Liebe Internet-Leser! An dieser Stelle finden Sie die Nachrichten aus der Weltkirche von Radio Vatikan (22. bis 24. April 1997)

Vatikan

Kardinal Joseph Ratzinger hält das Christentum für mehr als nur eine Weltreligion. Die Auseinandersetzung mit den nicht-christlichen Religionen ist nach seiner Auffassung derzeit eines der heikelsten Themen in der katholischen Theologie. In einem Interview warnte er vor einer Relativierung des christlichen Glaubens. Gleichzeitig präzisierte Ratzinger einige kritische Aussagen zum Buddhismus, die er in den letzten Wochen gemacht hatte. Er betonte, seine Wertung des Buddhismus als Ausdruck einer "spirituellen Selbstverliebtheit"beziehe sich nicht auf die buddhistische Tradition als solche, sondern auf bestimmte Modetrends. Es gebe einen gewissen Markt, der die großen Religionen verfälsche, so der Kardinal.

Bei der Generalaudienz am Mittwoch auf dem Petersplatz hat Papst Johannes Paul II einen erneuten Appell für den Frieden in Zaire lanciert. Er forderte alle am Konflikt Beteiligten dringend zu Dialog und wahren Friedensverhandlungen auf. Man müsse mit der internationalen Gemeinschaft zusammenarbeiten. Die Waffen sollten schweigen und der Weg zur Demokratie eingeschlagen werden. Nur so könnten weitere schlimme Leiden erspart werden. Besonderes Augenmerk richtete der Papst auf die ruandischen Flüchtlinge. Er bat dringend darum, daß man ihnen die Hilfe, derer sie bedürften, zusichere. Sie sollten die Möglichkeit haben, ungehindert in ihr Heimatland zurückzukehren, so der Papst.

Das Ende des Geiseldramas von Lima wurde auch im Vatikan mit Erleichterung begrüßt. Trauer über die Todesopfer bei der Erstürmung der japanischen Botschaft. Dies zeigte die Erklärung des päpstlichen Pressesaals von Mittwoch. Auf der anderen Seite: Geiselnahmen und gewaltsame Besetzungen von diplomatischen Sitzen sind nicht der Weg, um Problemsituationen zu lösen. Auch auf dieses ethische Prinzip wies Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls hin. Die einzige Möglichkeit bestünde im Dialog und in verantwortungsbewußten Verhandlungen. Der vermittelnde Erzbischof Juan Luis Cipriani hatte bis zuletzt versucht, diese militärische Lösung der Affäre zu verhindern.

Papst Johannes Paul II hat am Donnerstag zu verstärkten Friedensbemühungen aufgerufen. Anlaß war die Übergabe des Beglaubigungsschreibens der neuen Botschafter beim Apostolischen Stuhl aus dem Sudan, Algerien, Syrien, Bangladesch, Island, Finnland, Malta, Mauritius und Zypern. Bei seiner Ansprache an die Botschafter hob der Papst den Willen der Kirche hervor, sich an der Suche nach Friedenslösungen zu beteiligen. Die Erhaltung demokratischer Grundwerte forderte er ebenso deutlich, wie die Überwindung von Armut und Ausbeutung.

Mit dem Blick auf die kritische Lage in Zypern forderte Johannes Paul alle Konfliktparteien auf, die Freiheit der Bewohner zu wahren. Die Trennung des nördlichen und südlichen Teils der Insel müsse überwunden werden.

Mit besonderem Interesse wurden die Worte des Papstes an die neuen Botschafter des Sudan und Algeriens verfolgt. Das sudanesische Volk und seine Regierung möchten eine Gesellschaft errichten, die von dauerhaftem Frieden und Stabilität gekennzeichnet sei, erklärte er. Das erfordere die Teilhabe aller Bevölkerungsschichten, es müsse eine neue Brüderlichkeit im Sudan enstehen. Die Religionsfreiheit müsse gewahrt werden. Mit Blick auf Algerien betonte der Papst die Notwendigkeit, eine neue Kultur des Friedens zu entwickeln, die über jeder Form von Einzelinteressen stehe.

Die Päpstliche Akademie der Sozialwissenschaften diskutiert bei ihrer dritten Vollversammlung die Problematik "Das Recht auf Arbeit". Themen sind u.a. die Frau im Arbeitsleben und der technologische Fortschritt als Herausforderung mit sozialen Veränderungen.

Homosexuelle können wie alle anderen Christen heiliggesprochen werden. Diese Ansicht vertrat das Mitglied der Internationalen Theologenkommission, Jean Louis Bruges, in der Vatikanzeitung "Osservatore Romano". Es müsse bei homosexuellem Verhalten zwischen "Unregelmäßigkeit" und dem "Leiden des Homosexuellen" unterschieden werden.

Das Turiner Grabtuch, das vor zwei Wochen bei einem Brand gerettet worden war, wird im kommenden Jahr ausgestellt. Der Turiner Erzbischof, Kardinal Giovanni Saldarini, kündigte außerdem neue Untersuchungen zur Echtheit des Tuches an, lehnte eine weitere Analyse mit der radioaktiven Zerfallsmethode C18 jedoch ab.

Europäische Länder

Bosnien

Der katholische und der orthodoxe Bischof von Banja Luka haben die Rückgabe aller kirchlichen Gebäude gefordert. Bei einem Besuch seines orthodoxen Amtsbruders bat Bischof Franjo Komarica auch darum, daß die serbischen Behörden zwei inhaftierte katholische Priester freilassen. Komarica besuchte in den letzten Tagen auch den islamischen Mufti der Stadt; dabei dankte ihm dieser für den Papstbesuch in Sarajewo.

Großbritannien

Eine Gruppe anglikanischer Bischöfe hat aktive Homosexualität aufs schärfste verurteilt. Nach Angaben des nigerianischen Erzbischofs Joseph Adetiloye hatten sich insgesamt 80 Kirchenvertreter aus vier Kontinenten gegen gleichgeschlechtliche Ehen ausgesprochen. Auf dem Treffen der anglikanischen Bischöfe in London wurde zudem der Eintritt von Homosexuellen in den Priesterstand abgelehnt.

Deutschsprachige Länder

Schweiz

Im Zusammenhang mit der Diskussion über das Verhalten des Landes im Zweiten Weltkrieg hat sich die evangelisch-reformierte Kirche des Kantons Aargau bei den heute dort lebenden Juden entschuldigt. Durch sein Verhalten sei der Kirchenrat von damals am Fortbestehen des Antisemitismus und an der verfehlten Flüchtlingspolitik im Land passiv mitschuldig geworden. Das müsse heute "ohne wenn und aber" anerkannt werden, sagte jetzt Kirchenratspräsident Paul Jäggi.

Deutschland

Die beiden großen Kirchen haben die Regierungen der Europäischen Union aufgefordert, den europäischen Kontinent nicht nach außen abzuschotten. In einem am Mittwoch veröffentlichten Aufruf erklärten sie, Europa brauche nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft, sondern zugleich eine Wertegemeinschaft, die von Austausch und Dialog leben müsse. Die Regierungen sollten gerade deshalb die Solidarität mit den Hilfesuchenden fördern. Das schreiben der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann und der Vorsitzende des Rates der evangelischen Kirche, Klaus Engelhardt in dem Wort zur diesjährigen Woche des ausländischen Mitbürgers. Mitunterzeichner ist auch der griechisch-orthodoxe Metropolit von Deutschland, Augostinos. In dem Papier werden alle Menschen aufgefordert, weiterhin gegen Fremdenfeindlichkeit und jede Form von Gewalt einzustehen. Die Woche des ausländischen Mitbürgers findet in diesem Jahr Ende September statt.

Deutschland

Die Scientology-Sekte soll weiterhin unter Beobachtung bleiben. Das forderte jetzt der baden-würtembergische Innenminister, Thomas Schäuble. Nach Angaben eines Experten der Tübinger Universität gefährdet Scientology die Integrität des deutschen Staates. Die Sekte allerdings als kriminelle Organisation zu katalogisieren, sei aus Mangel an Beweisen nicht möglich.

Deutschland

Der Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit hat sich für die Ausbildung von islamischen Religionslehrern in der Bundesrepublik ausgesprochen. Er betonte in einem Zeitungsinterview, man müsse alles tun, um eine Vereinheitlichung des Islam zu ermöglichen. Zudem sprach sich der Grünenpolitiker für einen europäischen Islam aus, der als Religion genauso anerkannt werden sollte wie die anderen großen Religionen.

Österreich

Der Wiener Alterzbischof Franz König und die burgenländische Superintendentin Gertraud Knoll haben die Bedeutung der bevorstehenden Zweiten Ökumenischen Versammlung in Graz betont. König bekundete am Montag seine Bereitschaft, beim Aufbau des evangelischen Museums mitzuhelfen.

Lateinamerika

Kuba

Die Leiterin des staatlichen Religionsbüros, Caridad Diego, lobt die gute Kommunikation zwischen Regierung und Kirche. Auch das gegenseitige Verständnis wachse derzeit, erklärte sie einer italienischen Nachrichtenagentur gegenüber. Sie bestritt, daß es während Fidel Castros Revolution eine Kirchenverfolgung gegeben habe; wenn Priester oder Kirchenvertreter inhaftiert worden seien, dann nur wegen ihrer politischen Haltung

Nordamerika

Vereinigte Staaten

Mehrere religiöse Grupppen der USA haben sich jetzt zu einem Aktionsbündnis für Religionsfreiheit in Deutschland zusammengeschlossen. Die Vereinigung will die ihrer Meinung nach ungerechte Behandlung von religiösen Minderheiten anprangern. Gedacht ist offenbar vor allem an die Scientology-Sekte.

Vereinigte Staaten

Die katholische Notre-Dame-Universität im Bundesstaat Indiana hat den Gründer der ökumenischen Gemeinschaft von Taize, Roger Schutz, mit dem "Internationalen Preis für humanitären Einsatz" ausgezeichnet. Agenturmeldungen zufolge wird die Gemeinschaft die Preissumme von rund 17.000 Mark dem russisch-ortodoxen Patriarchen Alexej II. für karitative Zwecke zur Verfügung stellen.

Vereinigte Staaten

Mißstände bei der Indianerseelsorge hat die Kirchenzeitung der Diözese Phönix im Bundesstaat Arizona beklagt. Die Sonntagsgottesdienste fänden meist ohne Priester in heruntergekommenen Kirchen statt. Eucharistiefeiern würden den Indianern höchstens alle zwei Monate ermöglicht, heißt es in einem Artikel der Zeitung.

Vereinigte Staaten

Präsident Bill Clinton ist am Mitwoch mit dem tibetischen Religionsführer Dalai Lama zusammengtroffen. Der Präsident erklärte, er wolle China zu einem aoffenen Dialog mit dem Dalai Lama aufrufen. China zeigte sein Mißfallen über das Treffen.

Afrika

Zaire

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat auf die verzweifelte Lage der rund 80.000 Flüchtlinge im Osten des Landes hingewiesen. Ein Sprecher bezeichnete die Blockade der Lebensmitteltransporte von Seiten der Rebellen als Menschenrechtsverletzung. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen sprach in diesem Zusammenhang von Völkermord.

Äthiopien

Für mehr Kontakte zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche des Landes hat sich der apostolische Nuntius in Addis Abbeba, Erzbischof Silvano Tomasi ausgesprochen. Die Zusammenarbeit könne vor allem Entwicklungshilfeprojekten und dem Aufbau gegenseitigen Vertrauens dienen, so der Nuntius.

Kenya

Der Präfekt der vatikanischen Bischofskongregation, Kardinal Bernardin Gantin, hat an der ausserordentlichen Vollversammlung der afrikanischen Bischöfe teilgenommen. Thema war die Lage in der Krisenregion an den Großen Seen. Er erklärte dazu, die dortigen Kirchen seien seit langer Zeit einer schrecklichen Prüfung unterzogen, täten aber alles, um den Flüchtlingen und Armen der Region zu helfen. Papst Johannes Paul II hatte in Nairobi eine Solidaritätsbotschaft verlesen lassen, die von einer finanziellen Hilfsleistung begleitet worden war.

Asien

Libanon

Der geistige Führer der proiranianischen Hizbollah-Bewegung, Scheich Mohammed Fadlallah, möchte im Mai mit Papst Johannes Paul II zusammentreffen. Er äußerte sich zugleich skeptisch, ob eine solche Begegnung außerhalb des Protokolls stattfinden könne. Bei einem möglichen Gespräch wolle er vor allem sicherheitspolitische Probleme in Nahost besprechen.

Vietnam

Die Landesregierung will das 1975 enteignete Karmelitinnenkloster in Hue zurückerstatten. Die seither in der Nähe von Hanoi in vollkommener Armut lebenden Ordensfrauen haben bereits ihren ehemaligen Karmel besichtigt.

Iran

Außenminister Ali Akbar Velayati hat Meldungen dementiert, daß iranische Fundamentalisten dem Papst nach dem Leben trachteten. Der Iran unterhalte enge Beziehungen zum Vatikan und sei sich mit ihm in vielen Fragen einig.

Indien

Kirchenvertreter befürchten, daß die politischen Verhältnisse im Land auch unter dem neuen Ministerpräsidenten Gujral instabil bleiben. Sie erwarten von ihm jedoch, daß er der Diskriminierung von kastenlosen Christen ein Ende setzt.

Hinweise auf das Wochenprogramm von Radio Vatikan (21.4.-27.4.)

Freitag: Prisma-Magazin mit Vorbericht von der Papstreise nach Prag und dem Ankunftszeremoniell in der tschechischen Republik. Außerdem: Deutschland: Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. - Griechenland: Kampf zwischen Staat und Kirche. Ein Bericht.

Samstag und Sonntag: Berichte von der Papstreise nach Prag.

Montag: Weltkirchenmagazin: Tschechische Republik: Rückblick auf die 76. Auslandsreise von Papst Johannes Paul II. - Schweiz: Was sich alles tut, in der Alpenrepublik. Ein Bericht. - Deutschland I: Eröffnung der Renovabis-Hilfsaktion. - Deutschland II: Rückblick zur Vollversammlung des Zentralkomittees der deutschen Katholiken in Bonn.

Dienstag: Maria - Mutter des Glaubens. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Eine Betrachtung zum Marienmonat Mai von Matthias Kopp, Rom.

Mittwoch: Römische Woche: Die schottischen Bischöfe beim ad-Limina-Besuch in Rom. - Ein Kardinal erbt Millionen. - Vollversammlung der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften. - Ein Haus zieht um: Die "Casa di Goethe" bereitet in Rom ihre Öffnung vor.

Donnerstag: Kreuz des Südens:

Man hört Radio Vatikan

täglich 6.2o, 16.oo und 2o.2o Uhr

auf Mittelwelle 1530 kHz und Kurzwellen-Frequenzen: 5880, 7250, 9645 kHz

über Radio Campanile (Im Kabel und auf Tonunterträger von DSF um 16.15 und 19.1o Uhr

Für die Internet-Nachrichten verantwortlich:

Bettina Gabbe
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