vom 21. bis 24. März 1997 + + +

Vatikan:

Kinderprostitution: Ein verstärktes Vorgehen von Regierungen und internationalen Organisationen gegen Kinderprostitution und -pornographie hat Papst Johannes Paul II. am Freitag gefordert. Vor Vertretern der "Organisation für ein Ende der Kinderprostitution im Asientourismus" betonte er, niemand dürfe diesem Verbrechen gleichgültig gegenüberstehen. Jeder müsse Verantwortung übernehmen.

Europa: Zur europäischen Einigung gibt es keine Alternative. Das hat der Papst am Samstag bei einer Audienz für 110 Parlamentarier aus Österreich erklärt. Er erteilte jeder "anti-europäischen Demagogie" eine klare Absage. Auch die Kirche dürfe sich nie zu anti-europäischen Gefühlsaufwallungen mißbrauchen lassen. Papst Johannes Paul II. rief die christlichen Politiker dazu auf, die Sicht von der unantastbaren Würde des Menschen in den Prozeß der europäischen Einigung einzubringen.

Armut: Papst Johannes Paul II. hat am Montag vor dem neuen Botschafter Nicaraguas beim Apostolischen Stuhl, José Cuadra Chamorro, auf die große Armut der meisten Nicaraguaner hingewiesen. Die Regierung müsse sich um Gerechtigkeit und neue moralische Werte bemühen. Der Papst drückte in seiner Ansprache seine Freude aus, daß Nicaragua jetzt demokratisch regiert werde. Die Demokratie sei jedoch durch die weitverbreitete Armut der Bevölkerung gefährdet.

Priestermangel: Am Samstag empfing Johannes Paul auch einige französische Bischöfe, die sich zu ihrem ad-limina-Besuch in Rom aufhalten. In seiner Ansprache rief der Papst zu Initiativen gegen den Priestermangel auf. Die ganze Kirche, auch Laien und Familien, sollten besondere Anstrengungen unternehmen, um den Boden für mehr Priesterberufungen zu bereiten.

Versetzung in den Laienstand: Nach Angaben der vatikanischen Kleruskongregation haben im Jahr 1995 rund 450 Priester aus aller Welt um ihre Versetzung in den Laienstand gebeten. Häufigster Grund war der Wunsch zu heiraten. Im gleichen Jahr hätten jedoch auch etwa 400 laisierte Priester gebeten, wieder in den Priesterstand aufgenommen zu werden. Außerdem seien rund 8.800 junge Männer zu Priestern geweiht worden. Diese Zahl soll die der verstorbenen Geistlichen leicht übersteigen. Insgesamt, so die Angaben, steige die Zahl der Diözesanpriester, während die der Ordenspriester abnehme.

Neue Bischofsernennungen: Papst Johannes Paul II. hat am Samstag einen neuen Erzbischof für die zairische Stadt Bukavu ernannt. Emmanuel Kataliko wird Nachfolger von Christoph Munzihirwa, der beim Einmarsch der Rebellen im Oktober letzten Jahres ermordet worden war. In Burundi, in der Stadt Gitega, trat Simon Ntamwana am Samstag sein Amt als Erzbischof an. Er folgt dem ermordeten Erzbischof Joachim Ruhuna.

Verstorben: Der deutsche Kurienmitarbeiter Heinz Albert Raem ist am Samstag im Alter von 46 Jahren im Düsseldorf gestorben. Raem, der 1990 in den Päpstlichen Rat für die Einheit der Christen berufen wurde, galt in Kreisen weit über Europa hinaus als Befürworter der ökumenischen Öffnung. Der Kölner Priester wurde 1976 geweiht und erlag jetzt einer schweren Krankheit.

Israel:

Netanjahu - Arafat: Am Montag hat der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu Palästinenserpräsident Yassir Arafat scharf angegriffen. Arafat ermutige die Terroristen, weiterhin Bombenanschläge in Israel durchzuführen.

Warnung: Die palästinensische Erziehungsministerin Hanan Ashrawi hat am Montag vor dem Zusammenbruch des Friedensprozesses gewarnt. Die Bulldozer für die Siedlung Har Homa in Ost-Jerusalem seien dabei, die Friedenshoffnungen zu begraben, sagte Frau Ashrawi vor der UNO-Menschenrechtskommission in Genf. Der Extremismus der israelischen Regierung nähre extremistische Strömungen unter den Palästinensern, so die engste Mitstreiterin von Yassir Arafat.

Pressekonferenz: Am Montag Mittag wurde Hanan Ashrawi zu einer Pressekonferenz in Rom erwartet. Sie konnte jedoch nicht rechtzeitig vor Ort sein, da sich ihre Rede in Genf verzögerte. Auf der Pressekonferenz unterstrichen dann hochrangige Vertreter, wie etwa die früheren jordanischen und saudi-arabischen Außenminister sowie Vertreter des Islamischen Weltkongresses. Sie waren zunächst vom Verantwortlichen für die Außenbeziehungen des Vatikans, Erzbischof Jean Louis Tauran, empfangen worden. Ihn, so die Vertreter, hätten sie vom Willen zum Frieden für Jerusalem und den Nahen Osten überzeugt.

Anschuldigung: Der Mufti von Jerusalem, Scheik Ekrima Sabri, hat die Vereinigten Staaten beschuldigt, für die Kolonisationspolitik Israels in der Heiligen Stadt verantwortlich zu sein. Wie er in der Montagsausgabe der arabischen Tageszeitung Al-Hayat schreibt, hätte Washington durch sein Veto bei den Vereinten Nationen Israel noch in seinen Absichten unterstützt.

Symposion: Ab Mittwoch soll in Rom ein islamisch-christliches Symposion über Jerusalem beginnen. Hochrangige Vertreter beider Religionen wollen dann in der Großen Moschee von Rom politische und religiöse Fragen miteinander diskutieren.

Krisengebiete:

Friedensprozess: In Angola haben die Regierung und die frühere Rebellengruppe UNITA einen großen Schritt im Friedensprozess unternommen. UNITA-Chef Jonas Savimbi erklärte sich bereit, künftig als Oppositionsführer zu agieren. Die UNO reagierte zufrieden auf dieses Ergebnis.

Flucht und Massaker: Mehr als 10.000 Hutu-Flüchtlinge sind in den vergangenen Tagen in die ostzairische Stadt Kabinda geflüchtet. Eine Gruppe von 400 Menschen, die im Krankenhaus der Stadt Schutz suchte, ist jetzt einem Massaker zum Opfer gefallen. Das wurde am Montag durch den Hilfsappell eines Missionars aus der Region bekannt, der anonym bleiben möchte.

Keine Einigung: Die sudanesische Rebellenbewegung "Nationale Demokratische Allianz" schließt jede Einigung mit der islamischen Regierung von Karthum aus. Auf einer Tagung in Asmara beschloß sie am Freitag, jede Friedensinitiative abzulehnen, die nicht von der ostafrikanischen Entwicklungs-Behörde ausgeht. Dieser Behörde gehören unter anderem Eritrea, Äthiopien und Uganda an. Diese Länder beschuldigen Karthum, auf Seiten der Rebellen zu stehen.

Anschuldigung: Der ehemalige Präsident Südafrikas, Frederick de Klerk, hat der Wahrheitskommission Parteilichkeit vorgeworfen. Auf einer Pressekonferenz erklärte er am Sonntag im Namen seiner Partei, die Kommission sollte sich bemühen, das Bild zu korrigieren, sie wolle nur in bestimmten Bereichen der Wahrheit auf den Grund gehen. De Klerk betonte jedoch, daß seine Partei auch weiterhin mit der Wahrheitskommission zusammenarbeiten wolle.

Menschenrechte:

Folter: Auf Ost-Timor werden Gefangene gefoltert. Das hat der Bischof von Dili, Carlos Belo, in einer Botschaft an die UNO-Menschenrechtskommission in Genf angeprangert. Wie am Montag bekannt wurde, schildert der Friedensnobelpreisträger in seiner Botschaft die Zustände in den Gefängnissen und kommt zu dem Schluß, daß sich die Lage der Menschenrechte auf Ost-Timor nicht verbessert.

Durchsuchung: Chinesische Polizei hat das Haus eines romtreuen Untergrundbischofs in Shanghai durchsucht. Dies geschah bereits am 4. März, wurde aber erst am Montag durch die im US-amerikanischen Conneticut ansäßige Kardinal-Gong-Stiftung bekanntgegeben. Die Polizei beschlagnahmte zahlreiche religiöse Bücher sowie umgerechnet etwa 4.000 Mark. Beobachter werten das Vorgehen der Behörden als eine Einschüchterungsmaßnahme im Zusammenhang mit den geplanten Feiern der Untergrundkirche zum kommenden Osterfest.

Humanitäre Hilfe:

Schuhe: In den Vereinigten Staaten wurden jetzt 35.000 Paar Schuhe für die Flüchtlinge in Ruanda gesammelt. Die Initiative, die das Ergebnis am Montag präsentierte, geht von einer Privatfamilie aus. Die Schuhe sollen Mitte April mie einem Sonderflug nach Ruanda gebracht werden.

Kirche:

Attentat: In Bosnien sind erneut zwei katholische Kirchen Ziel von Bombenattentaten geworden. Wie ein Vertreter des Innenministeriums erklärte, wurden die beiden Gotteshäuser im Zentrum des Landes stark in Mitleidenschaft gezogen. Präsident Izetbegovic verurteilte die Attentate, die seiner Meinung nach darauf abzielen, den Besuch des Papstes am 12. April in Sarajewo zu verhindern.

Unterstützung und Solidarität: Die katholische Kirche von Kroatien hat dem albanischen Volk und der dortigen Kirche ihre Unterstützung und Solidarität zugesichert. Das geht aus einem Brief des Primas der kroatischen Kirche, Kardinal Franjo Kuharic, an die Bewohner Albaniens vom Wochenende hervor.

Priesterweihe: Am Sonntag wurde der erste Russe zum Priester geweiht. Bislang waren im europäischen Russland nur ausländische Geistliche tätig. Die Ordinierung, so der Apostolische Administrator für das europäische Rußland, Tadeusz Kondrusiewicz, sei ein historisches Ereignis für die gesamte Kirche.

Versöhnung: In Rumänien hat die katholische Kirche des östlichen Ritus hat die orthodoxe Schwesterkirche um Versöhnung gebeten. Zum Ende ihres Nationalkonzils riefen die Bischöfe des griechischen Ritus ihre orthodoxen Bischofskollegen auf, nach 50 Jahren Kirchenverfolgung zu einer Versöhnung zu gelangen. Gleichzeitig legten sie einen Seelsorge-Plan für die nächsten drei Jahre vor.

Meldungen aus dem deutschsprachigen Raum:

Kritik an Politik: In Österreich gibt es einen "Schwächeanfall der Politik". Das hat der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn am Sonntag erklärt. Die derzeitige Entwicklung der Politik in Österreich stehe häufig unter Wirtschaftsinteressen. Sie gebe ihre Instrumente des sozialen Ausgleichs aus der Hand, so Schönborn.

Weitere Meldungen:

Euthanasie: Das australische Parlament hat am Montag ein Gesetz gebilligt, das der Regierung die Macht gibt, Gesetze der einzelnen Bundesstaaten aufzuheben. Somit ist es nun möglich, das umstrittene Euthanasiegesetz der Northern Territories zu verbieten. Wie ein Arzt, der beim freiwilligen Tod von vier Menschen anwesend war, noch vor der Entscheidung des Parlaments erklärte, werde die Euthanasie-Debatte auf dem 5. Kontinent trotzdem anhalten. Das Euthanasie-Gesetz habe seit seiner Einsetzung in den Northern-Territories bewiesen, daß es funktioniere.

Dalai Lama: Tausende von Menschen haben am Samstag in Taiwan das Oberhaupt der tibetischen Buddhisten willkommen geheißen. Der Dalai Lama will sich sechs Tage auf der Insel aufhalten. Der Besuch, so wird betont, soll ausschließlich einen spirituellen Charakter haben. Es ist das erste Mal, daß der Dalai Lama chinesischen Boden betritt, seit er 1959 Tibet verlassen mußte. Peking hat gegen die Visite erneut protestiert. Die kommunistische Führung spricht von einem "Kreuzzug der Abspaltung" von seiten des Dalai Lama.

Danziger Schiffswerft: Der polnische Kardinal Jozef Glemp hat seine Landsleute dazu aufgerufen, die berühmte Danziger Schiffswerft zu retten. In einem Radiobeitrag erklärte der er, sie sei ein Symbol für das Wiedererstarken des polnischen Volkes. Daher gehe es nicht nur um die Arbeitsplätze, sondern auch um die Rettung eines Wahrzeichens.

Selbstmord: Erneut ist es zu einem kollektiven Selbstmord von Mitgliedern der Sekte der Sonnentempler gekommen. In Kanada fand die Polizei die Körper von fünf Erwachsenen, die ihr Haus in Brand gesteckt hatten. Die drei Kinder eines der Toten wurden lebend in einer nahegelegenen Hütte gefunden. Sie standen unter Medikamenten oder Drogen.

Das diesjährige Gründonnerstagsschreiben von Papst Johannes Paul II. an die Priester -

eine Zusammenfassung von Matthias Kopp, Rom

Der Brief ist ein großer Dankhymnus des Papstes im Rückblick auf sein 50jähriges Priesterjubiläum. Allen, die daran beteiligt waren, dankt er und erinnert zugleich an jene Priester, die ein solches Jubiläum nicht erleben durften. Besonders deutlich hebt der Papst den Opfercharakter der Eucharistiefeiert hervor und verweist dabei auf den alttestamentlichen Hohenpriester Melchisedik. Unter den Gestalten von Brot und Wein habe Christus das unblutige Gedächtnis eingesetzt. Wörtlich schreibt der Papst: "Und unter diesen Gestalten vertraute er dieses sein Opfer der Kirche an. So also feiert die Kirche - und in ihr jeder Priester - das einmalige Opfer Christi." Eindringlich fordert der Papst, die Wandlungsworte beim Sprechen niemals in einen Gewohnheitstrott verfallen zu lassen: "Sind diese wunderbaren Worte nicht der Takt, nach dem jedes Priesterleben schlägt? Wiederholen wir sie jedes Mal als sei es zum ersten Mal!" Johannes Paul II. erinnert gleichzeitig daran, daß die Opfergabe niemals vom Priester und damit dem geweihten Amtsträger getrennt werden könne. Die Freundschaft Jesu zeige sich übrigens im Geschenk des priesterlichen Dienstes, so der Papst.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz. - Seit dem 8. Dezember können Teile der Sendungen von Radio Vatikan über Radio Campanile empfangen werden. Das Programm können Sie über Astra auf einem Ton-Unterträger des Deutschen Sportfernsehens hören. Auf den Frequenzen 7,74 und 7,92 MHz. (Sendezeiten für Radio Vatikan-Beiträge: täglich um 7.15 Uhr, 11.15 Uhr und 19.15 Uhr)

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser Woche (24. bis 30. März):

Montag: Weltkirchenmagazin

Dienstag: Radio-Exerzitien (12) von P. Anselm Grün, OSB.

Mittwoch: Betrachtung: Gründonnerstag von P. Eberhard v. Gemmingen SJ

Donnerstag: Betrachtung zum Karfreitag von P. Eberhard v. Gemmingen SJ

Freitag: Betrachtung zum Karsamstag von P. Eberhard v. Gemmingen SJ

Samstag: Betrachtung zum Ostersonntag von P. Eberhard v. Gemmingen SJ

Sonntag: Ostern in Rom GEPLANTE BEITRÄGE: Ausführliche Berichte zur päpstlichen Osterbotschaft und dem Segen Urbi et Orbi. Außerdem: Ostern im Heiligen Land und in Zaire.

So können Sie uns erreichen:

Wir freuen uns über Resonanz auf unsere Internetseiten aber auch auf unser Radioprogramm. Bitte schreiben Sie uns. Unsere Internet-Adresse ist:

mc6778@mclink.it
Radio Vaticana
Redaktion: Ruthild Kropp
Sezione tedesca, I-00120 Città del Vaticano
Telefax: 0 03 96 - 69 88 38 44

kostenfreies E-Mail-Abo der RV-News über: Rolf-Valentin Jouaux (jx@tap.de) (http://www.kath.de)

Radio Vatikan Archiv
Leitseite www.kath.de