vom 18. bis 20. Februar 1997 + + +

Vatikan:

Diplomatische Beziehungen: Der Apostolische Stuhl will diplomatische Beziehungen zu Libyen aufbauen. Gespräche trügen erste Früchte, erklärte ein Sprecher des Vatikans am Donnerstag. Auch Libyen wünscht diplomatische Kontakte mit dem Apostolischen Stuhl. Das hat Revolutionsführer Muammar Al Gaddafi am Donnerstag erklärt. Solche Beziehungen wären ein Ausweg aus der internationale Isolierung, die seit dem Terroranschlag von Lockerbie besteht.

Rasch und friedlich: Der Papst erhofft sich eine rasche und friedliche Lösung des Geiseldramas in Peru. Ein Vatikansprecher erklärte am Mittwoch, Johannes Paul werde ständig auf dem Laufenden gehalten und bete für einen guten Ausgang.

Heil außerhalb der Kirche: Auch die Angehörigen anderer Religionen empfangen das ewige Heil von Gott. Für ihr Heil ist es nicht unbedingt erforderlich, daß sie in die Kirche eintreten. Diese Ansicht vertritt jetzt nach vierjährigen Studien die internationale Theologenkommission unter Leitung von Kardinal Josef Ratzinger. Der alte Satz "Außerhalb der Kirche kein Heil" ist damit überholt. Andererseits heißt es in dem Ergebnis der Studien, man könne als Katholik auch nicht die Ansicht vertreten, alle Religionen seien gleichviel wert. Kernpunkt der Studien ist, daß Christus der einzige Heilsweg ist.

Schule und Kultur: Papst Johannes Paul II. wünscht sich eine aktive Präsenz der Katholiken im Bereich Schule und Kultur. Das geht aus seiner Botschaft an die Vereinigung der katholischen Gymnasiallehrer Italiens hervor, die derzeit in Rom tagt. Man dürfe nicht abwarten, was die Zukunft bringe, sondern müsse sie selbst aktiv in die Hand nehmen. Die Katholiken sollten mit dem Glauben im Zentrum des Geschehens stehen, wünscht sich Johannes Paul II.

Embryo: Der Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, Javier Lozano Barragan, hat am Montag die Vorstellung eines präembryonalen Zustandes beim Menschen zurückgewiesen. Es gebe nur den Embryo und daher sei dieser schon von der Befruchtung an beseelt. Man dürfe ihm Personalität nicht absprechen.

Menschenrechte:

Hoffnung: Der Tod des chinesischen Staatsmannes Deng Xiaoping gibt Anlaß zur Hoffnung auf eine Öffnung des Landes. Das hat Amnesty international am Mittwoch erklärt. Auch in Bezug auf die Menschenrechte erhofft sich die Organisation Verbesserungen von der neuen Führung in Peking. Die US-amerikanische Menschenrechtsgruppe "Human Rights Watch" appellierte am Donnerstag an die chinesische Regierung, auf eine Verbesserung der Menschenrechte hinzuarbeiten.

Katholikenverfolgungen: Die chinesische Regierung hat sich erneut gegen Anschuldigungen gewehrt, sie lasse Katholiken verfolgen. Es handle sich bei diesem Vorwurf lediglich um Verleumdungen durch ausländische Gruppen, die illegale religiöse Aktivitäten in China unterstützten. In dem Land gebe es nur eine einzige katholische Kirche, der die Bischofskonferenz und die Patriotische Katholische Vereinigung angehörten. Das gab jetzt die offizielle Presseagentur "Neues China" bekannt, ohne dabei jedoch auf die wahre Lage der romtreuen Untergrundkirche einzugehen.

Mullahs verhaftet: Ordnungkräfte haben in China am letzten Sonntag 21 Mullahs und Angestellte von Koranschulen verhaftet. Dies hat die Vereinte Nationale Revolutionäre Front am Dienstag mitgeteilt. Zuvor waren etwa 200 Moscheen und Koranschulen in der Stadt Tourfan, im Norden der Provinz Xingjiang, von der Armee durchsucht worden. Diejenigen Mullahs, die nicht verhaftet wurden, mußten unterschreiben, daß sie keine separatistischen Aktivitäten anstreben.

Nahrungsmittelhilfe: Die südkoreanische Regierung hat am Donnerstag mitgeteilt, daß sie etwa sechs Millionen Dollar für Nahrungsmittelhilfen an Nordkorea übergeben will. Wie der Minister für politische Angelegenheiten erklärte, werde es dabei keinen direkten Kontakt mit Pjöngjang geben. Das Geld wird an das weltweite Ernährungsprogramm überwiesen werden.

Lage verschlechtert: In Ruanda hat sich die Menschenrechtslage seit dem letzten Jahr verschlechtert. Das hat Amnesty international am Dienstag in einer Erklärung mitgeteilt. Seit der Rückkehr von Millionen von Flüchtlingen aus Zaire und Tansania käme es täglich zu Morden. Die ruandischen Behörden erklärten, Aktivisten seien für das Antsteigen der Gewalt verantwortlich.

Krisengebiete:

Verdächtige getötet: Sicherheitskräfte haben in Ruanda zwei Personen umgebracht, die unter dem Verdacht standen, für den Mord an fünf Mitgliedern der Vereinten Nationen verantwortlich zu sein. Ein Komplize soll verhaftet worden sein. Das hat die Menschenrechtsabteilung der UNO unter Berufung auf Radio Ruanda mitgeteilt. Die fünf Mitarbeiter der Vereinten Nationen waren am 4. Februar in einem Hinterhalt erschossen worden.

Wiederaufbau: Im Sudan wollen Eltern eine katholische Schule wieder aufbauen, die von Regierungssoldaten niedergerissen worden ist. Das wird jetzt aus der sudanesischen Hauptstadt Karthoum gemeldet. Die Eltern hatten sich zwar mit einem Schreiben an die Regierung gewandt, um zu protestieren und die Gründe für den vandalischen Akt zu erfahren. Da sie keine Antwort erhalten, wollen die Eltern nun selbständig die Schule wieder aufbauen.

Motiv?: Die ägyptische Polizei hat ein mögliches Motiv für den Mord an den zehn jungen Kopten in der letzten Woche gefunden. Wie am Donnerstag aus Quellen des Sicherheitsdienstes bekannt wurde, soll sich die Mehrzahl der Ermordeten in Israel aufgehalten haben. Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte jedoch, es gebe keinerlei Hinweis auf eine Verbindung zwischen dem Attentat und Israel.

Friedensverhandlungen?: In Zaire verdichten sich die Hinweise auf mögliche Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und den Rebellen. Das könnte dem Bürgerkrieg im Osten des Landes - nahe den Grenzen zu Ruanda und Burundi - eine Atempause verschaffen. Alles deutete darauf hin, daß es dem südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela am Donnerstag gelingen wird, einen Vertreter Mobutus und einen Vertreter von Rebellenchef Kabila zusammenzubringen. Die Vorbereitungen für die Verhandlungen liefen am Donnerstag in Kapstadt auf Hochtouren.

Wirtschaftskonzepte: Der Sekretär der ecuadorianischen Bischofskonferenz, Antonio Arregui, hat die neue Übergangsregierung gebeten, schnell eigene Wirtschaftskonzepte vorzulegen. Wenn auch sie die Forderungen im Volk nicht mit ihren wirtschaftlichen Maßnahmen in Einklang bringen könne, dann werde womöglich auch Präsident Antonio Alarcon aus seinem Amt gejagt. Der Bischof erklärte weiter, die Aufgabe der neuen Regierung sei alles andere als einfach.

Angriff: Im mexikanischen Bundesstaat Chiapas ist eine Gruppe von zwölf Menschenrechtlern und Journalisten angegriffen und beschossen worden. Die Tat wird einer paramilitärischen Gruppe angelastet, die auf Seiten der Regierung steht.

Schulsystem normalisiert: Ab dem 1. März soll sich das Schulsystem in der serbischen Provinz Kosovo wieder normalisieren. Dort war es durch die erzwungene Einführung des Serbischen als Unterrichtssprache zum Boykott und zur Einrichtung eines Systems von sogenannten "Katakombenschulen" gekommen. Dank der Vermittlung der italienischen Basisgemeinschaft S. Egidio konnte eine prinzipielle Einigung erzielt werden. Die Verhandlungen über die Details wurden jedoch erst vor zwei Wochen aufgenommen.

Selbstbestimmung: Die Vereinigten Staaten sollen sich für die Selbstbestimmung von Ost-Timor einsetzen. Das hat Friedensnobelpreisträger José Ramos-Horta jetzt gefordert. Die Lösung dieses Problems sei einfacher als in Bosnien oder dem Nahen Osten, erklärte er, und dort hätten sich die USA sehr engagiert. Er betonte außerdem, er fordere keinerlei Sanktionen gegen Indonesien. Vielmehr müsse ein Weg gefunden werden, damit Indonesien sich in Würde zurüchziehen könne.

Kirche:

Exkommuniziert: Die orthodoxe Synode Russlands hat entschieden, den Führer der sogenannten ukrainisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Philaret, zu exkommunizieren. Dies teilte das Patriarchat von Moskau in einer Erklärung am Donnerstag mit. Philaret wird beschuldigt, das Schisma zwischen den beiden orthodoxen Kirchen noch verschärft zu haben.

Wiedereröffnung: Der ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I., rechnet damit, die theologische Hochschule auf der Insel Chalki im Herbst diesen Jahres wiedereröffnen zu können. Sie war vor einigen Jahren von der türkischen Regierung geschlossen worden. Bei einem Pressegespräch lobte Bartholomäus die Religionspolitik von Präsident Erbakan, der ein religiöser Mann sei. Er habe viel Verständnis für die christliche Minderheit, die in der Türkei keine Bürger zweiter Klasse darstelle.

Aktiver: Der Patriarch von Moskau und ganz Russland, Alexij II., hat am Dienstag seine Bischofskollegen aufgerufen, eine aktivere Rolle in der russischen Gesellschaft zu spielen. Vor allem sollten sie den Menschen helfen, die es in der jetzigen nachsowjetischen Gesellschaft schwer hätten. Es genüge nicht, Sozialarbeit zu leisten; die Kirche müsse auch in der Sozialpolitik tätig werden. Die religiöse Freiheit, die es jetzt gebe, dürfe nicht die sozialen Rechte beschneiden.

Priester ermordet: In Nigeria ist am Montag ein Priester von Unbekannten ermordet worden. Wie die staatliche nigerianische Nachrichtenagentur am Dienstag berichtete, brachen die Täter in das Haus von Emmanuel Isidi ein und erschossen ihn, nachdem sie zuvor zwei Wachen geschlagen und gefesselt hatten. Aus dem Haus wurde nichts entwendet. Isidi war einer von sechs Verteidigern in einem Gerichtsfall, bei dem es um Landstreitigkeiten geht.

Zauberei: Die Bischöfe von Zentralafrika haben ihre Gläubigen zu Beginn der Fastenzeig aufgerufen, die Zauberei aufzugeben. Das Phänomen habe sich in letzter Zeit immer weiter ausgebreitet. Die Gläubigen sollten alles tun, um sich aus der Gewalt der sogenannten Zauberer wieder zu befreien. Ferner ermahnen die Oberhirten die Katholiken, die Versöhnung untereinander zu suchen. Sie berufen sich dabei auf den kürzlichen Militäraufstand in Zentralafrika.

Zigeunerseelsorge: In Rom ist vor kurzem ein internationaler Kongreß für die Zigeunerseelsorge zu Ende gegangen. Auf der Tagesordnung standen unter anderem die Situation der Sinti und Roma in Osteuropa, sowie die Verbesserung der seelsorgerischen Betreuung dieser Volksgruppen. In einem Interview forderte jetzt der Roma-Seelsorger für Österreich, Werner Klawatsch, eine stärkere Integration der Zigeuner in die Kirche.

Deutschland:

Sozialwort: Die Bischofskonferenz hat am Mittwoch das gemeinsame Wort der Kirchen zu wirtschaftlichen und sozialen Fragen verabschiedet. Außerdem genehmigten sie das neue Caritas-Leitbild. Die Bischöfe befaßten sich weiter mit der Familienpolitik und der Medienpädagogik.

Schutz: Die bischöfliche Aktion Adveniat hat am Donnerstag die bolivianische Regierung aufgefordert, den deutschen Priester Hermann Stoffel zu schützen. Stoffel hatte mehrfach Todesdrohungen erhalten, weil er sich für die Rechte der Indios in seiner Pfarrei einsetzt. Als Drahtzieher werden die Großgrundbesitzer in der Region vermutet.

Weitere Meldungen:

Moskau - Bethlehem: Präsident Boris Jelzin hat jetzt Palästinenserpräsident Yassir Arafat eine Städtepartnerschaft zwischen Moskau und Bethlehem vorgeschlagen. Bei einer Begegnung zwischen den beiden Politikern lud Arafat seinen Gesprächspartner außerdem ein, im Jahr 2000 zu den Jubiläumsfeiern nach Bethlehem zu kommen. Ferner sprach der Präsident auch eine Einladung gegenüber dem orthodoxen Patriarchen Alexij aus und bat ihn, einen offiziellen Vertreter der russischen Orthodoxie für das Vorbereitungsgkomitee zu benennen.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz. - Seit dem 8. Dezember können Teile der Sendungen von Radio Vatikan über Radio Campanile empfangen werden. Das Programm können Sie über Astra auf einem Ton-Unterträger des Deutschen Sportfernsehens hören. Auf den Frequenzen 7,74 und 7,92 MHz. (Sendezeiten für Radio Vatikan-Beiträge: täglich um 7.15 Uhr, 11.15 Uhr und 19.15 Uhr)

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser und der kommenden Woche (20. bis 26. Februar):

Donnerstag: Kreuz-Feuer - Kirche, wo es kritisch wird. Heute zu dem Thema: Israel und der Vatikan

Freitag: Prisma-Magazin GEPLANTE BEITRÄGE: Fasten auch im Nahverkehr: Die Stadt Würzburg und ihr Fastenticket. - Die Deutsche Bischofskonferenz hat getagt: Ein Rückblick. - Vor 25 Jahren: Das Musical "Jesus Christ Superstar" feiert sein silbernes Jubiläum. - Nein zur Todesstrafe: Die US-amerikanischen Rechtsanwälte treten gemeinsam auf den Plan.

Samstag: Kommentar der Woche von Max Eugen Kemper und Radio-Exerzitien (3) von Anselm Grün

Sonntag: Aktenzeichen Pfarrer Kneipp von Aldo Parmeggiani.

Montag: Weltkirchenmagazin

Dienstag: Radio-Exerzitien (4) von Anselm Grün

Mittwoch: Die Römische Woche

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