regime.

Kanada

Die Bischofskonferenz des Landes hat die Katholiken aufgerufen, bei den kommenden Parlamentswahlen nur jene Politiker zu wählen, die sich ausdrücklich für Gerechtigkeit, Bekämpfung der Armut und den Lebensschutz einsetzen. Politische und wirtschaftliche Programme müßten sich immer auf den Menschen konzentrieren. Grundlage aller politischen Arbeit sei eine moralisch vertretbare Haltung, die jede Form des Individualismus überwinde.

Vereinigte Staaten

Kardinal Bernard Law von Boston hat sich energisch gegen die Legalisierung der Euthanasie ausgesprochen. Auch ein ärztlich begleiteter Selbstmord sei Mord. Er sei eine Pervertierung der ärztlichen Arbeit, wenn ein Arzt zum Todesagenten gemacht werde.

Hinweise auf das Wochenprogramm von Radio Vatikan

Samstag: Sonntagsbetrachtung von Schwester Andrea Stratmann
Sonntag: Matthias Kopp: Pfingsten in Rom
Montag: Weltkirchengazin: Wochenkommentar aus Österreich
Dienstag: Radio-Akademie "Wie ein Siegel auf dein Herz" - Die Ordensgelübde, von Gabi Verbeek

 

Man hört Radio Vatikan

täglich 6.2o, 16.oo und 2o.2o Uhr
auf Mittelwelle 1530 kHz und Kurzwellen-Frequenzen:
5880, 7250, 9645 kHz
über Radio Campanile (Im Kabel und auf Tonunterträger von DSF
um 16.15 und 19.1o Uhr

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