Nachrichten aus der Weltkirche von Radio Vatikan (vom 01. bis 03. April)

Vatikan:

Heiliges Land: Der israelische Botschafter beim Apostolischen Stuhl, Shmuel Hadas, hat bedauert, daß von Seiten des Vatikans noch immer kein Hinweis auf eine mögliche Papstvisite im Heiligen Land gegeben worden sei. Das erklärte Hadas am Dienstag im italienischen Rundfunk. Die israelische Regierung, so der Botschafter, hoffe, daß Johannes Paul noch während der Vorbereitungen auf das Jubeljahr 2000 nach Israel reisen werde. Ein solcher Besuch könne wegen der moralischen Autorität des Papstes zu einer neuen Atmosphäre im arabisch-israelischen Friedensprozess beitragen. Israel erwarte den Papst als Friedensstifter, jedoch nicht als Vermittler, da weder der Papst noch der Vatikan eine Vermittlerrolle in dem komplizierten Friedensprozess wünschten, so Hadas.

Konkordat: Beobachter schließen eine Ratifizierung des Konkordates zwischen dem Apostolischen Stuhl und Polen vor dem Besuch von Staatspräsident Alexander Kwasniewski nicht mehr aus. Das wurde am Mittwoch aus Regierungskreisen in Warschau bekannt. Kwasniewski wird zu einem offiziellen Besuch im Vatikan am kommenden Montag erwartet. Seit Monaten gibt es in der Regierung ein Tauziehen um die Ratifizierung des Konkordates.

Vorbereitungen: Sarajewo bereitet sich auf den Besuch des Papstes vor. Wichtigster Punkt ist die Sicherheit sowohl Johannes Pauls als auch der Pilger. Die katholischen Kroaten aus Mostar etwa werden auf ihrer Fahrt nach Sarajewo die alte Frontlinie über- und muslimisches Gebiet durchqueren müssen. Die Hauptverkehrsrouten sollen aus Sicherheitsgründen für die beiden Tage des Papstbesuches für den Schwerverkehr gesperrt und verschiedene Grenzübergänge nach Kroatien geöffnet werden. In Sarajewo selbst sollen neben den 1.700 Polizisten noch Einheiten aus anderen Teilen des Landes zur Unterstützung anreisen.

Sicherheit: Nach der jüngsten Kritik eines muslimischen Sunnitenführers am Papstbesuch im Libanon, sollen die Sicherheitsvorkehrungen nochmals verschärft werden. Das hat der libanesische Innenminister am Mittwoch angekündigt. Am letzten Wochenende hatte ein Sunnitenführer, der fundamentalistischen Bewegungen nahestehen soll, den Papst aufgefordert, keinen Gottesdienst im Libanon zu feiern.

Einladung (1): Der Präsident Bulgariens, Petar Stoyanov, hat am Mittwoch seine Einladung für einen Besuch des Papstes erneuert. Für Bulgarien und seine Bevölkerung sei eine solche Reise des Papstes eine große Bereicherung, erklärte er in Sofia. Stoyanov war nach vielen Jahrzehnten der erste Staatspräsident des Landes, der zur Amtseinführung eine religiöse Zeremonie wünschte und im Januar den Segen des bulgarisch-orthodoxen Patriarchen Pimen erhielt.

Einladung (2): Die Regierung von Chile hat Papst Johannes Paul II. zu einem Besuch im Oktober nächsten Jahres eingeladen. Dies gab Präsident Eduardo Frei am Mittwoch bekannt. Eine Papstvisite könnte dem lateinamerikanischen Treffen der katholischen Jugend, die dann dort versammelt ist, eine ganz besondere Bedeutung verleihen, betonte der Präsident.

Gespräche: Am Freitag beginnen in der Glaubenskongregation die Gespräche mit Vertretern der deutschen Bischofskonferenz zur Frage der staatlichen Schwangerschaftskonfliktberatung. Neben dem Vorsitzenden der Konferenz, Bischof Karl Lehmann, und seinem Stellvertreter, Erzbischof Oscar Saier von Freiburg, werden auch die Kardinäle Joachim Meisner und Friedrich Wetter im Vatikan erwartet. Außerdem Bischof Walter Kasper aus Rottenburg-Stuttgart. Nach ausführlichen Beratungen in den letzten Monaten soll jetzt erneut die kirchliche Mitwirkung an der staatlichen Konfliktberatung diskutiert werden.

Krisengebiete:

Israel: Das Oberhaupt der koptischen Kirche, Papst Shenuda III., hat alle Christen Ägyptens aufgefordert, weder aus religiösen noch aus anderen Gründen nach Israel zu reisen. Anlaß soll das Bauprojekt eines neuen jüdischen Viertels auf dem Hügel Abu Gheim im Süden Jerusalems sein. Nach Auffassung Shenudas kann dieses Vorhaben den laufenden Friedensprozess im Land gefährden.

Albanien - Kritik an Italien: Der Vorsitzende der italienischen Caritas und Bischof von Oria, Armando Franco, hat die italienische Regierung scharf kritisiert. In einem Interview bemängelte der Bischof am Mittwoch die zu geringe Anteilnahme der Regierung angesichts der Flüchtlingsfrage. Er fügte hinzu, die Caritas stehe in der Albanienaffäre alleine da.

Albanien - Schiffskollision: Der UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat die italienischen Sicherheitstruppen aufgerufen, noch vor ihrem Einsatz mit dem albanischen Volk die Frage der Schiffskollission zu klären. Am Karfreitag war ein albanisches Flüchtlingsboot mit einem italienischen Kriegsschiff im Kanal von Otranto kollidiert. In einem Interview betonte Annan am Mittwoch, daß dem militärischen Einsatz vor Ort erst eine "psychologische Wiedergutmachung" vorausgehen sollte.

Albanien - Appell an Italien: Die Menschenrechtsorganisation Amnesty international hat an die italienische Regierung appelliert, die Verfolgung von albanischen Flüchtlingen in der Adria einzustellen. In dem am Mittwoch veröffentlichten Aufruf wird Italien vorgeworfen, mit Kontrollen auf See zur Instabilität der gesamten Situation beizutragen.

Zaire - Flüchtlinge: Nach Angaben der UNO-Hilfswerke und anderer humanitärer Einrichtungen droht tausenden von Menschen im Osten des Landes der Tod. Der UNO werde jede mögliche Hilfe für die Hutu-Flüchtlinge von den Rebellen untersagt. Die Organisation forderte eine strategische Umleitung der Flüchtlinge. Wie weiter erklärt wurde, erhielten die Menschen kaum noch Lebensmittel. Außerdem hätten sich erste Epidemien ausgebreitet.

Zaire - Friedensverhandlungen: Die Vereinten Nationen haben sich am Montag optimistisch gezeigt, daß Friedensverhandlungen in Zaire schon am Wochenende starten könnten. Unterhändlerkommissionen von Regierung und Rebellen seien sich ein Stück näher gekommen, erklärte ein Sprecher der UNO.

Angola - neue Regierung: Am 11. April soll eine Regierung der nationalen Einheit in der Hauptstadt Luanda eingesetzt werden. Darauf einigten sich am Montag abend die rivalisierenden Parteien und Rebellengruppen im Land. In ersten Reaktionen drücken Beobachter die Hoffnung aus, daß damit der Friede in dem viele Jahre vom Bürgerkrieg erschütterten Land gesichert werden könne.

Ost-Timor - Entwicklung: Durch mehr Verständigung zwischen der katholischen Bevölkerung und den regierungstreuen Muslimen kann die Entwicklung Ost-Timors besser vorangetrieben werden. Das hat der indonesische Außenminister, Ali Alatas, nach einem Treffen mit dem katholischen Bischof von Ost-Timor, Carlos Belo, am Dienstag betont. Es sei bei dieser Gelegenheit nicht über Politik gesprochen worden, sagte der Minister weiter. Man habe nur nach Wegen gesucht, die Regierung durch religiöse Toleranz und mehr Zusammenarbeit in ihren Bemühungen zu unterstützen.

Menschenrechte:

Debatte gefordert: Einer der wichtigsten muslimischen Philosophen des Iran hat am Montag eine offene Debatte über Menschenrechtsfragen gefordert. Bei einem Vortrag in New York erklärte der Philosoph Abdolkarim Saroush, es gebe keine offizielle Interpretation des Islam. Gerade deshalb müsse man sich verstärkt für den Schutz der Menschenrechte einsetzen. Diese Frage müsse Bestandteil der islamischen Lehre werden. Saroush gehört im Iran aufgrund seiner weitgehend forschrittlichen Äußerungen zu den umstrittendsten Philosophen.

Menschenrechte und Frauen: Die Vereinten Nationen verzeichnen ein größeres Engagement von Frauen im Iran. Während die Verletzung der Menschenrechte an der Tagesordnung sei, zeigten sich zahlreiche Frauen oft unverschleiert in der Öffentlichkeit. In einem Bericht der UNO vom Dienstag wird allerdings bedauert, daß sich die Zahl der Hinrichtungen im vergangenen Jahr verdoppelt habe.

Polizeieinsatz: Der Erzbischof der brasilianischen Stadt Sao Paolo, Kardinal Paulo Evaristo Arns, hat das jüngste Vorgehen der Polizei scharf verurteilt. Wiederholt soll es zu schweren Menschenrechtsverletzungen gegen Slumbewohner gekommen sein. Militärpolizisten sollen nach Angaben der Kirche Unschuldige gefoltert und erschossen haben. Sao Paolo hat seit mehreren Wochen mit einer schweren Welle der Gewalt zu kämpfen.

Gefangene mißhandelt: In der Slovakei werden festgenommene Verdächtige von der Polizei brutal mißhandelt. Dies geht aus dem Bericht einer europäischen Menschenrechtsgruppe hervor, der am Donnerstag in Straßburg veröffentlicht wurde. Die slovakische Regierung hat der Veröffentlichung ds Berichtes zugestimmt und versprochen, die Empfehlungen für ein besseres Polizeitraining umzusetzen. Mißhandlungen in der Vergangenheit würden untersucht, versicherte ein Regierungsvertreter.

Kirche:

Ökumenische Annäherung: Der katholische Administrator von Moskau, Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz, hat die guten ökumenischen Kontakte zum Patriarchat der russisch-orthodoxen Kirche gelobt. Wie er vor Journalisten betonte, seien die Beziehungen nicht nur gut, sondern sehr gut. Die engen ökumenischen Kontakte konzentrierten sich besonders auf die Priesterausbildung und die Weiterbildung der Laien, erklärte Kondrusiewicz. Ein wichtiger Sektor der Zusammenarbeit sei ferner die Caritas.

Vorbereitung auf Besuch: Die Bischöfe der Tschechischen Republik haben ihre Gläubigen zur intensiven Vorbereitung des für Ende April geplanten Besuches von Papst Johannes Paul II. in Prag aufgerufen. In ihrem traditionellen Osterhirtenbrief schreiben die Bischöfe, daß die 1.000-Jahr-Feiern zum Adalbert-Jubiläum die Gemeinden mit neuer Kraft erfüllen sollten. Der Besuch des Papstes und die Feierlichekeiten müßten eine Stärkung für Kirche und Gesellschaft sein, so die Bischöfe.

Durchsuchungen: Innerhalb weniger Wochen hat in China zum zweiten Mal eine polizeiliche Durchsuchungsaktion bei Mitgliedern der romtreuen Untergrundkirche stattgefunden. Der Vorfall wurde am Mittwoch durch eine katholische Menschenrechtsgruppe bekannt, die ihren Sitz in den Vereinigten Staaten hat. Gründe für die Durchsuchung wurden nicht bekannt. Auch das Ministerium für religiöse Angelegenheiten äußerte sich bisher noch nicht.

Heiligsprechungen: Einundvierzig orthodoxe Glaubenszeugen, die in den 30er Jahren von den Sowjets in der Nähe von Karaganda getötet wurden, werden im Juni von der russisch-orthodoxen Kirche heiliggesprochen werden. Die Kanonisierung wird Erzbischof Alexej von Almaty vornehmen. Die kasachische Regierung hat ihrerseits 1997 zum "Gedenkjahr für die Opfer der politischen Repression unter dem Sowjetregime" proklamiert.

Meldungen aus dem deutschsprachigen Raum:

Verantwortung: Der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Johann Weber, hat zu mehr Verantwortung für Schwächere aufgerufen. In einem Osterbrief, der am vergangenen Sonntag verlesen wurde, erinnerte Weber nicht nur an die Verantwortung der Politiker, sondern auch an die Verantwortung jedes einzelnen. Jeder habe "ein Stück Welt" zu verantworten - egal ob er in einer Regierung sitze oder zu den sogenannten "kleinen Leuten" gehöre.

Diakonat: Die katholischen Frauen Deutschlands wollen Zugang zum Diakonat. Das hat die Präsidentin der katholischen Frauenbewegung, Ursula Hansen, am Dienstag erklärt. Anlaß ist ein internationales theologisches Treffen in Stuttgart.

Weitere Meldungen:

Dalai Lama: Das Oberhaupt der tibetischen Buddhisten wird vom 14. bis zum 16. April das Baskenland in Nordspanien besuchen. Eingeladen worden ist er von der dortigen Lokalregierung. Man wolle den Dalai Lama bei dem Besuch für seinen friedlichen Einsatz zur Wahrung demokratischer und religiöser Grundrechte ehren, hieß es am Mittosch aus der baskischen Provinz.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz. - Seit dem 8. Dezember können Teile der Sendungen von Radio Vatikan über Radio Campanile empfangen werden. Das Programm können Sie über Astra auf einem Ton-Unterträger des Deutschen Sportfernsehens hören. Auf den Frequenzen 7,74 und 7,92 MHz. (Sendezeiten für Radio Vatikan-Beiträge: täglich um 7.15 Uhr, 11.15 Uhr und 19.15 Uhr)

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt

werden.

Magazine in dieser und der kommenden Woche (03. bis 09. April):

Donnerstag: Jugendmagazin GEPLANTE BEITRÄGE: Ein Kollege am Mannheimer Hauptbahnhof. Eindrücke von Schaffnern und Geschafften. - Koya: Ein neuer Streifen mit hohem Anspruch. Filmkritik. - Philippinen: Der Kampf von Kindern und Müttern gegen die Bulldozer der Regierung. - Musikalisch: Ein Musical über Papst Johannes XXIII. - Außerdem: Tips, Ideen, Termine.

Freitag: Prisma GEPLANTE BEITRÄGE: Deutschland: Die bündnisgrüne kirchenpolitische Sprecherin Christa Nickels im Exklusivinterview mit Radio Vatikan. - Tschechische Republik: Kardinal Vlk zum Europa der Zukunft und dem Besuch von Papst Johannes Paul II. - Polen: Warum Edith Stein noch nicht heiliggesprochen wird. Ein Hintergrund zum Staunen. - Burma: Klöster müssen schließen, die Regierung schlägt zu. - Außerdem: Das Buch des Monats April.

Samstag: Betrachtung zum Sonntag von Bertram Meier und der Kommentar der Woche von Benedikt Steinschulte.

Sonntag: Unsere Korrespondenzsendung: Sie schreiben - wir antworten.

Montag: Weltkirchenmagazin

Dienstag: Radioakademie: König David (2) von Aldo Parmeggiani

Mittwoch: Die Römische Woche

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(Redaktion: Ruthild Kropp)

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