vom 07. - 10. Februar 1997 + + +

Vatikan:

Papst Gesundheit: Papst Johannes Paul II. befindet sich auf dem Weg der Besserung. Am Samstag konnte er bereits mehrere Bischöfe der Philippinen in Privataudienz empfangen.

Fastenbotschaft: Anläßlich der Fastenzeit 1997 hat Papst Johannes Paul II. am Freitag zur Lösung des Obdachlosenproblems aufgerufen. Viele Menschen seien ohne ein Dach über dem Kopf, weil sie Flüchtlinge seien oder in Armut lebten, so der Papst in seiner Botschaft. (Eine Zusammenfassung finden sie zum Ende dieser Internetseiten.)

Israelbesuch: Der Papst möchte innerhalb der nächsten drei Jahre das Heilige Land besuchen. Dies teilte Kurienkardinal Edward Cassidy dem obersten Rabiner von Jerusalem, Meir Lau, am Montag mit. Cassidy, der der Päpstlichen Kommission für den Dialog zwischen der katholischen Kirche und dem Judentum vorsitzt, hält sich derzeit in Israel auf. Er betonte allerdings, daß der Papst trotz seines großen Wunsches in diesem Jahr nicht mehr ins Heilige Land werde reisen können. Viel hänge auch von der weiteren Entwicklung der Situation vor Ort ab.

Bischof für Gitega: Der Papst hat am Samstag den Bischof der burundischen Hauptstadt Bujumbura, Simon Ntamwana, zum Erzbischof von Gitega ernannt. Ntamwana wird damit Nachfolger des im vergangenen Jahr ermordeten Erzbischofs Bujumburas, Joachim Ruhuna.

Synode: Am Samstag hat der Papst auch die Mitglieder des vorsynodalen Rates für die Sondersynode Euorpa ernannt. Zu ihnen gehören u.a. der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, der Wiener Erzbischof, Christoph Schönborn, und der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Josef Ratzinger. Ebenso die Kardinäle Vlk aus Prag und Puljic aus Sarajewo. Papst Johannes Paul II. hatte die Europasynode während seines Berlinbesuches im vergangenen Juni angekündigt.

Angst vor Abwerbung: Der Präsident des Päpstlichen Rates Cor Unum, Erzbischof Paul-Josef Cordes, hat nach einem Moskaubesuch darauf hingewiesen, daß die orthodoxe Kirche nach wie vor Angst vor Abwerbung habe. Sie vermute hinter jeder humanitären Hilfe durch Katholiken Proselytismus. Daher sei jede Aktion eine delikate Sache.

Scharping: Der deutsche SPD-Fraktionsvorsitzende Rudolf Scharping ist am Freitag zu einem offiziellen Besuch in den Vatikan gekommen. Bei seinen Gesprächen traf er unter anderem mit Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano, mit Kardinal Ratzinger und dem Präsidenten des Päpstlichen Einheitsrates, Kardinal Edward Cassidy, zusammen.

Libanesischer Besuch: Der libanesische Regierungschef Rafic Hariri wird nach eigenen Angaben am 24. Februar zu einem Besuch im Vatikan erwartet. Das wurde am Samstag aus Beirut bekannt. Hariri war bereits im vergangenen Jahr zweimal mit dem Papst im Vatikan zusammengetroffen.

Libanesische Kritik: Der spirituelle Führer der libanesischen Hizbollah-Miliz hat derweil den Papst heftig kritisiert. Bei seiner Freitagspredigt sagte er, Johannes Paul sei zu weit gegangen mit seinen Worten "Gott segne Israel", die er am vergangenen Montag gegenüber dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu geäußert habe. Der Papst solle sich nicht wie ein westlicher Staatschef verhalten, betonte er. Derweil bat ein christlich-maronitischer Politiker aus Beirut Johannes Paul, von seiner geplanten Libanon-Reise abzusehen.

Menschenrechte:

Einreise erlaubt: Nigeria hat zwei UNO-Sonderberichterstattern die Einreise erlaubt. Das teilten die Vereinten Nationen am Freitag in Genf mit. Nach monatelangen Kontroversen werden die beiden Experten für etwa 10 Tage das afrikanische Land besuchen, um dort zu untersuchen, inwieweit willkürliche Hinrichtungen und die Unabhängigkeit der Justiz verbreitet sind. In den vergangenen Jahren war Nigeria immer wieder schwerer Menschenrechtsverletzungen beschuldigt worden.

Humanitäre Hilfe:

Lebensmittel: Laut Zeitungsberichten ist Südkorea jetzt dazu bereit, US-amerikanischen Lebensmittelhilfen für Nordkorea zuzustimmen. Damit erhofft sich die Regierung in Seoul das Einverständnis Pjöngjangs zur Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen. Bisher hatte Südkorea Lebensmittelhilfen an den verfeindeten Norden abgelehnt.

Finanzen: Der Vatikan hat im vergangenen Jahr zahlreiche Länder des asiatischen Kontinents mit finanzieller Hilfe unterstützt. Das geht aus dem Jahresbericht des Päpstlichen Rates Cor unum hervor, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Hilfe erhielten Staaten wie Nepal, die Mongolei - aber auch Thailand und Bangladesh. Mit den Spenden, die sicherlich symbolisch zu verstehen sind, will der Apostolische Stuhl demonstrieren, daß ihm die Sorge um alle Menschen, ganz gleich welcher Religion, wichtig ist. 15.000 US-Dollar gingen auch an die Volksrepublik China.

Krisengebiete:

Erste Ermittlungserfolge: Die Behörden der Philippinen haben zwei Männer festgenommen, die verdächtigt werden, den Bischof von Jolo, Benjamin de Jesus, ermordet zu haben. Ein Polizist, der Augenzeuge des Mordes gewesen ist, hatte die beiden, Vater und Sohn, identifiziert.

Aus Unmut: Die letzten Ausschreitungen in Indonesien, bei denen vierzehn Personen ums Leben kamen, sollen durch den Unmut der Bevölkerung ausgelöst worden sein. Dies haben Mitglieder der größten muslimischen Organisation des Landes am Freitag in einer Erklärung mitgeteilt. Die Menschen seien durch "Armut und die Unfähigkeit der Regierung" frustriert gewesen, heißt es dort.

Nicht verantwortlich: Inzwischen hat die Regierung in Jakarta die Verantwortung für die jüngsten ethnischen Rivalitäten in der Provinz Kalimatan zurückgewiesen. Bis jetzt sei unklar, von wem die gewaltsamen Übergrife ausgegangen seien, bei denen es in den vergangenen Tagen mehrere Tote und Verletzte sowohl unter Muslimen als auch unter Christen gegeben hat.

Unruhen: Mit Aufständen demonstrieren junge Muslime im äußersten Westen Chinas für ihre Unabhängigkeit. Wie ein Polizeisprecher am Montag mitteilte, gaben chinesische Polizisten Warnschüsse auf Gruppen ab, die Menschen zu Tode prügelten und Autos anzündeten.

Freigelassen: Zwei Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuzes, die am Mittwoch in Tadschikistan entführt worden waren, sind wieder auf freiem Fuß. Sie seien wohlauf und ohne Bedingungen freigelassen worden, erklärte ein Sprecher der Organisation am Freitag in Genf. Nach wie vor befinden sich dagegen 9 UN-Mitarbeiter sowie 5 russische Journalisten in der Gewalt tadschikischer Geiselnehmer. Am Samstag wurde auch der tadschikische Minister für Sicherheit von den Rebellen als Geisel genommen, als er versucht hatte, Verhandlungen aufzunehmen.

Wahlbeobachter: Der algerische Präsident Liamin Zeroual hat am Donnerstag die Vereinten Nationen, die arabische Liga und die Organisation für die Einheit Afrikas aufgefordert, Beobachter für die nächsten Wahlen zu benennen. Bei der letzten Wahl 1995 waren ebenfalls Abgesandte dieser drei Organisationen vor Ort - jedoch nicht bei dem Referendum im November letzten Jahres. Die führenden Oppositionsparteien erklärten bereits, an den geplanten Wahlen teilnehmen zu wollen.

Kirche:

Bilanz: In Kolumbien tragen die Korruption, die neoliberale Politik und die ungleichen Löhne die Schuld an der Verarmung weiter Teile der Bevölkerung. Diese Diagnose stellten die Bischöfe am Freitag zum Abschluß ihrer Frühjahrstagung. Besonders beunruhigt sind sie über die Situation der etwa 700.000 Menschen, die wegen bewaffneter Konflikte aus ihren Dörfern wegziehen müssen. Mit scharfen Worten geißeln die Bischöfe Kolumbiens Modell eines neoliberalen Kapitalismus, das "geradezu perverse Folgen für die Kolumbianer habe".

Deutschland:

LEIDER KÖNNEN WIR IHNEN NICHT MEHR DIE GLEICHE VIELFALT AN NACHRICHTEN AUS DEUTSCHLAND BIETEN, DA DIE KATHOLISCHE NACHRICHTENAGENTUR KEINE ZWEITVERWENDUNG IHRER MELDUNGEN IM INTERNET MEHR GESTATTET.

Segen: Die Synode der lutherischen Nord-Elbischen Kirche hat am Sonntag entschieden, daß eingeschlechtliche dauerhafte Lebensgemeinschaften den kirchlichen Segen erhalten können. Er beziehe sich nicht auf die Gemeinschaft als solche, sondern auf jede der beiden Personen. Die Bischöfe Karl-Ludwig Kohlwage und Hans-Christian Knuth wollen prüfen, ob sie ein Veto gegen die Synodenentscheidung einlegen.

Weitere Meldungen:

Pädophilie: Erstmals ist ein Ausländer in Sri Lanka verurteilt worden, weil er sexuellen Kontakt mit Minderjährigen gehabt hat. Der Schweizer wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Das asiatische Land möchte ihn jedoch so schnell wie möglich in die Schweiz abschieben.

Kampagne: Die Regierung Sri Lankas hat am Montag eine Kampagne zum Schutz von Kindern gegen sexuelle Ausbeutung begonnen. Alle Bewohner der Insel sollen auf das Problam aufmerksam werden. Dazu wurde ein eigener Beaugtragter berufen. Er soll sich auch um das Problem der Kinderarbeit kümmern.

Gefängnisse: In Bangladesh sollen jetzt 1.000 Gefangene Amnesty erhalten. Damit sollen die überfüllten Haftanstalten ein wenig geleert werden. Wie ein Angestellter des Staatssekretariats am Freitag mitteilte, gebe es 44.000 Inhaftierte in 76 Gefängnissen, die damit mit mehr als der doppelten Anzahl an Personen belegt seien.

Landrechte: Die Landrechte der Ureinwohner Australiens sind seit einer Gerichtsentscheidung Thema einer bewegten Debatte. Die Rechte der Ureinwohner sollen jetzt nämlich auch solches Land betreffen, das verpachtet ist. Premierminister John Howard hat zu einem runden Tisch eingeladen, um im Gespräch eine Lösung zu finden. Doch die Vertretung der Ureinwohner hat damit gedroht, dem Treffen fern zu bleiben.

Amnestie: Die russische Duma hat am Freitag prinzipiell einen Beschluß verabschiedet, der solchen Personen Amnestie gewährt, die im Tschetschenien-Konflikt "illegale Aktionen" unternahmen. Das berichtet die Nachrichtenagentur "interfax". Somit würden alle russischen Soldaten, die während des Krieges desertierten, begnadigt werden - aber auch die tschetschenischen Unabhängigkeitskämpfer.

Die Fastenbotschaft von Papst Johannes Paul II.

Matthias Kopp, Rom

In der am Freitag veröffentlichten Botschaft zur Fastenzeit, hat sich Papst Johannes Paul II. das Thema der "Obdachlosigkeit" zu eigen gemacht. So wie Israel in der Wüste ohne ein Dach über dem Kopf war, so ergehe es heute zahlreichen Menschen in der Gesellschaft, schreibt der Papst. Die Fastenzeit könne eine Chance sein, das fürsorgliche Handeln Gottes wiederzuentdecken. Die 40 Tage bis zum Osterfest seien - so der Papst wörtlich - "eine Zeit der Solidarität angesichts der schwierigen Lage, in der Menschen und Völker in so vielen Teilen der Welt leben." Die Wohnung, das Zuhause, seien der Raum der Familiengemeinschaft. Unter einem gemeinsamen Dach würden sich besonders die Kinder ihre Lebensgewohnheiten aneignen, die sie zu Bürgern und Christen von morgen machen. Im Zuhause, so Johannes Paul II., erlebt der alte und kranke Mensch jene Atmosphäre der Zuwendung und Liebe, die ihm hilft, auch die Tage des Leidens zu überwinden. Der Papst erinnert in seiner Botschaft an die Opfer von Kriegen und Naturkatastrophen. Besonders deutlich ist seine Sorge für jene Menschen, denen es die Sozialrente nicht erlaubt, eine menschenwürdige Wohnung zu einem annehmenbaren Preis zu erhalten. Für die kommenden 40 Tage der Fastenzeit ruft der Papst zu gelebter Solidarität auf.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz. - Seit dem 8. Dezember können Teile der Sendungen von Radio Vatikan über Radio Campanile empfangen werden. Das Programm können Sie über Astra auf einem Ton-Unterträger des Deutschen Sportfernsehens hören. Auf den Frequenzen 7,74 und 7,92 MHz. (Sendezeiten für Radio Vatikan-Beiträge: täglich um 7.15 Uhr, 11.15 Uhr und 19.15 Uhr)

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt

werden.

Magazine in dieser Woche (10. bis 16. Februar):

Montag: Fastnachtssendung

Dienstag: Weltkirchenmagazin GEPLANTE BEITRÄGE: Philippinen: Nach dem Bischofsmord. Ein Gespräch. - Botschaft zum Welttag der Kranken, der an diesem Dienstag begangen wird. - Equador: Die Bischöfe zur politischen Lage. Ein Bericht. - Hintergründe zum Treffen deutsch-tschechischer Bischöfe am Wochenende im tschechischen Franzensbad.

Mittwoch: Die Römische Woche GEPLANTE BEITRÄGE: Virtuelles Rom: Wie aus der Ewigen Stadt ein Disneyland wird. - Kardinal Cassidy auf Dialogreise in Israel. - Die Hilfsorganisation des Papstes, der Rat Cor Unum, legt ihre Jahresbilanz vor. - Ein römischer Buchtip: Wie der Papst gewählt wird.

Donnerstag: Kreuz des Südens

Freitag: Prisma-Magazin GEPLANTE BEITRÄGE: Würzburg: Fastentickets im Nahverkehr. - Berlin: Der Erzbischof läßt sich von Frauen beraten, ein Hintergrund. - Vatikan: Nach dem Staatsbesuch von Brasiliens Staatspräsident Fernando Cardoso.

Samstag: Kommentar der Woche von Max Eugen Kemper und Radio-Exerzitien (1) von Anselm Grün

Sonntag: Sie schreiben - wir antworten Unsere Korrespondenzsendung.

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