vom 11. bis 13. März 1997 + + +

Vatikan:

Libyen: Der neue apostolische Nuntius in Libyen, José Sebastian Laboa, hat erklärt, Staatschef Muammad Kadhafi wisse sehr wohl, daß die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit dem Vatikan das Ende der Isolation des Landes bedeuten könne. Diese Äußerung stand in der Dienstagsausgabe der spanischen Zeitung ABC. Nach Meinung von Erzbischof Laboa erkenne der libysche Staatschef die große moralische Autorität des Papstes an.

Kritik aus den USA: Nuntius Laboa wies in seinem Artikel auch die Kritik der Vereinigten Staaten an der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen dem Vatikan und Libyen zurück. US-Außenamtssprecher Nicholas Burns hatte in der Nacht von Montag auf Dienstag erklärt, seine Regierung glaube nicht, daß Libyen ein Staat sei, mit dem man Beziehungen zur Zusammenarbeit aufnehmen könne. Er betonte: "Wir haben dem Vatikan mitgeteilt, daß wir mit dieser Entscheidung nicht übereinstimmen, da Libyen intrnational isoliert bleiben muß." Die Reaktionen anderer Staaten zu diesem Thema sind äußerst zurückhaltend.

Waffenruhe: Papst Johannes Paul II. hat den Generalsekretär der UNO, Kofi Annan, zum Einsatz für eine Waffenruhe in Zaire aufgerufen. Wie er in einem am Dienstag in New York veröffentlichten Brief an Annan erklärte, sei eine Zusammenarbeit zwischen der internationalen Gemeinschaft und den afrikanischen Staaten unerläßlich für eine sichere Rückkehr der ruandischen Flüchtlinge in ihre Heimat.

Albanische Flüchtlinge: Der Vatikan hat sich für die Aufnahme albanischer Flüchtlinge durch europäische Ländern ausgesprochen. Das schreibt der Osservatore Romano in seiner Dienstagsausgabe. Es sei geboten, die traditionell strenge Unterscheidung zwischen politischen und Wirtschaftsflüchtlingen aufzuheben, heißt es dort. Damit übt die Zeitung direkte Kritik an der italienischen Regierung, die seit Sonntag Fähren mit albanischen Flüchtlingen von Brindisi aus in ihre Heimat zurückschickt.

Seelsorge auf See: Papst Johannes Paul II. hat die kirchenrechtlichen Grundlagen für die katholische Seelsorge auf See neu geordnet. Das geht aus einem Motu Proprio des Papstes hervor, das am Dienstag im Vatikan vorgestellt wurde. Darin werden u.a. auch Ausnahmeregelungen etwa für Meßfeiern und Trauungen erlassen. Dazu gehört beispielsweise, daß der Seemannspfarrer an Bord während einer Schiffsreise jedem Gläubigen die Firmung spenden darf. Unter Pius XI. war das Meeresapostolat erstmals 1922 eingerichtet worden und untersteht seit 1988 dem Päpstlichen Migrantenrat.

2000: Das Zentralkomitee für die Vorbereitung des Jubeljahres 2000 hat Dienstag und Mittwoch die Berichte aus rund 70 Ländern diskutiert. Demnach bereiten sich die Ortskirchen intensiv auf das Jubiläum vor. Dies geschehe soweit wie möglich auf ökumenischer Basis. Auffallend ist, daß auch im Bereich von Kunst und Kultur viele Initiativen ergriffen werden.

Schutz des Waldes: Kurien-Erzbischof Alois Wagner hat am Mittwoch in Rom einen verstärkten Schutz des Waldes gefordert. Bei der Sitzung des Forstkomitees der Welternährungsorganisation betonte er, der Erhalt des Waldes sei lebenswichtig. Zukünftige Generationen hätten das Recht auf eine ökologisch intakte Welt, so Wagner.

Menschenrechte:

Todesurteile: Im vergangenen Jahr ist in China die Zahl der Todesurteile um 20% gestiegen. Das hat der oberste Richter des Landes am Dienstag mitgeteilt. Im Kampf gegen Korruption sei gleichzeitig eine große Anzahl von Vertretern des öffentlichen Lebens zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Menschenrechtsorganisationen versichern, daß im Zuge dieser juristischen Säuberungsaktionen Menschen teilweise auch schon wegen Diebstahls exekutiert worden seien.

Flüchtlinge zurückschicken: Thailand plant trotz internationaler Proteste, rund 100.000 Flüchtlinge in eine burmesische Kriegsregion zurückzuschicken. Nach Zeitungsangaben vom Mittwoch will die thailändische Regierung ihren Entschluß nur dann ausführen, wenn wieder Waffenruhe im Land herrscht. Die Rückführung dient der Annäherung der beiden Länder. Bei den Flüchtlingen handelt es sich um eine ethnische Minderheit.


Flüchtlinge aus Hong Kong: Die Vereinten Nationen haben einen Appell an die Regierungen von China, Vietnam und Hong Kong zur Lösung der Flüchtlingsfrage gerichtet. Am kommenden 1. Juli werden etwa 5.000 vietnamesische Flüchtlinge Hong Kong verlassen müssen. Ihr Heimatland weigert sich jedoch, sie aufzunehmen.

Studententreffen beendet: In der Hauptstadt von Sierra Leone, Freetown, hat die Polizei mit Wasserwerfern ein Studententreffen auseinandergetrieben. Dort sollte über die Friedensverträge vom letzten November diskutiert werden. Derweil ist Rebellenführer Sankoh in Nigeria festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden. Er war als Tourist eingereist.

Humanitäre Hilfe:

Unterstützung: Der französische Präsident Jacques Chirac hat am Dienstag an die Internationale Gemeinschaft appelliert, sich mit allen Mitteln für ein Ende der Kämpfe in Zaire einzusetzen. Auch soll die Organisation dafür sorgen, daß humanitäre Hilfe die Notleidenden vor Ort wirklich erreicht. Paris plant die Einrichtung einer Luftbrücke, um die etwa 25.000 - 30.000 Flüchtlinge bei Ubundu, im Osten Zaires, humanitär zu unterstützen.

Vorwürfe zurückgewiesen. Das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen, UNHCR, hat am Montag abend Vorwürfe der zairischen Regierung in Kinshasa zurückgewiesen. Diese hatte das UNHCR für den Tod von 25.000 Flüchtlingen im Lager Tingi Tingi verantwortlich machen wollen. Die UNO erklärte darauf, daß es bisher keine glaubhaften Berichte über den Tod der Flüchtlinge gebe. Diese hätten vielmehr in einem Massenexodus das Lager verlassen.

Weiterhin helfen: Obwohl die zairische Stadt Kisangani seit Montag von den Rebellen umzingelt ist, will die Caritas ihren Zugang zu den Flüchtlingen aufrechterhalten. Wie die Caritas am Dienstag in Freiburg mitteilte, habe sie am Montag als letzte verbleibende Hilfsorganisation dringend benötigte Medikamente in das Flüchtlingslager Ubundu bringen können.

Krisengebiete:

Schulkinder erschossen: Ein jordanischer Soldat hat am Donnerstag im Grenzgebiet zu Israel sieben israelische Schulkinder erschossen und sechs weitere verletzt. Das Attentat geschaht am sogenannten Friedenszaun zwischen den beiden Ländern. Die Beziehungen zwischen den Jordanien und Israel sind schon seit einiger Zeit gespannt.

Massaker und Geiselnahme: Im Südosten Angolas sind nach kirchlichen Angaben 30 Menschen bei einem Massaker von Unbekannten getötet worden. Sechs Ordensfrauen sollen in ihrem Haus nahe der Stadt Cubal als Geiseln festgehalten werden. Das erklärten Kirchenkreise am Mittwoch in der Hauptstadt Luanda. In der Region war es bereits früher zu Massakern gekommen.

Festnahmen: Nach einem Attentatsversuch auf den burundischen Staatschef Pièrre Buyoya sind fünf Personen festgenommen worden. Das hat das Radio des Landes am Mittwoch mitgeteilt. Der burundische Innenminister forderte die Bevölkerung zur Ruhe auf. Die Situation sei unter Kontrolle. Er bekräftigte gleichzeitig die Entschlossenheit der Regierung, sich weiter für den Frieden und die nationale Versöhnung einzusetzen.

Schutz gefordert: Ein Vertreter der UNO-Menschenrechtskommission hat am Donnerstag sofortige Maßnahmen für einen Schutz der Flüchtlinge in Zaire gefordert. Regierung und Rebellen müßten kontrolliert werden, ob und wie gravierend sie die Menschenrechte verletzten. Der Sprecher forderte gleichzeitig eine internationale Friedenstruppe, um eine größere Katastrophe zu verhindern.

Polizeikräfte umstrukturieren: Amnesty international hat am Donnerstag eine sofortige Umstrukturierung der Polizeikräfte in der albanischen Krisenregion gefordert. Wie ein Sprecher erklärte, könne nur eine Polizei, der die Bevölkerung vertraue, für Sicherheit und Ordnung garantieren.

Botschaft an Netanjahu: Der jordanische König Hussein hat am letzten Sonntag eine Botschaft an den israelischen Premierminister gesandt. Darin beschuldigt er diesen, den Friedensprozess mit den Palästinensern zu zerstören. Hussein bezieht sich besonders auf den Siedlungsbau in Har Homa und schreibt dazu: "Wenn Sie Ihre Entscheidung nicht rückgängig machen, wird das katastrophale Folgen für den Friedensprozess haben."

Geiseldrama: In Peru ist die neue Verhandlungsrunde zwischen den Geiselnehmern in der japanischen Botschaft von Lima und der Regierung abgesagt worden. Bis zum Montag hatte man auf die Wiederaufnahme der Gespräche gehofft. Während der darauffolgenden Nacht habe aber die Regierungsseite das Gespräch ausgesetzt, erklärte der offizielle Regierungsvermittler, Erziehungsminister Domingo Palermo. Die Bedingungen für eine Wiederaufnahme der Gespräche seien nicht klar genug, hieß es in der Begründung. Wie es am Donnerstag hieß, sollen sie jedoch bald wieder aufgenommen werden.

Kirche:

Arbeitspapier für Graz: Am Dienstag ist in Rom das Arbeitspapier für die zweite Ökumenische Versammlung vorgestellt worden, die im Juni in Graz stattfindet. Dabei soll es weniger um theologische Fragen als vielmehr um praktische Handlungsanleitungen für eine echte Versöhnung zwischen den Konfessionen gehen. Das Arbeitspapier greift als besondere Themen u.a. die Versöhnung gegenüber den Juden und den Frauen heraus.

Mordanklage: Die Verhaftung zweier Jesuiten im mexikanischen Bundesstaat Chiapas, stellt das Kirche-Staat-Verhältnis vor eine neue Zerreißprobe. Von kirchlicher Seite häufen sich die Rufe nach einer Freilassung der beiden Patres, denen Beteiligung an einem Attentat in der Krisenregion vorgeworfen wird. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Norberto Ribeiro, bestreitet die Vorwürfe gegen die Jesuiten und prangert ihre schlechten Haftbedingungen an. Die nationale Menschenrechts-Organisation hat mit einer Untersuchung des Falles begonnen. Tausende Menschen haben im Süden für die Freilassung der beiden Jesuiten demonstriert.

Oligarchie: Die Bischöfe Argentiniens warnen vor einer Aushöhlung der Demokratie im Land. Es bestehe die Gefahr, daß eine Oligarchie entstehe, erklärte der Leiter der bischöflichen Sozialkommission, Kardinal Raul Primatesta, auf einer Pressekonferenz.

Meldungen aus dem deutschsprachigen Raum:

Sonntag: Die katholischen Bischöfe Österreichs wollen im Rahmen ihrer bevostehenden Frühjahrsvollversammlung den Sonntag verteidigen. Dazu sagte der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Johann Weber, jetzt vor Journalisten in Wien, beim Kampf um die Sonntagsruhe gehe es um einen "Knackpunkt" für die künftige Gestaltung des Landes. Neben dem religiösen Aspekt stehe eine seit Jahrunderten im Volk verwurzelte Lebenskultur auf dem Spiel.

Weitere Meldungen:

Nachfolgerin für Mutter Teresa: In der Nacht auf Donnerstag haben die Ordensvertreterinnen der "Missionarinnen der Nächstenliebe" eine Nachfolgerin für Mutter Teresa gewählt. Es handelt sich um die 63jährige Schwester Nirmala. Sie ist eine zum katholischen Glauben konvertierte ehemalige Hinduistin.Sie leitete bisher den kontemplativen Zweig des Ordens und war in Europa und den Vereinigten Staaten tätig. Wie bekannt wurde, soll die neue Generaloberin von einem Gremium unterstützt werden, dem vier Schwestern angehören sollen. Dieses Gremium muß noch gewählt werden.

Klonen: Das Europaparlament in Strasburg hat am Mittwoch mit überwältigender Mehrheit eine Resolution verabschiedet, die das Klonen am Menschen verbietet. Beobachter halten die Abstimmung für einen Testfall im Blick auf die umstrittener Bioethikkonvention des Europarates. In Straßburg hofft man jetzt, daß auch die Vereinten Nationen ein internationales Verbot zum Klonen erlassen.

Aufruf zum Dialog: US-Präsident Bill Clinton hat zum Dialog zwischen dem Islam und der westlichen Welt aufgerufen. Anläßlich einer kulturellen Veranstaltung in Riad wurde seine Botschaft vom US-Botschafter verlesen. Hintergrund ist die Lage der US-Amerikaner vor Ort. Nach Attentaten auf Militärs wurden Ende Februar auch die etwa 40.000 Zivilisten vor Anschlägen gewarnt. Clinton rief in seiner Botschaft besonders zu einem konstruktiven Dialog zwischen Islam und westlicher Welt auf.

Evangelienfund?: Ein US-Forscher aus Kansas behauptet, das Fragment eines bisher unbekannten apokryphen Evangeliums gefunden zu haben. Das Manuskript stammt nach seinen Angaben ungefähr aus dem vierten oder fünften Jahrhundert und gehörte offenbar zu den Beständen des Ägyptischen Museums in Berlin. Wie es dorthin gelangt sein soll, ist nicht geklärt. Nach Angaben des Forschers geht das Original des Fragments, das in koptischer Sprache abgefaßt ist, wahrscheinlich auf gnostische Kreise des ersten oder zweiten Jahrhunders zurück.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz. - Seit dem 8. Dezember können Teile der Sendungen von Radio Vatikan über Radio Campanile empfangen werden. Das Programm können Sie über Astra auf einem Ton-Unterträger des Deutschen Sportfernsehens hören. Auf den Frequenzen 7,74 und 7,92 MHz. (Sendezeiten für Radio Vatikan-Beiträge: täglich um 7.15 Uhr, 11.15 Uhr und 19.15 Uhr)

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser und der kommenden Woche (13. bis 19. März):

Donnerstag: Kreuz-Feuer. Kirche, wo es kritisch wird. Thema in diesem Monat: "Klonen - oder der Machbarkeitswahn des Menschen". Der deutsche Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers ist während der Sendung im Gespräch mit Radio Vatikan. Außerdem Stellungnahmen von Kurienkardinal Josef Ratzinger, dem Europaparlamentarier Peter Liese und dem Ethiker Ludger Honnefelder.

Freitag: Prisma-Magazin GEPLANTE BEITRÄGE: Irland: Die Präsidentin im Gespräch mit Radio Vatikan. - Deutschland: Kohle und kein Ende. Zur gegenwärtigen Diskussion ein Gespräch mit Ruhrbischof Hubert Luthe. - Honduras: Aufbauprojekte von Jesuiten. Ein Gespräch.

Samstag: Radio-Exerzitien (9) von P. Anselm Grün, OSB und der Kommentar der Woche von P. Korbinian Birnbacher, Rom.

Sonntag: Sie schreiben - wir antworten.

Montag: Weltkirchenmagazin

Dienstag: Radio-Exerzitien (10) von P. Anselm Grün, OSB.

Mittwoch: Die Römische Woche

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