Liebe Internet-Nutzer! An dieser Stelle finden Sie die Nachrichten aus der Weltkirche von Radio Vatikan

vom 9.bis 11.5.1997

 

Libanon

Papst Johannes Paul II. hat am Wochenende, 1o./11.Mai Beyrouth besucht. Es war dies seine erste Nah-Ost-Reise. In seinen Reden hat er mehrfach verlangt, daß der Libanon seine Politik autonom bestimmen kann. Seine Grenzen müßten respektiert und inter-nationale Abkommen beachtet werden. Der Libanon solle als kulturelle Einheit mit verschiedenen Religionen und Konfessionen bewahrt werden. Er sei ein Modell. Die Libanesen hätten ein Recht darauf, ihr Schicksal selbst zu bestimmen.

Die Katholiken rief er auf, interne Spannungen zu überwinden und mit den anderen christlichen Konfessionen und den Muslimen gut zusammenzuarbeiten. Zu den verschiedenen Veranstaltungen mit dem Papst kamen wesentlich mehr Besucher als ursprünglich erwartet. Bei der Eucharistiefeier am Sonntag waren es knapp unter einer halben Million. Beim Jugendtreffen am Samstagabend haben Zeitungsangaben zufolge rund 1oo.ooo Jugendliche versucht, den Papst aus der Nähe zu sehen und zu hören. Libanesiche Zeitungen sprachen von der größten Veranstaltung in der Geschichte des Landes. Auch die Muslime bereiteten dem Kirchenoberhaupt einen festlichen Empfang. Die ganz Stadt war geschmückt.

Der Papst traf in getennten Begegnungen Vertreter der Muslime, der orthodoxen Kirchen und die Patriarchen und Bischöfe der katholischen Kirchen des östlichen Ritus.

Auch sprach er mit der politischen Führung des Landes, mit dem katholischen Staatspräsidenten Hrawi, dem schiitischen Parlamentspräsidenten Berri und dem sunnitischen Regierungschef Hariri.

Reaktionen aus Syrien oder Israel auf die päpstlichen Äußerungen liegen bisher nicht vor. Der Papst hatte, ohne die beiden Länder zu nennen, eindeutig die Anwesenheit von fremden Truppen kritisiert.

In seiner Predigt erinnerte das Kirchenoberhaupt daran, daß Jesus der erste Evangelisator des Libanon gewesen sei, da er sich bei seinen Wanderungen auch in der Nähe von Tyrus und Sidon aufgehalten habe. Die Christen des Zedernstaates gingen auf die ersten christlichen Gemeinden der Welt zurück. Den Jugendlichen machte er Mut mit dem Hinweis auf die Jünger von Emmaus, die nach der Kreuzigung Christi alle Hoffnung verloren hatten. Ihnen sei dann Jesus als Auferstandener erschienen und hätte ihnen gezeigt, daß er lebe und bei ihnen sei. So sei Christus auch heute bei der Jugend des Libanon. Sie solle Mut und Hoffnung haben. In seiner Predigt vor Hunderttausenden von Menschen rief er, das Leiden des jahrelangen Krieges habe sicher einen Sinn gehabt. Ausdrücklich gedachte der Papst der Frauen, die in den schweren Stunden Mut und Kraft vermittelt hätten. Sie seien eine Art Sauerteig gewesen.

Presse, Radio und Fernsehen befaßte sich ausführlich mit der Papstreise. Auch aus Ägypten, aus Jordanien und Syrien waren Rundfunkanstalten gekommen.

Die Sicherheitsmaßnahmen waren groß, aber das Risiko war nach Auskunft von Fachleuten wohl geringer als bei der Pasptreise nach Sarajewo. Journalisten, die den Papst schon seit Jahren begleiten, wurden durch die Menschenmassen und den Schmuck der Stadt an die ersten Pastoralreisen von Papst Woityla nach Brasilien und Mexiko erinnert.

Vatikan

Der Präsident des Rates für die Einheit der Kirchen, Kardinal Edward Cassidy hat am 11.Mai in Rom erklärt, ein Treffen zwischen dem Papst dem Moskauer orthodoxen Patriarchen sei eher unwahrscheinlich. Der Vatikansprecher Navarro-Valls hatte bereits vorher kommentiert, Gerüchte, der Papst werde im Juni den Moskauer orthodoxen Patriarchen Alexi II treffen, könnten weder bestätigt noch geleugnet werden. Er reagierte damit auf Pressemeldungen, wonach der Papst Alexi im Juni begegnen werde. Der Papst ist seit langer Zeit daran interessiert, mit dem Oberhaupt der russichen orthodoxen Christen zusammenzutreffen. Alexi hält sich vor der Grazer ökumenischen europäischen Versammlung ein paar Tage in Wien auf, wo er auch mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholo-mäus I sprechen wird.

Der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Johann Weber meinte zu der Begegnung, sie wäre eine große Ehre für das Land und seine Kirche.

Vatikan

Die katholische Kirche unterstützt die Politik der Weltgesundheitsorganisation WHO, Medikamente und Gesundheitsvorsorge allen Menschen zugänglich zu machen. Ein Vatikanvertreter hat jetzt vor der WHO in Genf allen Bemühungen die Unterstützung zugesagt, die Gerechtigkeit in diesem Bereich herstellt. Medikamente müßten finanziell auch für die ärmeren Menschen erschwinglich sein. Die Sorge dafür sei aber nicht nur eine Angelegenheit der Entwicklungsländer, sondern auch der Industriestaaten.

Vatikan

Papst Johannes Paul hat in einem Telegramm seine Anteilnahme am Tod der Erdbebenopfer und ihren Angehören ausgesprochen. An Präsident Rafsanjani schrieb er, er bete zum allmächtigen Gott und bitte ihn auch für die betroffenen Familien. Indes meldete die deutsche Caritas, daß sie am 13.Mai Hilfsgüter in den Iran transportiert.

Europäische Union

Die katholischen Ortskirchen Europas wünschen eine Ausweitung der Europäischen Union. Anäßlich des Europatages betont die Europa-kommission in einer Erklärung, grundsätzlich müsse die EU erweitert werden Dadruch könnten Solidarität, Respekt und Freundschaft vertieft werden. Die Kirchenleute warnen aber vor der Politik, schnelle Ergebnisse erzwingen zu können. Gemeinschaftsgeist müsse es geben, den man aber nicht künstlich und mit Gewalt schaffen könne. Wichtig seien Versöhnung und Freundschaft.

Schweiz

Literaturnobelpreisträger Elie Wiesel ist nicht bereit, an die Spitze des Fonds für Zahlungen an Holocaust-Hinterbliebene zu treten. Nach Angaben des Außenministeriums in Bern hat er dies offiell mitgeteilt. Die Schweiz hatte Wiesel nach heftigen Diskussion gebeten, die Leitung dieses Fonds zu übernehmen.

Schweiz

Am 12.Mai ist in Genf die Pfingstbotschaft des Weltkirchenrates veröffentlicht worden. Die Geschichte Jesu Christi in unserer eigenen Sprache zu hören, sei Gottes Pfingstgeschenk an uns, heißt es darin. Das Wunder dieses Festes zeige jedoch, daß das Evangelium nicht auf eine Sprache begrenzt sei.

Italien

Der Erzbischof von Bologna, Kardinal Giacomo Biffi hat jetzt die Vorstellung zurückgewiesen, er könne Papst werden. In leicht plauderndem Ton meinte der Kirchenmann, der schon öfter als mögicher Papstnachfolger genannt worden war, er bleibe lieber in Bologna und wünsche dem jetzigen Papst noch ein langes Leben

Großbritannien

Die Universität von Oxford wehrt sich gegen den Bau einer Moschee mit hohem Minarett. Durch den 36-Meter hohen Turm werden das Bild der klassichen Altstadt gestört. Zu den Geldgebern für den Moschee-Bau gehören die Königsfamilien von Saudi-Arabien und Kuweit, sowie der Sultan von Brunei.

Kroatein

Zagreb hat der serbisch-orthodoxen Kirche zugesagt, sie könne im Land frei ihre religiöse Tätigkeit entfalten. Am 9.Mai haben in Zagreb der Vicepremier Radic und der serbisch-orthodoxe Metropolit Pavolovic offene Fragen diskutiert. Kroatien stehe den serbischen Gläubigen offen, hieß es anschließend.

Rumänien

Der orthodoxe Patriarch Teoctist wünscht eine Aussöhnung zwischen der orthodoxen und der griechisch-katholischen Kirche des Landes vor einem Papstbesuch. Das hat am 12.Mai der Parlamentspräsident in Bukarest bekanntgegeben.Er reagierte damit auf die Einladung des rumänsichen Außenministers an den Paspt.

Türkei

Tausende Personen haben am 12.Mai bei der blauen Moschee in Istanbul gegen die Schließung von Koranschulen protestiert. Die Demonstranten erklärten, ihre Aktion stehe im Zeichen der religiösen Freiheit und habe keine politischen Zielsetzungen. Das mächtige Militär des Landes hatte sich mit der Forderung nach Säkularisierung der staatlichen Schulen gegen Premierminister Necmettin Erbakan durchgesetzt.

Zaire

Der Erzbischof von Kisangani, Laurent Monsengwo ist zum Vorsit-zenden des Übergangsparlaments gewählt worden. In Abwesenheit des Bischofs hat ihn der "Oberste Rat der Republik Zaire" am 10.5. zum provisorischen Staatsoberhaupt gewählt. Monsengwo erklärte in Brüssel, vor einer Entscheidung, ob er das Amt annehmen werde, müsse er die genaueren Bedingungen kennen und die Erlaubnsi des Paptes bekommen. Priester und Bischöfe dürfen keine politschen Ämter wahrnehmen. Ein Vatikansprecher hat am 11.Mai erklärt, wenn die nötigen Voraussetzungen gegeben seien und er darum bitte, könne der Erzbischof das Amt auf begrenzte Zeit ausüben. Monsengwo ist indes in seine Heimat zurückgekehrt.

Bischof Karl Lehmann hat am 12.Mai gegen die Behinderung der Arbeit der Hilfswerke in Zaire protestiert.

Afrika

Die Medienkommission aller afrikanischen katholischen Ortskirchen hat jetzt die Unabhängigkeit der Journalisten unterstrichen und gleichzeitig den Wunsch ausgesprochen, die kirchlichen Radio-Stationen müßten besser zusammenarbeiten. Zum Ende ihrer Vollversammlung in Kenia erklärten die Medienfachleute am 8.Mai, die Kirche müsse sich um eine möglichst weite Verbreitung der Nachrichten bemühen, der Informationsaustausch zwichen Nord und Süd sei besonders zu pflegen, obwohl er auch die Gefahr berge, daß authentische afrikanische Werte in Kirche und Kultur dabei verlorgen gingen.

Angola

Der deutsche Steyler-Missionar Konrad Liebscher ist vom Obersten Gericht freigesprochen worden. Der Priester war im vergangenen Jahr wegen regierungsfeindlicher Demonstrationen zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Er hatte mit Plakaten auf die Armut in Angola hingewiesen. Ihm war vorgeworfen worden, er gefährde die Staatssicherheit.

Nigeria

Demnächst soll im nordnigerischen Kano ein wissenschaftliches islamisches Institut eröffnet werden. Dies hat der lybische Staatschef Gaddafi am 8.Mai bei einem Besuch in Nigeria angekündigt. Aufgabe des Instituts sei es, die Moslems der Region gegen den Imperialismus der US-Amerikaner und der westlichen Welt zu mobilisieren. Gaddafi machte eine Missionsreise, um die Muslime zu bestärken und gegen den "Satan der Vereinten Nationen" zu mobilisieren.

Kuba

Am 12.Mai haben die Bischöfe der Zuckerinsel ein Dokument zur Vorbereitung des Papstbesuches im kommenden Jahr veröffentlicht. Der Besuch solle der Einheit dienen unter den Menschen dienen, sowohl unter den Katholiken, als auch unter allen Kubanern. Dabei sei weniger das gleiche Blut und die gleiche Rasse ausschlaggend als die geschwisterliche Liebe.

Peru

Der Erzbischof von Ayacucho, Juan Luis Cipriani, hat erklärt, daß die Erstürmung der besetzten Botschaft von Lima überraschend und hinter dem Rücken der Garantiekommission beschlossen worden sei. Am selben Tag habe es eine Sitzung der Kommission gegeben, bei der Präsident Fujimori die molitärische Aktion nicht angekündigt habe.

Hinweise auf das Wochenprogramm von Radio Vatikan

Dienstag: Radio-Akademie "Wie ein Siegel auf dein Herz" - Die Ordensgelübde, von Gabi Verbeek. Diese Reihe kann auch als Kassette bei Radio Vatikan bestellt werden.
Mittwoch:
Römische Woche: Kongress über Kinderarbeit, 8o Jahre Fatima, Familientag de UNO in Rom
Donnerstag: Kreuzfeuer über den Vatikan
Freitag: Prisma-Magazin
Samstag: Die Frohbotschaft zum Pfings-Sonntag - ausgelegt von Schwester Andrea Stratmann
Sonntag: Pfingsten in Rom - von Matthias Kopp

Man hört Radio Vatikan

täglich 6.2o, 16.oo und 2o.2o Uhr
auf Mittelwelle 1530 kHz und Kurzwellen-Frequenzen:
5880, 7250, 9645 kHz
über Radio Campanile (Im Kabel und auf Tonunterträger von DSF
um 16.15 und 19.1o Uhr

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