Liebe Internet-Leser! An dieser Stelle finden Sie die Nachrichten aus der Weltkirche von Radio Vatikan (vom 08. bis 10. April)

Papstreise nach Sarajewo:

Generalprobe: Die Papstreise am Wochenende in die bosnische Hauptstadt Sarajewo ist ein Test für die Einhaltung des Friedensvertrages von Dayton. Diese Auffassung haben am Donnerstag mehrere Kommentatoren in kroatischen und bosnischen Tageszeitungen vertreten. Man erhoffe sich von der Reise des Papstes einen klaren Friedensappell und jede Verurteilung der anhaltenden ethnischen Säuberungen, heißt es weiter.

 

Friedenspreis: Der Papst wird in Sarajewo den Internationalen Friedenspreis "Johannes XXIII" verleihen. Wie am Dienstag im Vatikan bekannt wurde, soll der mit 50.000 US-Dollar dotierte Preis an caritative Einrichtungen vergeben werden, die sich während des Bürgerkrieges besonders für humanitäre Hilfen eingesetzt haben. Demnach wird neben der katholischen Caritas Bosnien auch der entsprechende Hilfsdienst auf muslimischer, serbisch-orthodoxer und jüdischer Seite geehrt.

 

Kommt nach Sarajewo!: Die bosnischen Bischöfe haben am Montag ihre Gläubigen aufgefordert, die Angst zu überwinden und zahlreich zum Papstbesuch nach Sarajewo zu kommen. Trotz Zusicherungen Verantwortlicher fürchten die Katholiken, besonders aus Kroatien, sich in die Hauptstadt zu begeben, deren Bevölkerung hauptsächlich aus Muslimen besteht.

 

Plakate entfernt: Nachdem die Plakate zum Papstbesuch in Sarajewo den Unwillen der Muslime erregt hatten, sind sie nach Fernsehangaben wieder entfernt worden. Grund der Kritik waren die ausschließlich kroatischen Symbole auf den Fahnen der Gläubigen, die dem Papst zujubeln. Die Medien verurteilten die Aussage der Plakate, denn Absicht des Papstbesuchs in Bosnien sei es, alle Gruppen des Landes ansprechen.

Vatikan:

Wurzeln des Antisemitismus: Die Wurzeln des Antisemitismus in der christlichen Welt sollen bis zur Jahrtausendwende erforscht werden. Eine solche Initiative plant der Vatikan. Das hat der päpstliche Haustheologe George Cottier in der Donnerstagsausgabe der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera erklärt. Die Ergebnisse einer entsprechenden Fachtagung sollen so bald wie möglich dem Papst zugeleitet werden. Es gehe dabei nicht um eine historische Aufarbeitung des Antisemitismus, sondern um ein theologisches Urteil. Cottier sagte, die wichtigste Frage, die zu klären sei, wäre, wie es möglich war, daß Christen, Bischöfe, Päpste und sogar Heilige angesichts der Verfolgungen gegenüber Juden passiv geblieben sind.

 

Israel: Der Staat Israel hat dem Papst am Donnerstag erneut offiziell zu einem Besuch im Nahen Osten eingeladen. Im Vatikan überreichte der zweite Botschafter Israels nach Aufnahme diplomatischer Beziehungen im Jahre 1994 sein Beglaubigungsschreiben. (Informationen dazu am Ende unserer Nachrichten.)

 

Kroatien: Der Papst hat am Donnerstag die kroatische Delegation in Audienz empfangen. Diese hatte am Tag zuvor drei Abkommen zwischen der Republik Kroatien und dem Apostolischen Stuhl unterzeichnet. Johannes Paul unterstrich dabei die gute Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat.

 

Edith Stein: Am Dienstag hat Papst Johannes Paul II. mehrere Wunder und Martyrien bestätigt - unter diesen auch ein Wunder, das auf die Fürsprache der seligen Edith Stein zurückgehen soll. Damit steht ihrer Heiligsprechung nichts mehr im Wege. Die Gemeinschaft polnischer Juden in Warschau hat den Papst aufgefordert, die selige Edith Stein nicht heiligzusprechen. Das wurde in einer Erklärung bekannt, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Dieser Schritt könne zu viel Unruhe unter den Juden führen, heißt es in der Begründung.

 

Welternährungsgipfel: Am Dienstag hat der ständige Vertreter des apostolischen Stuhls bei den UNO-Einrichtungen in Rom, Erzbischof Alois Wagner, die Staaten aufgerufen, die Ergebnisse des Welternährungsgipfels in die Tat umzusetzen. Er kritisierte, daß im Bereich der Nahrungsmittelproduktion oft nur die Marktgesetze gelten. Qualität müsse vor Quantität stehen. Derzeit werden allen Regierungen Leitlinien für die Landwirtschaftspolitik zugesandt.

 

Erzbischof Chicago: Der Papst hat am Dienstag den Oblatenpater Fancis George an die Spitze der Erzdiözese Chicago berufen. George folgt damit dem im November verstorbenen Kardinal Joseph Bernardin. Bisher war der romerfahrene Ordensmann Bischof der amerikanischen Diözese Portland im US-Bundesstaat Oregon.

 

Tourismus: Der Tourismus ist eine Frage der Kultur und nicht nur der Wirtschaft. Dies hat am Mittwoch ein Vatikanvertreter vor der Europakomission der Welt-Tourismus-Organisation in Salzburg unterstrichen. Die Staaten müßten den kulturellen Aspekt mehr als bisher vor Augen haben. Es gehe darum, eine falsche Auffassung von Tourismus zu bekämpfen und zu überwinden.

Krisengebiete:

Albanien - Caritas: Die österreichische Caritas will ihre Hilfsprojekte für die Krisenregion weiter fortsetzen. Das erklärte ein Verantwortlicher am Montag nach seiner Rückkehr aus Tirana. Vor Ort habe er feststellen können, daß die Kirche relativ wenig Zerstörungen zu beklagen habe. Die Caritas im Land sei nach wie vor voll funktionstüchtig, ebenso zwei Drittel der kirchlichen Infrastruktur. Besonders dringend werden in Albanien nach wie vor Medikamente benötigt - außerdem Chemikalien zur Wiederaufbereitung von Wasser, um die Seuchengefahr zu verringern.

 

Albanien - Appell: Der Erzbischof von Tirana, Prok Mirdita, hat am Dienstag in einem Appell um Hilfe für den Aufbau des Landes gebeten. Er forderte zur Unterstützung nicht nur durch die multinationale Einsatztruppe, sondern auch durch grundlegende und dauerhafte Hilfsmaßnahmen auf.

 

Zaire - Friedenskonferenz: Berichterstatter der Vereinten Nationen in Zaire, Ruanda und Burundi haben am Dienstag in Genf eine internationale Friedenskonferenz gefordert. Dort sollte nicht nur über den Frieden und die Sicherheit, sondern auch über die Entwicklung gesprochen werden.

 

Zaire - Verzögerung: Die humanitäre Hilfsaktion für ruandische Flüchtlinge im Osten Zaires verzögert sich weiter. Wie das UNO-Flüchtlingshilfswerk in der vergangenen Nacht erklärte, müßten noch die Routen für die Flüge geklärt werden. Man hoffe aber, zum Wochenende mit den ersten Aktionen beginnen zu können.

 

Zaire - Massaker: Am Dienstag hat ein Beobachter der Vereinten Nationen die befürchteten Massaker an mehreren Tausend Hutu-Flüchtlingen in Ostzaire bestätigt. In einem sechzehnseitigen Bericht werden 40 Plätze genannt, an denen es zu Massakern von tutsigeführten Rebellen an Hutus gekommen sei.

 

Uganda - Friedensgespräche: Die Rebellen im Norden des Landes haben am Dienstag ihre Bereitschaft zu Friedensgesprächen mit der Regierung signalisiert. Ein Vertreter der fundamentalistischen christliche Rebellenorganisation "Widerstandsarmee des Herrn", erklärte, man sei zu einem ersten Treffen bereit. Ob die Rebellen ihre Massenentführungen besonders von Schülern einstellen wollen, ist allerdings noch nicht klar.

 

Israel - Kollek: Der langjährige Bürgermeister von Jerusalem, Teddy Kollek, hat sich gegen eine erneute Teilung der Stadt ausgesprochen. In der jüngsten Ausgabe einer jüdischen Wochenzeitung schreibt Kollek wörtlich: "Als Geburtsstätte der drei großen monotheistischen Weltreligionen kann Jerusalem eine vereinigende Kraft für das höchste menschliche Streben sein."

Menschenrechte:

Hungersnot: In Nordkorea sind zwischen 6 und 8 Millionen Menschen von einer Hungersnot bedroht. Das hat ein US-amerikanischer Parlamentarier am Dienstag erklärt, nachdem er von einer Reise in das asiatische Land zurückgekehrt ist. Der Experte in Fragen Nahrungsmittel und Hunger zeigte sich betroffen über die Lage vor Ort. Er erklärte: "Ich habe genug Hungersnöte in meinem Leben gesehen, um sagen zu können, daß Nordkorea sich schnell auf eine schwere Hungersnot zubewegt."

 

Verletzung der Menschenrechte: Die burmesische Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi hat am Dienstag die internationale Gemeinschaft aufgefordert, die Menschenrechtsverletzungen in ihrem Land zu verurteilen. "Es gibt kaum ein Menschenrecht, das nicht durch das Militärregime verletzt wurde," erkärte die Friedensnobelpreisträgerin in einer Botschaft zur gegenwärtigen Sitzung der Menschenrechtskommission in Genf. Außerdem appellierte sie an die Gemeinschaft, beim Aufbau der Demokratie in Burma zu helfen.

 

Folter: Nach seiner Vorankündigung hat Friedensnobelpreisträger José Ramos Horta am Dienstag vor Journalisten ein Video mit Folteropfern auf Ost-Timor gezeigt.

 

Sterbehilfe und Homosexuelle: Am Dienstag hat das Europaparlament in Straßburg aktive und passive Sterbehilfe verurteilt. In der gleichen Sitzung billigten die Parlamentarier die Adoption durch Homosexuelle und erkannten die Ehen von Homosexuellen an. Ihre Bürgerrechte würden in allen europäischen Ländern bisher diskriminiert.-

Kirche:

Kritik: Nach dem Aufruf der philippinischen Bischöfe an die Bevölkerung, sich gegen eine erneute Kandidatur von Staatspräsident Fidel Ramos zu wenden, kam es am Dienstag zu scharfer Kritik von Seiten der Juristen. Mit ihrem Einwand hätten die Bischöfe die Trennung von Kirche und Staat verletzt.-

 

Arbeitslosigkeit: Die Kirchen in Großbritannien haben am Dienstag ein effektiveres Programm gegen die Arbeitslosigkeit verlangt. In dem neuen Dokument sprechen sie eine klare politische Sprache. Beobachter sehen in ihm ein Pendant zum deutschen Sozialwort der Kirchen. Auf den britischen Inseln heißt es: Arbeit sei genug vorhanden, es gelte, sie gerecht zu verteilen.-

 

Armut: Die Zahl der mexikanischen Katholiken geht wegen der Armut und der sozialen Not zurück. Mit dieser Feststellung hat die Bischofkonferenz des Landes auf den Erfolg der Sekten hingewiesen. Diese zögen unter anderem Nutzen aus der schlechten sozialen Lage vieler Mexikaner. Die Bischöfe des Landes bedauern bei ihrer derzeitigen Vollversammlung, daß die katholische Kirche angesichts der sozialen Not vieler in der Evangelisierung nicht besser gearbeitet hat.-

Meldungen aus dem deutschsprachigen Raum:

Bischofssuche: Im österreichischen Innsbruck hat der Vorsitzende des Pastoralrates am Montag Medienberichte zurückgewiesen, die über das Vorgehen bei der Suche nach einem neuen Bischof von Innsbruck spekuliert hatten. Es sei bestürzend und befremdend, erklärte er, wenn die Medien den Eindruck erweckten, als seien die Vorschläge der Ortskirche für einen neuen Bischof abgelehnt worden. Alle diözesanen Gremien seien in die Suche nach Kandidaten für die Bischofsnachfolge eingebunden gewesen.-

 

Sektenberatung: In allen neuen österreichischen Bundesländern werden demnächst Beratungsstellen für Sektenfragen eingerichtet. Das wurde am Dienstag vom Wiener Familienministerium bestätigt. Die Beratung soll betroffenen Familien helfen, mit den Sekten umzugehen. Später wird zusätzlich in Wien eine zentrale Bundesstelle für Sekteninformation und -dokumentation eingerichtet werden.-

 

Dreiländerwallfahrt: Die Einladung an den zukünftigen Erzbischof von Ljubljana, Franc Rode, im Sommer die traditionelle und politisch bedeutsame Dreiländerwallfahrt zu leiten, wurde in Slowenien positiv aufgenommen. Der Bischof des österreichischen Klagenfurt, Egon Kapellari, hatte Rode eingeladen, die diesjährige Wallfahrt anzuführen.-

Akkreditierung des neuen Botschafters von Israel beim Heiligen Stuhl.

Von Matthias Kopp, Rom.

"Die diplomatischen Beziehungen zwischen unseren Staaten könne niemals als abgeschlossen angesehen werden. Vielmehr müssen wir sie entwickeln, um mit ihnen noch größere Ziele zu erreichen." Mit diesen Worten hat Papst Johannes Paul II. die Notwendigkeit des kontinuierlichen Gespräches zwischen Israel und dem Apostolischen Stuhl in Nahost umschrieben. Gleichzeitig zeigte er sich besorgt über die jüngsten Spannungen. Ohne explizit die israelischen Bauprojekte in Ostjerusalem zu nennen, sprach er von Bedrohungen für die physische Sicherheit von Israelis und Palästinensern aufgrund einer scheinbar endlosen Spirale der Gewalt. Johannes Paul II. forderte vor dem neuen Botschafter Israels, Aharon Lopez, einen gerechten Dialog. Durch Respekt vor der Identität und Geschichte des anderen sowie durch Selbstbestimmungsrecht, Unabhängigkeit und Sicherheit könne eine friedliche Zukunft erreicht werden. Der Papst hob gleichzeitig hervor, den israelisch-vatikanischen Grundlagenvertrag auch auf juristischer Ebene umzusetzen. Deshalb sollten die Sondervereinbarungen schon bald vor dem israelischen Parlament ratifiziert werden, die dann der katholischen Kirche Grundrechte im Heiligen Land juristisch zusichern. Johannes Paul hoffe sehnlichst, zum Heiligen Jahr 2000 als Pilger nach Jerusalem kommen zu können. Diese Stadt habe einen einzigartigen Charakter, den es zu sichern gelte. Jerusalem müsse gemeinsames Erbe der ganzen Menschheit sein und für alle Generationen bewahrt bleiben. Der neue israelische Botschafter hatte die Stadt zuvor als vereinigt bezeichnet. Wörtlich fügte er hinzu: "Es gibt keine Grenzen für den menschlichen Erfindungsreichtum, um eine Lösung zu finden, die die Einheit der Stadt bewahrt und gleichzeitig die volle Religionsfreiheit garantiert."

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz. - Seit dem 8. Dezember können Teile der Sendungen von Radio Vatikan über Radio Campanile empfangen werden. Das Programm können Sie über Astra auf einem Ton-Unterträger des Deutschen Sportfernsehens hören. Auf den Frequenzen 7,74 und 7,92 MHz. (Sendezeiten für Radio Vatikan-Beiträge: täglich um 7.15 Uhr, 11.15 Uhr und 19.15 Uhr)

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser und der kommenden Woche (10. bis 16. April):

Donnerstag: Kreuz des Südens GEPLANTE BEITRÄGE: Erlebnisbericht: Kar- und Ostertage im Sudan - Die Palästinenser und die Theologie - Brasilien: Vollversammlung der Bischofskonferenz

Freitag: Prisma GEPLANTE BEITRÄGE: Bosnien-Herzegowina: Warten auf den Papst. Ein Vorbericht unseres Korrespondenten vor Ort. - Deutschland: Fachtagung zu den Schriftrollen von Qumran. Neue Entdeckungen oder alte Thesen? - Vatikan: Der Papst und der Friede in Nahost. Hintergründe zu einer denkwürdigen Rede an den neuen israelischen Botschafter beim Apostolischen Stuhl am Donnerstag. - Deutschland: Schwangerschaftskonfliktberatung und kein Ende? Der Rechtsmediziner Bernhard Wuermeling im Gespräch. - Ex-Jugoslawien: Die Menschenrechtsbeauftragte der EU zu gegenwärtigen Problemen.

Samstag: Mit dem Papst in Sarajewo

Sonntag: Mit dem Papst in Sarajewo

Montag: Weltkirchenmagazin

Dienstag: Radioakademie: König David (3) von Aldo Parmeggiani

Mittwoch: Die Römische Woche

So können Sie uns erreichen:

Wir freuen uns über Resonanz auf unsere Internet-Seiten, aber natürlich auch auf unser Radioprogramm. Bitte schreiben Sie uns. Unsere Internet-Adresse ist:

Radio Vatikan - sezione tedesca

MC6778@MCLINK.IT

(Redaktion: Ruthild Kropp)

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