vom 25. bis 27. Februar 1997 + + +

Vatikan:

Dokument I: Der Päpstliche Medienrat hat am Dienstag ein neues Dokument zur Frage der "Ethik in der Werbung" veröffentlicht. Beobachter loben die Ausgewogenheit des Papiers, das die Werbung nicht nur einseitig negativ beurteilt. Eine Zusammenfassung des Dokumentes finden Sie am Ende unserer Internetnachrichten.

Dokument II: Der Päpstliche Familienrat hat - ebenfalls am Dienstag - Empfehlungen für die Seelsorge an wiederverheirateten Geschiedenen veröffentlicht. Das Dokument betont, daß die geschiedenen Wiederverheirateten Glieder der Kirche bleiben und daher das Recht auf aktive Teilnahme am Leben der christlichen Gemeinde haben. Zugleich betont das Papier, daß sie vom Kommunionempfang ausgeschlossen bleiben. Die Kirche wird aufgerufen, Sinn und Wert der ehelichen Treue aufgrund des Ehesakramentes deutlicher zu machen. Zugleich wird eine Solidarität mit den geschiedenen Wiederverheirateten in dem neuen Dokument betont.

Klonierung: Der Vatikan hat sich am Mittwoch zur Klonierung eines Schafes im schottischen Edinburgh geäußert. Der Experte für Bioethik, Bischof Elio Sgreccia, warnte vor einer möglichen Ausdehnung des Klonens vom Tier auf den Menschen. Zuvor hatte US-Präsident Bill Clinton eine Bioethik-Kommission eingesetzt, die die ethischen Implikationen prüfen soll. UNESCO-Generalsekretär Federico Mayor kündigte eine Deklaration seiner Behörde an. Darin soll festgeschrieben werden, daß jeder Mensch ein unveräußerliches Recht auf sein eigenes Erbgut hat. In Bonn erklärte Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer, daß er sich für ein europaweites Verbot der Klonierung von Menschen einsetzen wolle. Entwicklung und Erfolge neuer medizinischer Techniken dürften kein Deckmantel für ethisch unvertretbare Experimente sein, so Seehofer.

Kardinalstod: Der langjährige Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz und Kardinalvikar von Rom, Ugo Poletti, ist am Montagabend im Alter von 82 Jahren gestorben. Sein Nachfolger, Kardinal Camillo Ruini, würdigte Poletti zusammen mit Papst Johannes Paul II. als einen Bischof, der sich in besonderer Weise im Dienst an den Gläubigen engagiert habe. Poletti wurde unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit und unter Anwesenheit von Italiens Staatspräsident Oscar Luigi Scalfaro, am Donnerstag beigesetzt. Das Requiem zelebrierte der Papst persönlich.

Libanonreise: Der syrische Staatspräsident Hafez al-Assad hat den für Mai geplanten Besuch von Papst Johannes Paul II. im Nachbarland Libanon begrüßt. Gleichzeitig garantierte er Maßnahmen, um die Sicherheit von Johannes Paul zu gewährleisten. Das hat der libanesische Regierungschef Rafik Hariri am Mittwoch gegenüber der Tageszeitung "Corriere della sera" erklärt.

Restaurierung: In einem Monat soll die Fassade des Petersdomes restauriert werden. Die rund 9 Millionen Mark teuren Arbeiten sollen bis zum September 1999 abgeschlossen sein. Zur Feststellung und Überwachung der Schäden an dem 500jährigen Gebäude kommt modernste Technologie zum Einsatz.

Menschenrechte:

Debré: Am Dienstag abend ist es in Paris erneut zu Ausschreitungen wegen des umstrittenen Einwanderungsgesetzes gekommen. Nach einer Demonstration, an der rund 25.000 Menschen teilnahmen, kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen, bei denen mindestens 22 Personen verletzt wurden.

Kinderarbeit: Im niederländischen Amsterdam hat am Mittwoch eine Konferenz internationaler Experten gegen Kinderarbeit und Kinderprostitution begonnen. Die Veranstaltung wird vom Internationalen Arbeitsamt, ILO, organisiert. Neuesten Schätzungen zufolge, arbeiten weltweit ganztägig rund 250 Millionen Kinder. Caritas international hat anläßlich des Treffens in Amsterdam die Staatengemeinschaft aufgefordert, sich noch massiver gegen ausbeuterische Kinderarbeit einzusetzen.

Krisengebiete/Menschenrechte:

Verhandlungen: Der Führer der Rebellen in Zaire, Laurent Kabila, glaubt, daß bald Direktverhandlungen mit der Regierung zustandekommen. Das erklärte Kabila am Donnerstag nach einem Treffen mit dem südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela.

Vorwürfe: Die Menschenrechtssituation in Syrien hat sich auch im vergangenen Jahr nicht gebessert. Das hat eine syrische Menschenrechtsbewegung am Mittwoch in Paris erklärt. 1996 habe es 100 politische Gefangene mehr gegeben, die aus Syrien oder dem Libanon stammen; unter ihnen befinden sich auch zahlreiche Palästinenser.

Siedlungsbau: Trotz internationaler Proteste will die Regierung in Israel am umstrittenen Siedlungsbau Har Homa bei Jerusalem festhalten. Die Palästinenser sehen mit dem Projekt Grundlagen des Autonomieabkommens gefährdet. Mehrere arabische Länder wollen den UN-Sicherheitsrat anrufen. Das Projekt wurde auch von der chinesischen Regierung scharf angegriffen. Der Palästinenservertreter beim Vatikan, Afif Safieh, äußerte die Befürchtung, daß mit dem Projekt die christlichen Palästinenser an den Rand gedrängt werden könnten - Har Homa würde Betlehem von Jerusalem wie ein Sperriegel abschotten, so Safieh.

Sorge: Menschenrechtsgruppen in Hong Kong haben am Mittwoch scharfe Kritik an der chinesischen Regierung geübt. Peking hatte in diesen Tagen mit der Lokalverwaltung von Hong Kong die Einschränkung der öffentlichen Rechte und Freiheiten nach der Übergabe der Kronkolonie an China beschlossen.

Warnung: Die chinesische Regierung hat am Donnerstag vor negativen Auswirkungen eines Besuches des Dalai Lama auf Taiwan gewarnt. Der tibetische Religionsführer sei keine religiöse Autorität, sondern ein politischer Vertreter separatistischer Tendenzen, hieß es aus Peking.

Einreiseverweigerung: Die Regierung von Thailand hat 26 Delegierten aus dem Nachbarland Bangladesh die Einreise verweigert. Sie wollten an einer Friedens- und Menschenrechtskonferenz teilnehmen. Das mehrtägige Treffen, das am Wochenende beginnen soll, möchte ethnische Rivalitäten im Grenzgebiet zwischen Thailand und Bangladesh beseitigen.

Kirche:

Mutter Teresa: Nach wie vor gibt es keine neuen Einzelheiten zur Wahl einer Nachfolgerin von Mutter Teresa im indischen Kalkutta. Eine italienische Nachrichtenagentur spekulierte mit Berufung auf Ordenskreise in Indien, daß sich Mutter Teresa doch noch einmal zur Wiederwahl stellen würde. Entsprechende Vermutungen wurden am Mittwoch vom Orden dementiert.

Kritik: Der philippinische Staatschef Fidel Ramos hat am Mittwoch die Kritik der Kirche an seiner Wirtschaftspolitik zurückgewiesen. Ein Aufruf von Kardinal Jaime Sin vom Vortrag sei dessen Appell zur Einheit gewesen. Ramos erklärte, Kardinal Sin stehe hinter den geplanten Steuerreformen.

Arbeit gewürdigt: Der russische Präsident Boris Jelzin hat de Arbeit des russisch-orthodoxen Patriarchen von Moskau, Alexij II., gewürdigt. Bei einem Besuch anläßlich des Namenstages von Alexij am Montag erklärte Jelzin, Namenstag und Geburtstag des Patriarchen seien ein Festtag für das ganze russische Volk. Zugleich dankte Jelzin für das vielfache Engagement Alexijs. Der versicherte gegenüber dem Präsidenten, alles für die Kircheneinheit des Landes zu tun.

Patriarch: Das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Alexandria hat ein neues Oberhaupt: Der Heilige Synod wählte jetzt mit 6 von 8 Stimmen Petros I., der damit Nachfolger des im vergangenen Jahr verstorbenen Parthenios III. wird. Petros war zuvor Metropolit in Ghana.

Religionsunterricht: Die Bischofskonferenz möchte mit einer seit Mittwoch in Frankfurt-St. Georgen stattfindenden Fachtagung die Bedeutung des Religionsunterrichtes unterstreichen. An dem Symposion nehmen mehr als 100 Fachleute aus katholischen Bildungseinrichtungen teil.

Weitere Meldungen:

Brandbombe: Die Synagoge im polnischen Warschau ist in der Nacht auf Mittwoch durch eine Brandbombe schwer beschädigt worden. Über die Täter liegen noch keine Hinweise vor. Der Anschlag wurde von Religions-, Kirchen- und Politikvertretern scharf verurteilt.

Friedensnobelpreis: Für die Nominierung des diesjährigen Friedensnobelpreises in Norwegen gibt es bereits 129 Kandidaten. Das hat das Nobelkomittee am Dienstag in Oslo mitgeteilt. Davon sind rund 100 Einzelpersonen, bei den anderen handelt es sich um Organisationen.

Einfluß: Der türkische Präsident Suleyman Demirel hat in einem Brief Premierminister Erbakan vor dem zunehmenden religiösen Einfluß auf die Politik gewarnt. Das meldete am Donnerstag eine türkische Tageszeitung. Demirel kündigte dabei seinen Widerstand gegen eine Islamisierung der türkischen Republik an.

Bombendrohung: Ein jüdischer Bürger in den Vereinigten Staaten hat am Mittwoch versucht, die Synagoge von Jacksonville im US-Bundesstaat Florida in die Luft zu sprengen. Mit der Aktion wollte er eine Rede des früheren israelischen Ministerpräsidenten Shimon Peres verhindern. Die Bombe konnte frühzeitig entschärft werden.

Vatikandokument Medienrat: "Die Ethik in der Werbung"

Eine Zusammenfassung von Matthias Kopp, Rom

Das Dokument des Päpstlichen Medienrates ist eine für Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kirche empfehlenswerte Lektüre. Besonders hervorzuheben ist die Ausgewogenheit des Papiers. Denn nach Auffassung des Medienrates kann gerade die Werbung helfen, ethische und moralische Probleme herauszustellen. Wörtlich heißt es: "Wir stimmen nicht mit der Behauptung überein, Werbung spiegle einfach die Haltungen und Werte der umgebenden Kultur wider." Werbung wird in dem Dokument weit vielschichtiger gesehen und jeder vereinfachenden Negativbeurteilung eine Absage erteilt, denn Werbung kann in einem Wirtschaftssystem ein nützliches Werkzeug sein, um den redlichen und sittlich verantwortungsvollen Wettbewerb zu erhalten. Auch die politische Werbung kann ihren Beitrag zur Demokratie leisten. Zugleich warnt das Dokument aber auch vor der Weckung falscher Vorstellungen und unsinniger oder gar überflüssiger Wünsche. Unzulässig ist eine Werbung, die in schamloser Weise den Geschlechtstrieb für alles mißbraucht und um des Geldes willen ausbeutet, heißt es in dem Papier. Scharfe Kritik gibt es auch an Werbemethoden, die Entwicklungsländer benachteiligen, ethnische Minderheiten diskriminieren oder Frauen ungerecht behandeln. Genannt wird auch die Ausbeutung oder respektlose Haltung gegenüber der Religion. Das Papier fordert einen moralisch verantworteten Umgang mit der Werbung, den Schutz der Würde der menschlichen Person und ein größeres Maß an sozialer Verantwortung, wo selbst der Umweltschutz genannt wird.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz. - Seit dem 8. Dezember können Teile der Sendungen von Radio Vatikan über Radio Campanile empfangen werden. Das Programm können Sie über Astra auf einem Ton-Unterträger des Deutschen Sportfernsehens hören. Auf den Frequenzen 7,74 und 7,92 MHz. (Sendezeiten für Radio Vatikan-Beiträge: täglich um 7.15 Uhr, 11.15 Uhr und 19.15 Uhr)

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser Woche (27. Februar bis 05. März):

Donnerstag: Kreuz des Südens - Leben in jungen Kirchen GEPLANTE BEITRÄGE: Guatemala: Wahrheitskommission jetzt auch für Lateinamerika. Ein Bericht. - Brasilien: Ein Gespräch mit Staatspräsident Fernando Cardoso. - Zaire: Kein Ende des Bürgerkrieges. Hintergründe zur aktuellen Situation.

Freitag: Prisma-Magazin GEPLANTE BEITRÄGE: Sonderberichte zur Veröffentlichung des Sozialwortes der Kirchen in Deutschland. - 40 Jahre Telefonseelsorge, ein seelisches Jubiläum. - Norddeutschland vor dem Castor-III-Transport: Wie die evangelische Kirche in der kommenden Woche als Vermittler eintreten will. - Machbarkeitswahn der Forschung: Klonierung und die Folgen. Ein Gespräch.

Samstag: Radio-Exerzitien (5) von Anselm Grün und das Rosenkranzgebet mit dem Papst

Sonntag: Sie schreiben - wir antworten.

Montag: Weltkirchenmagazin

Dienstag: Radio-Exerzitien (6) von Anselm Grün

Mittwoch: Die Römische Woche GEPLANTE BEITRÄGE: Facelifting für den Vatikan: Die Fassade von St. Peter soll bis zum Jahr 2000 renoviert werden. - Kurienerzbischof Paul Josef Cordes zu caritativer Mission in Moskau. Ein Gespräch. - Literaturtip Rom.

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