Nachrichten aus der Weltkirche von Radio Vatikan (vom 11. bis 14. April)

Papstreise nach Sarajewo:

Ankunft: Nach seiner Ankunft am Samstag gegen 17.30 wurde der Papst zunächst von zwei der drei bosnischen Föderationspräsidenten begrüßt. Anschließend fuhr er zur Kathedrale, um dort beim Vespergebet mit dem Klerus und den Ordensleuten sowie Seminaristen zusammenzutreffen.

Leuchter: Bei dieser Vesper überreichte Johannes Paul einen Leuchter an den Erzbischof von Sarajewo, Kardinal Vinko Puljic. Dieser hing seit über drei Jahren im Petersdom vor einem Marienbild und sollte zum besonderen Gebet für die Krisenregion mahnen.

Minen gefunden: Kurz vor der Anreise des Papstes waren unter einer Brücke mehrere Anti-Panzer-Minen entdeckt worden. Wie ein Polizeisprecher erklärte, gebe es keinen Grund zur Beunruhigung, da solche Kriegsrelikte häufiger gefunden worden seien. Bosniens Staatspräsident Izetbegovic entschuldigte sich in einem Brief an den Papst für den Vorfall.

Präsidenten: Im Nationalmuseum traf der Papst mit den drei Präsidenten der bosnischen Föderation zusammen. Im Museum deshalb, weil sich die Präsidenten dort bisher immer getroffen hatten, wenn sie Gemeinsames zu besprechen hatten. Begrüßt wurde Johannes Paul vom muslimischen Präsidenten Alia Izetbegovic. Dann wandte sich der Papst in einer Rede an die drei Präsidenten. Anschließend traf er dann getrennt mit jedem von ihnen zu privaten Gesprächen zusammen.

Messe: Am Sonntag feierte der Papst im Kosevostadion eine Messe, zu der mehr als 60.000 Gläubige kamen. In seiner Predigt rief der Papst erneut dazu auf, den Frieden auf dem Balkan zu wahren.

Regina-Coeli: Zum Regina-Coeli-Gebet, das auch auf den Petersplatz nach Rom übertragen wurde, erhielt der Papst drei Friedenstauben als Geschenk. Unter dem Applaus der Menschen ließ er die Tauben fliegen - als Zeichen der Freiheit für Bosnien-Herzegowina.

Vatikan:

Antisemitismus: Am Freitag hat sich PJPII gegen den Antisemitismus ausgesprochen. In einer Ansprache vor der Vollversammlung der Päpstlichen Bibelkommission betonte er, das Christentum dürfe nicht seine jüdischen Wurzeln vergessen. Christus sei ein wirklicher Sohn Israels gewesen und deshalb könne kein Christ es akzeptieren, daß Juden verachtet oder gar mißhandelt würden.

Hondurasreise: Gegen eine Papstreise nach Honduras hat sich der Erzbischof der Hauptstadt Tegucigalpa ausgesprochen. Auch als Anschluß an einen bereits geplanten Aufenthalt auf Kuba könne der Papst sich einen erneuten Besuch in Honduras gesundheitlich nicht erlauben, erklärte Erzbischof Rodriguez.

Solidarität: Der Papst hat am Samstag die Kirche Frankreichs eindringlich aufgerufen, Solidarität mit den vom Leben Geschlagenen zu üben. Vor Bischöfen der französischen Region Mitte-Ost drückte Johannes Paul seine überzeugung aus, daß ohne Solidarität die anderen Werte der französischen Revolution ohne Bedeutung seien. Vor allem verlangten die neuen Armen Frankreichs nach einem solidarischen Verhalten der Kirche.

Selig: Der Gründer der Vinzenz-Konferenzen, Frederic Ozanam, soll demnächst seliggesprochen werden. Das hat der Papst am Samstag in seiner Ansprache vor den französischen Bischöfen bekanntgegeben. Dem ehemaligen Universitätsprofessor Ozanam wurde offiziell eine Wunderheilung zugesprochen.

Krisengebiete:

Bosnien - Dayton ist umnoralisch: Der Weihbischof von Sarajewo, Peru Sudar, hat in einem am Freitag vorab veröffentlichten Interview erklärt, das Friedensabkommen von Dayton sei unmoralisch. 49% des Territoriums seien mit dem Abkommen vom Dezember 1995 an jene gegangen, die die Aggression begonnen hätten.

Peru - Angehörige der Geiseln: Die Angehörigen der in Lima festgehaltenen Geiseln haben einen stärkeren Einsatz für ihre Befreiung aus der seit Dezember andauernden Gefangenschaft gefordert. In einem Appell an Präsident Alberto Fujimori sprachen sie sich am Donnerstag für eine baldige Lösung aus. Der Regierung wird vorgehalten, Zeit gewinnen zu wollen. Fujimori, der eine friedliche Lösung anstrebt, hat bisher der Forderung der Rebellen, die inhaftierten Gesinnungsgenossen freizulassen, nicht nachgegeben.

Kolumbien - Bemühen um Frieden: Die Regierung in Bogota hat am Freitag zu Friedensgesprächen ohne Bedingungen mit den linken Guerillagruppen aufgerufen. Gleichzeitig erklärte sie, sie werde die Rebellen als legitime politische Kraft anerkennen. Zu dieser neuen und bedeutenden Wendung kam es einen Tag nach dem Amtseid des neuen Verteidigungsministers. Dieser hatte bei dieser Gelegenheit geschworen, daß die Fortsetzung des Friedensprozesses bei seiner Arbeit an erster Stelle stände. Außerdem hatte er die Schaffung eines "Nationalen Rates für den Frieden" angekündigt.

Nicaragua - Waffenstillstand: Die Regierung hat einen teilweisen Frieden mit der größten bewaffneten Gruppe geschlossen, die noch aus dem Bürgerkrieg besteht. Das wurde am Freitag in Managua bekannt. Das Übereinkommen über einen zeitweisen Waffenstillstand war am Donnerstag unter den Augen von Vertretern der katholischen Kirche und weiteren Beobachtern unterzeichnet worden.

Israel - Kritik vom Roten Kreuz: Die Bauvorhaben der Regierung Netanjahu verletzen die Genfer Konvention. Das hat der Präsident des internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Cornelio Sommaruga, am Donnerstag erklärt. Er bedauerte, daß die systematischen Verletzungen der Konvention viele humanitäre Probleme auf beiden Seiten verursacht hätten und forderte eine regelmäßige Überwachung ihrer Einhaltung.

Israel - Bauvorhaben: Das stark kritisierte Bauvorhaben in Jerusalem wird nicht vor dem Jahr 2000 konkrete Formen annehmen. Das hat Premierminister Benjamin Netanjahu am Montag bekanntgegeben. Zeit genug, um in den kommenden drei Jahren zu einem friedlichen Abkommen mit den Palästinensern zu kommen, erklärte er.

Tibet - begrenzte Autonomie: Der Dalai Lama hat sich am Sonntag in Barcelona für eine begrenzte Autonomie seines Landes innerhalb der Staatsgrenzen Chinas ausgesprochen. Bei einer Pressekonferenz anläßlich seines Spanienbesuches erklärte er seine Bereitschaft, auf die volle Unabhängigkeit mittelfristig zu verzichten. China könne Tibets Außenpolitik führen, wenn dem Volk des kleinen Landes alle anderen Kompetenzen blieben. Der Nobelpreisträger versicherte, daß die Erhaltung der tibetanischen Kultur zur Zeit seine größte Sorge sei.

Zaire - Cholera: Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat am Sonntag mitgeteilt, daß sich unter den ruandischen Hutu-Flüchtlingen im Osten Zaires eine Cholera-Epidemie ausbreite. Damit werden sich die Pläne zur Rückführung der mindestens 100.000 Flüchtlinge, die sich zwischen Kisangani und Ubundu aufhalten, verzögern.

Menschenrechte:

Resolution: Trotz der unterschiedlichen Auffassung unter den Mitgliedstaaten der Europäischen Union über die umstrittene Frage der Menschenrechtsverletzungen in China hat Dänemark der Verabschiedung einer Resolution zugestimmt. In dem Dokument wird China aufgefordert, umgehend politische Gefangene freizulassen, ein effizienteres Rechtssystem zu schaffen und mit UNO-Menschenrechtsexperten zusammenzuarbeiten. Die Forderungen an die chinesische Regierung sollen in der nächsten Woche der UNO-Menschenrechtskommission zur Ratifizierung vorgelegt werden. Bisher war es China immer gelungen, solchen Forderungen auszuweichen.

Hinrichtungen: Im Rahmen ihres Kampfes gegen das organisierte Verbrechen sind in der Volksrepublik China im vergangenen Jahr über 3.000 Menschen hingerichtet worden. Das hat die Menschenrechtsorganisation Amnesty international am Montag mitgeteilt.

Indianerreservat: Die brasilianische Regierung plant, ein großes Stück Regenwald zu seinem zweitgrößten Indianerreservat zu erklären. Noch wehren sich jedoch sowohl Drogenschmuggler und Holzinteressenten als auch Bewohner angrenzender Dörfer gegen das Projekt.

Einbruch: Eine Kommission der mexikanischen Bischöfe, die sich mit sozialen Anliegen beschäftigt, hat am Samstag mitgeteilt, daß in ihren Räumen ein Einbruch stattgefunden hat. Die Diebe nahmen jedoch nur die Computer mit, die interne Daten über die humanitäre Arbeit der Organisation enthalten. Vertreter der Kommission vermuten, daß der Einbruch im Zusammenhang mit ihrer Arbeit in der Krisenregion Chiapas steht.

Kirche:

Brand: In der Nacht auf Samstag hat ein Brand Teile des Doms von Turin zerstört. Besonders stark ist die Guarini-Kapelle betroffen, in der sich das Grabtuch Jesu befindet. Die Reliquie konnte rechtzeitig gerettet und in den Amtssitz des Erzbischofs der Stadt, Kardinal Giovanni Saldarini, gebracht werden. Die Ursache des Brandes ist bisher noch ungeklärt. Vom Feuer und der Rettung des Grabtuches wurde umgehend Papst Johannes Paul II. informiert.

Ausreise verweigert: Die indonesische Regierung hat einem katholischen Priester die Ausreise verweigert. Ignatius Sandyawan Sumardi hatte am Donnerstag aus gesundheitlichen Gründen eine Reise nach Australien antreten wollen. Nach Angaben seines Anwaltes seien keine Gründe für das Verbot genannt worden. Sumardi leitet ein Zentrum für arme Menschen und elternlose Kinder. Er steht außerdem den von der Polizei verfolgten Oppositionsmitgliedern bei. Für seine unermüdliche Tätigkeit ist der Priester Ende letzten Jahres mit dem indonesischen Menschenrechtspreis ausgezeichnet worden.

Entschuldigt: Der Kardinal des niederländischen Utrecht, Adrianus Simonis, hat sich bei der jüdischen Gemeinde seines Landes entschuldigt. Das hat die neue israelische Wochenzeitschrift am Donnerstag berichtet. Anlaß war ein Witz über Juden gewesen, den der Kardinal Ende März im Fernsehen erzählt hatte. Die Zeitschrift hatte Simonis Diskriminierung vorgeworfen.

Kirchenbesitz rückerstattet: Kirchenvertreter der tschechischen Republik haben am Donnerstag den Entschluß der Regierung in Prag begrüßt, einige Gebäude an die Kirche zurückzugeben. Am Mittwoch war diese Entscheidung im Parlament gefallen. Die Kirche im Lande drückte sogleich ihre Hoffnung aus, daß ihr weitere Bauten wiedererstattet werden. Sie hatte der Regierung von Vaclav Klaus eine Liste übergeben, auf der 655 Gebäuden genannt sind, die die Kirche zurückerhalten will.

Landbesitz: Die brasilianische Kirche will für den Fall einer Landreform einen Teil ihres Landbesitzes zur Verfügung stellen. Das wurde am Donnerstag in Sao Paolo bekannt, wo die Vollversammlung der Bischofskonferenz tagt. Wie jedoch der Zuständige für soziale Fragen betonte, werde das meiste Land für kirchliche Gebäude verplant.

Aufruf für Indios: Die mexikanische Bischofskonferenz hat am Freitag die Regierung aufgerufen, den Indios in Chiapas eine autonome Verwaltung zu garantieren und die Menschenrechte zu respektieren. Gleichzeitig wünschten die Bischöfe, daß der Friedensprozess fortgesetzt werde. Sie hatten mit Politikern und Militärs über die Befriedung der Chiapas-Region gesprochen.

Vorurteile: Der Vorsitzende des lateinamerikanischen Bischofsrates, Erzbischof Rodriguez, hat den USA am Freitag vorgeworfen, sie hätten gegenüber Lateinamerikanern vereinfachende Vorurteile. Er reagierte damit auf Pläne aus Washington, Einwanderer aus dem Süden massiv abzuschieben. Rodriguez gestand den USA zu, autonom entscheiden zu können - jedoch habe man im Norden vereinfachende und rassistische Vorstellungen, betonte er.

Weitere Meldungen:

Euthanasie: Am Donnerstag hat das US-amerikanische Repräsentantenhaus mit großer Mehrheit entschieden, daß ärztlich unterstützte Euthanasie nicht mit öffentlichen Mitteln gefördert werden darf. Dem muß jetzt noch der Senat zustimmen. Präsident Clinton erklärte umgehend, daß er dieses Gesetz unterzeichnen werde.

Scientology: Die französische Regierung hat vor Broschüren der Scientology-Sekte gewarnt, die diese in Schulen verteilt. In einem Brief werden die Direktoren in ganz Frankreich aufgefordert, mit großer Aufmerksamkeit und Standfestigkeit zu reagieren. Die Sekte hatte am Dienstag etwa 5.000 ihrer Magazine verschickt, in denen sie ihre Lehrmethoden erklärt.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz. - Seit dem 8. Dezember können Teile der Sendungen von Radio Vatikan über Radio Campanile empfangen werden. Das Programm können Sie über Astra auf einem Ton-Unterträger des Deutschen Sportfernsehens hören. Auf den Frequenzen 7,74 und 7,92 MHz. (Sendezeiten für Radio Vatikan-Beiträge: täglich um 7.15 Uhr, 11.15 Uhr und 19.15 Uhr)

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt

werden.

Magazine in dieser Woche (14. bis 20. April):

Montag: Weltkirchenmagazin GEPLANTE BEITRÄGE: Würdigung von Kardinal Josef Ratzinger durch den ehemaligen Bayerischen Kultusminister, Hans Maier. - Abschlußkommentar zur Sarajewo-Reise des Papstes von Stefan Kempis. - Interview mit Weihbischof Marx über das Sozialwort der Kirchen in Deutschland. - Ein Schweizer Kommentar zu der These von Professor Haag über die Abschaffung des Priestertums.

Dienstag: Radioakademie: König David (3) von Aldo Parmeggiani

Mittwoch: Die Römische Woche GEPLANTE BEITRÄGE: Zum Auftakt der Vollversammlung des Päpstlichen Rates Cor Unum: Ein Gespräch mit Bischof Cordes. - Theologenkommission: Was hat es mit den angekündigten Antisemitismusuntersuchungen auf sich? - Besprechung eines Rom-Buches.

Donnerstag: Kreuzfeuer

Freitag: Prisma

Samstag: Betrachtung zum Sonntag von Bertram Meier und der Kommentar der Woche von Benedikt Steinschulte.

Sonntag: Sie schreiben - wir antworten Korrespontenzsendung

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(Redaktion: Ruthild Kropp)

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