vom 21. bis 24. Februar 1997 + + +

Vatikan:

Schweigen und Meditation: Papst Johannes Paul II. hat am Sonntag die Christen dazu aufgerufen, die Fastenzeit als eine neue Möglichkeit des Schweigens und der Meditation zu begehen. Sie sei eine Einladung, die Stille wiederzuentdecken und das Herz zu befreien, so Johannes Paul vor den Gläubigen beim Angelusgebet auf dem Petersplatz. Zuvor hatte er einen Pfarreibesuch in Rom unternommen und dabei dazu aufgerufen, die zahlreichen Einwanderer aus Ländern der Dritten Welt als Mitbewohner anzunehmen. Außerdem erinnerte Johannes Paul daran, bei der derzeitigen Diskussion um eine Reform des Schulwesens in Italien die Wertevermittlung einer solchen Institution nicht zu vergessen.

Libanon: Papst Johannes Paul II. wird am 10. und 11. Mai zu einem Besuch in den Libanon reisen. Das ist am Montag im Vatikan bekanntgegeben worden. Damit soll die im Frühjahr 1994 abgesagte Reise nachgeholt werden. Mit dem Besuch wird die Endphase der im Vatikan Ende 1995 abgehaltenen Libanonsynode beendet. Gleichzeitig sollen ihre Ergebnisse den Gläubigen vorgestellt werden. - Am Montag hat der libanesische Regierungschef Rafiq Hariri, ein muslimischer Sunnit, den Papst zu einem Gespräch im Vatikan besucht.

Syrien: Nach Angaben der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur SANA ist der Verantwortliche für die Außenbeziehungen des Vatikans, Erzbischof Jean Louis Tauran, am Samstag in der Hauptstadt Damaskus eingetroffen. Wie die Agentur weiter meldete, soll es bei den Gesprächen mit Syriens Außenminister Farik Schara besonders um Fragen des Friedensprozesses in Nahost gehen. Es wird auch eine Diskussion um den möglichen Papstbesuch im Libanon vermutet. Syrien ist im Libanon die militärisch und politisch dominierende Macht - ein Besuch des Papstes in diesem Land kann nach Meinung von Beobachtern nicht ohne Zustimmung aus Damaskus stattfinden. Tauran hat in den letzten Monaten wiederholt Reisen in arabische Staaten unternommen.

Vorbereitungen: Am Samstag hat Papst Johannes Paul II. den libanesischen Patriarchen, Kardinal Nasrallah Sfeir, in Audienz empfangen. Beobachter vermuten, daß es dabei auch um den Vatikanbesuch des libanesischen Präsidenten Rafik Hariri gegangen ist. Hariri ist am Montag vom Papst empfangen worden.

Befriedung: Nach Ansicht des ehemaligen kolumbianischen Präsidenten Betancour haben die Papstreisen der achtziger Jahre wesentlich zur Befriedung einiger Länder Lateinamerikas beigetragen. Bei der Feier des Weltfriedenstages in Wien nannte der Politiker in diesem Zusammenhang vor allem die Länder Brasilien, El Salvador, Guatemala und Nicaragua. Entscheidend sei, daß die Konfliktpartner auf Rache verzichtet und sich, wie Betancour bemerkte, "auf den Skandal der Vergebung eingelassen" hätten.

Menschenrechte:

Schutz: Der bosnische Weihbischof Pero Sudar hat auch im Namen von Kardinal Vinko Puljic, Erzbischof von Sarajewo, zum Schutz der Menschenrechte in der bosnischen Hauptstadt aufgerufen. Den Handgranaten-Anschlag vom vergangenen Donnerstag auf eine Kirche und ein Franziskanerinnenkloster hat auch der Vorsitzende des Präsidentschaftskollegiums Alija Izetbegovic verurteilt. Er rief die Einwohner der Stadt dazu auf, sich gegen weitere Anschläge zusammenzuschließen. Manche Beobachter befürchten, daß der Anschlag, dem Steinwürfe gegen die Kirchenmauer während eines Gottesdienstes vorangegangen waren, den geplanten Papstbesuch in Sarajewo nächsten April gefährden könnte.

Kirchenasyl: Am Sonntag hat die französische Polizei rund 200 illegale Einwanderer aus einer Pariser Kirche vertrieben. Die vorwiegend chinesischen Frauen und Kinder hatten im Zusammenhang mit den Demonstrationen gegen das geplante neue Ausländergesetz dort Zuflucht gesucht. Obwohl die Verantwortlichen des Gotteshauses die Besetzung erlaubt hatten, soll die Stadtverwaltung die Räumung des Gotteshauses angeordnet haben, hieß es am Sonntag im französischen Radio.

Humanitäre Hilfe:

Spenden: Die UNICEF ruft zur Zeit zusammen mit weiteren Organisationen der Vereinten Nationen zu Spenden für die Bürgerkriegsopfer im Sudan auf. Allein in der Gegend um Khartoum und am oberen Nil unterstützt die UNICEF, nach Aussage aus Genf, nicht nur Frauen und alte Menschen, sondern auch etwa 630.000 Kinder unter fünf Jahren. Derweil mehren sich die Anzeichen, daß die Offensive der Nationalen Demokratischen Allianz das fundamentalistische Regime von Karthoum ernsthaft in Bedrängnis bringt. Zum ersten Mal seit Beginn des Bürgerkrieges Anfang der achtziger Jahre kämpfen jetzt auch muslimische Gruppen auf der Seite der Christen und Animisten aus dem Südsudan.

Krisengebiete:

Lage: Die politischen Bemühungen um einen Waffenstillstand in Ost-Zaire gehen weiter. Die Meldungen über die Situation vor Ort waren am Wochenende weiter widersprüchlich: Offiziell haben sowohl die Rebellen als auch die Regierung erklärt, sie hätten die Kämpfe eingestellt. Verteidigungsminister Kalima warf jedoch am Samstag den Rebellen vor, nach wie vor eine Offensive im äußersten Nordosten des Landes zu führen. Hubschrauber der Regierung hätten daraufhin einen Gegenangriff gestartet. Unterdessen bestätigten Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, in den Lagern bei Kisangani seien schon die ersten Flüchtlinge der Kämpfe eingetroffen.

Völkermord: Der belgische Verantwortliche für die Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern hat am Samstag erklärt, in Ost-Zaire sei ein "neuer Völkermord im Gange". Er verwies dabei in einem Radiointerview auf direkte Zeugenaussagen, vor allem von Missionaren und den Mitarbeitern internationaler Hilfsorganisationen. Sie sprächen übereinstimmend von Massengräbern. Der belgische Staatssekretär für Zusammenarbeit - so sein offizieller Titel - deutete an, daß Informationen über die Massaker, die höchstwahrscheinlich von den Rebellen verübt würden, im Westen aus "ich weiß nicht was für geopolitischen Interessen" verschwiegen würden. Ausdrücklich setzte er sich für eine bewaffnete Friedenstruppe in Ost-Zaire ein.

Vorwurf zurückgewiesen: Die ruandische Armee hat Berichte von Amnesty international zurückgewiesen, es komme zu illegalen Hinrichtungen. Bei den Getöteten soll es sich nach Aussagen eines Armeesprechers um Personen handeln, die in Gefechte zwischen der Armee und sogenannten "Saboteuren" geraten seien.

Wahrheitskommission: Eine Einrichtung, die man mit der südafrikanischen Wahrheitskommission vergleichen kann, gibt es jetzt auch in Guatemala. Die Vereinten Nationen haben am Samstag die Namen für eine dreiköpfige Kommission bekanntgegeben, die die Verbrechen während des 36jährigen Bürgerkrieges aufklären soll. Unter ihnen ist auch der Deutsche Christian Tomuschat, der bereits zu Beginn der 90er Jahre auf schwere Menschenrechtsverletzungen in Guatemala hingewiesen hatte. Die Wahrheitskommission wird finanziell von Spendern unterstützt, die damit ihren Beitrag zum Friedensprozeß in dem Land leisten wollen.

Friedensprozess: Der syrische Staatspräsident Hafez al-Assad hat der israelischen Regierung vorgeworfen, kein Interesse am Friedensprozess zu zeigen. In einer Erklärung unmittelbar vor einem Treffen mit Ägyptens Präsident Hosni Mubarak betonte Assad, sein Land wolle den Frieden. Die neue Regierung Netanjahu habe aber weder Angebote unterbreitet noch irgendeine Initiative gezeigt. Am Samstag hatte sich Assad nach einer Operation erstmals wieder in der Öffentlichkeit gezeigt.

Warnung: Nach den jüngsten Siedlungsvorhaben Israels hat Palästinenserpräsident Yassir Arafat am Sonntag vor einem neuen Kolonisationsschub gewarnt. In Gaza rief er die arabischen Staaten zu einer Mobilisierung gegen solche Vorhaben auf. Die neuesten Siedlungsprojekte, bei denen palästinensische Beduinen zwangsumgesiedelt wurden, könnten den Friedensprozeß in der Region gefährden, so Arafat.

Besorgnis: Der ost-timoresische Friedensnobelpreisträger, Bischof Carlos Belo, hat sich besorgt über die Situation extremer Gewalt und die wachsenden Islamisierungsversuche durch Indonesien geäußert. In einem Interview mit einer italienischen Wochenzeitung bemängelte Belo eine zu geringe Anteilnahme der Vereinten Nationen, der Europäischen Union und anderer Länder.

Verhaftet: Die Polizei von Ost-Timor hat am Sonntag drei Personen verhaftet, denen vorgeworfen wird, die Ausschreitungen zwischen muslimischen Einwanderern und Katholiken angezettelt zu haben. 300 Muslime werden derzeit von der Polizei verhört. Die Lage auf Ost-Timor wurde am Sonntag als ruhig beschrieben.

Pastoralbrief: Die indonesischen Bischöfe haben in einem Pastoralbrief ihre Besorgnis über die aktuelle Lage ausgedrückt. Sie schrieben, sie fühlten sich bedroht und fragten sich, wie es in Zukunft um die Religionsfreiheit in Indonesien bestimmt sein werde. Grund für die Besorgnis der Bischöfe sind die religiösen Unruhen, die in den letzten vier Monaten mindestens neun Todesopfer gefordert haben.

Kirche:

Petrusamt: Der ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I., hat die Frage des Petrusamtes als größtes Hindernis zwischen den Kirchen bezeichnet. Alles andere seien nachrangige Divergenzen, erklärte Bartholomäus gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur kathpress. Der Patriarch begrüßte es, daß Papst Johannes Paul II. über die Verwirklichung des Petrusamtes eine Diskussion angeregt hat.

Arbeitserlaubnis: Ausländische Priester und Ordensleute, die in Weißrussland arbeiten, können vorläufig weiter im Land bleiben. Alle restriktiven Maßnahmen gegen die Verlängerung von Aufenthaltserlaubnissen seien vorläufig eingestellt, erklärte Kardinal Kazimir Schwiatek unter Berufung auf Präsident Lukaschenko. In Weißrussland arbeiten besonders viele polnische Geistliche in der Seelsorge, da die dort lebenden Katholiken meist polnischer Herkunft sind.

Synodenende: Am Sonntag ist die Synode der orthodoxen russischen Kirche zu Ende gegangen. Patriarch Alexij sprach zwei Bischöfe und einen Erzbischof selig. Diese waren im Jahr 1937 vom kommunistischen Geheimdienst hingerichtet worden. Im Schlußdokument der Bischofsversammlung wurde den orthodoxen Gläubigen erlaubt, politischen Organisationen beizutreten. Falls sie selbst solche gründen wollen, müssen sie sich jedoch mit der kirchlichen Autorität beraten. Die Kirche selbst, so der Patriarch, sei in politischen Fragen neutral.

Veitsdom: Die tschechische Kirche hat zwar den Prager Veitsdom dem Volk geschenkt - trotzdem zieht sie ihre Klage um das Eigentumsrecht beim Obersten Gericht nicht zurück. Das erklärte jetzt ein Bistumssprecher. Die Kirche will erreichen, daß die Zukunft der symbolträchtigen Kathedrale durch einen Vertrag und nicht per Gesetz geregelt wird. Davon verspricht sie sich eine Aufhebung der Enteignung des Veitsdoms, die in kommunistischer Zeit erfolgt war.

Weitere Meldungen:

Kirchenbrände: In den Vereinigten Staaten sind am Freitag zwei ehemalige Mitglieder des Ku-Klux-Clan wegen Brandstiftung an zwei Kirchen verurteilt worden. Die Gotteshäuser wurden vorwiegend von Schwarzen besucht. Ein Gericht in Charleston, im Bundesstaat South Carolina, verurteilte die beiden Täter zu neunzehneinhalb beziehungsweise achtzehneinhalb Jahren Haft wegen Verletzung der Menschenrechte.

Gebet für Deng: Vertreter der patriotischen Kirche des Landes haben am Sonntag offiziell zum Gebet für den verstorbenen Staatschef Deng Xiao-Ping aufgerufen. Die regimetreue patriotische Kirche äußerte sich damit erstmals öffentlich zum Tode Dengs. Zugleich bedauerten einige ihrer Vertreter, daß während der sonntäglichen Gottesdienste offiziell kein Gedenken für Deng angeordnet wurde. Der Tod des großen Führers sei ein Verlust für China, so die regimetreue Kirche.

Friedenspreis: Die römische Basisgemeinschaft Sant` Egidio ist mit dem diesjährigen Friedenspreis des Methodistischen Weltrates ausgezeichnet worden. Wie dazu der Generalsekretär des Rates, Joe Hale, mitteilte, würden damit die außerordentlichen Bemühungen der Basisgemeinschaft zur Wahrung der Menschenrechte gewürdigt. Außer seiner internationalen Friedensarbeit kümmert sich Sant`Egidio allein in Rom um Kinder, alte Menschen, Körperbehinderte, AIDS-Kranke, Obdachlose und Immigranten.

Filmplakat: In Frankreich kommt es zu Diskussionen wegen eines Filmplakats. Darauf ist ein Mann in der Haltung eines Gekreuzigten zu sehen, dahinter ein Teil eines mit einem Bikini bekleideten Frauenkörpers. Ein Pariser Gerichtshof hat am Freitag die Klage einer Gruppe von Katholiken zurückgewiesen, die das Verbot des Plakats gefordert hatten. Die französische Bischofskonferenz hatte sich bereits gegen das Plakat ausgesprochen. Dabei sei der Zusammenhang zwischen dem gekreuzigten Christus und kommerzieller Pornographie unübersehbar. Gegen das Poster haben sich auch die katholischen Bischöfe der Schweiz ausgesprochen. Unmittelbar vor Redaktionsschluß dieser Nachrichten wurde gemeldet, daß der Regisseur des Films, Milos Forman, das umstrittene Plakat zurückgezogen hat.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz. - Seit dem 8. Dezember können Teile der Sendungen von Radio Vatikan über Radio Campanile empfangen werden. Das Programm können Sie über Astra auf einem Ton-Unterträger des Deutschen Sportfernsehens hören. Auf den Frequenzen 7,74 und 7,92 MHz. (Sendezeiten für Radio Vatikan-Beiträge: täglich um 7.15 Uhr, 11.15 Uhr und 19.15 Uhr)

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser Woche (24. Februar bis 2. März):

Montag: Weltkirchenmagazin GEPLANTE BEITRÄGE: Ein Vorbericht zur Papstreise in den Libanon - Beitrag zur Ökumene zwischen katholischer und orthodoxer Kirche - eine Theologieprofessorin in Griechenland

Dienstag: Radio-Exerzitien (4) von Anselm Grün

Mittwoch: Die Römische Woche GEPLANTE BEITRÄGE: Russland an der Wende: Kurienerzbischof Paul Josef Cordes zum Abschluß seines Moskaubesuches. - Via Appia Antica: Eine Ausstellung zur "Königin der Straßen". - Russland an der Wende:

Donnerstag: Kreuz des Südens - Leben in jungen Kirchen GEPLANTE BEITRÄGE: Guatemala: Wahrheitskommission jetzt auch für Lateinamerika. Ein Bericht. - Brasilien: ein Gespräch mit Präsident Cardoso.

Freitag: Prisma-Magazin GEPLANTE BEITRÄGE: Sonderberichte zur Veröffentlichung des Sozialwortes der Kirchen in Deutschland. - 40 Jahre Telefonseelsorge, ein seelisches Jubiläum. - Norddeutschland vor dem Castor-III-Transport: Wie die evangelische Kirche in der kommenden Woche als Vermittler eintreten will.

Samstag: Radio-Exerzitien (5) von Anselm Grün und das Rosenkranzgebet mit dem Papst

Sonntag: Sie schreiben - wir antworten.

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