Liebe Internet-Nutzer! An dieser Stelle finden Sie die Nachrichten aus der Weltkirche von Radio Vatikan vom 2. bis 5.Mai 1997

Vatikan

Mitglied des Roma-Volkes seliggesprochen: Papst Johannes Paul II. hat am 4.Mai Cerino Jimenez Malla zur Ehre der Altäre erhoben. Der Zigeuner war im Jahr 1936 von kommunistischen Terroristen in Spanien ermordet worden, weil er einem Priester zuhilfe kam und anschließend seinen Rosenkranz nicht hergeben wollte. Der Paspt unterstrich, daß sich an der Einstellung des neuen Seligen zeige, daß Christus in allen Völkern und Rassen tätig sei. Zur Feier auf dem Petersplatz waren Tausende von Sinti und Roma aus vielen Ländern der Welt gekommen. Gleichzeitig sprach der Papst einen spanischen Bischof selig, der ebenfalls während des Bürgerkriegs von Kommunisten ermordet worden war, sowie zwei italienische Priester. Einer von ihnen hatte eine geistliche Gemeinschaft gegründet. Schließlich erhob er erstmals eine Frau aus Zentralamerika zur Ehre einer Seligen. Sie hatte die Bethlehem- Schwestern in Guatemala reformiert.

Papst ist im Libanon willkommen: Bei einer Umfrage im Libanon haben sich fast 90 Prozent der Bevölkerung positiv zu dem bevor- stehenden Papstbesuch geäußert. Nur 5 % waren dagegen, während der Rest keine Meinung dazu hatte. Die angesehene Tageszeitung Al Nahar hatte die Umfrage veranlaßt. 35% der Befragten meinten, die Reise habe einen humanitären Charakter, 25% hielten sie für primär spirituell und 22% für politisch. Es handelt sich am kommenden Wochenende um die erste Reise des Papstes in den Nahen Osten. Die geplante Reise in den Libanon war 1994 aus Sicherheitsgründen kurzfristig abgesagt worden. Der Papst hatte wiederholt den Wunsch ausgesprochen, auch das heilige Land und andere "Länder Abrahams" besuchen zu können.

Bei der Entgegennahme des neuen iranischen Botschafters beim Apostolischen Stuhl Mohammad Abd Khoda, hat Papst Johannes Paul II. am 3.Mai an die Religionsfreiheit im Iran erinnert. Die kleine katholische Gemeinde im Iran brauche Solidarität der anderen Kirchen. DAzu solle ein intensiver interreligiöser Dialog stattfinden. Der Papst fügte an, Christen und Muslime müßten gemeinsam grundlegende menschliche Werte, wie Gerechtigkeit und Freiheit schützen. Dazu sei die Respektierung internationaler Gesetze nötig.

Religionsfreiheit ernst nehmen. Im Namen der Religion darf weder auf Einzelpersonen noch auf die Gesellschaft insgesamt Druck ausgeübt werden. Darin stimmen Christen und Muslime überein. So lautete der Tenor eines kürzlich zu Ende gegangenen Kolloquiums des päpstlichen Rats für den Interreligiösen Dialog mit führenden Muslimen. Im Abschlußkomunique, das am 5.Mai veröffentlciht wurde, heißt es, die jeweils zehn Vertreter der beiden großen Religionen hätten unterstrichen, daß im Leben wie beim Glaubensbekenntnis und der Glaubensverbreitung immer die menschliche Würde respektiert werden müsse. Beide Seiten müßten gegen Ungerechtigkeit kämpfen, statt wirschaftliche Notstände zu einer unerwünschten Beeinflußung der Person auszunutzen. Mit Blick auf das nächste Jahrtausend sprachen sich die Religions- vertreter zu einer im Dienste der Menschheit praktizierten Zusammenarbeit aus.

Anläßlich des Libanonbesuchs Papst Johannes Pauls des II. am 10. und 11. Mai entwertet die Vatikan-Post alle ausgehenden Sendungen mit einem Sonderstempel. Interessenten müssen das abzustempelnde Material, mit gültigen Vatikanmarken frankiert, bis spätestens 26. Mai einschicken.

Österreich

Bischof Reinhold Stecher von Innsbruck hält demokratische Ansätze in der Kirche - abgesehen von Glaubensfragen - für nötig. In einem Zeitungsinterview meinte der scheidende Oberhirte, die "Herde solle bei der Suche nach Hirten eingebunden" werden. Durch die Ernennung eines Bischofs, der das Vertrauen seiner Gläubigen hat, könne Entfremdung zwischen Hierarchie und Basis überwunden werden. Stecher hat um Weihnachten bei Vollendung seines 75.Lebensjahres seinen Rücktritt eingereicht, der jedoch noch nicht angenommen worden ist.

Bosnien

Der Bischof der bosnischen Stadt Banja Luka, Franjo Komarica hat vor neuen Konflikten auf dem Balkan gewarnt. Bei der Entgegennahme des Heinrich-Pesch Preises der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine Unitas sagte er, das schreckliche Geschehen in Bosnien sei noch nicht vorbei. Es stinke nach einer Wiederholung der Tragödie. Die Lage in Bosnien-Herzegowina sei unakzeptabel sei. Eine ausreichende Entwaffnung der verfeindeten Lager sei bislang unterblieben. Unentschlossenheit, Uneinigkeit und sogar Unredlichkeit warf er den führenden politischen Kräften Europas und der USA vor. Diese hätten zwar entsprechende Bedingungen für die Rückkehr der Flüchtlinge beschlossen, setzten sie aber nicht um. Damit droht nach Ansicht des Bischofs die Anerkennung der, so wörtlich, "faschistoiden Idee der ethnischen Säuberung".

Polen

Die Bischofskonferenz hat alle Katholiken zur aktiven Teilnahme am Referndum aufgerufen, sie gab jedoch keine Empfehlung zur Entscheidung selbst. Am 25.Mai sollen die Polen über ihre neue Verfassung abstimmen. Die Bischöfe bedauerten am 3.Mai gleichzeitig, daß die Verfassung das Recht auf Leben und die Erziehung der eigenen Kinder nicht genügend betone, auch werde Identität und Tradition des Landes hintangestellt.

Großbritannien

Der neue britische Regierungschef Tony Blair ist am Sonntag, den 4.Mai mit seiner katholischen Frau und seinen Kindern wie üblich in die heilige Messe gegangen. Der Neugewählte pflegte als Anglikaner auch früher sonntags in die St.Joan-Kirche zu gehen. Diesmal kam er jedoch nicht zu Fuß, sondern im Dienstwagen.

Italien

Der Erzbischof von Mailand, Kardinal Carlo Maria Martini hat die europäischen Regierungen zu mehr Engagement in der Arbeitspolitik aufgefordert. Agenturangaben zufolge beklagte er gestern bei einem Treffen mit jugendlichen Arbeitern in einem Mailänder Vorort, daß es bei den Verträgen von Maastricht nur um finanzielle Kriterien gehe. Wichtiger sei, ob Europa sich in der Lage sehe, der Jugend Arbeit zu geben, so der Erzbischof, der als reformorientiert und eventueller Nachfolger des derzeitigen Papstes angesehhen wird.

Italien

Der Haustheologe des apostolischen Stuhls, Georges Cottier, hält eine Seligsprechung von Girolamo Savonarola für möglich. Dies erklärte Cottier gegenüber einer Nachrichtenagentur anläßlich der Anfrage des Domenikanerordens. Wenn der Erzbischof von Florenz, Kardinal Silvano Piovanelli, beschlossen habe, den Fall zu untersuchen, bedeute das, daß es gute Gründe dafür gebe, so Cottier.

Italien

Die Justiz unternimmt neue Versuche, um die Hintergründe des Papstattentats von 1981 aufzuklären. Der Untersuchungsrichter Rosario Priore gab jetzt in Rom bekannt, daß er den freigesprochenen Drogenhändler Oral Celik erneut befragen will. Celik hatte in einem Zeitungsinterview bekanntgegeben, daß er jetzt über die Auftraggeber des Attentats sprechen wolle. Dafür verlange er jedoch 5o Millionen Dollar. Bis heute sind die Hintergründe des Attentats vom 13.Mai 1981 auf dem Peterplatz unklar. Vor allem weiß man nicht, ob der Täter Ali Agca im Auftrag anderer gehandelt hat. Beobachter vermuten jedoch, daß Celik die Untersuchung auf eine falsche Fährte locken will.

Italien

Die Franziskaner sind am 5.Mai in Assisi zu ihrem Generalkapitel zusammengekommen. Wie die Generalverwaltung des 18. 000 Mitglieder zählenden Ordens mitteilte, werden die Delegierten aus 103 Ländern ihren neuen Generalminister wählen. Außerdem geht es bei der bis zum 25. Mai dauernden Versammlung um die Richtlinien des franziskanischen Einsatzes im kommenden Jahrtausend. Der bisherige Generalminister Hermannn Schalück kann nach den Ordensregeln für weitere sechs Jahre in seinem Amt bestätigt werden.

Syrien

Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, hat am 3.Mai zur Einheit der Christen im Raum des Mittelmeeres aufgerufen. Bei der Sitzung des "Rates der christlichen Kirchen" des Nahen Ostens wies er darauf hin, daß die Christen trotz Lehrunterschiede in vielen Fragen an einem Stick ziehen könnten. Auch das geistliche Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche, Schenuda III. nimmt an dem Treffen in Damaskus teil. Agenturmeldungen zufolge steht die Jerusalem-Frage im Mittelpunkt der Gespräche. Schenuda hat seinen rund 6 Millionen Gläubigen verboten, bis zur Normalisierung der Beziehungen mit Israel Pilgerreisen ins Heilige Land zu unternehmen.

Indien

Mutter Theresa von Kalkutta möchte in China eine Niederlasssung eröffnen. Wie sie nach Zeitungsberichten vom 5.5. sagte, erwarte die Ordensfrau die baldige Genehmigung durch die Pekinger Behörden. Bislang war den Schwestern der Nächstenliebe in der Volksrepublik eine Niederlassung verweigert worden.

Volksrepublik China

Der christliche Gewerkschaftsführer, Liu Huanwen, ist jetzt in Peking zu drei Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Nach Angaben seiner Angehörigen leitete er die sogenannte "Autonome Arbeitergewerkschaft Pekings" die nach dem Blutbad auf dem Tienanmen-Platz gegründet wurde. Das Gericht verurteilte ihn jetzt wegen angeblicher Unruhestiftung.

Pakistan

Ein sunnitischer Moslem ist am 3.Mai erschossen worden, als er in einer Moschee in Lahore betete. Die Polizei erklärte, bewaffnete Männer seien in die Moschee eingedrungen und hätten auf sieben Gläubige geschossen. Zwei weitere Personen wurden bei dem Angriff verletzt. Seit Januar kosteten die Zusammenstöße zwischen Sunniten und Schiiten über 60 Menschenleben. Bis vor kurzem lebten die beiden Glaubensgemeinschaften friedlich nebeneinander.

Burundi

Bei der Beerdigung der ermordeten Seminaristen in Bururi ist eine Trauerbotschaft des Papstes verlesen worden. Darin äußert der Papst die Hoffnung, daß die Konfliktparteien Haß und Rache beiseite lassen und endlich zu Dialog, Vergebung und Einverständnis bereit werden. Dies sei der einzig mögliche Weg, der Nation eine Zukunft zu ermöglichen, heißt es in der Botschaft.

Hinweis auf das Wochenprogramm von Radio Vatikan

Am Dienstag beginnt die Radio-Akademie über die Ordensgelübde. Junge und nicht mehr junge Ordensleute erzählen, warum sie sich zu einem Leben in Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam entschlossen haben.

Man hört Radio Vatikan

täglich 6.2o, 16.oo und 2o.2o Uhr
auf Mittelwelle 1530 kHz und
Kurzwellen-Frequenzen: 5880, 7250, 9645 kHz
über Radio Campanile (Im Kabel und auf Tonunterträger von DSF um 16.15 und 19.1o Uhr

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