vom 14 - 17. Februar 1997 + + +

Vatikan:

Embryos: Papst Johannes Paul II. hat am Freitag unterstrichen, daß jedes menschliche Wesen von seiner Empfängnis an das Recht hat, als Person behandelt zu werden. Vor der Päpstlichen Akademie für das Leben unterstrich er die Personalität des menschlichen Embryos. Er müsse vor jeder Instrumentalisierung geschützt werden. Der Papst kritisierte damit indirekt den Gebrauch von abgetriebenen Föten für kosmetische und medizinische Zwecke.

Audienz: Brasiliens Präsident Fernando Henrique Cardoso war am Freitag zu einem offiziellen Besuch beim Papst. Es war die erste Visite dieser Art eines brasilianischen Staatschefs - obwohl die diplomatischen Beziehungen bereits seit 170 Jahren bestehen. In seiner Ansprache an ihn ging Johannes Paul auch auf drängende Fragen Brasiliens ein, darunter eine Landreform und die Zukunft der Ureinwohner. Cardoso fordert eine Kooperation der brasilianischen Kirche mit der Regierung

Neue Diözese: Papst Johannes Paul II. hat der wachsenden Christengemeinde in Burkina Faso Rechnung getragen und in Manga eine neue Diözese errichtet. Geleitet wird sie von Wenceslaus Campaore, der zuletzt Generalvikar der Erzdiözese Ouagadougou war. In der etwa zehn Quadratkilometer umfassenden Diözese leben rund 40.000 Katholiken. Sie verteilen sich auf vier Pfarreien, die von elf Priestern und 23 Ordensfrauen betreut werden.

Arbeitslosigkeit: Papst Johannes Paul II. hat Vertreter der Regionalregierung von Latium zum traditionellen Besuch am Jahresbeginn im Vatikan empfangen. Wie er dabei erklärte, dürften die öffentlichen Behörden die alltäglichen Fragen nicht vergessen - besonders nicht das Problem der Arbeitslosigkeit.

Kritik: Der Vertreter der Palästinenser beim Apostolischen Stuhl, Afif Safieh, hat jetzt Israel beschuldigt, den Vatikan für seine Zwecke zu benutzen. Er kritisierte die Pläne für einen Besuch des Papstes in Israel als Versuch des Landes, einen Status Quo in Jerusalem festzulegen. Das sei nicht aktzeptabel und außerdem illegal, erklärte Safieh. Der Vatikan sei, so der Palästinenser weiter, für Israel nur ein Mittel, um für den Tourismus in dem Land zu werben.

Moskaubesuch: Die Zeit für einen Besuch des Papstes in Moskau ist noch nicht reif. Dies sagte der Führer der russisch-orthodoxen Kirche, Alexeji II., in einem Interview mit einer italienischen Tageszeitung, das am Montag veröffentlicht wurde. Obwohl sich die Beziehungen zwischen den beiden Kirchen in jüngster Zeit verbessert hätten, seien sie dennoch nicht einfach, meinte der Patriarch.

Menschenrechte:

Druck auf Regierung: Die Europäische Union hat die Gruppe der ASEAN Staaten aufgefordert, Druck auf das Militärregime in Burma auszuüben. In einer Stellungnahme, die am Freitag in Brüssel veröffentlicht wurde, erklärte die EU, die derzeitige Menschenrechtssituation in dem südostasiatischen Land sei unannehmbar. Hintergrund sind die Pläne der ASEAN-Staaten, Burma noch in diesem Jahr in ihre Wirtschaftsgemeinschaft aufzunehmen.

Hinrichtung: Amnesty international hat am Freitag eine Kampagne angekündigt, mit der eine Hinrichtung auf den Philippinen verhindert werden soll. Diese ist für den Sommer geplant. Dem Verurteilten wird vorgeworfen, seine Schwiegertochter, ein dreizehnjähriges Mädchen, vergewaltigt zu haben. Mit ihm warten noch 300 Inhaftierte auf den Philippinen auf ihre Hinrichtung.

Todesurteil: Ein Gericht in der ruandischen Hauptstadt Kigali hat am Freitag einen prominenten früheren Politiker zum Tode verurteilt. Er soll einer der wichtigsten Drahtzieher des Völkermordes von 1994 gewesen sein. Froduald Karamira, ein Tutsi, war Vizepräsident in der früheren Hutu-Regierung Ruandas. Er ist der ranghöchste der bislang Verurteilten.

Verurteilt: Eine Menschenrechtsgruppe in Ägypten hat am Samstag den Angriff auf eine Kirche im Süden des Landes verurteilt. Bei dem Überfall waren am letzten Mittwoch zehn Kopten getötet worden. Die Polizei soll 130 Personen zu Befragungen verhaftet haben. Die Menschenrechtsgruppe betonte in einer Erklärung "ihre Verurteilung und Ablehnung dieses schrecklichen Verbrechens." Es ziele darauf ab, die Sicherheit, die Verbindungen und die Harmonie zwischen Moslems und Kopten zu erschüttern. - Inzwischen hat die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen für die koptischen Christen erhöht. Das wurde am Samstag in Kairo bekanntgegeben.

Baustop: Der Premierminister Israels Benjamin Netanjahu hat den Bau einer jüdischen Siedlung in Ost-Jerusalem gestoppt. Nach Angaben eines Fernsehsenders will der Premier damit offensichtlich die angespannten Beziehungen zu den Palästinensern entkrampfen. Erst kürzlich hatte deren Führer Yassir Arafat gewarnt, der Bau neuer Siedlungen gefährde auf Dauer den Friedesprozeß.

Kinderarbeit: Die pakistanische Regierung hat am Samstag erklärt, ab sofort dürften keine Kinder unter 14 Jahren mehr an der Herstellung von Sport-Artikeln arbeiten. Der Staat wünsche, daß sie in die Schule gehen und nicht arbeiten müssen. Islamabad reagierte damit auf die Entscheidung der internationalen Sportartikel-Innung, Kinderarbeit zu verbietet.

Frauenrechte: Amnesty international will die Öffentlichkeit auf die weltweite Verletzung der Rechte von Frauen aufmerksam machen. Noch vor dem internationalen Tag der Frauen, dem 8. März, will die Menschenrechtsorganisation mehrere Fälle von Frauen, die Gewalt erfahren oder aus politischen Gründen ins Exil gehen mußten, öffentlich machen.

Krisengebiete:

Beigesetzt: Am Freitag ist der philippinische Bischof Benjamin de Jesus beigesetzt worden. Über 2000 Soldaten bewachten die Trauerfeierlichkeiten, an denen tausende von Muslimen und Christen teilnahmen. Im Anschluß an die Beisetzung kam es zu einem Unglücksfall, als einer der Bischöfe, die an den Feiern teilgenommen hatte, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Am Montag kam es zu Gerüchten, wonach das Flugzeug vor dem Unglück beschossen worden sein soll.

Vermittlung: Die arabische Liga drängt die Konfliktparteien im Sudan, eine Vermittlung der Vereinigten Arabischen Emirate anzunehmen. Das erklärte jetzt ihr Generalsekretär in Abu Dhabi. Er wies gleichzeitig jede ausländische Einmischung in den sudanesischen Bürgerkrieg zurück und bekannte sich zur Einheit des Sudan. Unter solchen Vorzeichen ist es unwahrscheinlich, daß die Rebellen von der Nationalen Demokratischen Allianz eine Vermittlung aus Abu Dhabi akzeptieren werden.

Wahlen: In Liberia sollen am 30. Mai Parlaments- und Präsidentschaftswahlen stattfinden. Das erklärten die Außenminister mehrerer Staaten der Region am Freitag in der Nähe der Hauptstadt Monrovia. Außerdem sei offiziell die Entwaffnung der Rebellen durch die westafrikanische Friedenstruppe ECOMOG beendet. Die Truppe sei stark genug, um den Fortgang des Friedensprozesses zu sichern, hieß es.

Entwaffnung: In Guatemala soll die Entwaffnung der Rebellen am 3. März beginnen. Das erklärten jetzt UN-Vertreter in Guatemala-Stadt. Es würden zur Zeit mehrere Lager eingerichtet, in denen die Rebellen ihre Waffen übergeben sollen. Die Überwachung dieser Aktion übernähmen unbewaffnete UN-Beobachter. Ende des vergangenen Jahres war in Guatemala ein drei Jahrzehnte dauernder Bürgerkrieg zu Ende gegangen.

Erfolg: Einen ersten Erfolg konnten die Friedensgespräche der Regierung von Nicaragua verzeichnen. Zwei Banden übergaben am Freitag freiwillig ihre Waffen dem nicaraguanischen Verteidigungsminister Jaime Cuadra. Dafür wurde ihnen Amnestie versprochen.

Rückschlag: In Mexiko haben die Friedensgespräche zwischen der zapatistischen Befreiungsarmee und der Regierung erneut einen Rückschlag erlitten. Für den Freitag war ein wichtiges Treffen geplant, zu dem die Mitglieder der Rebellenbewegung jedoch nicht erschienen. Sie erklärten, sie hätten ihre Zuflucht im Urwald nicht verlassen können, da das Militär seine Präsenz verstärkt habe.

Geschlossen: Nach dem Mord an einem britischen Soldaten am Donnerstag in Nordirland, haben sich die Regierungen der USA, Großbritanniens und Irlands bestürzt geäußert - aber auch entschlossen, sich dem Terrorismus der IRA nicht zu ergeben. US-Präsident Bill Clinton erklärte seinen Zorn und seine Trauer über das Attentat. Der britische Premierminister John Mayor betonte, er werde nicht den "mörderischen Bemühungen" der IRA nachgeben und den politischen Flügel der Terroristen, Sinn Fein, nicht zu Friedensgesprächen einladen.

Kirche:

Tewahedo: Das nächste Pro-Oriente-Treffen in Österreich dreht sich am kommenden Donnerstag umd die äthiopisch-orthodoxe Kirche. Die sogenannte "Tewahedo" ist eine der ältesten Kirchen des Christentums. Eingeladen wurde der Erzbischof von West Shoa und äthiopisch-orthodoxe Vertreter in der ständigen gemischten Theologenkommission, Abuna Gabriel. Er will über die Rolle seiner Kirche im Wiener Altorientalen-Dialog sprechen.

Bischofskonzil: Am Dienstag beginnt im Moskauer Danilow-Kloster ein Bischofskonzil der orthodoxen Kirche. Es wird sich eine Woche lang mit der derzeitigen Lage der Orthodoxie befassen. Die Versammlung der rund 150 Bischöfe tritt nur alle zwei Jahr zusammen. In der Zwischenzeit finden die örtlichen Konzilien statt. An der Versammlung nehmen auch die orthodoxen Bischöfe der baltischen und anderer Staaten teil, die ebenfalls unter der Oberhoheit des Moskauer Patriarchen stehen.

Abrufung gefordert: Der Vorsitzende des auswärtigen Ausschußes im US-amerikanischen Senat, Jesse Helms, hat am Freitag gefordert, den Botschafter beim Heiligen Stuhl, Raymond Flynn, abzuberufen - noch vor dem offiziellen Termin Mitte des Jahres. Als Grund wird genannt, daß Flynn illegal sn Wahlkampfgeldern bedient habe. Dies soll aus einem internen Bericht des Außenministeriums hervorgehen. Wie jedoch inzwischen ein Ministeriumssprecher erklärte, soll Flynn bis zum Sommer im Amt bleiben.

Rat der Moscheen: Der Rat aller Moscheen Frankreichs will den Dialog unter den französischen Muslimen in Gang bringen. Dazu wurde am Montag in Paris bekanntgegeben, daß eine Kommission unter Leitung des Rektors der Pariser Moschee, Dalail Boubakeur, zusammentreten wird. Dem Komitee sollen Repräsentanten der Muslime Frankreichs angehören. Es soll vor allem den Gedankenaustausch unter den Anhängern des Islam fördern. Rund drei Millionen Franzosen sind Muslime.

Weitere Meldungen:

Waffenhandel: Mehrere kirchliche Organisationen Südafrikas haben jetzt gegen die geplanten Waffenverkäufe ihres Landes an Syrien protestiert. Präsident Mandela hatte dazu erklärt, Südafrika richte sich in seinem Handel nicht nach den Wünschen der Vereinigten Staaten. Kirchenvertreter wiesen Mandela darauf hin, daß Syrien ständig die Menschenrechte verletze. Andere erinnerten den Präsidenten an die verheerenden Folgen, die die Waffenverkäufe des Apartheidregimes an die Untergrundkämpfer Mozambiques verursacht hätten.

Falscher verhaftet: Im Zusammenhang mit dem Mord an einem kanadischen Missionar in Ruanda vor zwei Wochen hat man offensichtlich den falschen Mann festgenommen. Das gab ein Staatsanwalt in Ruhengeri am Freitag bekannt. Der Mann habe sich zur Tatzeit nicht in der Gegend aufgehalten. Augenzeugen hätten zudem bestätigt, daß der Beschuldigte nicht der Mörder gewesen sei.

Beleidigung Christi: In Griechenland ist der Direktor einer Zeitschrift wegen Beleidigung Christi zu fünfzehn Monaten Gefängnis verurteilt worden. Das wurde jetzt aus Justizkreisen in Athen bekannt. In einem Artikel in der Monatszeitschrift "Max" hatte er das Leben Christi als "regellos" dargestellt. Wörtlich wird Jesus als "Superstar der Auflösung und der Sittenlosigkeit" bezeichnet. Der Anwalt des Beklagten legte Berufung ein und schob damit den Haftantritt hinaus. Hinter dem Verfahren steht ein Tauziehen zwischen traditionellen orthodoxen Kreisen und den sogenannten "Modernisten". Im Gerichtssaal waren mehrere Dutzend orthodoxe Gläubige mit Kreuzen und griechischen Fahnen erschienen.

Rushdie: Ein hoher Vertreter des iranischen Regimes, Ayatholla Javadi Amolo, hat die Fatwa gegen Salman Rushdie bekräftigt. Sie werde auf jeden Fall vollstreckt, sagte er in Teheran nach Zeitungsmeldungen. Rushdie erklärte derweil, daß in den letzten acht Jahren schon mehrmals Mordattentate auf ihn verübt worden seien. Er wirft Europa vor, nicht energisch genug gegen das Todesurteil zu protestieren, das Khomeni vor acht Jahren über ihn verhängt hat.

Kirchenvolksbegehren: Die Organisatoren des Kirchenvolksbegehrens in den Vereinigten Staaten haben am Sonntag an den Kirchentüren für ihr Anliegen geworben. Rund zwanzig Organisationen haben landesweit ein Kirchenvolksbegehren nach deutschem und österreichischen Muster gestartet. Gegenstand der Unterschriftensammlung sind das Frauenpriestertum, die Aufhebung des Zölibats und die Freiheit des persönlichen Gewissens bei sexualmoralischen Fragen.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz. - Seit dem 8. Dezember können Teile der Sendungen von Radio Vatikan über Radio Campanile empfangen werden. Das Programm können Sie über Astra auf einem Ton-Unterträger des Deutschen Sportfernsehens hören. Auf den Frequenzen 7,74 und 7,92 MHz. (Sendezeiten für Radio Vatikan-Beiträge: täglich um 7.15 Uhr, 11.15 Uhr und 19.15 Uhr)

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt

werden.

Magazine in dieser Woche (17. bis 23. Februar):

Montag: Weltkirchenmagazin GEPLANTE BEITRÄGE: "Dialog": Die Diözese Wien hat eine neue Mitgliederzeitung. - Kann die Focular-Bewegung Politik machen? - Ein Kurzportrait von Kardinal Martini. Dienstag: Radio-Exerzitien (2) von Anselm Grün

Mittwoch: Die Römische Woche GEPLANTE BEITRÄGE: Virtuelles Rom: Wie aus der Ewigen Stadt ein Disneyland wird. - Rom gesehen von Literaten: Besprechung eines Rom-Buches. - Das Jahr 2000: eine Konferenz zum Jubeljahr näher betrachtet.

Donnerstag: Kreuz-Feuer - Kirche, wo es kritisch wird. Heute zu dem Thema Israel

Freitag: Prisma-Magazin GEPLANTE BEITRÄGE: Fasten auch im Nahverkehr: Die Stadt Würzburg und ihr Fastenticket. - Die Deutsche Bischofskonferenz hat getagt: Ein Rückblick. - Vor 25 Jahren: Das Musical "Jesus Christ Superstar" feiert sein silbernes Jubiläum. - Nein zur Todesstrafe: Die US-amerikanischen Rechtsanwälte treten gemeinsam auf den Plan.

Samstag: Kommentar der Woche von Max Eugen Kemper und Radio-Exerzitien (1) von Anselm Grün

Sonntag: Sie schreiben - wir antworten Unsere Korrespondenzsendung.

So können Sie uns erreichen:

Wir freuen uns über Resonanz auf unsere Internetseiten aber auch auf unser Radioprogramm. Bitte schreiben Sie uns. Unsere Internet-Adresse ist:

mc6778@mclink.it
Radio Vaticana
Redaktion: Ruthild Kropp
Sezione tedesca, I-00120 Città del Vaticano
Telefax: 0 03 96 - 69 88 38 44

kostenfreies E-Mail-Abo der RV-News über: Rolf-Valentin Jouaux (jx@tap.de) (http://www.kath.de)

Radio Vatikan Archiv
Leitseite www.kath.de