Liebe Internet-Nutzer! An dieser Stelle finden Sie die Nachrichten aus der Weltkirche von Radio Vatikan vom 29.4. bis 1.5.1997

Vatikan

* Am 29.April haben in Dresden der apostolische Nuntius, Erzbischof Giovanni Lajolo und der sächsische Justizminister Steffen Heitmann die Ratifikationsurkunden des Vertrages zwischen Sachsen und dem Apostolischen Stuhl ausgetauscht. Der Vertrag enthält umfassende Regelungen zur Theologenausbildung, zu den Schulen in kirchlicher Trägerschaft, zum Religionsunterricht an den öffent- lichen Schulen sowie der Anerkennung und Förderung kirchlicher Einrichtungen im Gesundheits- und Sozialwesen. Es ist das erste derartige Abkommen der katholischen Kirche mit einem der neuen Bundesländer. Bei der Unterzeichnung dürckte der Nuntius seine Hoffnung aus, daß der Vertrag einen echten Dienst für die Bevölkerung Sachsens bedeuten möge.

* Papst Johannes Paul II hat den 39-jährigen Priester Thomas Maria Renz zum Weihbischof in der Diözese Rottenburg-Stuttgart erannnt. Er soll am 22.Juni die Bischofsweihe erhalten. Renz studierte in Tübingen und Rom und war bis jetzt Dekan in Saulgau.

* Vom 16.November bis 12.Dezember findet im Vatikan die erste Bischofssynode des amerikanishen Kontinentes statt. Sie steht unter dem Thema "Begegnung mit dem lebendigen Jesus Christus - Weg der Umkehr, der Gemeinschaft und der Solidarität in Amerika". Papst Johannes Paul II. hatte die Bischofsversammlung für alle Länder Amerikas vor etwa einem Jahr einberufen. Gleichzeitig werden auch Bischofssynoden für Europa, Asien und Ozeanien vorbereitet. Die Afrikasynode fand vor rund 2 Jahren statt.

Österreich

Voraussichtlich werden sich die Patriarchen von Konstantinopel und Moskau während der ökumenischen Europaversammlung in Wien treffen. Das hat die österreichische katholische Agentur Kathpress am 1. Mai gemeldet. Sie bezeichnet die vorgesehene Begegnung zwischen dem ökumenischen Patriarchen Bartholomäus und dem Moskauer Oberhirten Alexi als historisch. Um religiöse Neutralität zu garantieren, sei daran gedacht, daß das Treffen in der Wiener Hofburg stattfindet.

Schweiz

Das Kabinett hat drei Nicht-Schweizer Juden an die Spitze des Fonds für Holokaust-Opfer in Not berufen. Wie die Regierung am 1.Mai erklärte, befindet sich unter den insgesamt sieben Ratsmitgliedern auch Nobelpreisträger Elie Wiesel. Dieser Fonds wird aus Mitteln der Schweizer Banken und Industrie finanziert. Er ist getrennt von dem von der Regierung geplanten Fond, der aus der Aufwertung der Goldreserven des Alpenstaates gespeist werden soll.

Belgien

Die Bischofskonferenz hat am 1.Mai den Sektenbericht einer parlamentarischen Kommission scharf kritisiert. Kritisiert wird die wahllose Vermischung von Opus Dei und Scientology, Aum-Sekte und charismatischer Erneuerung. Der Sektenbegriff sei viel zu vage. Die Sektenkommission des Parlaments hatte rund 2oo Gruppen untersucht, nachdem der Massenselbstmord der Sonnentempler bekanntgeworden war.

Italien

Konflikt zwischen der Vatikanzeitung Osservatore Romano und dem italienischen Finanzminister Visco: Die Zeitung hatte infrage gesellt, ob ein Christ auch dann Steuern zahlen müsse, wenn das Geld für unmoralische Zwecke verwendet wird. Als Beispiele wurden Abtreibung, schlechte Familienpolitik und Rüstungsausgaben genannt. Minister Visco entgegnete, in Italien gebe es keine Unterscheidung zwischen "guten und schlechten Steuern".

Großbrittanien

Die Muslime des Vereinigten Königreichs haben die Sieger bei den Parlamentswahlen aufgerufen, sich gegen die andauernde religiöse Diskriminierung von Minderheiten einzusetzen. Zwei Millionen muslimischer Bürger verlangen nach der Wahl ein Gesetz zum Schutz religiöser Minderheiten. Der Chef der muslimischen Föderation erklärte am 29.4., man habe absichtlich keine Wahlempfehlung abgegeben. Immer häufiger gebe es Übergriffe auf Muslime, die hauptsächlich aus Bangladesch und Pakistan kämen. Die Gesetzeslage in England liege weit hinter der anderer europäischer Länder. Auch sollten muslimische Schulen eingerichtet und Muslimen erlaubt werden, am Arbeitsplatz zu beten.

Portugal

Das Parlament in Lissabon hat den Bischof der ehemaligen portugiesichen Provinz Ost-Timor Carlos Belo fr den UNESCO- Friedenspreis vorgeschlagen. Am Dienstag meldeten portugiesische Zeitungen die Parlamentarier wollten so die mutigen Bemhungen des Bischof um Menschenrechte ehren.

Tschechische Republik

Der Erzbischof von Prag, Kardinal Miloslav Vlk, hat am 1.Mai der Regierung Verzögerungstaktik bei der Rückgabe von enteignetem Kircheneigentum vorgeworfen. Vor Journalsiten erklärte Vlk, es sei unverantwortlich, wenn der Staat nur das zurückerstatte, was er nicht mehr brauche. Auch könne man nicht erwarten, daß die Tschechische Republik in Europäische Union und Nato aufgenommen werde, wenn derart die Menschenrechte verletzt würden. Dazu gehöre auch Rückgabe von Eigentum.

Frankreich

Oral Celik, türkischer Jugendfreund des Papstattentäters, Ali Agca, hat nach eigenen Angaben am 13. Mai 1981 ebenfalls auf Papst Johannes Paul II. geschossen. Agenturmeldungen zufolge hat Celik dem französischen Wochenmagazin "Paris Match" das Exklusivrecht seiner verspäteten "Beichte" angeboten. Ali Agca, der bisher immer betont hatte, damals auf dem Petersplatz allein gehandelt zu haben wurde seit dem Attentat durch ein Foto widerlegt, das Oral Celik unter der Menge zeigt.

Italien

Über 7.000 Teilnehmer aus allen Teilen Europas haben sich am 1.Mai im Marienwallfahrtsort Pompeji bei Neapel zum XI. Jugendtreffen versammelt. Zu den Ehrengästen der Veranstaltung, die das Programm durch eigene Referate bereichern gehören unter anderen der allbekannte französische Abbee Pierre, sowie die Schwester des von der Mafia ermordeten sizilianischen Richters, Borsellino.

Ruanda

Am 28.4. sind im Nordwesten des Landes eine Ordensfrau und 24 Schulkinder ermordet worden. Ein Sprecher der Regierung in Kigali erklärte, bewaffnete Männer, einige von ihnen in Uniform, hätten zwei Schulen unter Beschuß genommen und dann die Kinder gezielt erschossen. Die Ordensfrau sei Leiterin der Schule und belgischer Nationalität. Das Außenministerium in Brüssel ließ wissen, daß die beiden Schulen in Murumba liegen. Vermutlich sei es ein bewußter Angriff auf das Schulpersonal gewesen. Ferner wird mitgeteilt, die Schülerinnen hätten sich geweigert, in zwei Klassenräume aufgeteilt zu werden. Dann hätten die Bewaffneten geschossen. Agenturmeldungen zufolge seien noch viele andere Personen in der unruhigen Nord-West-Region ermordet worden.

Zaire

Der deutsche Caritasverband hat am 29.April gefordert, daß die 25.ooo bei Opala aufgefundenen Flüchtlinge in Würde und Ruhe in ihre Heimat zurückgeführt werden. Ein Caritasmitarbeiter vor Ort teilte mit, die meisten Menschen seien nicht transportfähig, ihr Zustand sei katastrophal. Die Rückführung innerhalb der Frist, die Zaire angegeben habe, sei unmöglich. Wenn man von 18o.ooo Flüchtlingen ausgehe, so müßten täglich 3ooo ausgeflogen werden. Dazu seien die Hilfskräfte nicht in der Lage.

Indessen hat das UNO-Flüchtlingshilfswerk die Entführung von 5o unbegleiteten Kinder und 60 Erwachsenen aus einem Krankenhaus scharf kritisiert. Von den Verschwundenen fehlte jede Spur. Die UNO verurteilte gleichzeitig die zunehmende Gewalt.

Burundi

Bei einem Überfall auf das Knabenseminar in der Diözese Bururi sind am 1.Mai 33 Seminaristen und sieben Angestellte ermordet worden. Der Sekretär der Bischofskonferenz berichtete, daß bei dem nächtlichen Überfall weitere 33 Personen verletzt wurden. Etwa gleichzeitig wurde das Haus des Bischofs beschossen, wobei nicht einmal klar sei, ob der Bischof noch lebe. Über die Mörder und ihre Motive liegen keine Informationen vor.

Sudan

Die Regierung hat begonnen, per Flugzeug Nahrungsmittel in die Stadt Juba im Süden des Landes zu transportieren. Dort befindet sich nach Angaben einer offiziellen Nachrichtenagentur eine große Anzahl von Personen, die vor der südlichen Guerrillaoffensive geflohen sind. Der sudanesische Vizekommissar für humanitäre Hilfe erklärte, die 500 Tonnen Nahrungsmittel seien von der norwegischen Kirche und dem Welternährungsprogramm gespendet worden.

Ägypten

Die höchste Autorität des sunnitischen Islam, Scheich Mohammed Sayed Tantatoui, wird nach seinem Tod Organspender. Zeitungsan- gaben zufolge kündigte der Scheich dies gestern dem Gesund- heitskomitee der regierenden Demokratischen Nationalpartei an. Dabei forderte er alle Mitglieder des Ausschusses auf, ebenfalls zu Organspendern zu werden, um dem Rest der Nation ein Beispiel zu geben. Bereits im März hatte eine offizielle Zeitung erklärt, die Regierung bereite einen Gesetzesentwurf zur Legalisierung von Organtransplantationen vor, die bislang als vom Islam verboten galten.

Vereinte Nationen

Nach Uganda werden auch Bolivien, Burkina Faso und der Elfenbeinküste, wie von der Weltbank beschlossen, die drückendsten Auslandsschulden teilweise erlassen. Durch das gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds ausgearbeitete Hilfsprogramm sollen knftig auch weitere der ärmsten Entwicklungsländer wie Benin, Mali und Togo in den Genuß des Schuldennachlasses kommen. Er beläuft sich nach den jüngsten Angaben auf rund 20% der Gesamtauslandsschulden.

Israel

Palästinenserpräsident Yassir Arafat hat die Christen kritisiert, die sich wegen der Moschee beim Heiligen Grab in Jerusalem an die Regierung Israels gewandt hatten. Bei Bauarbeiten an der Moschee war es zu Konflikten um die Eigentumsrechte an der Grabeskirche gekommen. Arafat schlug den muslimischen und christlichen Konfliktpartnern vor, ein Komitee zu bilden, um die Eigentumsfrage zu klären.

Indessen hat die Regierung Netanjahu scharfe Kritik an den muslimischen Baumaánahmen geübt. Keine islamische Einrichtung habe das Recht, bauliche Veränderungen in der Jerusalemer Altstadt ohne Regierungserlaubnis vorzunehmen. Ähnlich hatte sich der griechisch-orthodoxe Erzbischof geäußert, weil damit der status quo in der Altstadt verletzt werde.

Ost-Timor

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, bemüht sich um eine Lösung im Konflikt um die Insel. Der indonesische Gesandte für Ost-Timor, Francisco Lozez da Cruz erklärte nach einem Treffen mit Annan, es gebe jetzt einen neuen Versuch, durch Gespräche zwischen Portugal und Indonesien unter der Schirmherrschaft der UNO eine Lösung herbeizuführen. Indonesien hält den östlichen Teil der Insel seit 1975 besetzt.

Hinweise auf das Wochenprogramm von Radio Vatikan

Freitag: Prisma Magazin: Spanien auf dem Scheideweg? Ein Bericht. Libanon: Der Papstbesuch und die Opposition des Landes. Ein Interview mit Dori Chamoun, Paris. - Buch des Monats.
Samstag: Eberhard v. Gemmingen SJ: Betrachtungen zum Monat Mai - Rosenkranzgebet mit dem Papst
Sonntag: Sie schreiben - wir antworten, unsere Korrespondenzsendung Montag: Weltkirchengazin: Wochenkommentar aus Österreich. Tschechische Republik: Konflikt Kirche - Staat Dienst.: Radio-Akademie "Wie ein Siegel auf dein Herz" - Die Ordensgelübde, von Gabi Verbeek

Man hört Radio Vatikan

täglich 6.2o, 16.oo und 2o.2o Uhr
auf Mittelwelle 1530 kHz und Kurzwellen-Frequenzen: 5880, 7250, 9645 kHz
über Radio Campanile (Im Kabel und auf Tonunterträger von DSF um 16.15 und 19.1o Uhr

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