vom 4. bis 6.. März 1997 + + +

Vatikan:

Albanien: Papst Johannes Paul II. hat während der Generalaudienz am Mittwoch zum Gebet für eine Verbesserung der kritischen Lage in Albanien aufgerufen. Das Land leide und brauche dringend den Frieden, erklärte der Papst.

Europaparlament: Papst Johannes Paul II. hat zu einem entschlossenen Ausbau der Europäischen Union aufgerufen. Vor Abgeordneten aus dem Europaparlament betonte der Papst am Mittwoch, es sei wichtig, daß die europäischen Völker die konkreten Bedingungen für den Ausbau der Union erfüllten.

Klonen: Auch der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Josef Ratzinger, hat jede Form von Klonierungsversuchen in scharfer Form kritisiert. Er bezeichnete am Mittwoch das Klonen als einen gefährlichen Eingrff in die Schöpfungsordnung Gottes. - Inzwischen hat sich auch der Islam gegen das Klonen gewandt. Die deutliche Stimme kam aus dem ägyptischen Kairo von der Al-Azhahr-Universität. Von dort heißt es, daß die Gentechnik im allgemeinen bisher hauptsächlich negative Folgen gehabt habe. Ein islamischer Theologe begründete damit seine Forderung nach einem sofortigen Stop der Klon-Forschung.

Kritik an der Kritik: Libyen wirft den Vereinigten Staaten Einmischung und Bevormundung vor. Anlaß ist eine Erklärung aus Washington, die sich zu einer eventuellen Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen dem Vatikan und Libyen ablehnend äußerte. Am letzten Donnerstag hatte ein Vertreter des US-amerikanischen Außenministeriums erklärt, kein Staat solle Verbindung zu Libyen aufnehmen, da das Land nicht die Beschlüsse der Vereinten Nationen akzeptiere. Papst Johannes Paul II. hatte sich des öfteren gegen die internationalen Sanktionen gewandt, die die UNO seit 1992 gegen Libyen angestrengt hat.

Personalmeldungen: Papst Johannes Paul II. hat am Mittwoch den Sekretär des vatikanischen Kulturrates, Franc Rode, zum neuen Erzbischof der slovenischen Hauptstadt Lubljana ernannt. Außerdem erhielt der erkrankte Erzbischof von Lissabon, Kardinal Antonio Ribero, seinen Weihbischof als Koadjutor mit dem Recht auf Nachfolge.

Menschenrechte:

Kriegsverbrecher: UNO-Generalsekretär Kofi Annan möchte, daß Kriegsverbrecher aus dem Balkankrieg vor das internationale Tribunal gestellt werden. "Sie dürfen nicht davonkommen - und irgendwie werden wir sie vor Gericht stellen können," sagte Annan am Dienstag bei einem Besuch des UNO-Sondertribunals für Ex-Jugoslawien im niederländischen Den Haag. Der UNO-Chef zog eine positive Bilanz der bisherigen Arbeit des Gerichtes. Daß es bisher nur wenige Anklagen erhoben habe, könne man nicht der UNO anlasten, betonte er, sondern den Mitunterzeichnern von Dayton. Sie hätten die Pflicht, gesuchte Kriegsverbrecher zu überstellen.

Euthanasie: Zum vierten Mal hat ein Mensch von dem neuen Sterbehilfe-Gesetz in den australischen Northern Territories Gebrauch gemacht. Eine 70jährige Krebskranke verabreichte sich am vergangenen Wochenende mit Hilfe einer Maschine die tödliche Injektion. Angst herrscht inzwischen bei den Ureinwohnern Australiens. Sie, die schon immer die Ärzte fürchteten, haben nun Angst davor, zur Herbeiführung ihres Todes gezwungen zu werden. Das ist das Ergebnis einer Studie, die am Donnerstag in Canberra veröffentlicht wurde.

Holocaustopfer: Die Schweiz wird eine humanitäre Stiftung zur Unterstützung von Holocaust- und Menschenrechtsopfern gründen. Das hat Staatspräsident Arnold Koller am Mittwoch erklärt. Mit den Schweizer Goldreserven will man - nach langen Diskussionen -im kommenden Jahr die "Swiss Foundation for Solidarity" ins Leben rufen.

Krisengebiete:

Bischofsappell: Die albanischen Bischöfe haben am Donnerstag an Präsident Berisha appelliert, sich der explosiven Situation zu stellen und die junge Demokratie nicht zu gefährden. In ihrem Schreiben versichern ihm die Bischöfe ihre spirituelle und materielle Unterstützung. Sie fordern dazu auf, im Dialog das Land vor dem drohenden Bürgerkrieg zu bewahren.

Aufruf: Derweil hat der österreichische Staatspräsident, Thomas Klestil, die albanische Regierung aufgerufen, jede Form des Dialogs zu suchen, um eine größere Katastrophe auf dem südlichen Balkan zu verhindern. Nach dem Ende des Kommunismus komme gerade Albanien eine Schlüsselrolle für einen dauerhaften Frieden in der Region zu, so Klestil

Intervention?: Der Außenminister Italiens, Lamberto Dini, hält eine internationale oder europaweite Intervention in Albanien nicht mehr für ausgeschlossen. Das erklärte er in der Nacht auf Mittwoch in Rom. Man müsse sich auf alle Eventualitäten vorbereiten, betonte er.

Wahlen: Der algerische Präsident, Liamin Zeroual, hat jetzt den Termin für die Parlamentswahlen festgelegt: Sie sollen am 5. Juni abgehalten werden. Das kündigte er heute in Algier an. Es wird die erste Wahl dieser Art seit 1992 sein. Damals hätte die Islamische Heilsfront offenbar beinahe die Macht übernommen.

Erneute Morde: In Liberia sind einen Monat nachdem die Waffen freiwillig niedergelegt worden sind, erneut sechs Menschen getötet worden. Nach Angaben eines ehemaligen Mitglieds der sogenannten "Vereinigten Befreiungsbewegung" wurden die sechs Männer von Zivilisten getötet, die mit Speeren und Macheten bewaffnet waren.

Ermordet: In dem zairischen Ort Kalima sind acht ruandische Priester und drei Ordensschwestern umgebracht worden. Ein Priester konnte sich offenbar retten. Dies wurde vom Vatikan am Mittwoch bestätigt. Die Tat soll bereits am 25. Februar begangen worden sein.

Verwiesen: Über 50 Mitglieder von Hilfsorganisationen sind von der zairischen Regierung des Landes verwiesen worden. Das teilte ein Vertreter der Vereinten Nationen am Mittwoch in Genf mit. Es handele sich dabei um Personen, die in der vergangenen Woche das Flüchtlingslager Tingi Tingi und die Stadt Kisangani evakuiert hätten. Diese Aktion war wegen des Vormarsches der Rebellentruppen nötig geworden.

Aufruf: Der sudanesische Oppositionspolitiker im Exil, Sadik al-Mahdi, hat alle Jugendlichen seines Landes aufgefordert, sich den Kämpfern der Rebellenbewegung SPLA anzuschließen. Es sei eine historische Mission, das tyrannische Regime von Karthum zu verjagen, erklärte al-Mahdi auf Handzetteln, die am Dienstag in der Hauptstadt verbreitet wurden.

Siedlungen: Die Vereinigten Staaten können über den geplanten Siedlungsbau von Har Homa nicht überrascht sein. Diese Auffassung hat Israels Premierminister Benjamin Netanjahu am Dienstag im Rundfunk vertreten. Washington kenne die israelische Siedlungspolitik seit Jahren und dürfe deshalb nicht so plötzlich gegen das geplante Vorhaben protestieren. Auch wenn viele Staaten in der Welt nicht mit dieser Siedlungspolitik einverstanden seien, werde sich seine Regierung nicht umstimmen lassen, erklärte Netanjahu. - Am Mittwoch verbat sich Netanjahu jede weitere Einmischung der internationalen Gemeinschaft in die israelische Siedlungspolitik.

Verhandlungen: Syrien hat am Dienstag erklärt, daß die Europäische Union der einzig richtige Partner für weitere Verhandlungen in Nahost seien. Europa habe die entsprechende Position in der intenrationalen Staatengemeinschaft, schreibt die jüngste Ausgabe der Regierungszeitung "Al-Baath". Das offizielle Organ versuchte damit deutlich zu machen, daß die USA nicht an Verhandlungen beteiligt werden sollten.

Friedensverhandlungen verschoben: Die Friedensverhandlungen für Nordirland sind auf Anfang Juni vertagt worden. Grund dafür sind, Agenturmeldungen zufolge, die Wahlen in Großbritannien und eine Volksabstimmung in Irland. Anläßlich einer Pressekonferenz bezeichnete der Vorsitzende der Gespräche, George Mitchell, die Fortschritte als Langsam. Es gäbe aber keine Alternative zum demokratischen Dialog, so Mitchell weiter.

Kirche:

Bombe: In der Nacht auf Dienstag ist in einer katholischen Kirche in Sarajewo eine Bombe explodiert. Zerstört wurden Teile der Sakristei und vor der Kirche parkende Autos. Ein Motiv ist noch nicht bekannt. Jedoch liegt die Kirche in direkter Nähe zu einem Hotel, in dem Einheiten der NATO stationiert sind. Die Polizei verstärkte daraufhin ihre Präsenz vor katholischen Kirchen und Schulen erneut. Bereits am Wochenende waren aufgrund eines anderen Anschlags auf eine katholische Kirche die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden.

Papst trotzdem nach Sarajewo: Ein Polizeisprecher versicherte am Tag nach dem Bombenanschlag, die Sicherheit des Papstes bei seinem Besuch Mitte April in jedem Fall garantiert werden könne. Wie der Weihbischof von Sarajewo, Pero Sudar, am Mittwoch erklärte, werde die geplante Reise diesmal nicht an Sicherheits-Bedenken scheitern. Johannes Paul II. sei fest entschlossen, trotz der Bombenattentate an seinem Vorhaben festzuhalten.

Kampagne: Die mexikanische Kirche startet eine Kampagne gegen Gewalt- und Sex-Darstellungen in den Medien. In einem Aufruf fordert Kardinal Norberto Rivera Carrera auch neue juristische Handhaben gegen Entgleisungen in den Medien. Außerdem appellierte er an die Verantwortung der Medienmacher und der Eltern. Sie sollten sich dazu bereit finden, ihren Kindern z.B. ein Fernsehprogramm zu verbieten.

Deutschland:

Klonen: Die Vertreter der beiden großen Kirchen haben sich gegen das Klonen ausgesprochen. Der Bischof von Trier, Hermann Josef Spital, forderte ein rechtliches Verbot der Klon-Versuche. Wie er erklärte, erinnerten die neuen Gentechniken an den Umgang mit Menschenleben in Konzentrationslagern. Der Agrarexperte der evangelischen Kirche in Deutschland sagte im Rundfunk, daß die Experimente auch bei Tieren "ethisch nicht mehr vertretbar" seien. Diese klare Ablehnung wurde nur für den Bereich von Pflanzen eingeschränkt.

Weitere Meldungen:

Islamisten und Militär: In der Türkei reagieren die Islamisten gereizt auf die vermehrten militärischen Einmischungen. Die Armee forderte am Dienstag in Istanbul dazu auf, den religiösen Aktivismus zu dämpfen.

Frauenkonferenz: Auf einer panafrikanischen Frauenkonferenz haben die Teinehmerinnen ein gemeinsames Dokument verabschiedet, das den Frieden als eine Voraussetzung für die Entwicklung bezeichnet. In der sogenannten "Erklärung von Kigali" fordern die aus zahlreichen afrikanischen Ländern stammenden Konferenzteilnehmerinnen ihre Landesregierungen außerdem auf, den besonderen Einsatz der Frauen für den Frieden offiziell anzuerkennen.

Chador: Der Streit um das Tragen des islamischen Chadors in französischen Schulen ist neu aufgeflammt. Objekt des Konfliktes ist ein sogenanntes "grünes Buch", das Moslems beim Bewältigen des westlichen Alltags helfen soll. Verteidiger des Laizität in Frankreich beklagten jetzt vor allem einen Artikel des Buches, der Mädchen auffordert, auch in die Schule verschleiert zu gehen. Das Erziehungsministerium sieht die Angelegenheit jedoch gelassen. Seit 1995 habe die Anzahl der Kopftücher in Schulen erheblich abgenommen, hieß es.

Tempelton-Preis: Der diesjährige Preis geht an den Führer einer hinduistischen Erneuerungsbewegung in Indien. Mit dem am höchsten dotierten Preis weltweit soll der 76jährige Pandurang Shastri geehrt werden, der das Leben seiner pazifistisch-spirituellen Bewegung auf den hinduistischen Lehrtext der Bhagavad Gita stellt. Der religiösen Gruppe gehören in Indien mehr als 200.000 Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten an.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz. - Seit dem 8. Dezember können Teile der Sendungen von Radio Vatikan über Radio Campanile empfangen werden. Das Programm können Sie über Astra auf einem Ton-Unterträger des Deutschen Sportfernsehens hören. Auf den Frequenzen 7,74 und 7,92 MHz. (Sendezeiten für Radio Vatikan-Beiträge: täglich um 7.15 Uhr, 11.15 Uhr und 19.15 Uhr)

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser und der kommenden Woche (06. bis 12. März):

Donnerstag: Jugendmagazin GEPLANTE BEITRÄGE: Jugendliche und Aufgaben bei der Caritas. - Wollen Sie Jesuit werden? Ein Novize berichtet. - Der ökumenische Jugendkreuzweg 1997. - Außerdem: Phil Collins und eine gemeinsame Aktion mit dem deutschen Caritasverband.

Freitag: Prisma-Magazin GEPLANTE BEITRÄGE: Vereinigte Staaten: Trennung von Staat und Kirche? Ein Hintergrund. - Türkei: Islamisten auf dem Vormarsch? - Albanien: Der Erzbischof von Tirana im Gespräch zur aktuellen Lage. - Deutschland: Kirchenasyl ja oder nein? Hintergründe zu einer Tagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirchenasyl in Mülheim a. d. Ruhr. - Vatikan: Der Papst fordert ein christliches Europa. Anmerkungen zu einer Rede von diesem Donnerstag. - Außerdem: Unser Buch des Monats März.

Samstag: Radio-Exerzitien (7) von P. Anselm Grün, OSB und der Kommentar der Woche von P. Korbinian Birnbacher, Rom.

Sonntag: Sie schreiben - wir antworten.

Montag: Weltkirchenmagazin

Dienstag: Radio-Exerzitien (8) von P. Anselm Grün, OSB.

Mittwoch: Die Römische Woche SONDERSENDUNG: 60 Jahre Enzyklika "Mit brennender Sorge"

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