vom 28. Feb. bis 3. März 1997 + + +

Sozialwort der Kirchen:

Am Freitag ist in Deutschland das gemeinsame Wort zur sozialen Lage der evangelischen und katholischen Kirche veröffentlicht worden. Unter dem Titel "Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit" werden auf dem 90seitigen Papier Empfehlungen für eine Marktwirtschaft der Zukunft gegeben. Das Dokument wurde von den Bischöfen Klaus Engelhardt und Karl Lehmann auf der Bundespressekonferenz vorgestellt. Die ersten Reaktionen sind überaus positiv, lediglich die CSU beklagte eine zu deutliche Positionsbeziehung kirchlicher Ideen auf dem politischen Feld. Neben einem Lob von Bundeskanzler Helmut Kohl und SPD-Fraktionschef Rudolf Scharping würdigte auch die Grüne-Abgeordnete Christa Nickels das Dokument als positiv; es sei gegen alles Erwarten kein "weichgespültes Regierungspapier" geworden. Breite Zustimmung gab es auch in fast allen deutschen Zeitungen. Besonders die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" lobte das Sozialwort als gelungen und erhaben über jede Form von Anpassungsstrategie. In dem Dokument, dem seit 1994 ein intensiver Konsultationsprozeß vorausging, fordern die Kirche, daß ihre Verkündigung und Praxis sowohl im eigenen Verhalten wie in ihrer Botschaft nicht auseinandertreten dürfen. Zugleich wird betont, daß die Arbeitslosigkeit kein unabwendbares Schicksal sei, dem Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hilflos ausgeliefert wären. Nach Auffassung der Kirchen bestehen durchaus Voraussetzungen dafür, die Massenarbeitslosigkeit deutlich zu reduzieren. Gleichzeitig müsse man den "Standort Deutschland" nicht schlechtreden, so das Papier. Die Grundbedingung für eine zukunftsfähige Entwicklung sei die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, auf denen die menschliche Existenz beruht. Mit Blick auf die Umwelt wird vor einer Ausbeutung der Natur gewartn.

Vatikan:

Bosnienreise: Papst Johannes Paul II. wird seinen Besuch im bosnischen Sarajevo um einen Tag verlängern. Der Vatikan gab am Freitag als Reisedatum den 12. und 13. April 1997 bekannt.

Kubareise: Die Bischöfe Kubas haben am Freitag angekündigt, daß Papst Johannes Paul II. zum Beginn des nächsten Jahres seinen geplanten Besuch auf der Zuckerinsel abstatten wird. Nach Angaben aus der Hauptstadt Havanna, halte sich der Papst vom 21. bis zum 25. Januar 1998 in Kuba auf.

Gespräche: Papst Johannes Paul II. hat am Freitag den Ministerpräsidenten Marokkos, Abdellatif Filali, in Audienz empfangen. Bei den Gesprächen ging es unter anderem um den Friedensprozeß in Nahost und die Religionsfreiheit in überwiegend muslimisch geprägten Ländern.

Diplomatie: Die Vereinigten Staaten haben nicht protestiert gegen eine mögliche Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zwischen dem Vatikan und Libyen. Das hat am Freitag der vatikanische Pressesprecher erklärt. Er widersprach damit Berichten der Tageszeitung "Corriere della sera". Zwischen dem Apostolischen Stuhl und dem Gaddhafi-Regime sind derzeit Gespräche im Gang. Am Freitagabend kommentierte ein Sprecher des us-amerikanischen State-Department die Gespräche Vatikan-Libyen. Man habe in Washington allerhöchsten Respekt vor dem Vatikan und der Person des Papstes. Im Allgemeinen sei die US-Administration aber der Ansicht, daß kein Staat mit Libyen normale Beziehungen pflegen sollte.

Beichtdokument: Der Päpstliche Familienrat hat am Samstag eine Handreichung für Beichtväter herausgegeben. In ihr werden die Prinzipien der katholischen Ehelehre in Erinnerung gerufen. Dabei wird betont, daß zur Familienplanung nur die natürlichen Methoden verwendet werden dürfen. Die Beichtväter sollen den Gläubigen helfen, den Sinn der Gebote zu verstehen und sie zu beobachten. Wenn keine Zweifel am aufrichtigen Willen zur Buße bestehen, sollen die Beichtväter keine Fragen stellen.

Medienrat: Das Jahr 2000 soll nicht nur als eine Erinnerung an die Vergangenheit dienen. Es könne genauso ein lebendiges Zeugnis für die Gegenwart Christi sein - das erklärte der Papst am Freitag bei seiner Ansprache gegenüber dem vatikanischen Medienrat.

Ernennung: Der Papst hat die Leitung der Pauliner durch einen persönlichen Delegaten in die Hand genommen. Johannes Paul II. will damit größeren Schaden von der Kongregation abhalten, die im katholischen Medienbereich großen Einfluß hat, aber auch nicht unumstritten ist.

Klonierung: Papst Johannes Paul II. hat beim Angelusgebet am Sonntag auf die Gefahr der Klonierung hingewiesen. Es gebe in der heutigen Zeit gefährliche Experimente am Menschen. Sie zeugten von zu wenige Respekt vor dem Leben. Gleichzeitig kritisierte der Papst die Vermarktung der Religion, die heute häufig nur noch weltlichen Interessen unterstellt sei. In einem dramatischen Appell wandte sich Johannes Paul an alle Menschen, die derzeit in der Gewalt von Entführern sind und forderte die sofortige Freilassung aller Opfer.

Agrarprodukion: Der ständige Beobachter des Apostolischen Stuhls bei den UNO-Organisationen in Rom, Erzbischof Alois Wagner, hat am Wochenende an die multinationalen Handelsorganisationen appelliert, sich an die ethischen Gebote im Handel von Agrarprodukten zu halten. Vor dem Profit müsse die Gerechtigkeit stehen. Vor allem Kleinbauern erhielten oft für ihre Waren nur einen geringen Teil des Preises, der auf dem Markt erzielt werde, so Wagner.

Friedensappell: Papst Johannes Paul II. hat am Samstag zur Versöhnung in Albanien aufgerufen. Anläßlich der Akkreditierung des neuen albanischen Botschafters beim Apostolischen Stuhl, forderte der Papst das sofortige Gespräch aller Verantwortlichen an einem Tisch. Nur so könnten die Schwierigkeiten überwunden und die junge Demokratie geschützt werden. Gleichzeitig sicherte der Papst dem albanischen Volk die Unterstützung durch den Vatikan und die katholische Kirche des Landes. Die italienische Presse griff den Friedensappell des Papstes für Albanien am Sonntag intensiv auf. Am Montag bat der katholische Erzbischof von Tirana den italienischen Staat um Intervention in Albanien auf. Eine Reaktion liegt bisher noch nicht vor.

Menschenrechte:

Kontrollen: Die chinesische Regierung will künftig sämtliche Religionen noch schärfer kontrollieren. Am Wochenende erklärte Ministerpräsident Li Peng vor der Nationalkammer, das ein Auseinanderbrechen verschiedener Volksgruppen nur durch bessere Überwachung der Religion verhindert werden könne.

Krisengebiete:

Fehlinterpretation: Der Vertreter der palästinensichen Autonomiebehörde beim Apostolischen Stuhl, Afif Safieh, hat am Montag seine Kritik an der israelischen Siedlungspolitik wiederholt. Gegenüber der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan erklärte er, Premierminister Benjamin Netanjahu habe die Papstworte "Gott segne Israel" mißverstanden und sie als grünes Licht für den rücksichtslosen Siedlungsbau interpretiert. Der PLO-Vertreter unterstrich seine Hoffnung auf ein diplomatisches Einwirken durch den Vatikan. Derweil hat Israels Verteidigungsminister Yitzahk Mordechai am Montag angekündigt, daß die jüdische Enklave Maale Adumin weiter ausgedehnt werde. Die Siedlung liegt im Westjordanland, nahe bei Jerusalem.

Große Seen: Im Zaire scheint sich seit Freitag Verhandlungsbereitschaft auf beiden Seiten einzustellen. Die Regierung hoffe schon bald auf ein Mandat durch Staatspräsident Mobutu. Die Rebellen hatten angekündigt, bei eventuellen Verhandlungen keine Vorbedinungen zu stellen. UNO-Generalsekretär Kofi Annan sprach sich derweil für den Einsatz einer internationalen Friedenstruppe aus. Die deutsche Caritas ist besorgt um die Teilnahme ausländischer Söldner beim Konflikt in Zaire. Wie die Hilfsorganisation am Wochenende erklärte, wolle das zairische Militär Kisangani verteidigen und habe einen Minengürtel um die Stadt gelegt. Durch ihn seien bereits mehrere Menschen ums Leben gekommen. Die Führer von 20 afrikanischen Nationen werden sich nach jüngsten Angaben am 26. März in Togo zu einem Gipfel treffen, um die Lage im Gebiet der Großen Seen zu erörtern. Am Wochenende wurde ferner Angola vor jeder Überschreitung der Grenze in den Zaire gewarnt. Aus Washington hieß es, eine solche Aktion könne nur noch zu größeren Eskalationen führen. Der Erzbischof von Kisangani, Laurent Monsengwo Pasinya, kündigte bei einem Gespräch mit Radio Vatikan seine Bereitschaft an, zwischen den Bürgerkriegsparteien zu verhandeln, sobald das gewünscht werde.

Friedensmission: Der UNO-Blauhelmeinsatz wird für einen Monat in Angola verlängert. Das hat der UN-Sicherheitsrat in der Nacht auf Freitag beschlossen. Bei dem Einsatz handelt es sich um die bislang umfangreichste Aufgabe der UNO-Truppen.

Versöhnungsappell: Zum Abschluß ihrer Vollversammlung haben die Bischöfe Ruandas einen Versöhnungsappell veröffentlicht. Darin sprechen sie von einer besorgniserregenden Sicherheitslage und verurteilen jede Form der zur Zeit ausufernden Gewalt. Die Christen seien aufgerufen, den Weg des Friedens mitzugehen und ihren Beitrag zum Aufbau des Landes zu leisten.

Demokratie: Die Bischöfe von Nigeria haben die Regierung des Landes an ihre Selbstverpflichtung erinnert, daß Land zur Demokratie zurückzuführen. In einer Erklärung zum Ende ihrer Vollversammlung drücken die Bischöfe ihre Überzeugung aus, daß die Nigerianer sich von der Demokratie sehr viel erhoffen. Jetzt dürfe die Politik niemanden enttäuschen.

Flugverbot: Das über den Sudan verhängte Flugverbot wird schwere wirtschaftliche und humanitäre Folgen haben. Diese Meinung hat heute ein Sprecher der sudanesischen Fluggesellschaft "Sudan Airways" gegenüber Journalisten gemacht. Das angedrohte Embargo sei eine Ungerechtigkeit, die besonders die Armen des Landes treffe.

Kirche:

Einheit: Die päpstliche Nuntiatur im bosnischen Sarajevo hat am Wochenende unterstrichen, daß der Apostolische Stuhl auf die Einheit des Landes bestehe. In dem Land müßten alle drei Volksgruppen gleiche Rechte und Pflichten haben, heißt es in einem Kommunique. Der Nuntius reagierte damit auf Gewalttaten zwischen Katholiken und Muslimen während der letzten Tage.

Monarchie: Am Sonntag haben mehrere Tausend Gläubige an einer Messe mit dem ehemaligen rumänischen König Michael und seiner Frau teilgenommen. Die Liturgie in der orthodoxen Kathedrale wurde von Patriarch Teoctist gefeiert.

Verurteilung: Der polnische Primas, Kardinal Jozef Glemp, hat den Brandbombenanschlag auf die jüdische Synagoge in Warschau vom Dienstagabend scharf verurteilt. Das geht aus einer am Freitag in der polnischen Hauptstadt veröffentlichten Erklärung hervor.i

Gebet: In Polen ist am Sonntag in allen Kirchen für den bevorstehenden Papstbesuch und den eucharistischen Kongress in Breslau gebetet und gesammelt worden. In einem Hirtenbrief erinnert der Primas der Kirche, Kardinal Jozef Glemp daran, daß die geistlicher Vorbereitung auf die Feste ebenso wichtig sei, wie die materielle.

Kirchenaustritte: Rund die Hälfte der Kirchenaustritte in Wien gehen darauf zurück, daß die Lehre des Papstes und vieler Bischöfe als zu konservativ abgelehnt werde. Das geht aus statistischen Angaben hervor, die jetzt vom Erzbistum Wien veröffentlicht wurden.

Weitere Meldungen:

Klonen I: Die britische Regierung hat damit begonnen, die Gesetze zu überprüfen, die das Klonen von menschlichen Embryonen verbieten. Nach der Dolly-Klonierung wollten die Briten sicher sein, daß ihr bereits 1990 verabschiedetes Gesetz auch heute noch wirksam ist.

Klonen II: Die Regierung im portugiesischen Lissabon will das Klonen des Menschen durch die Verfassung verbieten lassen. Das meldete am Wochenende die staatliche Nachrichtenagentur. Durch einen neuen Verfassungsartikel sollen die persönliche Würde und die genetische Identität des Menschen geschützt werden.

Personen-Minen: In Mozambique ist am Freitag eine internationale Konferenz gegen Personen-Minen zuende gegangen. Der Vertrag von Ottawa, mit dem weltweit der Einsatz dieser Waffen verboten werden solöl, finde unter den afrikanischen Regierungen immer mehr Zustimmung, hieß es in einer abschließenden Erklärung.

Waisenhaus: König Hussein von Jordanien hat jetzt entschieden, daß das königliche Gästehaus in ein Waisenhaus umgewandelt werden soll. Staatsgäste könnten künftig im Königspalast wohnen, seine eigene Familie wolle in einen einfachen modernen Bau am Rande der Hauptstadt Amman ziehen, hieß es am Montag.

Sekten: In der Schweiz sollen Sekten den gleichen Schutz wie Religionen genießen. Ein Menschenrechtsbeauftragter der Vereinten Nationen kritisierte jetzt mit dieser Forderung den negativ besetzten Unterton des Wortes "Sekte".

Die letzte Meldung:

Papamobil neu: Der Papst wird ein neues Papamobil erhalten. Das Geschenk soll dem Kirchenoberhaupt am nächsten Mittwoch bei der Generalaudienz übergeben werden. Nach Agenturmeldungen soll es mit höchster Sicherheit ausgestattet sein.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz. - Seit dem 8. Dezember können Teile der Sendungen von Radio Vatikan über Radio Campanile empfangen werden. Das Programm können Sie über Astra auf einem Ton-Unterträger des Deutschen Sportfernsehens hören. Auf den Frequenzen 7,74 und 7,92 MHz. (Sendezeiten für Radio Vatikan-Beiträge: täglich um 7.15 Uhr, 11.15 Uhr und 19.15 Uhr)

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser Woche (03. - 09. März):

Montag: Weltkirchenmagazin GEPLANTE BEITRÄGE: Zaire: Kämpfe ohne Ende. Zur aktuellen Lage und zum Versöhnungsappell des Papstes von diesem Montag. - Indien: Interreligiöser Dialog. Hintergrund zu einer wechselvollen Tagung. - Israel: Gereiztheit in Nahost. Der Palästinenservertreter beim Vatikan, Afif Safieh, exklusiv im Gespräch. - Vorstellung: Unser Monatspatron für den März Kardinal John Henry Newman.

Dienstag: Radio-Exerzitien (6) von P. Anselm Grün, OSB.

Mittwoch: Die Römische Woche GEPLANTE BEITRÄGE: Gerechtigkeit: Kurienerzbischof Wagner fordert bei der FAO eine neue Agrarordnung. - Kultur: Kardinal Ratzinger und ein internationales Symposion. - Caritas: Eindrücke einer Moskaureise von Kurienerzbischof Cordes. - Außerdem: Ausstellungen und empfehlenswerte Lektüre von, über und in Rom.

Donnerstag: Jugendmagazin GEPLANTE BEITRÄGE: Ausgrabungen für junge Leute in Israel. Ein Gespräch. - Wollen Sie Jesuit werden? Ein Novize berichtet. - Der ökumenische Jugendkreuzweg 1997. - Freitag: Prisma-Magazin GEPLANTE BEITRÄGE: Klonen und kein Ende: Forschungsminister Rüttgers zur aktuellen Problematik im Gespräch mit Radio Vatikan. - Kirchenasly ja oder nein? Hintergründe zu einer Tagung von Pro Asyl in Deutschland. - Außerdem: Unser Buch des Monats März.

Samstag: Radio-Exerzitien (7) von P. Anselm Grün, OSB und der Kommentar der Woche von P. Korbinian Birnbacher, Rom.

Sonntag: Sie schreiben - wir antworten.

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