vom 7. bis 10. März 1997 + + +

Vatikan:

Beziehungen: Der Vatikan und Libyen haben am Montag die Aufnahme diplomatischer Beziehungen vereinbart. Der Übereinkunft gingen lange Verhandlungen voraus. Am Ende unserer Internetmeldungen geben wir einen ausführlichen Bericht.

Jerusalem: Im Anschluß an sein sonntägliches Angelusgebet hat Papst Johannes Paul II. erklärt, daß die israelischen Baupläne in Jerusalem das Vertrauen zwischen Israel und den Palästinensern grundlegend stören und den Friedensprozess stoppen könnten.

Rüttgers beim Papst: Papst Johahnnes Paul II. hat am Freitag den deutschen Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers in Privataudienz empfangen. Bei der Begegnung und den anschließenden Gesprächen mit Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano ging es auch um Fragen der Bioethik. Rüttgers traf am Samstag mit Kurienkardinal Josef Ratzinger zusammen. Eines der Hauptthemen der Gespräche war die Klonierung. Rüttgers erklärte gegenüber Radio Vatikan, er habe bei den Treffen betont, daß ein internationales Abkommen das Klonen verbieten müsse. Rüttgers erklärte, im Vatikan gelte die deutsche Gesetzgebung als vorbildlich, weil sie ein Klonen am Menschen untersage. Ein weiteres Thema der Gespräche waren die kirchlichen Beratungsstellen in Schwangerschaftskonfliktlagen.

Robinson beim Papst: Am Samstag wurde die irische Staatspräsidentin Mary Robinson vom Papst in Privataudienz empfangen. Wie der vatikanische Pressesprecher im Anschluß an die Begegnung erklärte, sei neben Fragen zu Werten und Familie auch die generelle Situation in Irland erörtert worden. Ein Gesprächspunkt war auch die Lage in Nordirland.

Weltfrauentag: Anläßlich des Weltfrauentages hat der Papst daran erinnert, daß Frauen in vielen Teilen der Welt diskriminiert werden. In einer Audienz, an der überwiegend Jugendliche aus Italien teilnahmen, sagte der Papst am Samstag, er denke an diesem Tag besonders an die Frauen, die leider immer noch an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

Menschenwürde: Der Papst hat am Freitag eine Gruppe von italienischen Unternehmern empfangen. Bei dieser Gelegenheit rief er zur Verteidigung der Menschenwürde auf, was aufgrund der durch die Globalisierung der Wirtschaft hervorgerufenen sozialen Probleme dringend geboten sei. Johannes Paul betonte, daß die Werte des Evangeliums nicht mit unmäßiger Profitgier zu vereinbaren seien.

Jugendarbeitslosigkeit: Am Sonntag ist der Papst bei einem Besuch in einer römischen Pfarrei von tausenden Menschen begeistert begrüßt worden. In seiner Ansprache kritisierte er besonders die Jugendarbeitslosigkeit. Johannes Paul wies auf die Gefahr hin, daß die Jugendlichen gerade wegen der Arbeitslosigkeit zu Drogen griffen und auch leichter für die Kriminalität anfällig seien. Jugendliche hätten oft so wunderbare Gaben, jedoch mangele es an Ausbildung, Berufsperspektive und einer gesunden Familie.

Menschenrechte:

Flüchtlinge: Volksstämme aus Bangladesh, die nach Indien geflüchtet sind, sollen ab Ende März wieder in ihr Heimatland zurückkehren. Die etwa 50.000 Menschen waren wegen der Aufstände bereits vor Jahren dorthin geflohen. Von offizieller Seite wurde betont, daß die Regierung die Heimkehrer für neun Monate mit Geld und Nahrungsmitteln versorgen werde.

Menschenrechtsbüro abgelehnt: Der Außenminister Indonesiens, Murdiono, lehnt die Eröffnung eines Menschenrechtsbüros in Jakarta ab. Nach Zeitungsberichten vom Montag bezeichnete er eine solche Initiative der Vereinten Nationen als Eingriff in die Souveränität des Landes.

Hilfe: Die burmesische Oppositionpolitikerin Aung San Suu Kyi hat am Montag zu Mitgefühl und Hilfe für die Flüchtlinge der ethnischen Minderheit der Karen aufgerufen. Diese sind vor Angriffen burmesischer Truppen nach Thailand geflohen. Die Friedensnobelpreisträgerin sagte: "Wir möchten an alle Nationen und alle ethnischen Nationalitäten in Burma appellieren, uns in unseren Bemühungen beizustehen, den Haß und die Feindseligkeit in unserer Nation zu beenden.

Liebesheirat erlaubt: Das oberste pakistanische Gericht hat am Montag entschieden, daß eine Liebesheirat mit der Lehre des Islam zu vereinbaren ist. Damit gaben die Richter einer jungen Frau Recht, die sich gegen die Tradition der arrangierten Ehen gewandt und ihren Mann selbst gewählt hatte. Ihre Eltern versuchen seither, die Ehe für ungültig erklären zu lassen. Nach Agenturangaben handelt es sich bei dem Urteil um eine bahnbrechende Entscheidung.

Humanitäre Hilfe:

Nahrungsmittelhilfe: Der Sozialminister Ugandas hat am Wochenende einen dringenden Appell an die internationale Staatengemeinschaft gerichtet, Nahrungsmittelhilfe zu leisten. Besonders im Osten drohe aufgrund der Dürre eine Hungersnot. Allerdings räumte der Minister auch ein, daß die Rebellion im Norden und Südwesten sowie der wahllose Verkauf von Nahrungsvorräten die Situation zugespitzt hätten. Rund 2,1 Millionen Menschen seien von der Nahrungsmittelknappheit betroffen.

Krisengebiete:

Hoffnung auf Versöhnung: Der albanische Staatschef Sali Berisha hat der Durchführung von Wahlen zugestimmt. Voraussetzung ist allerdings, daß die Rebellen im Süden des Landes umgehend ihre Waffen niederlegen. Die Wahlen könnten dann innerhalb von 45 Tagen möglich sein. Diese Forderung hatte bereits am Freitag der Vertreter der Europäischen Union und der Delegat der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa geäußert.

Demonstrationen: In der bosnischen Hauptstadt Sarajewo haben am Samstag mehrere hundert Menschen an Demonstrationen gegen die jüngsten Anschläge auf katholische Kirchen teilgenommen. Rund 500 Personen versammelten sich vor der St.-Josephs-Kirche, auf die Anfang der Woche ein Bombenanschlag verübt worden war. Unter den Demonstranten waren neben Christen auch muslimische Gläubige.

Verhaftung: Einer der führenden Männer Liberias ist am Freitag überraschend verhaftet worden. ECOMOG-Truppen hatten zuvor in der Wohnung von Al-Hadji Kromah ein großes Waffenlager entdeckt. Zum Abtransport des gefundenen Kriegsgeräts sollen angeblich drei Lastwagen nötig gewesen sein. Kromah war einer der größten Drahtzieher im Bürgerkrieg und ist Präsidentschaftskandidat bei den kommenden Wahlen. Die ECOMOG-Truppen haben bei den Anführern der vier großen Bürgerkriegs-Fraktionen Hausdurchsuchungen durchgeführt.

Aufruf: Das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF hat alle betroffenen Länder aufgerufen, ugandische Rebellen künftig daran zu hindern, weiterhin Schulkinder zu entführen, zu verstümmeln und zu töten. In einer Erklärung rät UNICEF Direktorin Carol Ballamy, auch Druck auf den an Uganda grenzenden Sudan auszuüben. Dort würden die Rebellen offenbar ausgebildet.

Verhaftet: Zwei Jesuiten sind am Wochenende im südlichen Bundesstaat Chiapas verhaftet worden. Den beiden wird vorgeworfen, an einem Feuergefecht vom Freitag beteiligt gewesen zu sein. Dabei waren zwei Polizisten getötet und fünf weitere verletzt worden. Das Bistum San Cristobal de las Casas bestritt in einer am Sonntag verbreiteten Erklärung eine Beteiligung der Priester an dem Zwischenfall. Sie hätten sich zur fraglichen Zeit zu Beratungen in der Bischofsstadt aufgehalten. Bischof Samuel Ruiz protestierte bei der Staatsanwaltschaft gegen den Willkürakt.

Kirche:

Spätabtreibungen: Die katholische Kirche der Vereinigten Staaten hat erneut die Spätabtreibung kritisiert. Im Namen aller Bischöfe schrieben die sieben Kardinäle des Landes jetzt Präsident Bill Clinton einen Brief, der am Sonntag in allen katholischen Kirchen der USA verlesen wurde. Sie verweisen den Präsidenten darin auf seine große Verantwortung.

Abtreibung: Der schottische Kardinal Thomas Winning hat versprochen, den Frauen, die aus sozialen Gründen abtreiben wollten, finanziell zu helfen. Abtreibungsgegner warfen ihm vor, er wolle mit dem Angebot die Frauen nur "kaufen"

Fastenaufruf geglückt: Der Bischof der österreichischen Diözese Linz, Maximilian Aichern, ist zufrieden über den Widerhall, den sein Fastenaufruf "Allianzen für den Sonntag" bisher gefunden hat. In den nächsten Wochen soll bei verschiedenen Aktionen in den Pfarreien und Gemeinden das heiße Eisen "arbeitsfreier Sonntag" angegangen werden.

Deutschland:

Treffen zu Kirchenasyl: Am Freitag hat in Mühlheim an der Ruhr das 4. Treffen der Bundesarbeitsgemeinschaft für Kirchenasyl begonnen. Das Motto lautet: "Ohne Papiere. Ohne Lobby. Ohne Schutz". Bei der Veranstaltung, an der auch der deutsche Caritasverband beteiligt ist, ging es diesmal besonders um die Frage der Aufenthaltsgenehmigungen.

Weitere Meldungen:

Mutter Teresa: Die Wahl einer Nachfolgerin der Ordensgründerin soll noch innerhalb dieser Woche stattfinden. Das hat am Sonntag eine Sprecherin der "Missionarinnen der Nächstenliebe" in Kalkutta mitgeteilt. An der Wahl nehmen 132 Schwestern teil, die die rund 4.500 Mitglieder weltweit repräsentieren.

Protest (1): Nach der Verurteilung von drei griechischen Journalisten hat die Vereinigung "Reporter ohne Grenzen" beim Presseminister protestiert. In einem offenen Brief beklagt die Organisation die ungerechtfertigte Strenge der Prozesse. Die Journalisten waren wegen Religionsbeleidigung angeklagt worden. Grund war zum einen ein Artikel in einer deutschen Männerzeitung, in dem Christus ein sittenloses Leben zugeschrieben wird. In der griechischen Zeitung Klik hatte sich ein Artikel mit einem Buch beschäftigt, in dem beschrieben wird wie Christus die Kreuzigung überlebt und mit Maria Magdalena nach Europa flieht.

Protest (2): Auch ein anderer Prozess erregt Kopfschütteln. In Frankreich sind 5 Jugendliche zu Geldstrafen verurteilt worden, weil sie vor einer Messe des Altbischofs Leon Elchinger protestiert hatten. Anlaß waren Äußerungen des Geistlichen zu Homosexualität. Eichinger hat diese mit Animalität verglichen. Wie eine französische Menschenrechtsliga erklärte, hätte man eher den Altbischof verurteilen sollen. Sie bezeichnete die Strafe für die Jugendlichen als skandalös und erklärte, mit dieser Art von Diskriminierung verteidige das Gericht eine moralische Institution, die sie nicht zu schützen habe. Die Liga betonte, daß sie die Laizität des Staates bedroht sehe.

Scientology: Die Sekte sieht sich einem Terror der Masse ausgesetzt. Das hat sie am Samstag in Los Angeles erklärt. Ein besonderer Vorwurf gilt der in Frankreich ansässigen "Gesellschaft zur Verteidigung von Familie und Individuum". Diese Gruppe, so Scientology, würde zur Hysterie und Verfolgung aufrufen. Scientology betonte, politisch sollten in Frankreich eher solche Gruppen als religiöse Gemeinschaften kontrolliert werden.

Sonderinformation zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen Vatikan -Libyen. Von Matthias Kopp, Rom

Die diplomatischen Missionen von dem Verantwortlichen für die Außenbeziehungen des Vatikans, Erzbischof Jean Louis Tauran, waren also erfolgreich. 1994 trat eine bilaterale Kommission zusammen, die seitdem - eher im Hintergrund aber doch kontinuierlich - gearbeitet hat. An diesem Montag wurde die Aufnahme diplomatischer Beziehungen vereinbart. Papst Johannes Paul II. berief als Nuntius Erzbischof Jose Sebastian Laboa, der bislang bereits Nuntius auf Malta war. Durch die Aufnahme der Beziehungen will der Apostolische Stuhl der verbesserten Situation in Sachen Religionsfreiheit in Libyen Rechnung tragen. Mit der Berufung des Nuntius wurde gleichzeitig eine weitere kirchliche Verwaltungseinheit in Libyen neu besetzt: Die Apostolische Vikarie Bengasi, die die schon bestehende Vikarie der Hauptstadt Tripolis entlasten soll. Der Amtsinhaber von Bengasi war 1970 des Landes verwiesen worden. Die Veränderung der pastoralen Verwaltungsstruktur und die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen sollen dem Wohl der Gläubigen dienen. Man hoffe jetzt, die Arbeit für die rund 50.000 Katholiken besser strukturieren zu können. Dabei wird auch der ökumenische Aspekt eine Rolle spielen: Mehrere hundert Gastarbeiter aus dem benachbarten Ägypten gehören der koptischen Konfession an. Mit ihnen müsse jetzt der Dialog verstärkt werden. Vatikansprecher Navarro Valls fügte am Montag hinzu: Der Schritt diplomatischer Beziehungen möge der internationalen Verständigung einen neuen Impuls geben.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz. - Seit dem 8. Dezember können Teile der Sendungen von Radio Vatikan über Radio Campanile empfangen werden. Das Programm können Sie über Astra auf einem Ton-Unterträger des Deutschen Sportfernsehens hören. Auf den Frequenzen 7,74 und 7,92 MHz. (Sendezeiten für Radio Vatikan-Beiträge: täglich um 7.15 Uhr, 11.15 Uhr und 19.15 Uhr)

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser Woche (10. bis 16. März):

Montag: Weltkirchenmagazin GEPLANTE BEITRÄGE: Zaire: Bestandsaufnahme eines Zustandes. - Deutschland: Radio Campanile und die Einspeisung ins Kabel. Ein Gespräch. - Vatikan: Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Libyen.

Dienstag: Radio-Exerzitien (8) von P. Anselm Grün, OSB.

Mittwoch: Die Römische Woche Sondersendung zu einem Jubiläum: 60 Jahre Enzyklika "Mit brennender Sorge".

Donnerstag: Kreuz-Feuer. Kirche, wo es kritisch wird. Thema in diesem Monat: "Klonen - oder der Machbarkeitswahn des Menschen". Der deutsche Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers ist während der Sendung im Gespräch mit Radio Vatikan. Außerdem Stellungnahmen von Kurienkardinal Josef Ratzinger, dem Europaparlamentarier Peter Liese und dem Ethiker Ludger Honnefelder.

Freitag: Prisma-Magazin GEPLANTE BEITRÄGE: Irland: Die Präsidentin im Gespräch mit Radio Vatikan. - Deutschland: Kohle und kein Ende. Zur gegenwärtigen Diskussion ein Gespräch mit Ruhrbischof Hubert Luthe. - Honduras: Aufbauprojekte von Jesuiten. Ein Gespräch.

Samstag: Radio-Exerzitien (9) von P. Anselm Grün, OSB und der Kommentar der Woche von P. Korbinian Birnbacher, Rom.

Sonntag: Sie schreiben - wir antworten.

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