Nachrichten aus der Weltkirche von Radio Vatikan (vom 25. bis 27. März)

Die Karwoche im Vatikan:

Chrisammesse: Papst Johannes Paul II. hat am Donnerstag die Feier des österlichen Triduums mit der Chrisammesse im Petersdom eröffnet. An ihr nahmen neben zahlreichen Kardinälen und Bischöfen mehrere hundert Vertreter des römischen Klerus teil. Johannes Paul erinnerte besonders - mit Blick auf die Feierlichkeiten am Abend des Gründonnerstages - an die Einsetzung der Eucharistie.

Kreuzweg: In diesem Jahr werden die Meditationen für den Kreuzweg des Papstes vom armenischen Patriarchen Karekin I. geschrieben. Das wurde am Dienstag bekannt. Die Texte des Kreuzweges, den der Papst jedes Jahr am Karfreitag im Kolosseum hält, wurde in der Vergangenheit Vertretern der katholischen aber auch anderer Konfessionen anvertraut und sowohl von Männern wie auch von Frauen verfaßt.

Vatikan:

Albanien: Papst Johannes Paul II. hat am Dienstag den albanischen Premierminister Bashkim Fino in Audienz empfangen. Wie dazu Vatikansprecher Joaquin Navarro Valls im Anschluß mitteilte, habe Fino den Papst über die dramatische Lage in Albanien informiert. Johannes Paul wiederum habe seinerseits dem Premierminister die bestmögliche Zusammenarbeit der Kirche in Albanien angeboten und ihm versprochen, sich bei den internationalen Organisationen für die Belange des Landes einzusetzen.

Neuer Nuntius: Am Dienstag hat der Papst einen neuen Nuntius für Albanien ernannt. Der 63jährige Erzbischof Giovanni Bulaitis war bisher Vertreter des Apostolischen Stuhls in Korea und der Mongolei. Der bisherige Nuntius von Albanien, Erzbischof Ivan Dias, war vom Papst vor einigen Monaten zum Oberhirten im indischen Bombay ernannt worden.

Boykott: Im Libanon hat ein hoher sunnitischer Vertreter alle Muslime aufgerufen, den geplanten Papstbesuch zu boykottieren. Dies war am Dienstag in einer Beiruter Tageszeitung zu lesen. Anläßlich eines Protestmarsches bei der Beerdigung dreier Männer, die wegen Mordes hingerichtet worden waren, klagte der Mufti die libanesische Regierung an. Die Hinrichtung habe große Wut unter den Muslimen erzeugt - die Spannung sei für den Papstbesuch nicht wünschenswert, betonte der Mufti.

Grußbotschaft an Buddhisten: Der Päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog hat am Mittwoch eine Grußbotschaft an die Buddhisten anläßlich ihres Versöhnungsfestes Vesahk gerichtet. Kardinal Arinze lädt darin besonders die Christen ein, Glückwünsche mit ihren Nachbarn auszutauschen. Die gegenseitigen Botschaften der vergangenen Jahre seien Brücken zu einem größeren Miteinander gewesen.

Sicherheit in Sarajewo: Ein Handbuch von 94 Seiten soll für die Sicherheit des Papstes während seines Besuches in der bosnischen Hauptstadt Sarajewo garantieren. Das haben Regierungsvertreter am Donnerstag auf einer Pressekonferenz erklärt. Für Johannes Paul bestehe die höchste Sicherheitsstufe, außerdem habe man das SFOR-Kontingent der multinationalen Friedenstruppe um Mithilfe gebeten.

Krisengebiete:

Nordirland: Der politische Flügel der IRA, Sinn Fein, hat am Montag 16 Kandidaten für die kommenden Wahlen vorgestellt. Die Partei möchte "eine neue Chance für den Frieden" im Land bieten. Ein Sinn Fein-Vertreter präzisierte, daß die am 1. Mai gewählten Kandidaten nicht den Schwur auf die englische Königin leisten werden. Parteichef Gerry Adams betonte, daß Sinn Fein eine starke Verhandlungsgruppe für eine dauerhafte Beilegung des Konfliktes sei.

Zaire: Die internationalen Friedensaufrufe mehren sich. Die US-amerikanische Außenministerin Madeleine Albright forderte am Montag Präsident Mobutu auf, offizielle Verhandlungsvertreter zu benennen. Die Zahl der amerikanischen Soldaten, die bei der Evakuierung von US-Bürgern helfen, soll auf 600 steigen.

Der südafrikanische Präsident Nelson Mandela ist jetzt offizieller Vermittler zwischen der Regierung und Rebellenführer Laurent Kabila. Von offizieller Seite wurde betont, Mandela habe diese Rolle gezwungenermaßen angenommen. Es wurde versichert, daß die Regierung in Kapstadt keine Vormachtgelüste auf dem afrikanischen Kontinent hege.

Liberia: Die Aussichten auf Frieden sind vielversprechender denn je. Das hat der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, in einem Bericht an den Sicherheitsrat erklärt, der am Dienstag veröffentlicht wurde.

Nigeria: Rund die Hälfte der 88 bei Lagos entführten Shell-Mitarbeiter sind in der vergangenen Nacht freigelassen worden. Aufständische Dorfbewohner hatten die Angestellten am vergangenen Samstag als Geiseln genommen.

Israel: In Rom ist am Donnerstag ein zweitägiges islamisch-christliches Symposion zur Jerusalemfrage zuende gegangen. Es fand auf dem Gelände der römischen Moschee statt. König Fahd von Saudi Arabien forderte in einer Grußbotschaft, die Problematik um Jerusalem nicht bis auf das Jahr 2000 zu verschieben. Alle Teilnehmer verabschiedeten am letzten Tag, dem Gründonnerstag, einen eindringlichen Appell, die Freiheit Jerusalems zu wahren und ihr einen dauerhaften Frieden zu schenken. Von Vertretern beider Religionen wurde die "israelische Kolonisationspolitik" scharf verurteilt.

Menschenrechte:

Todesstrafe: In New York hat am Montag eine internationale Konferenz für die Abschaffung der Todesstrafe stattgefunden. Der ständige Vertreter des Apostolischen Stuhls bei den Vereinten Nationen, Erzbischof Renato Martino, widersprach der Ansicht, die Bibel rechtfertige mit der Aussage "Auge um Auge, Zahn um Zahn" die Todesstrafe.

Spätabtreibung: Im US-amerikanischen Budnesstaat Atlanta sind Spätabtreibungen verboten worden. Das bestätigte ein Gesetz, das der Gouverneur des Staates am Dienstag unterzeichnete. Der Kongreß hatte bereits vor einigen Tagen auf nationaler Ebene ein Verbot der Spätabtreibungen beschlossen.

Abtreibung: In Südafrika weigern sich ein großer Teil der Ärzte und des Pflegepersonals, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen, trotz der Legalisierung der Abtreibung. Immer mehr Ärzte, so die Vereinigung "Ärzte für das Leben", würden es aus Gewissensgründen ablehnen, die gesetzlich erlaubte Abtreibung bis zur 27. Schwangerschaftswoche durchzuführen.

Euthanasie: Das umstrittene australische Euthanasiegesetz ist am Donnerstag vom Generalgouverneur aufgehoben worden. Er vollzog damit eine Entscheidung, die bereits am Dienstag im Parlament zustande gekommen war.

Folter: Die Mehrheit der UNO-Mitgliedstaaten zeigen sich gleichgültig gegenüber dem Thema Folter. Das hat der Generalsekretär des "internationalen Zentrums zur Behandlung und Nachforschung für Folteropfer" am Donnerstag erklärt. "Unsere Recherchen haben ergeben, daß in einem Drittel aller Länder der Erde Folter angewandt wird," erklärte er und verwies auf die Untätigkeit der Demokratien.

Meldungen aus dem deutschsprachigen Raum:

Einreisebeschränkung: Die CSU-Landesgruppe im Bundestag hat gefordert, den Zuzug von Juden aus der früheren Sowjetunion zu beschränken. Genaue Zahlen sollten mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland abgeklärt werden. Der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Ignaz Bubis, lehnte am Dienstag jedes Gespräch zu diesem Thema ab.

Weitere Meldungen:

Dalai Lama: Das Oberhaupt der tibetischen Buddhisten hat am Donnerstag seinen sechstägigen Besuch in Taiwan beendet. Zum Abschluß traf er mit Präsident Lee Teng-Hui zusammen. Die Reise des Dalai Lama hatte zu Unruhen nicht nur unter Taiwans Politikern geführt. Es war das erste Mal seit seiner Flucht aus Tibet, daß der Dalai Lama chinesischen Boden betreten hatte.

Europaverträge: Geschlossen haben sich die europäischen Außenminister am Dienstag in Rom für einen Fortschritt der Europäischen Union und für Hilfe für das albanische Volk ausgesprochen. Anlaß war der 40. Jahrestag der Europaverträge, die zur Gründung der Europäischen Union führten.

Kollektiver Selbstmord: Rätsel um den Tod von 39 jungen Männern in einer Villa im Norden der kalifornischen Stadt San Diego. Die Polizei hatte nach einem anonymen Anruf die Leichen gefunden, die zu einer religiösen Sekte gehören sollen. Die Vermutungen gehen dahin, daß es sich um eine kollektiven Selbstmord handelt. Nach Aussagen der Polizei ist die Toedesursache noch nicht geklärt.

Diskussion um ein gemeinsames Osterdatum. Eine Zusammenfassung von Matthias Kopp:

Der Weltrat der christlichen Kirchen hat sich am Montag erneut für ein einheitliches Osterdatum aller Konfessionen ausgesprochen. Bereits vor einigen Wochen sprachen sich die Bischöfe der griechisch-orthodoxen Kirche Deutschlands für einen einheitlichen Ostertermin aus. Jetzt hat der Weltrat der Kirchen mit Sitz in Genf nachgezogen. Über das Thema hatte man schon häufiger diskutiert, am Montag wurde es amtlich: Das Osterdatum müsse - nach modernen astronomischen Erkenntnissen - auf einen fixen Termin festgesetzt werden. Konkrete Vorschläge gibt es auch: Vom Jahr 2001 an solle man sich einigen, gedacht ist an den ersten Sonntag im April, der vom Datum her dem 14. Nisan - nach hebräischer Zählung der Todestag Jesu - relativ nahe käme. Bei den Überlegungen wird aber auch - so war in Genf zu hören - der wichtigste Punkt auf Erden eine Rolle spielen, wenn astronomische Berechnungen notwenig seien. Da sind sich die im Weltrat vertretenen Konfessionen einig, daß es sich um Jerusalem handeln müsse.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz. - Seit dem 8. Dezember können Teile der Sendungen von Radio Vatikan über Radio Campanile empfangen werden. Das Programm können Sie über Astra auf einem Ton-Unterträger des Deutschen Sportfernsehens hören. Auf den Frequenzen 7,74 und 7,92 MHz. (Sendezeiten für Radio Vatikan-Beiträge: täglich um 7.15 Uhr, 11.15 Uhr und 19.15 Uhr)

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt

werden.

Magazine in dieser und der kommenden Woche (27. März bis 02. April):

Donnerstag: Betrachtung zum Karfreitag von P. Eberhard v. Gemmingen SJ

Freitag: Betrachtung zum Karsamstag von P. Eberhard v. Gemmingen SJ

Samstag: Betrachtung zum Ostersonntag von P. Eberhard v. Gemmingen SJ

Sonntag: Ostern in Rom GEPLANTE BEITRÄGE: Ausführliche Berichte zur päpstlichen Osterbotschaft und dem Segen Urbi et Orbi. Außerdem: Ostern im Heiligen Land und in Zaire.

Montag: Österliche Weltkirche GEPLANTE BEITRÄGE: Zaire: Ein musikalischer Beitrag zum Osterfest. - Papst und Angelusgebet. - Vorstellung unseres Monatsbegleiters April: Adalbert von Prag.

Dienstag: Radioakademie: König David (I.) von Aldo Parmeggiani

Mittwoch: Die Römische Woche

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(Redaktion: Ruthild Kropp)

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